Trennung nach Kindsverlust

    • (1) 14.07.18 - 12:35
      lebennachverlust

      Hallo Zusammen

      Ich bin ziemlich verzweifelt. Mein Freund und ich haben uns getrennt nach einer unvorstellbar schlimmen Zeit.

      Wie es dazu gekommen ist? Im 6. Monat haben wir unser Kind verloren. Wir waren das Traumpaar schlechthin und ich habe noch nie einen Menschen so sehr geliebt wie ihn. Wir haben sogar darüber nachgedacht, bald zu heiraten, trotz grossem Altersunterschied (ich 23, er 39). Wir hatten eine vollkommen intakte, harmonische Beziehung und unternahmen auch sehr viel zusammen.

      Während der Schwangerschaft aber fing es dann an - haben uns täglich gestritten, eigentlich nur über Finanzen (ich bin noch ziemlich lange in der Ausbildung und er arbeitet voll - er wollte mich schlussendlich nicht unterstützen, was mich sogar dazu treiben wollte, mich schon vorher zu trennen). Ich war während der SS jeden Tag verzweifelt, weil ich nicht wusste, wie ich das schaffen werde ohne Unterstützung, da ich selbst Scheidungskind bin und dies nie meinen Kindern antun wollte.

      Nun kam der traurigste Tag meines Lebens - unser Sohn ist von uns gegangen in der 22. SSW. Es brach eine Welt für mich zusammen. Anstatt zusammenzuhalten habe ich mich vollkommen abgeschottet und mich von ihm distanziert. Ich konnte ihn nicht mehr sehen, weil ich bis heute nicht verstehen kann, wieso er mich nicht unterstützen wollte. Ich konnte mir alles mit ihm vorstellen (Familie, Heirat, Kinder...).

      Ich habe nach unserem Kindsverlust Schluss gemacht. Es tut so weh, weil ich ihn immer noch sehr liebe und jeden Tag an ihn und unser Kind denke. Wir beide funktionieren im Alltag nicht mehr - und ich bin mittlerweile schlimm depressiv geworden (schlafe 12h/d, bin traurig, weine viel, möchte meine Freunde nicht mehr sehen...). Im Moment schreiben wir uns nur SMS, aber ich weiss nicht, was ich tun soll. Ihn vergessen, ihm eine Chance geben, nur Freunde sein...? Ich weiss, dass wir uns immer lieben werden im Herzen, aber dass es so nicht mehr weiter geht...

      • Zunächst mal mein Beileid für deinen schmerzhaften Verlust.

        Wieviel eine Beziehung wirklich wert ist, merkt man häufig erst, wenn die Situation unangenehm ist und Stress und Lasten auf einen zukommen. Liebe reicht nicht aus, was entscheidend ist, ist der beidseitige unbedingte Wille, füreinander da zu sein und Härten gemeinsam durchzustehen, auch wenn davon laufen oder passiv bleiben und die Dinge schleifen zu lassen im Augenblick die angenehmere Option wäre.

        Hallo,

        für mich gibt es bei euch zwei Punkte: Einmal den Verlust des Kindes, dafür mein Beileid, denn das ist wirklich schrecklich. An dieser Position weiß ich jetzt nicht, wie er damit emotional umgegangen ist und wie er sich durch deine Reaktion des Abschottens fühlt. Auch er hat ein Kind verloren, leider werden Väter dabei gern vergessen, denn sie sind ja nur "mittelbar" betroffen, so denken Viele.

        Die andere Position ist die des "Unterstützens". Du schreibst, dass Dein Partner wesentlich älter ist und dadurch wohl fest im Leben steht. Wie waren denn seine früheren Beziehungen? Hatte er langjährige Beziehungen? Eine Ehe? Hat er vielleicht die Erfahrung gemacht, als Versorger ausgenutzt worden zu sein? Ist er deshalb vielleicht vorsichtiger und erwartet Selbständigkeit und Eigenverantwortung? Hat er bereits ältere Kinder, die er unterstützt, Kriege um Unterhalt geführt?

        Wenn ihr ein Kind bekommt, löst das finanzielle Verpflichtungen aus. Und sicherlich sollte man auch ohne gemeinsame Kinder in einer Beziehung füreinander einstehen. Allerdings hat dabei wohl jeder Mensch eine andere Schmerzgrenze. Wenn seine Schmerzgrenze niedrig angesiedelt ist, werdet ihr immer Konflikte haben, wenn du erwartest, dass er dich finanziell unterstützt. Dabei muss dir bewusst sein, dass er dafür keine Verpflichtung hat. Man könnte höchstens eine moralische Verpflichtung herleiten, wenn ihr zusammen wohnt und der möchte, dass du an seinem Lebensstil teilhast und du das aber alleine finanziell nicht kannst.

        Habt ihr vor der Schwangerschaft nie darüber geredet, wie das funktionieren soll? Unverheiratet, du ohne Ausbildung und ohne festen Job mit vollem Einkommen?

        Ich denke, ihr müsst den Verlust des Babys aufarbeiten, du erst mal für dich auf die Füße kommen. Und dann - wenn überhaupt, von vorn anfangen. Ggf. du in einer kleinen Wohnung, er in seiner, jeder für sich. Und dann schauen, was ihr euch gemeinsame erarbeiten könnt und welche gemeinsamen Ziele ihr habt. Wenn ihr zusammen bleibt und noch ein Baby bekommt, würde ich an deiner Stelle, wenn ihr nicht heiratet, auf keinen Fall ein klassisches Rollenmodell eingehen. Dir muss bewusst sein, dass du finanziell im Eimer bist, wenn das dann doch mit euch schief geht. Wenn ihr heiraten solltet, würde ich einen Ehevertrag aufsetzen und unabhängig davon immer dafür sorgen, dass du finanziell auf eigenen Füßen stehen könntest. Davon mal abgesehen, dass ich das im Jahr 2018 für normal halte, hat dein Freund dir bereits in guten Zeiten seine Haltung gezeigt und du solltest darauf vertrauen, dass sie in schlechten Zeiten nicht wohlwollender ausfallen wird.

        LG

        • (4) 14.07.18 - 14:21

          Danke für eure Antworten. Das stimmt, erst wenn ernste Dinge auf einen zukommen, sieht man das wahre Gesicht des Partners.
          Ich weiss nicht was, aber irgendwas hindert mich daran, ihn loszulassen. Vielleicht weil ich ihn auch so geliebt habe...

          Und klar, mir ist auch bewusst, dass er als Rolle des Vaters einen schlimmen Verlust erlitten hat. Er macht mittlerweile auch eine Therapie, soviel wie ich noch mitbekommen habe.

          Ich war immer unabhängig in der Beziehung und wollte das auch immer bleiben, deswegen habe ich noch bei den Eltern gewohnt - bis zur SS. Habe auch finanziell nie etwas verlangt, obwohl ich immer aufs Geld schauen musste, da ich meine Eltern nicht anpumpen kann (sprich: meine Ausbildung habe ich immer selbst bezahlt. Eine eigene Wohnung liegt sicher nicht drin). Da ich dann aber mit Kind und einer 100% Ausbildung nicht arbeiten gehen könnte, wurde ich panisch. Bisher hat es dank meinem Nebenjob immer gereicht.
          Er hat keine "Altlasten", sprich hat keine eigenen Kinder, war noch nie verheiratet, hatte bis jetzt nur einige Beziehungen. Hat einen guten Uni-Abschluss und Beruf (ist Ingenieur) und wohnt zusammen mit einer Mitbewohnerin in einer Whg. (damit er Geld sparen kann). Das habe ich aber immer akzeptiert. Er wollte, nach dem das Baby gekommen wäre, die Mitbewohnerin auch noch da wohnen lassen, was ich auch akzeptiert hätte (aber vielleicht ungern - dennoch weiss ich wie es ist, mit einem Lohn in einem Haushalt auszukommen, deswegen die Akzeptanz).
          Aber ich finde es halt auch was anderes, wenn man sich entscheidet, eine gemeinsame Familie zu gründen, oder in einer Beziehung ohne Kinder lebt.

          • Dann scheint er doch aber generell eher sparsam bis geizig zu sein? Er wird als Ingenieur mit nun einigen Jahren Berufserfahrung sicher nicht auf eine WG angewiesen sein. Mit Kind hättest Du Anspruch auf Kindesunterhalt und auch auf Unterhalt für Dich gehabt.

            LG

      Der Verlust deines Kindes tut mir sehr leid, eine entsetzliche Erfahrung die du durchmachen musst. Ich hoffe sehr, dass du trotz der Trauer bald wieder etwas Freude am Leben findest, deinem Kind, leider nicht an deiner Hand, aber durch deine Augen, deine Gedanken die Welt zeigen kannst.

      Was eure Partnerschaft anbelangt, auch hier tut es mir leid, dass du das durchmachen musst. Dennoch muss ich sagen, dass du meiner Ansicht nach eine Illusion, eine Vorstellung von Beziehung, Partnerschaft verloren hast. Denn seinerseits kann es sich unmöglich um echte Liebe gehandelt haben. Ansonsten wäre es für ihn absolut kein Thema gewesen, dich und erst recht das gemeinsame Kind zu unterstützen, in jeder Hinsicht, finanziell, zeitlich usw.
      Ich gehe davon aus, dass du ihn geliebt hast, oder noch liebst, er hingegen scheint ein schäbiges, geiziges, egozentrisches Wesen zu sein, der sicher die Annehmlichkeiten liebte, nämlich die junge Frau die ihn liebt, anhimmelt und ihm sein Leben bunt und angenehm macht.

    • Hi du! Mein herzlichstes Beileid zu deinem Verlust. Aber ich muss sagen ich fand eure Beziehung schon vorher nicht so toll wie sie für dich gewesen ist. Denn wenn du selbst schreibst wollte er dich nicht mal unterstützen!!!! Sorry es ist auch sein Kind gewesen ( War es geplant?) und wenn es erwünscht war sollte diesem Bauern doch klar gewesen sein das man hier als Frau vielleicht auch ne Zeitlang Unterstützung braucht. Das fand ich schon ziemlich rücksichtslos von ihm.

      Viel Glück

      Ela

      • (8) 17.07.18 - 08:13

        Vielen Dank für eure Antworten.
        Das Kind war nicht geplant gewesen, aber wir wussten, wenn es passiert, dann behalten wir es.
        Schade, dass es so kommen musste. Ich werde jetzt nach vorne schauen ohne meinen Exfreund. Für mich wäre es selbstverständlich gewesen, meinen Partner zu unterstützen.
        Lg

        • OK wenn das Kind nicht geplant war könnte das möglicherweise einiges erklären. Man kann vorher leicht sagen wenns passiert bin ich da. Aber in der Praxis merkt man eben doch das sich mehr ändert als man sich möglicherweise hatte vorstellen können. Von daher trotzdem schade für dich. Die Enttäuschung hätte man sich bestimmt nicht gewünscht. Und ja ich denke auch man kann seinen Partner unterstützen oder die Partnerin. Denn sonst hätte er schließlich gleich etwas sagen können/müssen.
          Liebe Grüße Ela

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