Ich habe mich verändert

    • (1) 15.07.18 - 23:28
      Teufelskreis

      Hallo zusammen.
      Mein langjähriger Freund ich stecken im Moment in einer Krise aus der wir gerade nicht raus kommen.

      Wir sind seit über 10 Jahren ein Paar und waren eigentlich schon immer grundverschieden, was beide bisher nie wirklich gestört hat. Wir sind beide 30 Jahre alt.

      Vor 3 Jahren kam unser gemeinsames Kind auf die Welt und mit ihm habe ich mich schon etwas verändert. Ich versuche finanzielle Sicherheit, Haus und Absicherung an oberste Priorität zu stellen (vorher natürlich nicht, weil es kein Haus und somit keine finanziellen Verpflichtung gab außer eine billige Mietwohnung, die wir mit 2 Vollzeitjobs locker bezahlen konnten). Ich gebe auch genug Geld für Schick Schnack aus, treffe mich alleine mit Freunden, fahre alleine für ein paar Tage weg usw. Bin also trotz Kind nicht zur Spießerin mutiert. Wenn man allerdings meinen Freund als Vergleich sieht, stehe ich als die total spießige Spielverderberin dar. Er ist der Inbegriff von Freiheit. Durch Schichtarbeit seinerseits und Teilzeit meinerseits verbringen wir überdurchschnittlich viel Zeit als Familie miteinander. Er versucht "als Ausgleich" jede freie Minute mit Ausgehen, Freunde treffen usw zu verbringen und fährt auch >5 mal im Jahr übers verlängerte Wochenende mit Kumpels in den Urlaub (wir als Paar/Familie machen aber auch Urlaub ). Früher habe ich ihn für seine freie und spontane Art geliebt, heute ist es mir ehrlich gesagt zu extrem.
      Ich muss ehrlich zugeben, es liegt nicht an ihm, sondern an meiner Erwartungshaltung, die nicht erfüllt wurde.
      Ich hatte doch irgendwie erwartet, dass er etwas ruhiger wird sobald das Kind da ist, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich erwarte nicht, dass er nur noch daheim hockt, Geld für die Rente zurück legt und nur noch Daddy spielt, aber etwas Zurückhaltung hatte ich schon erwartet. Also mein Problem ist nicht, dass er sich verändert hat, sondern dass er sich nicht (wie ich) durch die neue Elternrolle verändert hat.
      Er ist quasi das ewige Kind und ich mitlerweile (zumindest gefühlt)erwachsen. Er sagt auch immer, dass er nie erwachsen sein will/wird. Er verbindet dieses Wort nur mit negativen Verhaltensweisen und versucht mit Absicht nicht erwachsen zu wirken.
      Wir haben mit Mitte 20 ein Haus gebaut und unser Kind bekommen. Mitlerweile haben wir festgestellt, dass das für ihn einfach alles 10 Jahre zu früh war. Diese große Verantwortung Gegenüber dem Kind und dieser große Kredit in so jungen Jahren haben ihm, denke ich, Panik bereitet im Nachhinein betrachtet. Er sagte mir auch mal, dass er nie wieder Vater werden will (zu viel Verantwortung )und wenn er sein Leben nochmal leben könnte unser Kind mindestens 10 Jahre später auf die Welt käme. Er liebt unser Kind, ist aber manchmal etwas überfordert. Gut. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich schätze diese Erkenntnis hatten schon einige Menschen. Nichts desto trotz ist es ja nicht mehr zu ändern und man muss versuchen das beste drauß zu machen.

      Ich hatte zwischenzeitlich sogar über Trennung (trotz vorhandener starker Gefühle beidseitig) nachgedacht (auch in Gesprächen geäußerst), weil wir uns mitlerweile in so vielen Ansichten stark unterscheiden. Da ich ihn aber liebe (und er mich), wäre das ja totaler Unfug (noch dazu würde ich unserem Kind den Vater nehmen). Nach vielen Gesprächen sind wir nun zu dem Schluss gekommen, dass alles so weiterlaufen wird, wie bisher. Solange alle unsere monatlichen Kosten gedeckt sind kann er (und ich auch, er lässt mir auch alle Freiheiten) machen was er will, da es für mich weniger schlimm ist mehr Freiheit zu geben als für ihn Freiheit einzubüßen.
      Das Problem ist jetzt, das er total enttäuscht ist, dass ich einige Charakterzüge (natürlich nicht alle), die einen Großteil seiner Persönlichkeit ausmachen, nicht mehr total toll finde, sondern nur noch dulde, damit er nicht unglücklich ist (und das wäre er zutiefst, sobald er sich eingeschränkt fühlt). Aber ich kann es mir ja nicht erzwingen ihm zum 6.Jungswochenende dieses Jahr aus tiefstem Herzen viel Spaß zu wünschen (weil ich es absolut übertrieben finde),wenn ich es nicht wirklich so meine.
      Dementsprechend ist die Stimmung bei uns zu Hause schon den ganzen Frühling/Sommer total angespannt und alles wirkt irgendwie gezwungen. Er möchte auch nicht, dass ich unglücklich bin und meine (negativen) Gefühle unterdrücke und mich dadurch verstelle, ist aber selbst nicht dazu bereit etwas zu ändern (würde er dauerhaft nicht "durchhalten", weil er ja etwas ändern würde, wovon er persönlich nicht überzeugt ist). Also so oder so.... einer von uns (in diesem Fall ich) muss die Situationen schlucken und der andere ist traurig, weil er weis, dass der Partner nur ihm zu liebe abnickt obwohl er innerlich anders fühlt. Es ist so verzwickt und wir drehen uns im Kreis.... Vielleicht hat ja jemand einen Tipp wie wir aus diesem Kreis rauskommen

      • Hi,

        Ich verstehe das Problem nicht ganz. Ihr habt überdurchschnittlich viel Zeit als Familie, kohletechnisch scheint es auch zu passen - wo genau ist dein Problem?

        Lg

        • Oh Gott ja es klingt furchtbar nach Luxusproblem. Ich interpretiere irgendwie automatisch rein, dass er lieber Zeit mit anderen verbringt. Warum muss man jeden Monat über ein verlängertes We weg, wenn daheim Frau und Kind sind? Ich wurde irgendwie so erzogen, dass es irgendwann dann auch mal gut ist und man "überschüssiges" Geld anderweitig investiert (Auto, Sondertildung Kredit etc)
          Glaub mir, ich wäre lieber "so cool" wie er diesbezüglich, kann meine Gefühle ja aber auch nicht steuern oder beeinflussen. Mir tut das auch echt leid :-(

      Ja Du hast Dich verändert, was aber auch normal ist...
      Das Du gerne etwas mehr Wert auf Sicherheit legst ist verständlich.
      Besprich das doch mit Ihm das es Dir um Sicherheit geht und Du Dir sorgen um die Zukunft machst. Vielleicht hilft Euch ein extra Sparplan oder eine extra Versicherung die alles zusätzliche abdecken kann im Unglücksfall( was man nie erhofft das er eintritt aber es beruhigt ungemein) dann könntest Du mit diesem Extra ein bisschen gelassender werden.
      Denn die Leichtigkeit ist Dir etwas abhanden gekommen.
      Die ersten zehn Jahre sind nun um und die sind bekanntlich die schwersten wenn man ein Haus kauft oder baut... eventuell solltet Ihr umschulden?
      Denn damit kann die finanzielle Last sinken und der Sparplan könnte in Kraft treten...
      Was ich meine :weniger monatliche Kreditrate dank Umschuldung und der Restbetrag bis zur alten Kreditratenhöhe könnte in einen Sparplan fliessen... " schließlich seit Ihr ja bis dato auch gut über die Runden gekommen und so müsste sich keiner weiter einschränken...aber das gewisse EXTRA für dein wohlbefinden wäre dann da....
      Manchmal ist es eben auch nur eine Kopfsache die einen im Kreis laufen lässt....

    • Ich finde es jetzt nicht allzu übertrieben, dass er im Schnitt alle acht Wochen mal mit seinen Freunden weg ist, dafür ist er wahrscheinlich die anderen Wochenenden mit Euch am Start? Ich bin auch ein freiheitsliebender Mensch und wir sind viel unterwegs, mal alleine, mal zu zweit.
      Gut, das hilft Dir nicht weiter, wenn Du Dir nun mal was Anderes unter Familienleben vorstellst.
      Ich hätte die Krise bekommen und mich wie im Gefängnis gefühlt, wenn ich mit Mitte Zwanzig ein Haus und Kind gehabt hätte!
      Er braucht wohl den Ausgleich zu seinem geregelten Leben mit all der Verantwortung, die ihm (leider für Dich) zu viel ist.
      Ich fürchte fast, bei Euch ist kein gescheiter Kompromiss zu finden. Momentan steckt ihr beide zurück und seid nicht zufrieden, aber ihr wollt gar nicht dasselbe, das ist das große Problem an der Sache.
      Er hat das Gefühl, seine Jugend verpasst zu haben und würdr gern Jahre zurückversetzt werden, während Du Dich nach vorne entwickelt hast und mittlerweile als Mutter ganz andere Bedürfnisse hast als früher.
      Liebe hin oder her, ihr habt ein handfestes Problem und solltet sehr genau überlegen, ob ihr so noch wieder zueinander findet.
      Liebe allein reicht nicht für eine funktionierende und erfüllte Beziehung, leider, sonst wäre es einfach!

      Fühl dich mal virtuell gedrückt, ich verstehe dein Problem nämlich sehr gut.

      Leider habe ich keine wirkliche Lösung parat...

      Vielleicht wären ein paar Stunden Paartherapie bei euch angebracht? Ihr liebt euch ja und wollt grundsätzlich, dass es dem Partner gut geht. Da helfen so ein paar moderierte Stunden vielleicht ganz gut, dass jeder mal auf den Tisch bringt, womit er leben kann, womit er leben könnte, was er sich wünscht, wie man aufeinander zugehen kann.

      Also mal abgleichen: Was will ich unbedingt? Was wäre ein nice-to-have? Was will ich nicht?

      Ich wünsche euch alles Gute! #liebdrueck

    • Hey,

      einen richtigen Rat habe ich leider nicht...
      Aber ich befürchte da einen faulen Kompromiss...

      "...sondern nur noch dulde, damit er nicht unglücklich ist ..." Du wirst Dich über kurz oder lang immer mehr ärgern und fragen, wozu Du Dir das eigentlich alles zumutest...Das wäre jetzt zumindest meine, zugegeben etwas negative, Phantasie...

      Das wird langfristig nicht gut gehen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

      Du bist allerdings schon einen Schritt weiter, als ich vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation: Du hast erkannt, das Euer Problem die persönliche Entwicklung und die jeweils andere Sicht der Dinge ist. Das macht es sicherlich nicht einfacher...Denn wenn man sich in gewisser Weise auseinandergelebt hat, wo findet man dann eine gemeinsame Optik? Aber es könnte eine Grundlage sein, um mal mit externer Hilfe zu erörtern, wo jeder jeweils steht, was jeder bereit ist zu tun oder auch zu lassen. Oder, dass einer sich aufopfern muss. Und so, dass es sich im besten aller Fälle noch als Augenhöhe anfühlt.

      Alles Gute!#klee#klee#klee

      Ich glaube es würde Euch weiterbringen, Hilfe von Außen zu suchen. Beziehungscoach/ Beratung.

      Grundsätzlich liegt Euch jeweils sehr viel am Anderen, das ist eine gute Basis.

      Es lassen sich auch oft unabdingbare Grundsatzbedürfnisse herausfinden und auch solche, Bedürfnisse, auf welche man mal temporär verzichten kann.

      Man vereinbart bspw. für die Dauer von 3 Monaten dies oder tut innerhalb 6 Wochen das für den Partner.
      Verzichtet bewusst, oder gibt etwas was so noch nicht da war.

      Nicht jeder ist für Verantwortung gemacht, vllt. stellt sich auch heraus, daß Euer Beziehungsmodell so wie es ist nicht mehr funktioniert. Könntest Du damit umgehen?

      Ich glaube mit externer Hilfe könnt Ihr Beide nur gewinnen.

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