Meine Familie sieht uns nur als Geldquelle

    • (1) 11.06.18 - 20:55
      Goldesel123

      Guten Abend zusammen,

      Mein Anliegen würde genauso in Familienleben passen, aber es ist mir lieber in schwarz schreiben zu können.
      Ich muss leider etwas weiter ausholen und danke jedem, der alles liest!

      Mein Mann und ich sind seit 4 Jahren ein Paar. In letzter Zeit gibt es in unserer sonst sehr harmonischen Ehe ein großes Streitthema.

      Ich komme aus einer Familie, in der wenig Geld an der Tagesordnung war. Ich habe deshalb früh gelernt, mit Geld umzugehen und behaupte, das zu können. Als ich mit 18 auszog, unterstützt von Jugendamt und Betreuerin, gab es immer Phasen, in denen es nicht so klappte und meine Mutter mir etwas lieh. Mal 25 Euro, mal 50. Bald hatte ich den Dreh mit eigenem Geld dann aber raus.

      Jetzt zum Problem:
      Durch meinen Mann sind wir als Familie finanziell recht gut aufgestellt. Ich bekomme momentan Elterngeld und er arbeitet Vollzeit.
      In letzter Zeit nimmt es etwas Überhand, dass alle sich von uns Geld leihen.
      Prinzipiell stört es mich nicht. Da mein Mann aber momentan Hauptverdiener ist, frage ich ihn natürlich vorher. Bisher hat er immer "von mir aus" gesagt.
      Generell scheint meine Familie zu denken, dass meinem Mann das Geld zufliegt. Er arbeitet aber viel dafür, freiwillige Samstage, Sonntage oder Feiertage, die natürlich besser bezahlt werden. Es gibt Phasen, da arbeitet er 13 Tage am Stück.

      Einige Beispiele:
      Meine kleine Schwester ist zum Studieren umgezogen und brauchte 500 Euro für die Mietkaution. Sie hatte bereits einen Job gefunden, also haben wir zugesagt. Einen Monat später war das Geld wieder auf meinem Konto. Alles gut also, das stört mich nicht.

      Der Mitbewohner meines Bruders fragte nach 100 Euro. Mit dem habe ich nichts zu tun, ihn nur ein paar Mal gesehen. Aber da ich Nachteile für meinen Bruder sah (leerer Kühlschrank), sagte ich mit mulmigem Gefühl zu. Recht war es weder meinem Mann noch mir.

      Jede Woche kommt aus irgendeiner Ecke die Bitte um Geld. Oder im Café wird davon ausgegangen, dass ich zahle. Wenn ich für mitgebrachte Einkäufe gerne das Geld wieder hätte, werde ich von meiner Mutter böse angeschaut.


      Nun zum Streitproblem:
      Meine Mutter hat Probleme mit ihrem 20 Jahre alten Auto. Die Reparatur würde vermutlich 200 Euro kosten, sie war nicht in der Werkstatt und wollte auch nicht, dass ein befreundeter Automechaniker mal drüber schaut. Lieber ein neues. Sie hatte bereits einige angeschaut und sich mit Gebrauchtwarenhändlern in Verbindung gesetzt, zwei reservieren lassen und dann uns um Geld gefragt. 1200 Euro brauchte sie.
      Mein Mann und ich haben uns besprochen, die Entscheidung fiel schwer. Wir haben zwar etwas gespart, fahren aber selber einen Corsa B, der 20 Jahre alt ist und nur ein Dreitürer. Mit Maxi Cosi einfach unpraktisch und viel zu kleiner Kofferraum. Wir wollten Anfang des Jahres nach einem neuen schauen.
      Wir gaben meiner Mutter eben das Geld unter der Bedingung, es Anfang des Jahres wieder zu haben. Sie kaufte ein Auto.
      Auf dem Rückweg hielten wir spontan beim Dacia Händler (mein Mann hätte gerne einen Dokker). Da erfuhren wir, dass die Lieferzeit für Benziner momentan bei gut 9 Monaten liegt. Also haben wir uns Morgen einen Termin zur Probefahrt und bestellen geben lassen.

      Ich habe ein sehr ungutes Gefühl. 200 Euro pro Monat müsste meine Mutter sparen, um uns die Summe Anfang des Jahres geben zu können. Ohne diese 1.200 Euro können wir das Auto nicht bezahlen (mein Mann zahlt generell alles auf einmal. Ist das Geld nicht da, wirds nicht gekauft). Klar haben wir noch Zeit zum Sparen, aber diese Zeit ist einkalkuliert. Jetzt haben wir den Preis des Autos noch nicht zusammen.

      Ich fühle mich wie eine undankbare Göre, dass ich Zweifel an meiner Mutter habe bzw generell überlegen muss, ob ich ihr Geld leihe. Sie hat mir früher auch ausgeholfen. Aber es ist eben nicht MEIN Geld, es ist das Geld meines Mannes. Mein Elterngeld sind nur 425 Euro und die fallen ab Oktober auch weg.
      Andauernd werden wir belächelt oder bekommen sarkastische Kommentare ("als ob", "gerade ihr"), wenn ich sage dass wir momentan kürzer treten müssen. Mein Mann hatte ein Knie OP und fällt auf unbestimmte Zeit aus, mindestens aber 4 Wochen. Keine Extraarbeit, was netto schon 400 Euro ausmacht.

      Aber... Ach, ich weiß nicht mal, was dieser Post soll. Mein Mann war heute etwas stinkig. "Ich hab das Gefühl, deine Familie sieht uns nur als Geldquelle. Sch**ße ich das Geld vielleicht?! Für sowas sind wir gut genug."
      (Es ist aber nicht nur das Geldthema, es gibt einige Baustellen mit meiner Familie, gerade mit meiner Mutter).

      Aber ich kann doch nicht "nein" zu meiner eigenen Mutter sagen? :(

      Vielen Dank fürs Lesen! Und danke an alle, die sich die Mühe machen zu Antworten.

      Mulmige Grüße

      • Deine Mutter kauft lieber einen Gebrauchten, als ihr Auto für 200 Euro reparieren zu lassen? Und was geht Dich der leere Kühlschrank des Mitbewohners Deines Bruders an?

        • (3) 11.06.18 - 21:09

          Der aktuelle Wagen war ja schon gebraucht beim Kauf und sie hat immer wieder was reinstecken müssen. Daher würde es sich nicht lohnen, noch mehr reinzustecken. So ihre Argumentation.

          Mein Bruder und sein Mitbewohner teilen sowas wie einkaufen. Hat der Mitbewohner keine Möglichkeit dazu, steht mein Bruder dumm da (er bekommt Hartz IV, Mitbewohner arbeitet, falls das eine Rolle spielt).

          • (4) 12.06.18 - 19:00
            queen-of-the-green

            Damit verhinderst du dass dein Bruder sich zu einem Erwachsenen entwickelt. Solche Peanuts muss er doch selber lösen können. Das Muster vom Geldleihen und selben nicht für sich sorgen können, wird immer weiter so gehen.

            Laß ihn doch mal eine Woche einen leeren Kühlschrank haben, eine gute heilsame Erfahrung.

      (6) 11.06.18 - 21:12

      Natürlich kannst du "Nein" sagen, denn im Grunde ist das Verhalten deiner Mutter unverschämt. Wem die Reparatur im Freundeskreis nicht gut genug ist, der geht halt zu Fuß.

      Dreh den Geldhahn zu, von allen Beispielen war einzig die Kaution deiner Schwester irgendwie fair. Den restlichen Schmarotzern würde ich den Marsch blasen.

      Du hast Glück, das dein Mann langsam stinkig wird....er hat recht. Sein bisheriges "von mir aus" drückt doch eigentlich schon genug seinen Unwillen aus und du hast nicht registriert.

      Wach auf, sie nehmen euch aus wie eine Weihnachtsgans. Willst du rausfinden, wie sie wirklich ticken? Dann dreh den Geldhahn zu....an ihren Reaktionen wirst du es erkennen.

      • (7) 12.06.18 - 08:46

        Danke für deine Antwort!
        Der Geldhahn ist auch erst mal zu, es reicht. Mein Mann und ich haben uns gestern unterhalten. Besonders wegen unserem Autokauf müssen wir endlich nein sagen. Er war angenehm überrascht, dass ich das Thema von mir ansprach.

    Huhu,

    also prinzipiell denke ich, Familie ist ja da um sich untereinander zu helfen. Allerdings sollte dass natürlich nicht einseitig sein und man sollte sich nicht ausgenutzt vorkommen.

    Wäre es denn möglich, dass ihr mal alle zusammen redet? Vielleicht könnt ihr eure Sicht mal erklären, wie ihr euch fühlt? Vielleicht ist das den anderen so nicht bewusst?

    Geld ist leider immer ein sehr schwieriges Thema.
    Sonst müsst ihr einfach nein sagen und die Gründe erklären.

    LG und alles gute

Natürlich kannst du nein sagen! wenn dein mann nicht so gut verdienen würde, müssten sie alle auch überleben. abgesehen davon ist es ein riesen Unterschied, ob ich jemanden 50€ leihe, weil sein Kühlschrank leer ist oder 1200€ weil jemand sich ein auto kaufen möchte, wozu im Moment das geld fehlt.
Red im ruhigen moment mit deiner Mama und erklär ihr die Sachlage quasi; im Notfall helfen wir gerne mit 50€ aus, für "Luxus" musst du halt sparen! oder so ähnlich.. Anschließend konsequent den Geldhan zudrehen, ansonsten lernen sie es nicht.
liebe Grüße

Es kommt ja auch immer darauf an, was zurückkommt. Der Mitbewohner von deinem Bruder soll seine Eltern oder seine eigenen Geschwister anpumpen, nicht dein Problem. Die Eltern könnten z.B. auf die Kinder aufpassen oder euch als Familie anderweitig entlasten, wenn ihr mal einen Moment für euch braucht. Dann wäre es aus meiner Sicht ein Handel, von dem alle profitieren. Permanente Zahlungen, um ein systematisches Defizit zu decken, finde ich dagegen fehl am Platz. Bestenfalls, wenn die Eltern in einem wesentlich ärmeren Land wohnen, wo man auf Zahlungen von Kindern angewiesen ist. Oder dann halt als einmaliges Geschenk zum Geburtstag o.ä., nicht als permanente Zahlung.

Ich hätte der Mutter den Corsa angeboten. Natürlich darf man zu seiner Mutter auch "nein" sagen. Bei manchen Müttern muss man das sogar dringend.

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