Unsicherheiten in der ersten Beziehung - alles eine Lüge?

    • (1) 02.07.18 - 19:09

      Hallo zusammen!
      Ich habe momentan ein mehr oder minder kleines Problem und würde gerne wissen, was andere, unbeteiligte zu meiner Situation sagen.
      Ich bin achtzehn und seit knapp einem Monat in einer Beziehung mit einem Jungen, der zwei Jahre älter ist als ich, und den ich schon relativ lange kenne. Unsere Geschichte war von Anfang an etwas schwierig, weil er irgendwann was von mir wollte und ich mir unsicher war, weshalb das ganze Arrangement ins Wasser viel. Das war vor einem Jahr. Seitdem habe ich mich immer gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich ihn damals nicht "abgewiesen" hätte und so kam dann vor ein paar Wochen eins zum anderen. Zumal wir auch schon wieder seit Monaten stundenlang miteinander im Auto gesessen und geredet haben, und ich das Gefühl hatte, dass es richtig war, einen Schritt nach vorne zu machen, weil ich auch gemerkt hatte, dass er immer noch nicht wirklich über mich hinweg war.

      Ich dachte, alles wird besser und klarer, sobald wir erst zusammen sind, aber nichts ist klarer, geschweigedenn besser. Ich habe den Verdacht, dass die Beziehung eine reine Vernunftentscheidung war, zumindest von meiner Seite aus, weil ich immer auf Signale des Verliebtseins horche, aber nie welche wahrnehme. Ich finde ihn immer noch nett, aber viel mehr kommt da nicht. Ich muss ihn nicht andauernd sehen, ich fühle mich auch ohne ihn gut. Seit ich mit ihm zusammen bin habe ich ziemliche Stimmungsschwankungen: mal bin ich ganz fröhlich, dann wieder ganze Tage total depressiv und reizbar. Ich habe auch noch niemandem von uns erzählt, weil ich das alles für mich selber noch nicht annehmen und als richtig wahrnehmen konnte. Inzwischen wünsche ich mir fast, ich würde einfach Schluss machen, aber das kommt mir auch albern vor.

      Ich weiß nur, dass ich auch ziemliche Angst vor der Beziehung hatte und habe, Angst sie könnte falsch sein oder ich verletzt werden oder anderen verletzen. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, dass meine Eltern seit elf Jahren geschieden sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich bis jetzt einfach nie fähig war, mich auf jemanden einzulassen.
      Ich bin jedenfalls extrem unsicher und weiß nicht, wie ich meine Gefühle oder den Mangel daran deuten soll. Muss ich einfach noch ein bisschen Geduld haben? Wird das schon werden? Oder ist das ganze einfach riesengroßer Beschiss für meinen Freund und für mich selber? Ich weiß, dass niemand mir die Lösung sagen kann, aber ein paar Meinungen von etwas erfahreneren Menschen könnten mir bestimmt weiterhelfen. Vielen Dank!!!

      • Hallo!

        Wenn keine Gefühle bei Dir da sind, dann bringt es auch nicht viel, die Beziehung fortzuführen. Die Chemie stimmt eben einfach nicht, und das muss man auch so akzeptieren. Besser jetzt als später, so viele Gefühle wird er auch noch nicht entwickelt haben.

        Wenn Du ihn einfach nur magst, aber es gar nicht kribbelt, dann kommt da auch nichts mehr.

        Ich war als Teenager ähnlich und dachte auch, ich müsse unbedingt einen Freund haben, weil alle einen haben und überhaupt. Auch wenn ich den zwar mochte, aber eben nicht wirklich geliebt habe.

        Die Liebe ist dann bei anderen Männern doch noch gekommen - mal Verliebtheit für einige Monate, mal ein kurzes aber heißes Strohfeuer. Mittlerweile bin ich 14,5 Jahre verheiratet und liebe meinen Mann immer noch sehr. Mit Scheidungskind hat das auch wenig zu tun.

        Ich war mir in meiner ersten und einzigen Beziehung vom ersten Tag an sicher, dass es richtig ist und bin es jetzt über 10 Jahre später noch.

        Es passt wahrscheinlich einfach nicht zwischen euch.

        Lass es lieber!

        Mir ging es mit 18 genauso. Irgendwann - viel später - kam auch sowas wie Verliebtheit. Aber obwohl wir sogar geheiratet und Kinder bekommen haben, war es nicht der Mann für mich.

        Seit 4 Jahren bin ich getrennt, seit 3 habe ich meinen Traummann und seit 6 Wochen ist er sogar mein Ehemann.

        Heute, mit fast 34 denke ich...Ich hätte damals nicht drauf einsteigen sollen. Wir waren so grundverschieden. Ich machte damals Abi, studierte, er war mit seinem Hauptschulabschluss zufrieden. Wir sahen die Welt oft aus unterschiedlichen Perspektiven. Aber dann war irgendwann die Gewohnheit und die Abhängigkeit da und die 2 Kids, das der Absprung immer schwerer wurde.

        Im Nachhinein hätte ich es besser gleich zu Beginn gelassen!

      • Ich muss gerade so schmunzeln.

        Vor fast genau 9 Jahren (oh mein Gott, ich bin alt) war ich so jung wie du und hätte genau den gleichen Text schreiben können.

        Ich bin Hals über Kopf in eine Beziehung mit einem Jungen, den ich interessant fand. Mehr aber auch nicht. Ich habe mich nicht wirklich gefreut ihn zu sehen, habe mich davor gescheut ihn zu küssen und war die meiste Zeit richtig traurig. Ich habe mich so unwohl in meiner Haut gefühlt.
        Nach 3 Wochen hat mich meine Omi gefragt, ob ich ihn liebe. Ich habe natürlich verneint und da sagte sie: "Na dann mach Schluss. Schreib doch einfach eine von euren Nachrichten im Telefon."
        Es gab nicht viele Momente in denen ich auf meine Omi gehört habe, aber das war einer und mit Abstand der beste. Ich habe aber persönlich Schluss gemacht, nicht über SMS.
        Schon als ich den Entschluss gefasst hatte, ging es mir besser. Ich hatte nur noch Angst vorm Schluss machen. Grundlos. Wir hatten ein schönes Gespräch, ich habe ihm erklärt, dass es alles zu schnell ging und ich befangen bin usw und er hatte Verständnis.
        Ich weiß noch, wie ich nach unserem Gespräch nach Hause gefahren bin. Musik laut, ich war so glücklich, so frei. Ich habe den ganzen Abend getanzt, allein in meinem Zimmer. Ich war wieder allein und es hat sich so gut angefühlt. So richtig.

        Ich habe auch versucht es auf meine Psyche zu schieben. Beziehungsunfähig weil ohne Vater aufgewachsen usw. Alles Quatsch. Ich war einfach nicht verknallt. Und das bist du auch nicht. Versuche keinen tieferen Grund und die Schuld bei dir zu finden. Es funkt einfach nicht zwischen euch. Und da kommt jetzt auch nix mehr.

        Nicht mal einen Monat später habe ich mich Hals über Kopf so richtig doll verknallt. Da war nix mit: vllt entsteht ja noch was, blabla. Wir haben uns ein paar mal getroffen, ich fand ihn total toll und als er mich dann nach ein paar Wochen das erste Mal geküsst hat, habe ich nur noch Herzen gesehen. Ich wollte nicht mehr ohne ihn sein, am liebsten die ganze Zeit knutschen, habe täglich auf eine Nachricht gewartet, habe ewig überlegt, was ich am besten schreibe, es ging mir elend, wenn wir uns gestritten haben. Gott, war ich verknallt.
        Trotzdem sind wir nicht gleich zusammen gekommen. Manche brauchen einfach länger um bereit für eine feste Beziehung zu sein. Ich habe ca 3 Monate gebraucht.
        ABER das Gefühl, dass er der eine und richtige ist, das war sofort da.

        Mein Rat also, mache Schluss (so schwer wie es ist) und warte auf den richtigen. Es lohnt sich.

        Ich wünsche dir alles Gute.

        • Danke schon mal euch allen. Ich muss natürlich noch fünfmal in mich rein horchen, aber gerade fühlt es sich am gesündesten an, das ganze zu beenden. Das Seltsame ist, dieses Gefühl kann sich auch je nach Stimmung mal ändern bei mir... so ähnlich war das auch, bevor wir zusammen gekommen sind: ich will, ich will nicht, ich will, ich will nicht...
          Aber vielleicht will ich ja wirklich nicht.

          • Wenn du so zweifelst ist das nicht das richtige einfach. Jeder der schon Mal einen Menschen getroffen hat, wo es wirklich passt, wird dir sagen, dass man dann gerade diese ganzen Zweifel nicht hat. Man spürt es einfach, dass es richtig ist zusammen zu sein. Man kann nicht ohne einander. Man will sich um sich haben.

            Du spürst dass es das nicht ist, willst aber so gerne wollen. Das eine hat aber nichts mit anderen zu tun. Es geht nicht um wollen wollen. Es geht um deine Gefühle, um dich.

            In guten Momenten denkst du natürlich ah das muss man erhalten. Aber in den schlechten hast du keinen Halt, weil du keine emitionale Basis hast. Und wenn du nur mit jemandem zusammen bist, um eine Beziehung zu haben, bleibt die Frage, warum du dich selbst so bestrafst?

            Was hast du gegen Dich, dass du nicht absolut überzeugt bist, dass große Glück verdient zu haben mit richtiger Verliebtheit mit jemandem, der dich innerlich schöner besser stärker macht, weil er einfach zu dir passt. Du verdienst das.

            Solche halbgaren hin und her Sachen sind Zeitverschwendung. Glaub es uns.

      >> dass ich bis jetzt einfach nie fähig war, mich auf jemanden einzulassen. <<

      Das liegt wahrscheinlich einfach nur an deinem Alter. ;-)

      >> Oder ist das ganze einfach riesengroßer Beschiss für meinen Freund und für mich selber? <<

      Ja, ich denke leider ist das so.
      Wenn du wirklich verliebt bist, willst du keinen anderen Menschen mehr um dich haben außer diesen einen. Du möchtest am liebsten 24 Stunden am Tag mit diesem einen menschen verbringen und dein Glück hinaus schreien. Sehen sich Verliebte nicht, dehen sich die Gedanken nur um den abwesenden Part.

      Da du deine Verliebtheit nicht in die Welt hinaus schreien möchtest und nach deiner Beschreibung von deiner Seite kaum Gefühle für deinen Freund existieren, außer dass du ihn "nett" findest, sehe ich diese Beziehung ebenfalls lediglich als Vernunftentscheidung.

      • So, ich weiß nicht, ob das jetzt noch wer liest, aber ich glaube, ich bin inzwischen mehr oder weniger über diese gesamte Geschichte hinweg. Ich habe für mich erkannt, dass das eben nichts ist, und ihm das inzwischen auch mitgeteilt.
        Im Grunde habe ich es ja schon gewusst, aber eure Kommentare haben mir noch mal geholfen, über meinen Schatten zu springen.
        Noch mal danke schön :-)

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