19. Jahrhundert bei urbia

    • (1) 04.07.18 - 12:39

      Ich muss es einfach mal loswerden: in den letzten Wochen habe ich hier im Forum und in Familienleben wieder mehr mitgelesen und bin eigentlich nur noch schockiert.

      Darüber, wieviele Frauen in totaler Abhängigkeit von ihren Männern leben. Wie viele Frauen körperliche und seelische Gewalt erfahren. Aber auch darüber, wie viele Frauen sich gar nicht bewusst sind, dass es nicht nötig ist, in dieser Abhängigkeit zu verharren. Dass es nicht richtig ist, aus welchen Gründen auch immer körperliche oder seelische Gewalt zu ertragen. Wie wenige Frauen sich wehren, sich frei machen, stark sind, für sich und ihre Kinder einstehen, und lieber weiter in solchen Zuständen leben. Und immer wieder Ausreden finden.

      Vielleicht ist die Kundschaft hier bei urbia in großen Teilen auch einfach sehr rückständig und nicht repräsentativ. Aber dass es überhaupt noch Frauen gibt, die so denken und leben: Einfach nur traurig.

      • Hi,

        ich glaube tatsächlich, dass die Beiträge hier im Forum nicht den Stand der Gesellschaft widerspiegeln.
        Es hat m.E. auch nicht nur mit der Zeit zu tun, sondern mit Erziehung und pychischer Befindlichkeit.
        Abhängigkeitsverhältnisse wird es immer irgendwie geben und die Männer, die von ihren Frauen schlecht behandelt werden oder abhängig sind von ihnen, schreiben wahrscheinlich aus Angst und Scham gar nicht erst.
        Grundsätzlich denke ich schon, dass Frauen sich heute mehr trauen, Beziehungen zum eigenen Vorteil abzubrechen.
        Dennoch ist das Verantwortungsbewusstsein und die Hoffnung gegenüber den Kindern oft groß.
        Häufig ist der Mann noch immer Haupt- oder Alleinverdiener, somit hängen Haus und Hof auch an ihm und dort sollen ja auch die Kinder in gewohnter Umgebung groß werden usw.
        Also ich habe trotzdem auch Verständnis dafür, dass es manchen Frauen nicht so leicht fällt, sich da abzugrenzen und durchzusetzen.

        • "Häufig ist der Mann noch immer Haupt- oder Alleinverdiener, somit hängen Haus und Hof auch an ihm und dort sollen ja auch die Kinder in gewohnter Umgebung groß werden usw."

          Ja, genau das ist das Haupt- und Totschlagargument, aber genau das ist es auch, was mich so stört. Dass der Mann Haupt- oder Alleinverdiener ist, führt Frauen in die Abhängigkeit, das ist genau der Zustand, den ich anprangere. Warum begeben sich Frauen heute noch in diese Situation?!

          Und dass die Kinder in gewohnter (i.e. gewalttätiger/liebloser/etc.) Umgebung aufwachsen sollen, kann ich auch bald nicht mehr hören.

          • (4) 04.07.18 - 13:19

            Hallo

            Wir leben dieses Modell. Bewusst. Ich sehe überhaupt nicht ein mich, um dem Bild der modernen Frau zu entsprechen, mich dem modernen Bild der Doppelverdiener anzupassen. Nun lebe ich einer normalen, überwiegend intakten Beziehung. Daher stellt unser Modell aktuell kein Problem dar.

            Für mich ist es anmaßend andere zu belehren was besser und was schlechter ist.

            Momentan ist mein Mann für den Großteil des Einkommens zuständig. Trotzdem bin ich nicht die dämliche Hausmutti ohne Rückgrat.

            • (5) 04.07.18 - 13:52

              Danke für diesen Beitrag 👍🏻

              Genauso ist es bei uns auch.

              Wir als Paar haben bewusst und frei gemeinsam die Entscheidung getroffen, dass es für unsere Familie das beste ist, dass ich auch über das 3. Elternzeitjahr meiner kleinen hinaus vorerst komplett daheim bleiben werde.

              Wie das andere sehen ist uns egal- wir stehen dazu und genießen es , diese Entscheidung so Treffen zu können.

              Können es aber auch nachvollziehen , dass dies nicht jeder so machen kann oder will- aus welchen Gründen auch immer . Aber das beurteilen bzw verurteilen wir nicht . Jeder wie er/sie mag und kann.

              Hätte mir das selbst so nie vorstellen können, habe gut 1 Jahr vor meiner ersten Schwangerschaft extra noch die Fortbildung erfolgreich beendet und noch nen Schritt auf der Kariereleiter erklommen.

              Wollte immer nach 1 Jahr wieder einsteigen am liebsten voll- tja dann wurde ich schwanger und es wurden dann gleich 2 Jahre Elternzeit angemeldet.

              Tja, dann kam Kind eins, kurz nach dessen 2. Geburtstag Kind 2.
              Und nach nochmal 2,5 Jahren Kind 3 und ich bin nun seit 7 Jahren durchgängig daheim.

              Ein Wiedereinstieg war dann für Mitte nächstes Jahr geplant, aber wie gesagt - das hat sich nun auch geändert und ich bleibe vorerst auf unbestimmte Zeit daheim.

              Mein Mann weiß meinen Beitrag , den ich für unsere Familie leiste - und auch das freihalten seines Rückens für seine Karriere ( eine ebenso bewusste Entscheidung dass nun eben er weiter an der Karriere arbeitet und ich mich um den Rest kümmere) zu schätzen und wir führen eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit unserem Geld und tun das was wir für das beste für unsere Familie halten

              Meine Mama war auch immer daheim so lange wir kleiner waren und es war toll , dass sie immer da war.

              Lg

              JD

              (6) 04.07.18 - 21:59

              Danke dir. Wir leben dieses unglaublich rückständige Modell und uns geht es sehr gut damit. Ich liebe es, unser eigenes Obst und Gemüse anzubauen und genieße bewusst die Zeit mit meinen Kindern. Das gibt mir persönlich viel mehr als in einem Großraumbüro zu sitzen. Schade, dass meine Arbeit immer wieder von anderen abgewertet wird.

            • (13) 06.07.18 - 00:42

              Dito!
              Wir leben es auch und gut damit. Probleme haben lediglich diejenigen die wegen Doppelbelastung gen Burn Out schippern.

              • Auch das ist beleidigend und arrogant. Es kommt immer erst ein: "Wir leben das, alles super, mir egal..." und dann kommt das große ABER hinterher.
                >>Probleme haben lediglich diejenigen die wegen Doppelbelastung gen Burn Out schippern.<<
                Das ist sehr verallgemeinerd und abwertend und stimmt zum Großteil auch nicht einmal. Wie oft liest man hier, daß die Hausfrau einfach nicht mehr klar kommt? Also.
                Ich arbeite, schaffe Familie und Haushalt wunderbar, das hängt aber auch von vielen anderen Faktoren ab und nicht nur von der Tatsache, daß ich arbeite und es schaffe.
                Jeder kann sein Modell leben, wie er möchte, ohne ABER!

          (15) 05.07.18 - 09:18

          Das ist doch der Punkt.

          Warum begibt man sich in die Situation, dieses Modell (leben wir auch, klappt prima) mit einem Mann, der von Gleichberechtigung noch nie was gehört hat, überhaupt zu leben. Die haben doch solche Tendenzen garantiert schon immer und nicht erst seit der Geburt des dritten Kindes.

          Es ist doch ein Riesenunterschied, ob man wie ihr oder wir das als Arbeitsaufteilung sieht, die in der persönlichen Situation halt gut funktioniert, oder ob man glaubt, der, der das oder mehr Geld verdient, habe andere Rechte.

          Hier oder bei euch wahrscheinlich auch, trägt jede(r) seinen Teil bei, macht was ansteht, es sind unsere Kinder, ist unser Geld, unser Haus, unser Haushalt, auch wenn nicht überall genau gleich die Hälfte eingebracht wird.

          Hier dagegen lese ich oft, dass Frau zur Vollzeitarbeit auch noch Haushalt und Kinder allein händelt, oder dass ihr Geld zugeteilt wird, weil sie ja weniger verdient, kürzlich hab ich gelesen, dass einer Frau, die teilzeit arbeitet, studiert und sich ums Kind kümmert und deshalb gern eine Putzhilfe beschäftigen würde, geraten wurde, die allein zu bezahlen oder das Studium aufzugeben...

          Und das sind die harmloseren Geschichten.

          Wir leben ein anderes Modell, aber ich akzeptiere vollkommen wenn jemand anders leben möchte.

          Das einzige, was ich "kritisiere", denn diese Fälle habe ich schon oft im Kreise meiner Mutter erlebt, ist die Frau, die Job und Karriere aufgibt, dann nach Jahren nicht mehr in den eigentlichen Beruf reinkommt, es kommt zur Trennung, Frau wird im schlimmsten Fall zum Sozialfall. Wer fuer solche Faelle vorsorgt bzw sich Gedanken macht, toll. Aber wer sich einfach darauf verlässt dass "uns sowas nicht passieren kann" den halte ich fuer ein bisschen blauäugig. Ich kenne wirklich einige Fälle, da sind die Kinder inzwischen groß, der Mann ist weg und Frau sitzt statt im hübschen Haus nun in einer kleinen Wohnung mit 400 EUR Job fest.

          Ich sage nicht, dass es bei einem von euch so ist. Aber das ist so der Punkt der mir persönlich dabei oft aufstösst. Da denke ich mir, als Feministin echt warum man sich so unter wert verkauft. Aber wie gesagt, wenn man das alles bedenkt dann ist ja alles im Lot. Leben und leben lassen.

          • Genau so sehe ich das auch!

            Gruss
            agostea

            Das sehe ich auch als großes Problem. Mag sein, dass man es sich leisten kann und es schön für die Kinder ja vielleicht in dem Moment sogar für die Frau ist, aber den Beruf aufgeben, bedeutet immer Abhängigkeit, entweder vom Mann oder wenn der nicht mehr funktioniert vom Staat. Ich persönlich würde das für mich selber nicht wollen und doch irgendwie zusehen, dass ich vom Arbeitsmarkt nicht abgeschrieben werde. Menschliche Verhältnisse können sich auch nach vielen schönen Jahren plötzlich und schnell ändern, aber sie Fähigkeiten die ich mir beruflich erworben haben, die Erfahrungen die bleiben. Und auf denen kann man immer aufbauen. Ich denke auch dass es vereinbare Jobs gibt, aber es fehlt vielen der Mut sich unzuorientieren oder die Vereinbarkeit einzufordern.

            • Nein, das möchte ich auch nicht. Ich habe gesehen, wie schmerzlich dieser Weg nach der Trennung von meinem Vater für meine Mutter war. Zum Glück arbeitet sie in einer der wenigen Branchen, wo man immer ganz gut aufstocken kann, und sie hat auch eigentlich immer stundenweise gearbeitet. Aber ein Statusverlust (in Kombination mit dem Umstand nach Jahren wieder fast VZ zu arbeiten) war die Trennung dennoch und das schmerzt.

              Man weiss nie, was im Leben kommt. Es muss ja nicht mal eine Trennung sein, aber was wenn der Hauptverdiener krank wird? Oder arbeitslos? Da sieht es ganz schnell mau aus.

              Ich lebe im Ausland, ich finde hier ist man schon einen kleinen Schritt weiter was flexibles arbeiten und Vereinbarkeit angeht. Aber wie du sagst, es gibt so viele Möglichkeiten zwischen Vollzeit arbeiten und gar nicht arbeiten. Oft liegen Lösungen (ganz kreativ) irgendwo dazwischen.

        Wenn ihr Euch gegenseitig respektiert und damit zurecht kommt, ist es doch wunderbar. Der TE geht es, meine ich, darum, wie viele Frauen sich heut zu Tage so derart mies behandeln lassen.

        • Vielleicht sind das Frauen durch alle Schichten, in Arbeit, im Familienmodell, Karriere Frauen, etc. die eine Persönlichkeit haben, um in solch eine Schiene zu rutschen.

          Ach verdammt starke Frauen geraten in Abhängigkeit....ABHÄNGIGKEIT kann vielleicht wie eine Sucht gesehen werden, die der andere Partner ausnutzt - das können ebenso Frauen und Männer sein.

          lg
          lisa

      (22) 05.07.18 - 15:27

      Ich denke, es geht hauptsächlich darum, wenn sich Frauen schlecht behandelt lassen und nichts dagegen unternehmen, sich nicht davon lösen von einer Abhängigkeit.

      Das beide Elternteile Vollzeit arbeiten, ist nicht immer möglich. In meinem Bekanntenkreis auch eher selten.
      Ich gehe auch Teilzeit arbeiten. Trotz allem haben wir zum Beispiel getrennte Konten und jeder trägt seinen Anteil zum Familienleben bei.

      Und auch unsere Familienleben ist soweit intakt!😉
      Sollte sich das ändern, habe ich natürlich die Möglichkeit zu gehen...

(23) 04.07.18 - 13:14

Ich gebe dir völlig recht. Ergänzen möchte ich noch, dass viele sich nicht trauen, sich zu trennen, weil sie den Kindern nicht den Vater nehmen wollen. Dabei scheinen sie aber zu vergessen, dass es auch elterliche Pflicht ist, die Kinder vor Personen zu schützen, die ihnen nicht gut tun. Selbstschutz und Schutz der Kinder sollte eindeutig eine höhere Priorität genießen.
Und es sollte heutzutage auch eigentlich allen klar sein, dass man sich wehren DARF und SOLLTE, wenn einem Unrecht geschieht. Dass man selbst nichts schlechtes tut, wenn man für seine Rechte eintritt. Dass man etwas wert ist.
Anmerkung: Ich will Männer hier nicht verteufeln, das gibt es natürlich auch in umgekehrter Konstellation. In den Geschichten, die man hier liest, ist es halt meist der Mann, der sich ungebührlich verhält.

Ich würde es nicht pauschalisieren! Dann bist du halt die taffe Karrieremutti mit ausreichend Geld und kannst dein Leben allein finanzieren.
Aber ich kenne auch die Kehrseite: da stimmen zwar Geld und die Autos und Häuser sind schick. Aber dafür fallen die Kinder hinten drüber! Bleiben schon in der Grundschule sitzen, geraten auf die schiefe Bahn, kennen seit dem ersten Geburtstag nur Fremdbetreuung und Kantinenfraß.
Und? Ist das besser? Nö.
Bei uns ist es so: mein Mann verdient voll, ich seit Jahren mal mehr oder weniger dazu. Dafür besitze ich das Haus alleine. Stehe also im Falle einer Trennung nicht auf der Straße.
Im Falle einer Trennung hätten wir beide nur noch wenig Geld. Das wäre dann halt so.
In Deutschland muss keiner hungern oder unter der Brücke schlafen.
Aber man muss auch nicht ständig die "Alle Mütter Vollzeit an die Arbeit und alle Kinder mit 1 in die Kita"-Kuh durchs Dorf treiben. Das nervt langsam!

  • (25) 04.07.18 - 13:41

    Ich glaube gar nicht, dass der Post so gemeint ist, sondern eher angesprochen werden soll, wie viele Frauen sich klein machen aus Angst vor Trennung.

    Sich ohne Plan B in die totale Abhängigkeit begeben haben und sich irre Dinge gefallen lassen, um Hof und Stand nicht zu verlieren oder nicht mal wissen was zu tun wäre, wenn.

    Und man muss nicht die Karrieremutti sein, um sowas zu verhindern. Ich hatte nach meiner Elternzeit die Stunden leicht abgesenkt, befristet und war wegen Trennung dankbar, als diese Befristung beendet war.
    Eine Freundin von mir, müsste gar nicht arbeiten gehen. Tut sie aber, entspannte 4 Tage die Woche á 6h. Im Fall der Fälle hat sie kein Problem....

    Und selbst wenn man nicht mehr arbeitet: einen Plan B sollte man haben. Den hast du ja auch.

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