Der Betrug und die Zeit danach

    • (1) 12.07.18 - 21:13
      Inaktiv

      „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

      Letztes Jahr habe ich herausgefunden, dass ich betrogen wurde. Ich dachte immer, dass bei uns alles passt. Aus heutiger Sicht denke ich, dass reden und Offenheit der Schlüssel zum Glück sein kann. Es war eine harte Zeit, in der ich anfangs, trotz der drei Kinder, die Trennung wollte. Niemals hätte ich gedacht, so etwas verzeihen zu wollen. Doch das ist nur der Stolz, der so denkt. Denn eigentlich war für mich klar, ich möchte mein Leben mit ihm verbringen. Bis zum Schluss. Nachdem ich also herausgefunden hatte was ich eigentlich wollte, haben wir angefangen zu reden. Über den Betrug, die Zeit davor, die Gründe. Alles. Es gab viele Tränen. Ich wusste, dass das ein harter und anstrengender Weg sein wird. Ist er immer noch. Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber es wird langsam besser. Manchmal frage ich mich, ob ich etwas am Verhalten hätte bemerken müssen. Aber solche Gedanken machen einen nur kaputt. Die Paartherapie war und ist da für uns wirklich sehr hilfreich.

      Wir sind nun feinfühliger und sensibler für den Anderen. Wir haben uns neu positioniert und beide haben wir für die Beziehung gekämpft. Er hatte genauso gut auch sagen können, dass er die Scheidung möchte. Wir haben uns füreinander entschieden. Und egal wie das hier ausgeht, ich glaube nicht, dass es die falsche Entscheidung war oder Zeitverschwendung. Selbst wenn es uns trotzdem irgendwann zerreißt, war es die Mühe wert.

      Ich wollte das nur mal von der Seele schreiben und anderen Mut machen, die sowas erleben mussten. Bleibt im Gespräch, habt viel Verständnis und bleibt bei euch selbst.

      • (2) 12.07.18 - 21:33

        Ich weiß wie es dir geht...
        Habe letztes Jahr erfahren, dass mich mein Partner ein Jahr zuvor (also jetzt vor 2 Jahren) betrogen hat.
        Hätte auch nie gedacht das ich sowas verzeihen kann. Aber irgendwie kann man sich auch nicht von heut auf morgen entlieben.
        Alles Gute weiterhin!

      (4) 12.07.18 - 21:53

      Meine Reaktion war anfangs sehr impulsiv. Er hat es mir von ganz alleine gesagt, ich habe ihn nicht groß reden lassen und gleich gesagt: es ist aus.
      Er hat das akzeptiert und mir Zeit und Raum gegeben. Auch dank unseren Kindern war er immer präsent. Diese Zeit auseinander hat uns im Nachhinein wohl gerettet. Es war immer sehr ungezwungen, wir hatten, weil wir ja getrennt waren, keinen Druck oder den dauerhaften Gedanken „Wir müssen es schaffen“. Wir haben uns über diese Zeit langsam wieder angenähert und begonnen zu reden. Ich merkte schnell, vieles blieb ungesagt. Wir haben also unendlich viel geredet, analysiert,.... Es war eine schwere, aber auch schöne und intensive Zeit. Eine Sache nur zwischen uns, keiner wusste über Annäherungsversuche. Wir haben uns die Zeit genommen die wir brauchten. Am Ende waren wir uns sicher wir möchten es noch einmal versuchten. Uns war klar es ist nicht einfach wieder gut. Wir haben uns Hilfe geholten, arbeiten auch heute noch intensiv an unserer Beziehung. Unsere Kommunikation ist so viel besser geworden. Es fühlt sich gut und richtig an.
      Das mal von uns.
      Euch weiterhin alles Gute!

    • (5) 12.07.18 - 22:10

      Ich weiß nicht, ob ich so mutig gewesen wäre...ich glaube mich hätte es innerlich so zerissen, dass man keinen Ausweg mehr gehabt hätte, als die Trennung... aber vielleicht sage ich es ja nur jetzt so und im Endeffekt kommt es anders... man sagt auch immer, man solle sie Vergangenheit zurück lassen und ich finde es sehr stark und bemerkenswert von dir, dass du es so gut geschafft hast! Ich wünsche euch alles Liebe 💕

      • (6) 12.07.18 - 22:35

        Glaub mir, das ist einer der Dinge bei denen man zwar meinen kann zu wissen wie man sich verhalten würde. Aber passiert es wirklich, ist es nochmal etwas ganz anderes. Ich hätte vorher auch gedacht niemals, das war ja auch mein erste Reaktion ohne weitere Gedanken.
        Sprichwörter gibt es viele. Ich lese in dem Zusammenhang oft aufgewärmter Kaffee schmeckt nicht. Aber auf der anderen Seite, es gibt Dinge die man erst einmal ziehen lässt und Dinge die später viel besser schmecken :-D

        • (7) 12.07.18 - 23:03

          Ja das kann ich auch nachvollziehen... ich liebe meinen Partner auch wirklich sehr sehr! Und ich kann mir nicht ausmalen, was ich ohne ihn machen würde... aber die Unsicherheit wäre immer da.. ob er nicht vielleicht wieder fremdgeht, wenn ich ihn schon das erste mal verziehen hätte.. wie schaffst du es diese Zweifel beiseite zu stellen ?

          • (8) 12.07.18 - 23:24

            Den Gedanke kenne ich bisher nicht wirklich um ehrlich zu sein. Rückblickend haben wir beide damals sehr viele Fehler gemacht, unserer Beziehung ging es nicht gut, auch wenn Streit usw. kein Problem war. Wir haben irgendwie nebeneinander gelebt, zu wenig kommuniziert, Dinge die und wichtig waren und Wünsche nicht geäußert,...
            Und er hat dann einen sehr großen Fehler begangen.
            Jetzt wo ich alle seinen Gedankengänge dazu kenne, kann ich schon verstehen was er da gesehen hat. Schön reden kann man es natürlich trotzdem nicht, es ist und bleibt ein Fehler und da sind wir uns auch einig.
            Unsere Beziehung ist jetzt einfach eine komplett andere. Ich denke wenn der Gedanke sehr stark ist, ist es problematisch. Denn dafür muss es ja einen Grund geben.. Vielleicht ist man dann doch ein Mensch der mit sowas nicht leben kann. Vielleicht ist die Beziehung (noch) nicht wieder auf dem Berg oder die Probleme halten an. Oder oder oder.
            Ist halt auch sehr schwer. Menschen,Beziehungen,Affären,... sind so unterschiedlich.
            Bei uns war das Ganze eher platonisch. Nette Worte, Aufregend,.. Der Zeitrahmen war ein kleiner, er kam von selbst zu mir und packte alles auf den Tisch. Die Ausgangslage spielt eine sehr große Rolle!

    Ich wünsche euch viel Kraft.

    Der Fremdgänger hat nicht die Absicht, dass der andere kaputt geht. Die Folgen sind natürlich gewaltig.

    Ich finde es gut, dass ihr auf dem Weg seit.

    Hast du in Ansätzen nachvollziehen können, warum er das tat?

    Gekränkter Stolz ist das eine.

    Aber letztlich würde mich aufwühlen, dass der andere das „uns“ verraten hat.
    Ein Dritter, der letztlich mehr wusste als der eigene Partner. Diesen Verrat könnte ich schwer verdauen.

    LG

    • (10) 13.07.18 - 08:07

      So sehe ich das eben nicht (mehr). Der Dritte wusste nicht mehr, er wusste aus einem bestimmten Teilbereich mehr. Ich muss vielleicht dazu sagen, dass es in meinem Fall keine Affäre war, sondern ein einmaliger Betrug. Deshalb kann und will ich mir bezüglich Affären keine Meinung erlauben.

(11) 13.07.18 - 07:41

Ich könnte das nicht, wäre auch nichts für mich.

Für mich ist Vertrauen viel zu wichtig und ich könnte es nicht bei jemanden wieder aufbauen der mich so gekonnt belogen hat, da könnte er jetzt bereuen und kämpfen wie er wollte, aber Fakt ist: Er hat so gut gelogen, dass ich nichts bemerkt habe und das kann immer wieder sein.

Hinzu hätte er vorher mit mir reden können wenn man mich doch angeblich liebt, nein, er redet lieber mit einer Anderen über mich und ich bin die Dumme Nuss.

Klar, kann ich seine gute Absichten jetzt verstehen und auch die Gründe warum und so....aber es ändert nichts daran, dass er super gut gelogen hat und mit mir vorher hätte richtig reden können.

Jetzt wird auf einmal geredet, es wird aufgearbeitet usw....aber letztlich ist es so, dass nur einer auf Jahre ( still ) leidet und das ist die Betrogene.
Im ganzen Spiel ist nur die Betrogene die Dumme, von A - Z!
Denn sie kämpft am meisten, sie versteht am meisten, sie handelt am meisten, sie macht sich die meisten Gedanken und gibt sich netterweise auch am meisten die Schuld....

Dat liebe Kerlchen hat belogen, betrogen, ihm war der Partner nicht wert genug um mal vernünftig zu reden usw....und jetzt macht er alles mit, bereut auch mal usw....aber er braucht nicht Ansatzweise das zu leisten und würde es auch nicht machen wenn er es müsste, was die Betrogene leisten muss und das noch Jahre....

Da ist es doch kein Wunder wenn eine Ehe wieder funktionieren kann ....

Aber achja, das nennt man ja Liebe.... ( und ja, ich meine dieses "Liebe" sehr ironisch )

Für mich hat Liebe eine andere und auch viel mehr Bedeutung als sowas....
Dieses "wie in guten, so auch in schlechten Zeiten" oder "man kann nicht sofort alles hinschmeißen", sind für mich Ausreden ...Liebe bedeutet mehr....von beiden Seiten....

  • (12) 13.07.18 - 08:02

    Danke für deinen Beitrag. Ich habe genauso geredet wie du, bevor ich betrogen wurde. Daher bin ich der Meinung, dass wenn man dann in einer Situation ist, unter Umständen vielleicht doch ganz anders reagiert. Du kannst es nicht nachvollziehen und ich hoffe für dich, dass bleibt auch so. Alle die sowas erlebt haben, wissen warum ich das so sagen kann. Letztlich ist es tatsächlich in guten wie in schlechten Zeiten. Es KANN zusammenschweißen. Meinem Mann ging es in der Zeit sich sehr schlecht. Es ist nicht einfach zu mit anzusehen wie der Partner unter dem eigenen Fehler leidet und fast zerbricht. Es wäre für ihn auch viel angenehmer gewesen einfach zu fliehen und die Sache zu beenden. Letztlich kommt es auch viel auf das Verhalten des Partners an, ob er mit dem Druck umgehen kann. Und wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, dass er es ernst meint, dann hätte ich vielleicht auch nicht den Mut gehabt.
    Jede Beziehung ist letztlich ab viele Bedingungen geknüpft. Jeder muss sich so verhalten wie der andere es erwartet. Liebt man dann eigentlich seinen Partner, oder sein Verhalten? Ich kann sagen, dass man so einen Fehler verzeihen muss. Kann man das nicht, dann wird es denke ich nicht funktionieren. Verzeihen ist aber ein Prozess, dass entscheidet man zwar aber das passiert nicht von heute auf morgen. Ich will nicht sagen, dass jetzt alles viel besser ist als vorher. Einiges ist besser. Vieles läuft jetzt anders. Und dann ist da die Vergangenheit. Aber wie gesagt, ich blicke in die Zukunft. Denn verzeihen hat viel mit den eigenen Gedanken zu tun.

    (13) 13.07.18 - 08:54

    Ich musste grad schmunzeln als ich deinen Beitrag las...

    Zitat:“Er hat so gut gelogen,dass ich nichts bemerkt habe und das kann immer wieder sein.“

    Woher möchtest du also 100%ig wissen das dein Partner treu ist??
    Du schreibst ja selbst das Fremdgänger sehr gut darin sind zu lügen.
    Ich möchte gar nicht wissen wieviel Betrogene es gibt die nichts davon wissen.

    • "Ich möchte gar nicht wissen wieviel Betrogene es gibt die nichts davon wissen."
      Das denke ich mir auch oft. Und ich bin immer wieder fasziniert, wie gerade Männer (ansonsten ja absolut Multitasking unfähig!!) das schaffen. Ich muss da unweigerlich an Jörg Kachel... denken, der es schaffte, 14(!!!!) Frauen parallel laufen zu haben.#gruebel
      Aber in der Realität kann das doch eigentlich nur bei Partnern sein, die pendeln, viel auf Dienstreise sind o.ä.
      Ein "normaler" Familienvater der abends um 17uhr zu Hause ist und auch am Wochenende Zeit mit der Familie verbringt, würde so ein Doppelleben doch gar nicht hinbekommen?!#kratz
      An die TE: super dass du das schaffst und die Therapie dir so gut zu helfen scheint. Ich kann mich von der Einstellung her...l... nur voll anschließen. Bei mir würde die Tatsache, dass er normal weitermachte ohne dass ich was bermerkte, einfach zu schwer wiegen.
      #winke
      Alles Gute weiterhin!

      • (15) 13.07.18 - 15:27

        Es geht ja hierbei nicht um langjährige Affären sondern einen einmaligen Ausrutscher.
        Und der kann auch einem Familienvater passieren der immer präsent ist.
        Er wird ja auch mal Zeit mit seinen Kumpels oder allein verbringen... und dabei könnte es wohl schonmal passieren.
        Oder man nimmt sich einen freien Tag, wenn man gezielter darauf aus ist.
        Da kann man auch locker den selben Tagesablauf vorspielen.
        Ich denke also nicht das es nur ein Phänomen von „Dienstreisenden“ ist.

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