Mein Mann betrügt mich

    • (1) 18.06.18 - 21:09

      Hallo,

      Ich brauche mal einen Rat, wie ihr die Sache seht. Mein Mann und ich sind 7 Jahre zusammen, seit 3 Jahren verheiratet. Wir hatten bis dato meiner Meinung nach eine harmonische, glückliche Ehe. Wir wollten unser Glück mit einem Kind perfekt machen. Leider ist unser Kind schwerbehindert durch einen Gendefekt zur Welt gekommen.

      Wir hatten eine schwere Zeit, die Diagnose war ein schwerer Schock für uns. Jedoch haben wir es ganz gut gemeistert. Ich dachte, es geht endlich wieder Berg auf, doch ich wurde misstrauisch, weil mein Mann sehr oft mit einer Kollegin geschrieben hat. Er hat sein Handy vor mir versteckt. Ich habe ihn einmal vor etwa einem halben Jahr gebeten, sich nicht mit ihr zu treffen. Er hat es dennoch getan und meinte, er wollte nur über die Arbeit reden. Naja, vor vier Wochen habe ich in sein Handy geguckt und gesehen, dass sie sehr intimes geschrieben haben. Dass mein Mann gerne bei ihr liegen würde und sowas. Mir ist so schlecht geworden. Er war zwar nicht mit ihr im Bett, aber es hat eigentlich nicht mehr viel gefehlt.

      Ich versuche momentan mit diesem Vertrauensbruch fertig zu werden. Das schlimme ist, er hat mit der Kollegin sehr persönliche Dinge geschrieben, er hat sich auch in sie verliebt. Damit komme ich schlecht zurecht. Meinem Mann tut es sehr leid und er möchte uns nicht verlassen.

      Ich habe jetzt das Gefühl, nicht richtig frei in meiner Entscheidung zu sein. Alleine mit einem Schwerbehinderten Kind ist nicht so einfach. Ich wüsste gar nicht, wie ich das schaffen soll. Und dann ist da die Sache, dass ich das Gefühl habe, dass er zu der anderen wollte, weil ich „nicht richtig funktioniert“ habe durch die Belastung mit dem Kind. Erstaunlich ist, dass die Kollegin mir extrem ähnlich ist in den Interessen, nur eben fröhlich und unbeschwert. Wie seht ihr das? Kann eine ansonsten gute Beziehung das aushalten? Ich bin ziemlich ratlos momentan. Entschuldigung für den langen Text.

      • (2) 18.06.18 - 21:20

        Ob eine Beziehung das überstehen kann ist ja auch abhängig davon, wie es zukünftig weiter geht. Wird er den Kontakt zu der "Kollegin" abbrechen? Wie steht es um seine Gefühle zu ihr?

        Es ist gut nachvollziehbar, dass Du Dich abhängig fühlst und nicht frei in Deiner Enrscheidung bist...

        • Den Kontakt hat er sofort abgebrochen. Natürlich sehen sie sich auf der Arbeit, aber er schreibt nicht mehr mit ihr und trifft sich nicht mehr mit ihr vor der Arbeit. Er meint auch, er sei nicht mehr verliebt in die andere und das ganze hätte ihm die Augen geöffnet. Trotzdem finde ich, dass man sowas einfach nicht macht in einer Beziehung, selbst wenn der Alltag mit Kind nicht so ist wie ursprünglich gedacht. Und mein Vertrauen in ihn ist durch die Sache komplett zerstört. Ich weiß auch nicht, ob sich sowas mit der Zeit wieder herstellen kann.

          • (4) 19.06.18 - 06:29

            Das schwierige an der Situation ist ja, dass er sie trotzdem jeden Tag sieht, oder? Das wäre für mich schwer zu ertragen.

            Trotzdem, ohne ihn in Schutz nehmen zu wollen, kann man von außen und ohne gefühlsmäßig involviert zu sein, sein Verhalten nachvollziehen. Es war wohl die Fluch zurück in ein sorgenfreies Leben und ich kann mir gut vorstellen, dass er jetzt wach gerüttelt wurde.

            Mein Mann hat mich vor 10 Jahren auch betrogen, angeblich ohne Sex, aber schlimm genug. Auch wir waren damals in einer sehr schweren Phase unserer Ehe. Ich will darauf nicht näher eingehen, kann Dir nur sagen, dass es sehr schwer ist und sehr lange dauert, wieder zu vertrauen. Es hat mich damals so sehr verletzt, das kann man nicht beschreiben. Ich tut mir auch nach 10 Jahren noch weh, wenn ich, wie jetzt, daran erinnert werde. Aber mit der Zeit wird es besser, nur vergessen werde ich es nie. Wir sind immer noch zusammen und glücklich und ich bin sehr froh, ihn damals nicht verlassen zu haben. Aber das wird bei Dir die Zeit entscheiden...

            Und wegen der Hilfen könntest Du doch Deinen Kinderarzt oder die Krankenkasse fragen.

            Ganz liebe Grüße und viel Kraft!!!

      Du tust mir leid...
      Klar das Du Dich nicht frei entscheiden kannst.
      Aber Du siehst es ist drigenst Notwendig Dir eine "Helfertruppe" aufzubauen.
      Es gibt Unterstützung um Dich zu entlasten aus dem Sozialen Diensten. Das muss man aber beantragen und hat damit ein gewisses Kontingent an Stunden bzw. Fördermitteln zur Verfügung.
      Darüber würde ich mich informieren.
      Ich weiß nicht wie Du das siehst aber MIR kommt es so vor als wäre er nur noch "pro Forma" bei Euch bzw. will aus diesem Grunde bleiben.
      Klar es ist nicht einfach eine so niederschmetternde Diagnose zu bekommen und jeder hat so seinen Weg damit "fertig" zu werden.
      Ist aber noch lange kein Grund in die Arme einer anderen zu verschwinden.
      Am Anfang mag das nur das offene Ohr für die Sorgen und Nöte gewesen sein...... weil Ihr als Eltern wahrscheinlich nur noch das Gesprächsthema Kind hattet.... IST AUCH KEIN VORWURF!!!!! weil es normal ist .....
      Aber ihr habt Euch durch den Schicksalsschlag als Paar irgendwo verloren.
      Das bedeutet ganz viel "Arbeit" auf beiden Seiten.
      Nicht nur Du musst es wollen ... ER auch und DA würde ich mir ganz sicher sein wollen.
      Das musst Du ihm auch sagen das Du da Schwierigkeiten hast auf "Reset" zu drücken und einfach weiter zu machen wie bisher... ER muss verstehen das das ao nicht weiter gehen kann.
      Holt Euch professionelle Hilfe und arbeitet das gemeinsam auf.... das würde ich auch klar so komunizieren.....
      Das eine "unbelastete " Frau interessanter ist als eine Frau die gerade nicht weiß wo ihr der Kopf steht aus lauter Sorgen, Ängste und Schlafmangel ist eine Logik.....
      UND mach Dich deswegen nicht kleiner als Du bist!!!
      Das müssen andere erstmal wuppen....was Du bisher geschafft hast!!

      • Danke für deine Antwort. Also mein Mann hat jeglichen Kontakt zu der Kollegin, soweit das möglich ist, da sie ja nun mal zusammen arbeiten, abgebrochen. Er hat ihre Nummer gelöscht und hat mir versichert, dass es ihm Leid tut, er sich das selbst nicht erklären kann und er uns nicht verlassen möchte. Seine Verliebtheit ist angeblich auch vorbei und er meinte, dass das ein Weckruf für ihn gewesen sei so etwas nie wieder zu tun. Er sagt immer wieder, dass er mich und unseren Sohn liebt und die andere nur so ne Art Kick war. Allerdings hätte ich mich früher sofort getrennt, weil Fremdgehen, auch wenn es „nur“ emotional ist (was ich eher noch schlimmer finde) für mich absolut nicht geht. Ich verstehe auch einfach nicht, warum er alles aufs Spiel setzt. Wir hatten echt ne schlimme Zeit, aber das ist doch kein Grund zu ner anderen zu gehen, weil es gerade mal schwierig ist. Ich denke, ich brauche wirklich ein Netzwerk, dass mir hilft. Weißt du, bei welchen Sozialdiensten man was beantragen kann? Noch mal vielen Dank für deinen Rat!

        • Versuch es mal da.. das hab ich so eben auf die schnelle gefunden....

          nformationen zur Antragstellung auf Leistungen erhalten Sie bei der zuständigen Stelle z.B. bei Kranken- und Pflegekassen, Versorgungsamt und Sozialamt. Anträge sollten immer schriftlich gestellt werden.

          Nach §16 Abs.2 SGB I müssen Anträge von einem nicht zuständigen Leistungsträger an den zuständigen Leistungsträger weitergeleitet werden. Wenn Sie also nicht sicher sind, bei wem Sie Ihren Antrag stellen müssen, bitten Sie um Weiterleitung zur zuständigen Stelle.

          Allgemeine Informationen gibt die Broschüre „Mein Kind ist behindert – diese Hilfen gibt es“ vom Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte, Brehmstr. 5-7, 40239 Düsseldorf. Auch das Kindernetzwerk informiert über Krankheiten, Behinderungen, Reha-Einrichtungen.

          Seit 2008 gibt es einen Anspruch auf ein persönliches Budget. Auf Antrag können Sie in Höhe der Leistungen, auf die Sie Anspruch haben einen Geldbetrag ausbezahlt bekommen und selbst entscheiden, bei welchem Anbieter Sie die Leistungen „einkaufen“. Informationen über das persönliche Budget finden Sie in der kostenlosen Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales „Das trägerübergreifende Persönliche Budget“.

          Der Paritätische Wohlfahrtsverband führt eine Liste der Beratungsstellen. Beratungstelefon 0180 2216621

    (8) 18.06.18 - 21:42

    Ohje du arme, dass tut mir voll leid für dich :(
    Ist eine schwierige Situation.
    Ich könnte mit dem Mann nicht mehr zusammen sein, zudem wenn er auch noch sagt er sei in sie verliebt.
    Und da sieht man dass er total verantwortungslos ist.
    Er sagt er will bei euch bleiben, ja warum macht man dann sowas ?
    Er zerstört dein Vertrauen u evtl. die Beziehung.
    Ich kann dich sehr verstehen dass es für dich schwierig ist Vorallem Kind und diese Situation.
    Aber mehr kann ich Dir leider nicht helfen :(
    Fühl dich gedrückt

(11) 18.06.18 - 23:12

Liebe Ratinaz,

leider ist es gar nicht so selten, dass -meist Männer- sich nach einem "unbelasteten" Leben umgucken, weil sie den Alltag mit einem behinderten Kind nicht leben wollen/können.
Ich habe das schon oft mitbekommen, auch, da ich wegen meinem Kind viel Austausch in der Richtung hatte.
Vielleicht war es von seiner Seite nur eine kurze Fantasie (du beschreibst die Frau als eine unbelastete Version deiner selbst) - aber auch dann musst du entscheiden, ob du noch die Kraft dafür hast, an eurer Ehe zu arbeiten.
Auf jeden Fall höre auf den Rat, dir ein stabiles Helfernetz aufzubauen! Nimm alles, was dir angeboten werden kann und was dich entlastet!
Ich bewundere deine Stärke und wünsche dir Menschen an deiner Seite, die dir beistehen.
Alles Liebe!

  • Danke für deine Antwort. Hast du auch ein besonderes Kind? Oder woher hast du das schon öfter mitbekommen? Die Angst hatte ich von Anfang an, das die Ehe mit behindertem Kind in die Brüche gehen könnte. Mir wurde das tatsächlich von einem Arzt gesagt, ich solle auf meinen Mann aufpassen. Fand ich damals voll daneben. Allerdings kümmert sich mein Mann ja liebevoll um den kleinen und da dachte ich nicht, dass wir das nicht schaffen könnten. Sein Verhalten, dass liebevolle kümmern um uns und unser gemeinsamer Alltag steht im krassen Gegensatz zu dem, was er sich geleistet hat. Von den wenigen, die es wissen, hätte ihm das keiner zugetraut. Ich am allerwenigsten.

(13) 19.06.18 - 06:34
....Chance_geben....

Eigentlich bin ich bei sowas für Trennung, aber bei euch würde ich ihm eine Chance geben.

Er war in einer Extremsituation und überfordert, sicher, das war auch so bei dir, dennoch....versuche ihm das einfach alles zu glauben und zu verzeihen, ich denke er meint das ernst und auch das er "wach geworden" ist.

Natürlich rechtfertigt nichts sein Verhalten, aber ich finde es dennoch verständlich auch wenn mein größtes Problem wäre, dass er so viel intimes und selbstverständliches mit ihr ausgetauscht hat...

Für mich hat alles einen Sinn und ich finde bei euch war es diese Art von Weckruf....der Anfang der Chance sich auch auf euch wieder zu besinnen, Zeit zu nehmen, ernst zu nehmen, zu reden...

Ein schwerbehindertes Kind ist eine wahnsinns Aufgabe, vergesst euch nicht darüber hinaus.Versuche ihm zu verzeihen und fangt neu an und guck ob es sich lohnt.Die Chance würde ich ihm/euch geben.... :-)

Alles Gute

Ich war/bin auch in Foren unterwegs, in denen kranke Kinder oder andere Familienangehörige ein Thema sind. Leider ist es oft so, dass Männer mit einem behinderten Kind ein Problem haben und die Ehe den Bach runtergeht. Klingt knallhart, aber in solchen Foren findet man viele solcher Fälle.
Meist muss die Frau "die Starke" geben und der Mann hadert mit der Situation. Warum das so ist - keine Ahnung - es ist ja auch sein Kind. Dass Du anders "funktionierst" wie früher, ist wohl nachvollziehbar.
Du musst nun leider entscheiden, ob Du mit der Ungewissheit weiterleben kannst oder Dich lieber auf eigene Füße stellst.
Er sieht die Frau jeden Tag - ihr unproblematisches Leben - sorry, ich hätte kein Vertrauen mehr.
Hast Du keine Hilfen bei der Versorgung des Kindes? Es gibt wirklich viele Hilfen - erkundige Dich z.B. beim Behindertenbeauftragten Deiner Stadtverwaltung - er ist Dir bei allem behilflich.
VIELLEICHT bekommt Dein Mann eine andere Einstellung, wenn das Kind mal nicht mehr allein vorherrschendes Thema ist und ihr auch mal Zeit für euch habt. Alles Gute.
LG Moni

(15) 19.06.18 - 12:25

Der Text ist nicht lang, ganz schön kompakt.
Wenn er jetzt den Kontakt abgebrochen hat und als "Büßer" wieder ganz bei Dir ist, funktioniert das m.E.n. nicht dauerhaft.

Er wird sich klein und schuldig fühlen und irgendwann geht dann seine Männlichkeit über den Jordan und Du hast keinen Mann mehr, sondern nur einen Versorger.

Es hängt zwar zusammen, dennoch wäre es gut, das Eine vom Anderen getrennt zu betrachten: Eurer Kind und Eure Beziehung.

Erst mal solltet Ihr Euch klar darüber werden, ob Ihr Beide Euer Kind weiter mit voller Liebe unterstützen wollt, unabhängig davon wie Euer Beziehungsstatus ist.
Wenn Du über Deinen Schatten springen kannst, könntest Du ihn bspw. fragen: stell Dir vor Du würdest ein Leben mit besagter Kollegin führen, wie sähe die Beziehung zu unserem Kind aus?

Wenn finanziell etwas Luft ist, könntet Ihr Euch einen Beziehungscoach nach Hause holen. Manchmal tut es einfach gut, im Beisein einer neutralen Person sich Dinge von der Seele zu reden. Der Coach passt auf, daß Ihr dann nicht in übliche Streitmuster verfallt (Angriff, Zumachen usw.) und kann helfen einander besser zu verstehen.
Wer will was, wer will wohin, welche Voraussetzungen müssen für dies und das erfüllt sein, oder gehen wir doch ganz offen damit um....

Ein schwacher Mann bringt Dich nicht weiter, wenngleich ich Deine Verletzung verstehen kann. Das Machtgefüge in einer Beziehung sollte immer pari sein.

Vielleicht hilft auch ein alternatives Beziehungsmodell wenn Du Dir das vorstellen kannst.
Ihr einigt Euch darauf weiterhin den Alltag zusammen zu meistern zum Wohle des Kindes. Haltet aber vorerst körperlich Abstand. So hast Du Zeit Dich zu sortieren.

Es gäbe noch so viel andere Möglichkeiten, am Besten erörtert Ihr das wirklich mit Hilfe von Außen.

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