Plötzliche Unsicherheiten der Gefühle oder wieder die Grübelkrankheit

    • (1) 01.08.18 - 02:09

      Hallo liebe Forummitglieder,

      Mein Partner und ich wohnen seit 1 1/2 Jahren zusammen und sind wieder zusammengekommen vor 2 Jahren, nach einem Jahr Trennung. Nun hat er ein neues sehr gutes Jobangebot 400km weit weg erhalten. Er wird es wohl annehmen und ich unterstütze dieses Vorhaben. Nun weiß ich nicht, ob ich mit ihm ziehe. Ich habe noch keinen Job und nur noch ein Prüfungssemester und könnte rein theoretisch mit ihm mitgehen.

      Aber seitdem ich vor ein paar Tagen von dem Jobangebot erfahren habe, fühle ich mich unter Druck und habe Zweifel der Größe meiner Gefühle für ihn betreffend. Ich hätte erwartet, dass ich sofort mit ihm mit will, wir wollen/wollten in den nächsten Jahren heiraten und Kinder, vor allem auch ich, aber jetzt macht mir das alles wahnsinnige Angst. Alles wirkt so einengend und festgefahren. Ich habe mit ihm schon geredet. Für ihn ist das nicht einfach, weil er meint, er wäre sich nie mehr sicherer gewesen als jetzt, dass er sein Leben mit mir verbringen will und er will mich nicht unter Druck setzen, aber eine Fernbeziehung auf lange Sicht, wäre nichts für ihn.

      Ich wäre erstmal finanziell wie sozial von ihm abhängig in der neuen Stadt. Dass mich das anscheinend sehr stören würde, haben mir schon meine Träume in der Nacht gezeigt.

      Seit etwa einem Monat erlebe ich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Vorher war meine Liebe ihm gegenüber konstant, mal mit mehr Sehnsucht, Tiefe und bewusster Wahrnehmung, mal weniger, aber kaum merklich verändert.
      Nach unserem bisher schlimmsten Streit, der von uns beiden eklige Charakterzüge zeigte und nachdem sich Pärchen um mich rum nach vielen Jahren trennten und mir meine beste Freundin auch zur Trennung riet, habe ich beschlossen mich gefühlsmäßig etwas aus der Beziehung rauszuziehen, weil mich Streit mit ihm so wahnsinnig belastet und ich vor wichtigen beruflichen Ereignissen stand. Das hat dann besser geklappt als geplant.
      Dann kam aber wieder eine Phase mit einem Wochenend-Trip und großer Sehnsucht, wenn er weg war. Dann wieder ein Tag, an dem ich mich nicht freute ihn zu sehen, was mich schockierte in dem Moment und dann wieder ein Hoch. Jetzt habe ich aber das Gefühl es geht bergab.
      Dabei finde ich immer noch, dass er ein wundervollen Mann ist, der ein wundervoller Papa wird und den ich nicht verlassen möchte. Ich will nicht bereuen, ihn verlassen zu haben und ich will nicht zum Ende meines Lebens sagen, es war doch nicht die Liebe des Lebens(obwohl ich das viele Jahre und zum Teil noch immer denke)...Ich wünschte es wäre wie früher. Mir ist aufgrund des Drucks und der Angst häufig übel und ich habe einen Kloß im Hals.

      Ich bin immer noch gerne in seine Nähe, küsse ihn gerne und liege in seinen Armen. Ich frage mich nur, ob es zu wenig partnerschaftliche Liebe ist und eher Geschwisterliebe.

      Neben dem was ich eben schon aufzählte und als Ursache nennen kann, muss ich noch erwähnen, dass ich schon unter Zwangsgedanken litt und sogar schon 2 Therapien hatte, die mit den damaligen Gedanken erfolgreich verliefen. Ich kann damit ein ganz normales Leben führen und nur engste Angehöroge bekommen es mit. Ich habe aber auch nie lange gefackelt und mir Hilfe gesucht und mich selber therapiert, wenn es eindeutig ein Zwangsgedanke war.
      Ich frage mich jetzt schon wieder, ob meine seit ein paar Tagen ewige Grübelei und die Angst ihn nicht mehr zu lieben und mich trennen zu müssen, nur ein Zwang ist und dann immer mehr selbsterfüllende Prophezeiung oder ein Gedanke und ein Warnsignal auf das ich hören sollte.

      Eins noch, ich wusste als wir zusammenzogen sind schon, dass ich mir vorstellen kann mit ihm alt zu werden, aber nur noch mit ihm Sex zu haben, wusste ich, wird für mich ein nicht einfacher aber notwendiger Verzicht werden. Ich dachte aber mit dem älter werden, gewöhne ich mich vielleicht eher an diesen Gedanken. Jetzt ist unser Sexleben nicht schlecht, sondern ok bis gut, aber er ist leider dicker geworden und für mich etwas weniger attraktiv und ich glaube ich bin irgendwie perverser und nach unseren Erfahrungen auch promiskuitiver als er und meine bisherigen Vorschläge den Sex betreffend hat er relativ schnell und mit Belustigung abgetan. Vielleicht macht mir auch dieser Gedanke, auf Dauer nur diese Art Sex zu haben, Angst.

      Seht ihr für mich irgendwelche Anstöße, die mir zur Selbsterkenntnis helfen könnten bitte?

      Ich will mich nicht trennen. Ich will mich aber einfach besser fühlen und als alte Frau zufrieden die Bettruhe antreten können.

      Kreide

      • Deine Liebe zu ihm besteht irgendwie aus lauter "aber..". Du liebst ihn, aber dies und das und jenes Detail ist nicht perfekt, also zweifelst Du. Und jetzt sollst Du Dein ganzes Leben auf den Kopf stellen für ihn, Du fühlst Dich jetzt schon schlecht und ausgeliefert.

        Meine Lösung wäre, Du bleibst, er geht, ihr habt erst einmal eine Weile eine Fernbeziehung. Du machst auch nochmal Therapie, um Dich zu reflektieren, um heraus zu finden, ob es echte Zweifel sind oder die Zwangsstörung ist. Immerhin ist Dein Studium bald vorbei und Du musst Dich bewerben, auch das kann Dich emotional beuteln. Ein Jobwechsel zu ihm würde auch nach einem Jahr noch klappen. Aber der räumliche Abstand, Deine Selbstständigkeit in der Zeit und eine neue Perspektive würden Dir eher sagen, ob Du wirklich ihn dann vermisst oder ob Du gut ohne ihn leben kannst. Ich finde nämlich, er hätte es nicht verdient, wenn Du mit ihm gehst und ihm dann später Vorwürfe machst, dass Du das eigentlich gar nicht gewollt hast.
        Wenn Du mit ihm gehst, dann geh, weil Du es wirklich von ganzem Herzen willst. Und mal unter uns, ein Teil wahrer Liebe ist eine Riesenportion echter, tief empfundener und sehr ruhiger Freundschaft. Da sind nach so vielen Jahren nicht mehr nur ständige Schmetterlinge im Bauch.

        • "Und mal unter uns, ein Teil wahrer Liebe ist eine Riesenportion echter, tief empfundener und sehr ruhiger Freundschaft. "

          Das hast du schön geschrieben und ich stimme dir in diesem Punkt absolut zu. #verliebt

      Hm.... ich weiß nicht, um gemeinsam ein Leben aufzubauen inkl. Heirat und Kinder bekommen empfindest Du in meinen Augen zu viele "wenns und abers".

      Ich will mich nicht trennen ist erstmal löblich... andererseits, ein gemeinsames Leben aufbauen wenn Du doch jetzt schon insgesamt irgendwie unzufrieden bist, Dich manchmal nicht auf ihn freust, Dich bewusst aus der Beziehung ein stückweit rausziehst, weil Dich etwas zwischen Euch (streit) belastet und am Ende sogar noch - und das ist in meinen Augen das wichtigste - Du bist jetzt schon mit dem Sex unzufrieden. Und er nimmt Dich und Deine sexuellen Wünsche nicht ernst.

      Jetzt mal in die Zukunft gesponnen.... Liebe ist das eine aber Sex und Streit begleiten eine Beziehung auch ein Leben lang - und wenn das beides nicht wirklich funktioniert ist das in meinen Augen einfach keine gute Basis.
      Höre auf Dein Gefühl.

      Lichtchen

    • (5) 01.08.18 - 11:02

      Wenn Du mit ihm gehst, wäre das ein Kompromiss den Du für ihn eingehst.

      Er könnte auch hier bleiben und einen weniger guten Job, der Liebe wegen für Dich, in der näheren Umgebung annehmen?

      Will damit sagen, man kann es so oder so sehen.

      Das mit der alten Frau kannst Du nehmen und für Dich selbst ein geistiges Rollenspiel führen:
      Stell Dir vor Du bist 80/90 Jahre alt und liegst tatsächlich im Bett und betreibst etwas Rückschau auf Dein Leben. Was möchtest Du erlebt haben, was war wirklich von Bedeutung, welche Menschen wolltest Du um Dich herum haben?

      Wie ging es Dir gefühlsmäßig als er Deine Vorschläge über den Sex mit Belustigung abgetan hat?
      Traurig, wütend, oder so ein wtf Gefühl, das kann er doch jetzt nicht Ernst gemeint haben?
      Das ist so ein Eckpunkt in der Kommunikation, klingt wenig wertschätzend, einfühlsam, kann aber auch aus seiner Angst entstanden sein. Für mich läge hier der Gradmesser.
      Wenn Ihr hierbei auf einen gemeinsamen Nenner kommt, lässt sich der Rest regeln.

      (6) 01.08.18 - 15:04

      Vielen Dank für eure Antworten.

      Ich glaube auch, dass es gut wäre, wenn er erstmal alleine umzieht. Es wird nur finanziell und emotional sehr schwierig werden, mit 2 Haushalten und vielen teuren Zugtickets.
      Ich bin Musikerin, ich werde hier auch nicht lange bleiben, weil ich hier keinen Job finde. Es war auch nicht geplant hier zu bleiben für mich.
      Mit ihm mitzuziehen, hätte wahrscheinlich sogar eher berufliche und finanzielle Vorteile für mich. Ich habe noch soziale Kontakte hier, aber langsam ziehen auch alle weg nach dem Studium dorthin wo ein Job ist.
      Aber in der neuen Stadt hätte ich außer ihm erstmal keine sozialen Kontakte und nicht mal einen Minijob wie jetzt. Meine Familie hat Zweifel an meiner Beziehung aufgrund der vorigen Trennung bei einer Fernbeziehung und nun bei einem möglichen Umzug, weil ich dann weiter weg wohnen würde.

      Ich glaube, dass wir an der Streitkultur arbeiten können und ich dies auch schon spüre.
      Das mit meinen sexuellen Wünschen habe ich vielleicht auch nicht gut ihm kommuniziert.
      Ich habe mal bei einer Autofahrt eingeworfen, dass wir uns mal aufnehmen oder fesseln könnten. Er meinte eine Aufnahme wäre ihm zu unsicher, was ich auch verstehe. Fesseln möchte er sich nicht lassen, aber wenn ich das möchte, würde er das machen, hat das aber mit so einem Lächeln und eher darüber amüsierend gesagt.
      Wenn ich sagen würde, dass mir das ernst ist, würde das eventuell auch funktionieren, aber ich schäme mich irgendwie dafür und noch bisheriger Ideen, weil er mit den Standardstellungen und Sexpraktiken komplett zufrieden ist nach seiner Aussage. Es ist auch nicht so, dass ich sehr unzufrieden bin mit dem Sexleben. Ich habe ein paar Erfahrungen mit anderen Männern gemacht und weiß wie viel zwischen Ekel/Schmerz und voller Ektase ist und ich habe gerne Sex mit ihm.

      Was will ich als 80-jährige als Erinnerungen? Ich weiß, es nicht genau. Ich will mich auch nicht belügen. Ich glaube, Geld mit meinem Beruf verdienen, ein Kind von meinem Freund und auch eine Märchenhochzeit, aber nicht das klassische Bild einer Ehe wohl (ich kenne keine Frau in dem Alter meiner Mutter, dessen Leben ich mir vorstellen wollen würde), tollen Sex auch im Alter, lange gesund und in schöner Würde altern und das wichtigste glücklich und zufrieden sein.

      Wenn ich weiter drüber grüble. habe ich das Gefühl, dass mich nichts in der Beziehung drastisch stört. Nur, dass ich mich frage, ob das Band und die Verbundenheit zwischen uns reicht, ob die Liebe groß genug ist oder mehr Gewohnheit.
      Alle meine bisherigen Zwangsgedanken hatten damit zu tun, dass ich als alte Frau nichts bereuen will und vielleicht zurückblicke und feststelle, dass ich unglücklich war und nun mein Leben vorbei ist, also auch Angst und zwanghaftes Denken an den Tod etc, aber das Problem empfinde ich nicht mehr. Ich habe damit Frieden geschlossen.

      Leider bin ich noch ein paar Monate gesperrt mit einer neuen Therapie und ich schäme mich auch vor meinem Freund und meiner Familie schon wieder damit zu beginnen.
      Wenn mir mein Freund jetzt die Zeit gibt, versuche ich Strategien meiner Therapien anzuwenden. Ich gebe mir etwas Zeit. Es gibt eigentlich keinen Druck außer meinen und keine Kinder, die verletzt werden können.

      • (7) 01.08.18 - 15:07

        Achso und er hat schon einen Kompromiss für mich gemacht. Er ist nach seinem Studium zu mir gezogen, weil sein bisheriger Beruf ein reisender war und somit haben wir uns eine Wohnung in meiner Studienstadt gesucht und ich war damit super glücklich.

        • Hallo,

          ich glaube ehrlich gesagt, dass da im Moment ganz viele Punkte zusammen kommen.

          Ihr seid jetzt 2 Jahre zusammen, die rosarote Brille lichtet sich so langsam, die Beziehung geht auf eine andere Ebene. Gleichzeitg steht für dich der Umbruch "mit dem Studium fertig und auf ins Berufsleben" bevor. Ich kenne einige, die mit dieser Umstellung Probleme hatten, nicht zuletzt ich selber.

          Rein von außen betrachtet spricht schon alleine die Tatsache, dass du offensichtlich in seiner neuen Heimat bessere Jobchancen hättest, dafür, dass du es probierst. Sorry, aber der Minijob ist ne Ausrede, einen Minijob findet man momentan an jeder Strassenecke, du kannst Unterricht geben und je nachdem muggen.

          Wer nicht wagt, der nicht gewinnt ;-)

          Und deine sexuellen Vorlieben bringst du ihm dann mal noch etwas diplomatischer näher, dann wird das schon :-)

          Alles Gute!

Top Diskussionen anzeigen