Gedanken über Gedanken

    • (1) 09.07.18 - 11:30
      ChaosAmMontag

      Hallo,

      ich muss mal meine Gedanken ein wenig niederschreiben.
      Vieles macht auf einmal Sinn, was zuvor so sinnlos war... und auch umgekehrt.
      Es herrscht Chaos in meinem Kopf.

      Alles war so leicht und unbeschwert als ich noch kinderlos war.

      Jetzt, mit einem Kleinkind, einem Vollzeitjob mit 30 km Anfahrt pro Strecke, einem großen Haus und Garten ist alles so viel. Die Zeit ist so knapp. Ich habe mehr Freizeit im Büro als Zuhause. Ständig bleibt was liegen, ich bin viel unorganisierter als früher und vergesse so viele Dinge.

      Dann höre ich die Stimme meines Mannes: "Meine Mutter hatte 4 Kinder und hat alles geschafft. Vollzeit in der Gastro, Haus, Garten, Aktivitäten der Kinder, blitzeblanker Haushalt, sauberes Auto."

      Uff - Schluck - echt jetzt?! Wie hat sie das geschafft? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Bin ich wirklich so ein Versager? Ich bin doch dauernd im Einsatz, lege kaum mal 5 Minuten die Füße hoch - meine Nacht dauert maximal 5 Stunden. Hatte ihr Tag etwa 48 Stunden?

      Das setzte mich unter Druck. Ich fühlte mich zunehmend schlechter.
      Mein Mann hilft mir. Ob im Haushalt oder mit dem Kind - kein Thema.. Aber immer dieser fiese Beigeschmack, dass sein Vater niemals einen Finger krumm machen musste, weil seine Mutter alles alleine gewuppt hat.

      Bis die Erleuchtung kam. Eines Tages nach einem Streit Zwischen meinem Mann und seiner Mutter. Es brach alles aus ihm heraus und ich bin so unendlich froh und dankbar darüber, da dadurch eine große Last von ihm und von mir gefallen ist.

      Es war gar nicht alles so perfekt. Der Schein sollte mit allen Mitteln aufrecht gehalten werden.

      Der Vater war nie anwesend. Arbeitete viel und hat schließlich die Mutter betrogen und ist ausgezogen. Die Mutter arbeitete viel und kompensierte diese Verletzungen ihres Mannes damit den Haushalt blitzen zu lassen, um den Schein nach außen zu bewahren. Alles ging um die Wirkung nach Außen. Die kinder hatten unter Androhung von Schlägen immer die Klappe zu halten. Sie wurden mit neuem Spielzeug bestochen und abgelenkt. Sie kümmerte sich nicht. Es war ihr alles egal. Sie fragte nie wohin die Kinder gingen und wann sie wiederkommen würden.

      Kinder, die nicht "funktionierten", wurden hart bestraft - psychisch und physisch.

      Wow.

      Ich war wie in Starre. Der Vorhang des wunderbaren Scheins, den sie bis heute aufrecht zu erhalten versucht, fiel mit einem Mal herunter und ihr wahres Ich wurde offenbart.

      Ich danke meinem Mann für diese Offenheit und Ehrlichkeit und das Vertrauen, das er mir dadurch entgegenbringt.

      Und ich bewundere ihn für seine Stärke, dass er diesen Manipulationen Stand gehalten hat und keine größeren Schäden davon getragen hat.

      Ich sehe diese Frau nun mit ganz anderen Augen - und habe den Kontakt abgebrochen, nachdem sie auch mich anfing anzufeinden.

      Ich musste es mal los werden.

      Besten Dank fürs Lesen.

      LG

      • Danke für diesen Beitrag.
        Ich fühle mich auch oft wie eine Versagerin, weil ich 2 Kinder (2 Jahre, 7 Monate), 2 Hunde, Haushalt und Co. nicht mal eben so locker immer gut gelaunt und problemlos meistere bzw. oft fertig und auch mal genervt bin und mich immer an den „Friede-Freude-Eierkuchen-Frauen“ bzw. -Menschen orientiere. Aber ich glaube eben auch, dass die meisten eben einfach nur gute Schauspieler sind und nach Außen ihren Schein wahren wollen. Natürlich nicht alle, aber doch viele. Ich ertappe mich immer wieder, dass es mir durch den Vergleich schlecht geht und versuche mich von solchen Menschen zu distanzieren und ehrliche Menschen um mich zu haben. Das geht natürlich nur bedingt. Noch bin ich in Elternzeit und sollte eigentlich auch noch alles im Griff haben. Hab ich aber nicht immer....meine Nerven sind manchmal einfach bis zur Grenze gespannt. Ich packe es - gehe aber oft absolut auf dem Zahnfleisch. Mein Mann arbeitet fast nur (im Schichtdienst) und ich habe mittlerweile nicht mehr den Anspruch alles perfekt zu machen. Und was andere machen und schaffen ist zunehmend weniger wichtig. Oft fällt die Fassade irgendwann. Wie in Deinem Beispiel. Ich wünsche Euch ALLES Gute und Du kannst mehr als stolz auf Dich sein. Ich finde ehrlich gesagt Kinder sind schon fast ein Vollzeitjob, aber gleichzeitig noch Arbeit, Haushalt, Garten etc. - da kommt sicher jeder / jede mal (oder auch mal öfter) an ihre Grenze (oder gibt es nicht zu) ;-) Liebe Grüße

        >>>Das setzte mich unter Druck. Ich fühlte mich zunehmend schlechter.<<<

        Mir ist schleierhaft, warum Frauen sich so oft (auch im Berufsleben) von solchen Behauptungen ins Bockshorn jagen lassen.

        In deinem Beispiel: "Meine Mutter hatte 4 Kinder und hat alles geschafft. Vollzeit in der Gastro, Haus, Garten, Aktivitäten der Kinder, blitzeblanker Haushalt, sauberes Auto."

        Warum glauben Frauen sowas? Mit ein wenig Nachdenken und "Stunden zählen" ist doch klar, dass das so nicht sein kann. Dass irgendwas unter den Tisch fallen MUSS, denn für jeden hat der Tag nur 24 Stunden.

        Und vor allem: Warum hat dein Mann dich so unter Druck gesetzt? Was wollte er damit erreichen?

        • (4) 09.07.18 - 14:17

          Hallo,

          ja Du hast Recht.
          Warum habe ich mir das einreden lassen? Weil ich auf die Worte meines Mannes vertraut habe.

          Mein Mann wollte mich nicht direkt unter Druck setzen.
          Laut seiner Therapeutin fühlte er sich durch unsere neue Familiensituation mit Baby in seine eigene Kindheit zurückversetzt und hat verglichen.
          Dass seine Kindheit aber absolut schrecklich war, hat er durch eine Verdrängungsmethode "vergessen" und die schlechten Erinnerungen gegen schöne getauscht. In seiner Erinnerung war alles perfekt und deswegen meinte er wohl, ich müsste es doch auch locker so hinbekommen.

          Ich bin ihm nicht böse - er hat es eingesehen.

      Und selbst wenn diese Frau das so locker hinbekommen hätte - den Schuh musst Du Dir deswegen nicht anziehen. Jeder hat seine eigene Belastbarkeitsgrenze und das haben alle anderen Menschen nicht zu kritisieren.

      Naja... gleich den Kontakt mit Deiner Schwiegermutter abbrechen, weil sie doch nicht die tolle Mutter war, wie es schien, finde ich sehr überzogen. Niemand ist perfekt, du beschwerst dich selbst, dass alles zuviel ist - da wird ihr damals mit vier Kindern und ohne Mann so richtig der Spaß vergangenen sein. Die alten Erziehungsmethoden waren oft ziemlich grausam gesehen (wenn mit heute verglichen), aber vielleicht wusste sie es nicht besser und hat selber alte Muster wiederholt? Das soll nichts entschuldigen, aber ich finde es anmaßend von Dir, jetzt über sie zu urteilen.
      Wenn du dir hast einreden lassen, dass alles besser sein müsste, ist es nicht ihre Schuld, sondern eine Schwachstelle deines Selbstwertgefühls.
      Ich kann verstehen, dass Anfeindungen ihrerseits nerven, aber vielleicht hast du sie auch provoziert mit deinem ach so geschockten Verhalten.

      • (7) 10.07.18 - 11:44

        Hallo,

        ich weiss, ich habe hier nur einen kurzen Auszug gegeben und es mag wirken, als wäre dies die ganze Geschichte. Ist sie aber nicht. Der Rattenschwanz zieht sich vieeel länger. Der Kontaktabbruch wurde von meinem Mann veranlasst und ich ziehe mit. Aus diversen weiteren Gründen. Ich möchte und werde hier nicht alles detailliert darlegen.

        Ich gebe ihr nicht die Schule für meine "Schwachstelle". Und welches "Ach so geschocktes Verhalten" Du jetzt meinst, verstehe ich nicht ganz. Ich habe mit ihr darüber nie gesprochen. Es war einfach der Punkt, der das Faß zum Überlaufen brachte.

        Das soll es dazu gewesen sein.

    (8) 09.07.18 - 18:15

    Der Text ist sehr interessant und bereichernd aber an einer Stelle musste ich stutzen:
    „Mein Mann hilft mir. Ob im Haushalt oder mit dem Kind - kein Thema..“

    Warum hilft er dir? Warum macht ihr es nicht gemeinsam?

    In einer Zeit der Gleichberechtigung von Mann und Frau finde ich seltsam wenn davon ausgegangen wird, dass die Frau sich um Haushalt kümmert und der Mann „hilft“.

    Als kleiner Denkanstoß gedacht.

    • (9) 10.07.18 - 11:45

      Hallo,

      Danke erst einmal für Dein Feedback.

      Aber häng' Dich nicht an dem Wort "hilft" auf.

      Es war allgemein gemeint, dass wir uns gegenseitig im Haushalt unterstützen.
      Für ihn war das immer ok so, auch wenn er es Zuhause anders vorgelebt bekommen hat.

Ein klein wenig gesunder Menschenverstand hätte für diese Erkenntnis aber auch gereicht.

Und wofür du deinem Mann dankst, versteh ich jetzt nicht. War er nicht immer derjenige, der behauptet hat, seine Mutter hätte das locker geschafft??

LG Claudi

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