Partner blockiert Fragen bzgl. seiner Depression

    • (1) 31.07.18 - 15:41
      verunsichert-ratlos

      Ich bin gerade etwas ratlos.

      Also mir fiel schon vor einem Jahr auf, dass mein Partner sich zurückzog, weniger mit Freunden machte, seinen Hobbys weniger nachging, schnell erschöpft war, etc. Ich fragte ihn mehrmals, ob alles ok ist, was er bejahte.

      Seit ca. einem halben Jahr fuhr er alle paar Wochen mal für 1, 2 Stunden weg. Wieder fragte ich ihn, was er denn macht. Er wollte es mir nicht erzählen, was ich respektiere. Auch gut, er ist mir ja keine Rechenschaft schuldig.

      Nun wurde ich aber doch sehr neugierig, worum er denn so ein Geheimnis darum macht. Ich fragte ihn wieder, diesmal mit mehr Nachdruck. Nämlich, dass ich mir so eine Beziehung nicht vorstelle, dass man voreinander Heimlichkeiten hat.

      Er hat mir dann relativ wortlos einen Brief vom Psychiater mit der Diagnose Depression vorgelegt und die Medikamente gezeigt, die er offenbar seit einigen Monaten nimmt. Er sagte auch, ich solle bitte nicht weiter nachfragen und niemandem davon erzählen, ich solle ihn einfach machen lassen, er kümmere sich schon selbst darum. Er schämt sich.

      Seither tut er so, als ob nichts gewesen wäre.

      Jetzt bin ich etwas ratlos. Was soll ich denn tun? Soll ich überhaupt etwas tun? Was meint ihr dazu??

      • Das ist natürlich eine sehr schwierige Situation, vor allem weil dein Partner so abblockt.

        Wäre es vielleicht eine Möglichkeit, dass du ihm einen Brief schreibst und übergibst? Darin könntest du deine Hilfe anbieten und ihm schreiben, dass er sich vor allem vor dir keineswegs schämen muss in seiner Situation.
        Ebenfalls kannst du schreiben, dass du dich hilflos fühlst und ihn gerne unterstützen möchtest, aber nicht weißt wie.

        Grundsätzlich würde ich gucken, dass du versuchst den Brief nicht zu drängend zu formulieren, damit er sich in keine Ecke gedrängt fühlt.

        Aber in Briefen kann man, meiner Meinung nach, viel ruhiger formulieren und daraus eher schlechter ein erhitzter Streit entbrennen, weil man nun mal emotional in so einer Sache ist.

        Alles Gute dir und ihm!

        Mein Mann hatte vor einigen Jahren einen Burnout und eine daraus resultierende Depression. Ich war diejenige die ihn darauf hinwies und ihn zum Arzt schickte. Das tat er auch und begab sich in Behandlung. Tabletten nahm er nur kurzfristig, in Psychotherapie war er 3 1/2 Jahre. Im groben wusste ich was los was weil ich es selbst mitbekam, vieles aus der Kindheit kam wohl noch dazu wo ich eben nicht genau weiss was war. Ich weiss nur er war mit 14 Halbwaise und sein Vater überfordert. Er hat mir nie genau gesagt was los ist, das hat er in dieser Therapie verarbeitet. Ich glaube mit Druck kommst du hier nicht weiter. Immerhin weisst du das er krank ist und sich Hilfe gesucht hat. Sei für ihn da und gib ihm das Gefühl das er sich nicht schämen muss, vielleicht erzählt er dir dann mehr. Ich finde schon das man auch in einer Partnerschaft ein recht auf Privatsphäre hat und mit wem man solche Dinge spricht entscheidet jeder selber. Meiner Beziehung hat das übrigens nie geschadet weil ich eben spürte das es ihm irgendwann besser ging und er sich veränderte. Das ist jetzt 14 Jahre her und wir sind immernoch glücklich zusammen.

        Es ist schon mal sehr gut, dass er in Behandlung ist und sich helfen lässt. Dieser Schritt dauert bei den meisten am längsten und oft wird auch abgestritten, dass es ein Problem gibt, aus Scham oder Enttäuschung über sich selbst.
        Ich denke im Moment kannst du nicht mehr tun, als ihm Zeit zu geben. Wenn er in seiner Therapie ein paar Schritte weiter ist, öffnet er sich vielleicht. Gib ihm das Gefühl, dass du für ihn da bist und ihn so akzeptierst wie er ist. Das hilft oft schon.
        Mein Stiefsohn litt auch an Depressionen und hat sich zuerst niemandem geöffnet. Als er dann eine Weile in Therapie war, hat er dann langsam angefangen auch mit mir und meinem Mann darüber zu sprechen und sich helfen zu lassen.
        Viel Glück 🍀

      • Das ist natürlich schwierig für Dich, aber das Allerwichtigste ist hier, dass er in Behandlung ist. Und dass er die Behandlung auf eigene Faust begonnen hat, ist super und ein sehr gutes Zeichen. Sei geduldig und verständnisvoll.

        Oje dass ist wirklich eine Schwierige Situation. Ich hatte vor einigen Jahren ebenfalls eine Depression. Als Mann ist es mir erstmal schwer gefallen, dass ganze vor mir zu rechtfertigen. Als Mann kriegt man halt eingetrichtert, dass mann immer Stark sein muss etc. So wie es sich anhört ist er Medikamentös noch nicht so gut eingestellt. Grundsätzlich würde Ich seinen Wunsch respektieren, aber Ihm vielleicht mal sagen, dass du es gerne verstehen möchtest und ihm auch zuhörst. Bei Depressionen finde Ich noch wichtig dass man verstehen sollte, dass es sich um eine Krnakheit handelt, und nicht um fehlende Motivation.. Man will zwar Dinge tun, aber schafft es nicht. (Als Bsp. mit nem Gebrochenen Bein kann man auch nur schlecht laufen. Genauso fiel es mir z.B auch Schwer jeden Tag arbeiten zu gehen, auch wenn Ich dies grundsätzlich gerne tue. Alles Gute für euch.

      • Ich würde gar nichts tun außer aufmerksam sein.

        Er weiß, das was nicht stimmt, er ist in Behandlung, das ist schon mal eine ganze Menge. Gerade weil er mit der Krankheit offensichtlich noch nicht offen umgehen kann.

        Also lass ihn einfach in Ruhe, bohr nicht nach, unterstütze ihn ohne dich aufzudrängen.

        Hey du.
        Als mein Mann mittelschwer depressiv erkrankte (2014) hat mir dieses Forum, vor allem der Teil für Angehörige ganz toll geholfen:
        https://www.diskussionsforum-depression.de/forum-depression/viewforum.php?f=66&sid=089896ef84fc182b6277d9e3f154791f
        Sei für ihn da. Mehr geht nicht. Werde nicht Co-abhängig. Es ist klasse, dass ers allein gemerkt und vor allem sich Hilfe gesucht hat. Hut ab! Ganz toll!
        Ggf brauch er auch mehrere Anläufe mit Medis. AD's sind extrem komplex und was dem Einem toll hilft, hilft dem Nächsten überhaupt gar nicht!
        Ich wünsche euch alles erdenklich Gute!
        Babyb mit 2 Kids und eingestelltem, stabilen Mann der seit Anfang 2015 wieder durchweg arbeitet ;)))
        P.s: schon vorab als Tip da es irgendwann Herbst wird -> kauft eine Tageslichtlampe für ihn. Wirkt super in den dunklen Monaten, die Depressiven besonders zu schaffen machen.

        • (9) 02.08.18 - 18:21
          verunsichert-ratlos

          Danke sehr für eure aufbauenden Worte!

          Ich hätte gehofft, dass irgendwelche Tipps dabei sind, was ich aktiv tun kann...

          Ok, da müssen wir jetzt einfach durch! Ich hoffe, es wird alles wieder gut.

          • Aktiv kannst Du leider nichts tun. Du kannst für ihn da sein und ihm klar machen, dass eine Depression (eigentlich) nichts ist, wofür er sich zu schämen braucht.
            Depression ist ein Arschloch. Sie macht aus Dir einen komplett anderen Menschen. Ich weiß das, seit ich etwa 12 bin, bin ich latent depressiv mit immer wieder mittelschweren Episoden. So komisch es klingt, ichhab mich fast scohn daran gewöhnt, dass ich irgendwie nie ein strahlend glücklicher Mensch sein werde. Als die Diagnose kam (mit mehreren weiteren...) brach für mich wirklich die Welt zusammen und ich hatte wirklich mit mir und meinem Leben abgeschlossen. Wozu soll ich weiterleben, wenn ich niemals wirklich so werde wie die anderen? Mein Partner war und ist mir der notwendige Halt dafür geworden. Er hat ja auch bemerkt, dass ich mich verändert hatte. Dass ich irgendwie anders bin als die anderen war ihm schon früh klar, was das ist, hat er aber erst viel später erfahren. Ich selbst wusste es bis zur Diagnose übrigens ebenfalls nicht. Für unsere Beziehung gab es einen konkret zu bestimmenden Zeitpunkt, ab dem er "aktiv" werden konnte. Das war ein Angehörigengespräch mit meiner damals behandelnden Ärztin als ich mal in einer Tagesklinik war. Sie bot mir diese Möglichkeit mit einer Person meiner Wahl an und ursprünglich wollte ich mit meiner Mutter hin. Erst kurzfristig entschied ich mich um und ich bin bis heute froh, dass mein Partner dazu bereit war und mitgekommen ist. Denn dieses Gespräch ging nur 60 Minuten und hat unser Leben ganz maßgeblich beeinflusst. Mein Partner hat inzwischen gelernt zu erkennen, wann dunkle Wolken drohen und wie er damit umgehen muss. Es gibt nicht Schema F bei uns. Mal ist es jene Strategie, mal diese. Ganz verschieden.

            Besteht die Möglichkeit vielleicht auch bei Euch, dass Ihr so ein Angehörigengespräch führt? Wäre Dein Partner bereit dazu? Das ist nämlich die Voraussetzung dafür, anders würde so ein Gespräch nicht funktionieren. Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr trotz (oder gerade) der Depression zueinander findet #herzlich

            Beste Grüße, Cat (mit Depression, gen. Angststörung und einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung)#hicks

            • Das freut mich, dass dein Partner und du so gut damit zurecht kommt! :)
              Wer ist bei dem Angehörigengespräch dabei? Nur der Arzt und ich? Oder inkl. Partner dann zu dritt?
              Nachdem mein Partner sich nichts anmerken lässt, trau ich mich auch nicht wirklich nachzuhaken...

              • Hey :)
                Bei dem Gespräch waren sowohl die Ärztin als auch mein Partner und ich dabei, also zu dritt. Es wurde auch ein bisschen eine Art "moderierte Aussprache" zwischen meinem Partner und mir, weil durch die Depression schon einiges ganz schön in Schieflage geraten ist. Allem voran, weil ich mich auchso sehr geschämt hab, nicht richtig im Kopf zu sein. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der solche Probleme totgeschwiegen und lächerlich gemacht werden. Selbst die Reihe Alkoholiker in unserer Familie hatten alle nie psychische Erkrankungen #gruebel.... Mit dem Backround fiel es mir entsprechend schwer, mir meine Situation einzugestehen, vor anderen ganz zu schweigen. Ein guter Teil der Familie weiß das bis heute nicht und ich bereue bis heute, meinen Eltern davon erzählt zu haben. Durchaus möglich, dass das auch bei Deinem Partner ein Punkt ist, warum er sich Dir nicht so öffnet wie Du es gerne möchtest.

                Vielleicht bricht das Eis, wenn Du ihn beim nächsten mal tief in die Augen schaust und fragst, wie es ihm geht. Wie es ihm WIRKLICH geht. Eine Garantie ist es nicht aber schon das Gefühl, mit seiner Krankheit ernst genommen zu werden, kann einem Depressiven unheimlich helfen

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