psychologen hier? mann fällt in alte muster zurück

    • (1) 01.08.18 - 20:46
      trennung und kind

      hallo zusammen,

      mein mann und ich haben schon länger keine liebesbeziehung mehr, dennoch hängt er sehr an uns und will sich nicht trennen.

      das problem, er ist choleriker. hatte das in letzter zeit ganz gut im griff, so dass ich mir ein arrangement vorstellen konnte. nun sind ferien und ich muss noch arbeiten. die letzten tage war ich allerdings zu hause weil krank geschrieben und was ich da wieder miterleben musste...

      unser sohn 8 jahre ist nicht der fleißigste schüler und versucht sich um seine pflichten zu drücken, das gibt regelmäßig diskussionen und geschrei. letzte woche war immer irgendwas. ich kam von der arbeit, der kleene wartete schon in der tür auf mich und erzählte wie der papa ihn wieder angeschrien hat. das ging fast jeden tag. die letzten tage, die ich nun zu hause war habe ich es life miterlebt. eines morgens wahnsinns geschrei von meinem mann, erst weil der junge seinen spitzer nicht gefunden hat (ja er ist verträumt) dann weil ihm wasser im kinderzimmer ausgelaufen ist. mein man stampfte und schimpfte so laut, dass ich fast aus dem bett gefallen wäre. ich bin dann aufgestanden, habe mir das alles angesehen und ihm gesagt er soll jetzt gefälligst aufhören zu schreien. mein sohn total fertig. er sagte, er würde lieber von mir geschimpft...

      dennoch hatten sie 1-2 stunden später wieder eine gute zeit. sind ins freibad und tatsächlich heute arbeitete mein sohn konzentriert in seinem ferienheft.

      ich frage mich, ich wollte so einen vater nicht haben und finde es schrecklich wie er manchmal angebrüllt wird. dennoch liebt er seinen vater und geht auch zu ihm kuscheln.

      ich war schon nah dran mich vor jahren deswegen zu trennen und nun denke ich wieder darüber nach.

      was macht das geschrei mit einer kinderseele? wird das wiklich wieder wett gemacht, indem vater und sohn schöne erlebnisse miteinander haben, wie mein mann es argumentiert?

      es ist immer das kind schuld. nur ein beispiel. es gibt abendessen, der teller ist bis zum rand voll. das kind schiebt etwas über den tellerrand, der vater schimpft. ich sage, der teller ist zu klein, der vater sagt, das kind solle ordentlich essen.

      über kompetente ratschläge und meinungen würde ich mich freuen.

      lg

      • Ich habe keinen Rat für dich, da du selbst schauen musst, wie weit du da mitgehen kannst.

        Ich möchte dir jedoch eine Anmerkung geben aus eigener Erfahrung und aus heutiger Sicht als Mutter.
        Kinder vergessen nicht, sie versuchen sich zu arrangieren.
        Dein Sohn würde alles für ein wenig positives Feedback seines Vaters tun und natürlich haben sie auch positive Erlebnisse, nur diese lassen deinen Sohn das durchstehen.
        Wieviel "Schaden" er davon trägt, kann ich nicht beurteilen, aber er wird sich aktiv erinnern - immer.
        Negative Erlebnisse aufzuzählen ist wesentlich einfacher als positive, da negative fester prägen.
        Dein Sohn gibt dir die Antwort mit seiner Aussage an dich eigentlich schon selbst, wenn er sagt, dass er lieber von dir geschimpft werden will... .

      "ich wollte so einen vater nicht haben"

      Aber Dein Sohn hat ihn und er wird ihn auch behalten. Ob ihr Euch trennt oder nicht, er wird sich ein Leben lang damit auseinandersetzen müssen.

      Ich finde es wichtig, dass Du dazu eine klare Haltung findest und annimmst, anstatt irgendein Arrangement zu leben. Er muss wissen, dass es nicht ok ist, so behandelt zu werden. Auch nicht von Papa. Und die Gratwanderung wird sein, ihn zu bestärken, ohne den Kontakt zum Vater zu erschweren oder gar einzudämmen. Dabei wünsche ich Dir ein besonders gutes Händchen und viel Fingerspitzengefühl.

      • (5) 01.08.18 - 21:48

        auch dir danke für deine antwort.

        wir hatten schon gespräche über trennung, er wollte dann weit weg von uns oder sich gar das leben nehmen.
        ich will dem kind nicht den vater nehmen und habe deshalb nie wirklcih einen konkreten schlußstrich gezogen.

        ich denke, jetzt ist das maß voll und ich muss den kindern zuliebe eine entscheidung treffen. möchte aber tatsächlich, dass sie weiter kontakt haben können wenn sie wollen.

    Hallo,

    du willst nicht so einen Vater haben? Verständlich! Aber dein Sohn muss mit so einem Vater leben?

    Das versteh ich nicht.



    vg
    novemberhorror

    • (8) 01.08.18 - 21:49

      auch dir danke. um ehrlich zu sein, hatte ich auch einen despotischen stiefvater und inzwischen verstehen wir uns ganz gut. allerdings immer wenn alte muster durchkommen, platzen alte wunden auf.

      danke nochmal für deine ungeschönte antwort.

Wenn Du wählen musst zwischen einem schönen Leben für Deinen Mann, Dich oder für Deinen Sohn, auf wen würde die Wahl fallen? Und wie wichtig ist es Deinem Mann, dass Dein Sohn unbeschwert und seelisch heil aufwächst?

Ich hoffe, es kommt heraus, wieso ich das frage.

  • (10) 01.08.18 - 22:27

    ja, ich denke schon. die schwierigkeit ist ja, wenn man drin hängt. aber an letzter stelle steht mein mann und doch würde ich auch ihm ein schönes leben wünschen.

    lg

    • (11) 01.08.18 - 22:29

      Ja das ist klar, dass Du ihm nicht die Pest an den Hals wünscht. Aber er kann sich halt sein Leben auch selber schön machen, Dein Sohn noch nicht. Er ist den Entscheidungen seiner Eltern ja ausgeliefert.

Kannst du mit deinem Mann darüber reden, warum er schnell so wütend wird? Was sagt er denn selbst dazu?

(13) 02.08.18 - 01:44

Du möchtest eine ehrliche Antwort? Ein cholerischer Elternteil ist NIE gut für eine Kinderseele, das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen! Natürlich versucht dein kleiner, gerade mal achtjähriger Sohn alles, um es seinem Vater Recht zu machen und vom ihm geliebt zu werden, denn wenn er es nicht tut, wird er ja übelst angeschrien! Das hat leider null mit einer vertrauensvollen Basis zu tun. Ich sage Dir ganz gerade heraus: Je länger Dein Sohn so aufwächst, desto mehr wird in ihm kaputt gehen. Cholerikerkinder sind die Patienten der Phsychologen von morgen, da kannst du sicher sein. Im schlimmsten Fall wird dein Sohn genau dasselbe Verhalten später annehmen, auf jeden Fall wird er so oder so einen großen Knacks in seinem Selbstbewusstsein mitnehmen. Das, was dein Mann macht, nennt man Zuckerbrot und Peitsche. Kuscheln und schreien, na toll ! Ich verstehe nicht, wie man überhaupt daran zweifeln kann, dass so ein Charakter den Kinder nicht schaden könnte! Ja, tut er, und wie!

(14) 02.08.18 - 09:10

Mein Vater ist auch ein Choleriker, aber eher ein feiger, denn er ließ/lässt es meist an meiner Mutter aus.
Als Kind habe ich oben im Bett gelegen und sie haben unten gestritten.Ich weiß noch wie schlimm ich das fand, bin dann immer runter und hab weinend darum gebeten das sie aufhören sollen, haben sie aber nicht.
Mich hat das sehr geprägt und meine Brüder auch, ich mag laute Stimmen überhaupt nicht und versuche den Ball flach zu halten und meine Brüder sind zu ihren Frauen wie mein Vater zu meiner Mutter...schlimm.

Allerdings zählst du hier nur Sachen auf wo er euren Sohn anbrüllt, aber nicht dich.Bezieht es sich immer nur auf euren Sohn, dann hat das ganze evtl. andere Ursachen was aber sein Verhalten nicht entschuldigt.

Seit ihr euch einig in der Erziehung?Das wirkt nämlich nicht so, es wirkt so als könnte sich dein Mann sich diesbezüglich dir gegenüber ( generell ) schlecht durchsetzen und sein Gebrülle ist das Ventil dazu.
Wenn dem so sein sollte, ist der Ansatzpunkt ein anderer als wenn er von Grund auf ein Choleriker ist.

Dein Mann fällt nicht in alte Muster zurück, sondern er war immer wie er ist. Er hat es nur eine Zeitlang besser im Griff gehabt.

Du wirst mit einem cholerischen Menschen nie dauerhaft ruhig leben können. Diese Menschen sind immer wie tickende Zeitbomben. Das geht mal ne Weile gut und dann ist es die Fliege an der Wand.... oder eben ein nicht gefundener Spitzer, der das Fass wieder zum Überlaufen bringt.

Das war ein Grund, warum ich mich vom Vater meines Sohnes getrennt habe. Ich bin am Ende schier verrückt geworden und hab ne Angststörung entwickelt, weil ich immer in Panik davor war, wann er wieder ausrasten würde.

Selbst in ruhigen Phasen konnte ich nicht entspannen, weil ich wußte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihm wieder ein Draht aus der Mütze springt.

Als erwachsener Mensch kann man gehen. Als Kind, muss man es ertragen. Man kann nicht weggehen.

Aus heutiger Sicht, bereue ich, nicht viel eher gegangen zu sein. Mir wurde auch allerhand angedroht, für den Fall, dass ich mein Vorhaben durchziehe.

Aber es war die beste Entscheidung meines Lebens.

Die erste Nacht in der eigenen Wohnung, war wie eine Befreiung. Diese komische Angst, dass irgendwer gleich ausrastet, hat mich jedoch noch Jahre verfolgt.

Man wird irre mit so einem Menschen an seiner Seite.

Tu das eurem Kind nicht an. Kein Kind sollte in solcher Angst groß werden. Na klar, liebt er seinen Vater, klar geht er kuscheln. Aber er kennt auch die andere Seite seines Vaters ganz genau. Das darfst du nicht unterschätzen.

Mein Sohn ist heute fast 29 und erinnert sich noch an viele Episoden, wo sein Vater ausgetickt ist. Zum Gllück sind wir rechtzeitig gegangen.

Alles Gute für euch.

  • (16) 02.08.18 - 23:24

    hallo, darf ich fragen, wie alt dein sohn war, als ihr ausgezogen seid? liebe grüße und alles gute dirn.

    • (17) 03.08.18 - 00:28

      Mein Sohn war 7. Es war 4 Wochen vor seinem 8. Geburtstag.

      Ich weiß, dass der Schritt schwer ist. Ich hab ein Jahr vorher sogar schon mal einen Versuch des Auszuges gestartet. Dann hat er mich wieder bequatscht. Und ich bin nach 2 Wochen zurückgezogen, weil ich auch immer dachte, dass es nicht richtig sein könnte, wenn ich Vater und Kind räumlich trenne. Bei dem Gedanken hat mir wirklich das Mama-Herz geblutet.

      Er hat sich dann auch echt einige Zeit zusammengerissen. Aber unweiglicherlich kam dann wieder der Zeitpunkt, wo er ausgeflippt ist. Und da wußte ich, dass meine Rückkehr falsch gewesen war.

      Ein Jahr später hab ich es dann für immer durchgezogen.

      Durch die ewigen Ängste brauchte ich nachher eine Therapie. Dabei hab ich die Jahre versucht aufzuarbeiten. Dabei hab ich gelernt, dass solche Menschen eine unberechenbare Wut in sich haben. Wahrscheinlich auch aus einem Kindheitsgeschehen heraus...irgendwelche Umstände, Lebenssituationen etc. die nie aufgearbeitet wurden und zu einem solchen cholerisch aggressiven Verhalten führen.

      Eigenltich müssten diese Menschen in Therapie...aber meist sind es die Leute, die mit diesen Menschen leben, die irgendwann selber einen an der Waffel kriegen.

      Noch schlägt er nicht. (hoffentlich), aber was meinst du, was passiert, wenn dein Sohn irgendwann zurückschreit oder aufbegehrt gegen den Vater. Seine Reaktion wird unberechenbar sein.

      • (18) 03.08.18 - 01:26

        Darf ich fragen, ob dein Mann erst so wurde, nachdem ihr Kinder hattet, oder war er immer schon so? LG

        • Ich hab in den Jahren, die wir zusammen gelebt haben, erfahren, dass er im Grunde immer schon so war. Das hat er, gerade zu Beginn unserer Beziehung, super gut versteckt.

          Stutzig wurde ich das erste Mal, ich glaube so nach 8 Wochen, wo er relativ unvermittelt seinen Bruder anbrüllte, weil der irgendwas nicht so machte, wie er es gern gehabt hätte.

          Da mich das aber nicht direkt betraf, war ich zwar schockiert, aber habs noch relativ gelassen gesehen.

          Im Laufe der Jahre gab es dann unzählige Vorfälle, die mich, unseren Sohn, meine Familienangehörige, teilweise aber auch Nachbarn betrafen. Zwischenrein gabs immer wieder gute Phasen, wo ich dachte, jetzt hat er´s im Griff. Diese Hoffnung war aber immer vergebens.

          Man muss sich einfach bewußt werden, dass was gehörig schief läuft, wenn man als Mama das Gefühl hat, man müsse sein Kind vorm Vater schützen. Vor allem wenn du nicht im Haus bist, ist euer Sohn ihm wirklich hilflos ausgeliefert. Verbale Gewalt ist nicht weniger schlimm, als körperliche Gewalt.

(20) 03.08.18 - 01:44

Ich bin noch weit entfernt von deiner Situation aber habe mir oft Gedanken gemacht wenn mir mal sowas passiert viele Menschen ändern sich mit der Zeit. Hast du deinem Mann mal direkt gesagt was mit dem Sohn passieren kann wenn er in ständiger Angst lebt? Oder mit deinem Sohn gesprochen dass er wenn er ihm antwortet z.b sagt ok es tut mir Leid aber warum schreist du mich so extrem an ich habe nichts sehr böses gemacht... ich würde versuchen meinem Sohn schon stark dagegen zu machen aber ihm zu sagen dass er akzeptieren soll wenn er wirklich was schlimmes gemacht hat und dass der Vater halt so ausrastet anders wie andere weil er eine Krankheit ( unveränderbare Macke) hat. Ok wenn dein Mann wirklich alles soo schlimm findet wirds nicht leicht dann braucht ihr Gespräche zu dritt oder mal mit freunden oder familie die auch Kinder haben um ihm zu zeigen dass sowas normal ist. Ich weiß leichter gesagt wie getan aber sowas würde ich machen wollen.

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