Wie helfen, wenn jemand nicht mehr kann?

    • (1) 25.07.18 - 16:53
      Hummel-590

      Hallo. Ich hatte ein Gespräch mit meiner liebsten und langjährigen Freundin, meine Seelenschwester. Was sie mir erzählt hat, hat mich traurig gestimmt, verständlich gestimmt und zum Schluss schockiert. Ich möchte mir hier etwas Rat holen, da ich meine Gedanken ordnen möchte. Eine Freundschaft ist schließlich ja auch eine Art Partnerschaft, nicht wahr?

      Sie wird nächstes Jahr 35. Ein sehr toller Mensch und als Frau sehr umgänglich, fair, loyal, klug, sanft, wenns drauf ankommt eine Kämpferin. Sie ist Schwiegermutters Traum. Sie kritisiert mal fair, mal sanft, mal absolut gerechtfertigt harsch. Ich bin ihr so dankbar für vieles, durch dick und dünn gegangen, sie hat die Gabe so viel zu helfen, in dem sie zuhört, ablenkt mit Aktivitäten, für einen da ist und wenns nachts ist oder kilometerweit weg. Der beste Mensch, den man sich wünschen kann und eine coole Socke als Freundin. Ein wundervolles goldenes Herz, so beschrieben sie alle. Ich kenne alles von ihr, wir kennen uns mehr als unser halbes Leben, doch ein Gedanke hat mich erschrocken. Kommt gleich.

      So, zum Thema. Sie hat alles erreicht, Schule, Abi, Ausbildung, Weiterbildung (studieren wollte sie nicht unbedingt). Hat ein gutes Leben mit ihrem Einkommen und finanzielle Sicherheit. Sie hat alles richtig gemacht. Männer waren mal da, mal nicht, mal ONS, sie konnte sich austoben und feste Freunde hatte sie auch über Jahre, also kein Betthäschen. Seit ihrer Trennung im Februar aber ist sie natürlicherweise sehr verletzt. Nach 4 Jahren trennten sich ihre Wege mit ihrem Freund, wobei sie ein gemeinsames Leben geplant hatten, Kinder etc. Er jedoch entschied sich plötzlich anders. Sie trennten sich friedlich (ja, das gibts auch!), sie war natürlich dennoch geknickt, aber sie sagt es ist besser so, sie haben zwar wunderbar gepasst, aber mit Kindern und mehr Verantwortung sieht er sich nicht. Da müssen aber beide mitmachen, sonst siehts schwarz aus, sagte sie. Sie hat ja vollkommen Recht. Ich sagte ihr mal, dass sie ja über Samenspende nachdenken könne, wenn sie unbedingt ein Kind möchte. Aber sie sagt, es geht ja nicht nur ums Kind, sondern um Familie. Die eigene Familie. Ja, sie hat Recht, ich weiß. Wollte ihr aber diese Option vor Augen führen, weil eine andere Freundin es so gemacht hat.
      Meine Freundin jedoch ist ein Familienmensch, kommt aus großer Familie, ist die beste Tante der Welt in unserem weiten Freundeskreis und jeder reist sich um sie als Babysitter und die Kids vergöttern sie! Sie wäre eine so coole gute Mutter.
      Und jetzt kommt das seelische Ungleichgewicht, das sie hat. Viele in unserem weiten Freundeskreis beginnen zu heiraten, einige bekommen schon das erste oder zweite Kind, haben langjährige Partner oder lernen neue kennen, beginnen zu bauen, einige bleiben notorische Single etc.
      Sie hat keine Probleme Männer kennenzulernen, sie ist hübsch, achtet auf sich, attraktiv. Sie hat noch Zeit jemand guten zu finden, sage ich. Sie sagt es ist vorbei, mit 35 kommt doch nichts Wahres mehr, Männer wollen nur junges Zeug und bei alten Frauen tickt nun mal die Zeit, sie gibt auf. Mit 40 will sie keine Mutter mehr werden, dann ists doch eh zu spät. Sie sagt sie hätte total versagt, Schule, Abi, Ausbildung, gute Arbeit und Sicherheit für nichts. Keine eigene Familie, keine Kinder, wozu also leben? Ok, ab da war ich schockiert. Sie will es beenden, wenn sie ihr Auto abbezahlt hat, und alles organisiert hat mit Erbschaft. Wenn bis dahin kein netter Mann, mit dem man eine Familie gründen kann, vorbeikommt in ihrem Leben, dann ists halt aus. Sie kann mit dem Gedanken nicht umgehen allein auf der Welt zu bleiben, wenn ihre Eltern mal nicht sind, ihre Freunde alle Familie haben und sie dann völlig allein bleibt. Sie ist ein intelligenter und liebenswerter Mensch, absolut fröhlich und aktiv, aber so habe ich sie noch nicht erlebt. Es bricht mir das Herz sie so zu sehen, nein sie sieht nicht schlimm aus, aber in ihrer Seele ist sie tief traurig und das sehe ich. Sie überlegt ernsthaft einfach ihr Leben zu beenden. Wie kann sie nur an sowas denken! Ich hoffe inständig, sie macht nur Witze, weil sie einfach traurig ist. Sie zu verlieren wäre schrecklich! Wie kann ich ihr helfen???

      Ohje, sorry für den langen Text.

      Info zu mir: Ich, 33, ein Kind, allein erziehend. KV kümmert sich prächtig. Kind liebt meine Freundin abgöttisch, Tante X ist halt Tante X, da kommt nichts ran.

      Definitiv Zeit für Therapie. Da war die Trennung wohl schmerzhafter als sie nach aussen hin zeigt. Viele dieser wunderbaren Zuhörer sind sehr schlecht darin, sich selbst helfen zu lassen und ihre Verletzungen zu zeigen.

    Das ist sicher eine sehr schwierige Situation. Ich würde ihr immer wieder Mut zu sprechen, ihr sagen, was für eine tolle Persönlichkeit sie ist, dass sie für so viele Menschen unersetzbar ist und ihr auch zu einer Therapie raten. So eine Trennung und die daraus resultierende, ungewollte kinderlosigkeit können einen schon mal in eine Depression stürzen. Wenn sie aber ansonsten eine stabile Persönlichkeit war, dann wäre ich ganz optimistisch. Sie muss nur einsehen, dass sie ein Problem hat und das Selbstmord nicht die Lösung ist.

    • (7) 26.07.18 - 08:57

      Das mache ich! Ich habe ihr mal aufgezählt, was ich an ihr mag und toll finde. Dinge, mit denen sie nicht gerechnet hat und sie überaus überrascht und beeindruckt haben. Das hat ihr zu denken gegeben. Danke für deinen Rat, ich bleibe dran!

Schick sie in ein Heim für mehrfach schwerstbehinderte Kinder! Da kann sie sich ehrenamtlich um die Kinder kümmern.

Und ich wette mit dir, sie wird das Leben mit ganz anderen Augen sehen.

Und wer weiß vielleicht denkt sie dann auch über eine Pflegemutterschaft nach.

  • Das ist ja mal ein Rat....😲

    • Warum nicht?

      Ich spreche aus eigener Erfahrung!

      Ich habe zwar jetzt tatsächlich jetzt selbst ein behindertes Kind, aber vor vielen vielen Jahren, mit knapp über 20 habe ich ehrenamtlich in solch einem Heim geholfen. Bin da mehr oder weniger reingeschlittert, ohne es selbst zu wollen.

      Das hat meine Sicht aufs Leben derart verändert, dass Selbstmordgedanken völlig absurd wurden.

      Ich wünsche der Freundin der TE alles Gute!
      S.

      • (11) 26.07.18 - 09:00

        Ich kann die Intention, die du damit hast, durchaus nachvollziehen. Aber ich denke nicht, dass es auf meine Freundin passen könnte. Es ist so viel anders, sich um mehrfach schwerstbehinderte Menschen zu kümmern, als mal eben babysitten. Trotzdem danke dir für deine Idee!

        • ***Es ist so viel anders, sich um mehrfach schwerstbehinderte Menschen zu kümmern,***

          Wenn man sich dort ehrenamtlich engagiert, "kümmert" man sich (erstmal) nicht um die Kinder. Dazu hat man gar nicht die Befugnis. Man kann ein Kind auf den Schoß nehmen, es bekuscheln, ihm vorsingen, mit ihm sprechen, einfach da sein. Wenn man lange dort ist, darf man es vielleicht auch mal ins Bett bringen, pflegerische Aufgaben bekommt man aber nicht. Vermutlich einfach auch aus versicherungstechnischen Gründen. Die Betreuer dort sind froh über jeden, der kommt und sich einfach mal Zeit für die Kids nimmt. Da ist "Babysitten" weitaus anstrengender und verantwortungsvoller.
          Ich zB bin dort völlig unverbindlich hingekommen, ohne Terminabsprache oder sonstiges. Meist ahbe ich gesagt wann ich wiederkomme, aber das konnte ich nicht immer 100% einhalten, da habe ich dann kurz Bescheid gegeben.

          Oder auf eine Krebsstation, Kindern vorlesen oder mit ihnen basteln. Wenn sie doch so gut mit Kindern kann.

(13) 26.07.18 - 01:43

Hallo Hummel,

das ist eine sehr schwere Situation, in die Dich Deine Freundin gebracht hat. Es ist gut, dass sie darüber redet, und mit wem sollte sie sonst offen sprechen, was in ihr vorgeht, wenn nicht mit Dir?!

Ich kann Deine Freundin verstehen. Mit 35 ist nicht die Welt vorbei, aber der Wunsch nach einer eigenen Großfamilie wird unwahrscheinlicher, mit seiner Aus-und Weiterbildung ist man vielleicht fast am Ende seiner Karriere angelangt und damit wird das Einkommen/Vermögen auch nur noch überschaubar wachsen. Der Freundeskreis wird eher kleiner als größer, da alle ihrer Weg gehen, und es tuen sich immer weniger neue Kreise auf. Wenn man das zu Ende denkt, dann ist man vielleicht irgendwann sehr einsam, weil sich die Welt nicht wirklich für einen interessiert. Eine Therapie wäre für sie sicherlich sinnvoll.

Meine Freundin hatte zwar völlig andere Ausgangsvoraussetzungen, hat mich mit dieser Aussage aber ähnlich schockiert. Erst kamen die Äußerungen indirekt und nebenbei, dann immer direkter und haben mich belastet. Ich habe mir sehr schnell Hilfe bei Menschen gesucht, die entweder persönlich oder professionell damit Erfahrung haben.

Gestärkt durch diese Beratung habe ich ihr bei Gelegenheit gesagt, dass man Reisende nicht aufhalten kann. Nun hat sie mich eingeweiht, daher möchte ich von ihre umgekehrt das Versprechen, dass sie, sollte sie kurz davor sein, mich anruft und ich bringe sie sofort in die Notaufnahme. Sollte sie einfach so verschwinden, wäre ich richtig sauer, weil sie meine Lebensenergie verschwendet hat.

Hat gewirkt, Freundin hat angerufen, ab in die Psychiatrie, zwei Tage später durfte sie wieder raus und hat ihr Leben umgekrempelt. Und endlich alle Hilfe und Unterstützung angenommen, sodass sie (ein wenig mehr) in sich ruht. Im Nachhinein glaube ich, dass sie diesen "Tritt in den A..." brauchte und herbei gesehnt hat, um etwas verändern zu können, und um zu wissen, egal wie dreckig es mir geht, da ist mind. ein Mensch, der sich um mich kümmert.

  • (14) 26.07.18 - 09:04

    Danke für deine Geschichte! Das könnte durchaus auch eine Idee für mich sein. Dass sie mir Bescheid sagen soll und ich bringe sie in die Notaufnahme. Ich glaube auch, dass sie einen Tritt in den Hintern braucht, um die Gedankenbremse zu ziehen. Ich suche bereits nach Möglichkeiten und Hilfen und Beratungsstellen.

(15) 26.07.18 - 08:53

Deine Freundin hat leider recht, die Situation ist furchtbar, da ändern auch Gespräche mit Therapeuten nichts daran. Mit 35 die Trennung und noch keine Kinder, wenn man unbedingt welche will, das mag ich mir nicht vorstellen #heul.

Aber: Es gibt Lösungen, daran solltest du mit ihr arbeiten! Ich habe meinen Mann bei einem lokalen Online-Dating-Portal kennen gelernt, wir sind schon bald 8 Jahre zusammen. Und wir sind da bei weitem nicht die einzigen.

Es gibt da wenige Frauen und wahnsinnig viele Männer, die halt den ganzen Tag arbeiten und keine Zeit haben, Frauen kennen zu lernen. Die, die abends zum Saufen in Kneipen und Discos gehen, kann man eh vergessen als potentielle Familienväter.

Außerdem kann man da immer angeben, dass man unbedingt Kinder möchte, dann weiß man es gleich, ob man die selben Ziele hat. Anders, als wenn man sich im Bus kennen lernt.

Und nein, es ist kein Phänomen unserer Zeit, meine Eltern haben sich über eine Zeitungsannonce kennen gelernt und meine Schwiegermutter ihren neuen Freund auch. Sozusagen analog online ;-).

Sie hat also noch alle Chancen, bald wieder jemanden kennen zu lernen und bis zum 40. Geburtstag sind es ja noch 5 Jahre.

Richte ihr einen Account ein, ist meistens nicht teuer und schau, was kommt. Dann kannst du ihr ja zeigen, wer sich meldet.

Ich hoffe, du kannst sie aufmuntern, das wird schon!

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