Wieso versteht er mich nicht?

    • (1) 24.06.18 - 00:37
      Donnerwetter1234

      Hallo zusammen,

      Ich weiß im Grunde gar nicht, was ich mir von diesem Beitrag erhoffe, ich glaube eigentlich möchte ich mir einfach nur etwas von der Seele schreiben.
      Mein Mann und ich sind seit vier Jahren zusammen. Ich leide an einer psychischen Erkrankung, welche mich nun schon mein halbes Leben begleitet. Ich habe schon einiges an Behandlungsmöglichkeiten und Therapien ausprobiert. Es gibt immer mal wieder Tage, an welchen die Erkrankung mehr oder weniger stark präsent ist, aber sie ist immer da, immer.
      Ich kann mittlerweile ganz gut damit umgehen und habe auch bei meinem Mann von Anfang an mit offenen Karten gespielt.
      Anfangs lebten wir in getrennten Wohnungen, sahen uns überwiegend am Wochenende und natürlich war ich sehr bemüht das ganze so gut wie möglich zu unterdrücken.
      Nach einem Jahr zogen wir zusammen und mein Mann merkte worin meine Problematik bestand.
      Leider merke ich sehr häufig, dass mein Mann wenig Verständnis für meine Erkrankung aufbringt. Ich habe oft das Gefühl, dass er das ganze nicht ernst nimmt und es als Spinnerei meinerseits abtut (was nicht von außen sichtbar ist existiert nicht, nur körperliche Erkrankungen können wirklich schlimm sein). Ich habe schon oft versucht ihn ein wenig sensibel dafür zu machen, zu einem Beratungsgespräch mitgenommen, doch das Verständnis ist nur von kurzer Dauer.
      Wir streiten deswegen viel. Die Erkrankung schränkt mich teilweise sehr ein, nimmt Zeit in Anspruch wobei ich steht's versuche ihn nicht in diesen Kreislauf miteinzubinden und ihn so gut wie möglich außen vor zu lassen.
      Ich kämpfe jeden Tag. Ich kämpfe dafür mein Leben auch mit dieser Erkrankung so normal wie möglich zu gestalten. Verlasse das Haus, treffe mich mit Freunden, gehe meiner Arbeit nach und erledige so gut es mir möglich ist die anfallenden Arbeiten im Haus. In meinem Tempo und so gut ich es eben kann.
      Doch für meinen Mann ist dies alles zu wenig. Manchmal dauert es bis ich es schaffe aus dem Haus zu komme, aber ich stelle mich der Situation und packe es alleine. Meiner Arbeit nachgehen zu können kostet mich täglich Kraft, aber ich schaffe es morgens pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen und diese engagiert und gut zu meistern. Viele Arbeiten im Haushalt fallen mir schwer, aber ich gebe mir große Mühe alles so gut es geht zu erledigen.
      Mein Mann ist oft sehr penibel und ich kann seinen Vorstellungen und Ewartungen welche teilweise an mich geknüpft sind schwer entsprechen. Auch an sich selbst hat er meiner Meinung nach zu hohe Erwartungen.
      Oft bin ich traurig darüber das es mir nicht möglich ist, ein ganz normales Leben zu führen und eventuell auch niemals sein wird. Ich bin aufgrund meiner Krankheitsgeschichte eingeschränkt aber kämpfe jeden Tag aufs neue dagegen an und es kostet so extrem viel Kraft.
      Manchmal würde ich mir einfach ein bisschen Zuspruch und Verständnis wünschen. Ist es denn tatsächlich so schwer eine psychische Erkrankung anzuerkennen und diese als ernstzunehmende Krankheit zu sehen? Oder Ist dies, für nicht selbst betroffenen tatsächlich nicht möglich?
      Ich will mich nicht auf Mitleid ausruhen, nur ab und zu mit meinen Sorgen gesehen werden.

      • Ja, es gibt Menschen, die können eine psychische Erkrankung nicht verstehen oder nachvollziehen.
        Oft sind es Männer oder Frauen, die selbst davon verschont geblieben sind und denen es schwer fällt, sich in die Gedanken eines psychisch kranken Menschen hineinzuversetzen.

        Eine körperliche Erkrankung ist leichter zu identifizieren. Man erkennt das Leid oft schon optisch, was bei einer Depression, Zwangsstörung, Angststörung etc. meistens nicht der Fall ist.

        Man erkennt einen gebrochenen Arm, ansieht das Bild von Bruch, einen Gips. Bei einer Depression sieht man vor allem erstmal "nur" den Menschen und dass vermeintlich doch alles gut ist. Der Gedanke, dass dieser Mensch doxh eigentlich glücklich sein sollte, kommt auf.

        Sowas ist einfach sehr schwer zu begreifen, auch wenn das Verstündntis in der heutigen Zeit eigentlich schon ernom gestiegen ist.

        Vielleicht baut dein Mann eine Mauer um sich auf, um sich selbst zu schützen und sich vor deiner Krankheit abzugrenzen. Eigentlich helfen nur Gespräche und auch die Akzeptanz von Dir, dass du deinen Freund erst mal nicht ändern kannst, aber deine Einstellung.
        Deine Genesung hängt nicht von seinen Verständnis ab, auch wenn es das erleichtern würde
        Ich würde weiter an mir arbeiten,.mich weiter Therapieren etc.

        In kleinen Schritten würde ich ihn integrieren. Von deinen Erfolgen berichten und deinen Sorgen und beobachten, wie er reagiert.
        Vielleicht ist das Thema aber auch sehr zentral für dich, so dass es dauerhaft zwischen euch steht??

        Hi,
        ich bin in deinem Beitrag über den Satz „Mein Mann ist oft sehr penibel und ich kann seinen Vorstellungen und Ewartungen welche teilweise an mich geknüpft sind schwer entsprechen.” gestolpert.
        Einem peniblen Partner kann es wahrscheinlich auch ein Partner ohne Einschränkungen nur schwer recht machen. Die Frage ist, ob dein Mann überhaupt das Recht besitzt, diese Erwartungenen an dich zu stellen?

        vlg tina

        Was mich an deinem Beitrag am meisten „angesprochen“ hat, ist die Tatsache, dass du versuchst deine krankheit so gut wie möglich außen vor zu lassen. Das finde ich nicht richtig. Ihr seid ein paar. Er hat dich mit der Krankheit kennengelernt und ihr lebt nun beide in dieser Situation. Du wirst kaum die Kraft haben, deine Krankheit 24/7 die nächsten jahre so gut wie möglich zu unterdrücken. Das ist doch auch nicht möglich! Ich denke du machst es deinem Partner vielleicht teilweise selbst schwer dich zu verstehen, eben weil du manchmal so tust als wäre alles easy für dich.
        Seid offen zueinander. Geht vielleicht nochmal zusammen zu einem Termin von dir, wo er mit deinen Therapeuten etc. reden kann. Aber Versuch nicht dich abzuschirmen und im Gegenzug aber verständnis von ihm zu erwarten. Das kann er dir - nicht böswillig - aber vielleicht einfach weil er es nicht versteht, nicht geben. Und vorallem: bleibt in der Kommunikation. Wenn sowohl du als auch er sich abschirmen, macht eine Beziehung keinen Sinn mehr. Er hat dich so kennengelenrt und ist ja immer noch da, also finde ich liegt es an dir jetzt die Mauer mal abzubauen und aufeinander zuzugehen. Hätte er keine Lust auf dich und deine Krankheit, dann wäre er schon weg. Also hab Mut und sei offen :-)

      • Ich glaube nicht, dass er dich gar nicht versteht, sonst wäre er nicht seit vier Jahren dein Partner. Aber nur, weil du zufällig in eurer Partnerschaft diejenige mit einer offiziellen Diagnose bist, heißt das ja nicht, dass er dich nicht auch mal braucht. Das Leben mit einem psychisch kranken Menschen ist auch nicht gerade einfach und bringt oft auch den gesunden Partner an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit.
        Ja, du kannst Verständnis von ihm erwarten, aber eben nicht rund um die Uhr. Er ist auch nur ein Mensch.
        Versucht so viel wie möglich miteinander zu reden. Erkläre ihm dann, was in dir vorgeht, dass hilft vielleicht dich besser zu verstehen. Vergiss aber auch nicht ihm mal zuzuhören.

        Ich glaube tatsächlich, man kann das erst verstehen wenn man selbst einmal betroffen war. Und selbst dann ist es manchmal schwer. Es gibt ja zB. nicht DIE Depression, DIE Angsterkrankung oder DIE Borderlinestörung. Bei jedem Betroffenen zeichnet sich das ähnlich, aber immer auch individuell ab. Und als Mensch, der selbst gefühlsmäßig nie damit in Berührung kam, kann das meiner Meinung nach gar nicht verstehen. Ich selbst hab seit meinem 18 Lebensjahr die Diagnose Borderline. Was ich mir da schon alles anhören musste, bzw gelesen habe, was so überhaupt nicht auf mich passt. 😧
        Ich lebe auch damit. Es macht mir das Leben auch oft schwer. Aber ich identifiziere mich nicht darüber.
        Vielleicht denkt dein Partner, wenn Du dich genug zusammen reißt, ist die Krankheit irgendwann passé. Ich würde es aber an deiner Stelle nicht als Krankheit ansehen, sondern als Teil von dir. Du sagst, Du hast schon sämtliche Therapien hinter dir. Ist es vielleicht so, dass es einfach zu dir gehört?

        Lg

      • Du lässt auf der einen Seite Deinen Partner nur wenig von Deiner Erkrankung sehen, kompensierst und vertuschst viel davon und erwartest auf der anderen Seite, dass er Dich versteht.

        Wie wäre es, wenn Du eine Zeit lang Tagebuch führst, Deine Ängste, schwierige Situationen und Gedanken dazu genau aufschreibst und es ihm dann mal zum Lesen gibst? Vielleicht kann er dann Fragen stellen oder sich eher in die Situation hineinversetzen. Dass er zu hohe Ansprüche hat ist ja auch ein Thema, was auf den Tisch sollte, weil es Dir ständig das Gefühl gibt, nicht gut genug (für ihn) zu sein.

        Ich habe den größten Respekt davor, wie Du Deinen Alltag meisterst. Wenn Du ihm einen genaueren Blick auf Deinen täglichen Kampf gewährst, respektiert er Dich vielleicht zukünftig auch mehr.

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