Trennung nach akuter Psychose... Und was mach ich nun?

    • (1) 02.08.18 - 14:53
      Alter Hase

      Hallo, ich weiß gar nicht recht, wie und wo ich anfangen soll... Vielleicht kurz die Eckdaten, ich, 44, Sohn 15, seit 10 Jahren in einer Beziehung.
      Mein Partner war nie einfach, er ist im Grunde ein herzensguter Mensch, hat aber auch eine dunkle Seite, die immer wieder durchgebrochen ist in Form von heftigsten cholerischen Anfällen, Beschimpfungen, Entwertungen, ein Zusammenleben habe ich nach einem Jahr abgebrochen, es ging nicht. Ich habe in den 10 Jahren viel erlebt, Gutes wie Schlechtes.
      Sehr befremdlich wurde sein Verhalten in den letzten Wochen. Angefangen hat es vor ca. 6 Wochen, mein Sohn hatte Geburtstag und mein Partner ist an diesem Tag das erste Mal vor meinen Eltern ausgerastet, mein Sohn war zum Glück zu diesem Zeitpunkt nicht hier. Das gab es bis dato nie, dass er einen solchen Kontrollverlust vor Dritten hat.
      In den darauffolgenden Tagen und Wochen hat er einen Kredit über 35.000 EUR aufgenommen, sich krankschreiben lassen, in dem er seinem Hausarzt 100€ auf den Tisch gelegt hat für eine Diagnose, die man endlos in die Länge ziehen kann, es folgte eine manische Phase mit unzähligen Käufen, das meiste wurde an meine Adresse geschickt, ich musste mich tagelang durch meterhohe Paketberge wuchten, um in mein Haus zu kommen. Auf Hinweise meinerseits, dass hier gerade etwas sehr ungutes passiert und ich ihn kaum noch kenne, reagierte er nur mit "Das geht Dich nichts an".
      Es passierte in der folgenden Zeit noch so einiges, das würde hier den Rahmen sprengen, das Schlimmste aber dann am Abend und der Nacht des 21. Juli. Er fing aus dem völlig Nichts heraus an, mich und meine Familie in unserer Familien-WhatsApp-Gruppe zu beleidigen und zu bedrohen, wir scheinheiliges Volk, wir Arschlöcher, er würde Krieg über uns bringen, heute sei Zahltag u.s.w. Auch hier erspare ich mir weitere Details, sonst schreibe ich morgen noch. Keiner hat reagiert, mein Bruder hat ihn aus der Gruppe entfernt, dann ging es in einer neuen von ihm gegründeten Gruppe weiter...
      Für mich war an dem Abend klar, das war es!!! Ich kann nicht mehr!!! Und nun das allerschrägste, am Montag Früh schrieb er mich an "Hallo Schnecke, bin im Geschäft, sehen wir uns heute Abend." Ich schrieb zurück, dass ich ihn weder sehen noch mit ihm reden kann und will, ich versuche, das, was passiert ist, irgendwie zu begreifen." Darauf schreibt er "Was ist denn passiert? Außer, was Du Dir in Deinem Kopf zusammenreimst und denkst." Glaubt mir, ich habe doch kurz an meinem eigenen Verstand gezweifelt, aber ich habe sämtliche Verläufe auf meinem Handy. Er hat dann noch zweimal versucht Kontakt aufzunehmen, ich habe auf nichts reagiert.
      So, nun ist seit einer Woche Funkstille. Für mich ist klar, dass er an dem Abend nach dieser manischen Phase in eine akute Psychose gerutscht ist, ich arbeite in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie und weiß um dieses Krankheitsbild. Was er jetzt macht, weiß ich nicht.
      Und nun weiß ich nicht was ich tun soll. Die Partnerschaft ist für mich definitiv beendet, ich empfinde schon fast Ekel, wenn ich an ihn denke. Dennoch kann ich 10 Jahre nicht so einfach stehen lassen. Mein Sohn fragt ständig nach ihm, er konnte an dem Abend alles lesen, er versteht aber nicht, was passiert ist. Ich sage ihm, dass M. krank ist und Hilfe braucht, wir uns im Moment schützen müssen. Trotzdem fragt er, ob er ihm schreiben darf.
      Ich selbst merke auch, dass mich die Frage nach dem Warum schier um den Verstand bringt. Aber was soll ich tun? Es so stehen lassen in der Hoffnung, dass es sich irgendwann aufklärt oder halt auch nicht? Kontakt aufnehmen? Wenn ja in welcher Form? Was ist mit meinem Sohn? Mein Partner war 10 Jahre Vaterersatz, nun hat er uns so aus seinem Leben eleminiert, das macht ja auch viel mit ihm, wir wären eigentlich jetzt zusammen im Urlaub, das habe ich alles abgesagt. Ich kann gerade keinen klaren Gedanken fassen und erhoffe mir von Euch ein bisschen Unterstützung. Was würdet Ihr tun?
      Liebe Grüße von einem alten Hasen

      • Hallo!

        Hast du ihm gesagt, dass er Hilfe braucht?

        Ich meine, es wird klar, dass etwas richtig großes nicht stimmt, aber es wird auch deutlich, dass er weder versteht noch wahrnimmt, was da schief geht.

        Klar kannst du keine Beziehung führen, solange er so ist, aber ihm wenigstens klar machen, dass er Hilfe braucht?

        • (3) 02.08.18 - 15:42

          Oh ja, das habe ich oft, immer wieder. Er kommt aus einer psychisch hoch belasteten Familie, Mutter bipolar, Vater schwerst depressiv, unzählige Beziehungsabbrüche in Kindheit und Jugend, Suizidversuche der Mutter, Mutter in ihrer derzeit keine Ahnung wievielten Partnerschaft, insg. ich glaube 6 Halbgeschwister, Suchterkrankungen in der Familie und so weiter und so fort.
          Ich habe immer wieder, wenn er so massive Durchbrüche hatte, versucht auf ihn einzuwirken, ihm gesagt, dass er viele Dinge, die er erlebt hat, aufarbeiten muss, dass es sonst nie besser wird und er uns langfristig verlieren wird. Er hat aber immer alles abgeschmettert, ich solle ihn mit meinem Laienpsychogequatsche in Ruhe lassen, keinerlei Krankheitseinsicht. Nun kann ich nicht mehr. Ob er selbst versteht, was er da getan hat? Keine Ahnung. Ich wünsche ihm, dass er sich Hilfe holt, aber das wird er nicht tun, durch seine Eltern ist alles was mit Psyche und Psychiatrie zu tun hat, ein dunkelrotes Tuch :-(

          • Blöde Frage, aber warum hast du dich überhaupt auf ihn eingelassen? Helfersyndrom?

            Dir war doch klar, dass es ihm nicht gut geht und er eine tickende Zeitbombe ist. Warum hast du dein Kind und deine Familie damit konfrontiert?

            Ich meine das nicht böse, aber vielleicht solltest Du dein Beuteschema in Sachen Männer besser überdenken? Du kannst nicht im Rahmen einer Beziehung jemanden retten, das funktioniert nicht.

            • (5) 02.08.18 - 16:06

              Ja, auch diese Frage stelle ich mir gerade oft. Ich glaube, das ist wie mit einer Co-Abhängigkeit bei Partnern mit Suchterkrankung. Ich bin immer wieder eingeknickt, wenn er dann wieder auf Normal-Modus war. Und natürlich hatte ich das Gefühl, dankbar sein zu müssen, er hat mich über die Jahre finanziell unterstützt und war da, wenn ich Hilfe gebraucht habe, vielleicht auch Scham, sich eingestehen zu müssen, dass es nicht funktioniert hat? Die Hoffnung, dass es besser wird und wir eine gute Zukunft haben können? Die Angst davor ganz alleine zu sein? Ich weiß es nicht, klar ist, dass ich auch irgendwo einen Knacks habe, dass ich das alles über so viele Jahre gemacht habe, da gebe ich Dir recht.

              • Es ehrt dich ja auch, dass du nicht so schnell aufgeben wolltest, aber irgendwann ist der Punkt eben wirklich erreicht.

                Auch dein Sohn wird das noch verstehen, auch wenn es für ihn schwer ist.

                Ich glaube, alleine ist niemand gerne.

                • (7) 02.08.18 - 17:37

                  Ja, der Punkt ist erreicht, es gibt für mich absolut kein Zurück in eine Partnerschaft. Dennoch, so habe ich es auch gerade weiter unten geschrieben, weiß ich nicht, wie ich mich jetzt verhalten soll. Hat er in vollem Umfang realisiert, was er getan hat? Ich glaube nicht. Er hat versucht Kontakt aufzunehmen, ich habe abgeblockt, nun lässt er mich in Ruhe. Aber kann man 10 Jahre einfach so beenden, ohne ein klärendes Wort? Ich kann damit vielleicht noch umgehen, auch wenn es schwer ist und mich immer wieder einholen wird, anders hingegen mein Sohn, er kann nicht verstehen, dass ein Mensch, der ihn fast sein ganzes Leben lang so eng begleitet hat, so plötzlich aus seinem Leben verschwunden sein soll, ohne Anlass, ohne Erklärung, ohne Abschied :-(

      Huhu,

      Es hilft wahrscheinlich nicht so sehr weiter. Es kann sein, dass er sich wirklich an nichts erinnert. Ich hatte das schon einige Male bei Klienten von mir.
      Die Konsequenz der Trennung ist natürlich die Gleiche.
      Und: In gesunden Phasen ist er ja völlig normal gewesen. Klar hofft man da wenn man liebt. Und er scheint euch ja auch gut getan zu haben. Mach dir keine Vorwürfe. Das bringt nichts. Sei im Jetzt und Triff die Entscheidungen, die wichtig für euch sind.
      Liebe Grüße

      • (9) 02.08.18 - 17:20

        Ich danke Dir für Deine lieben Worte. Du triffst es ganz richtig, er war in gesunden Phasen völlig normal, liebevoll zu meinem Sohn und mir, hatte ein sehr herzliches Verhältnis zu meinen Eltern. Die schlimmen Phasen waren aber doch immer wieder präsent, darum bin ich nach einem Jahr bei ihm ausgezogen. Wir hatten uns zuletzt ganz gut arrangiert, er bei sich, ich bei mir und am Wochenende haben wir Zeit miteinander verbracht. So war es gut für uns.
        Warum er in den letzten Wochen so dekompensiert ist, kann ich nicht nachvollziehen, ich habe es beobachtet, gespürt dass er sich verändert und konnte nichts tun und nun dieses schlimme Ende... Und eben meine Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen, von denen ich weiß, dass sie richtig sind. Ich weiß nicht, ob ich meinem Sohn erlauben soll, dass er Kontakt aufnimmt. Ich weiß nicht, ob ich ihm z.B. einen Brief schreiben soll und ihm nochmals klar machen, was da passiert ist... Das da überhaupt etwas passiert ist. Mein Kopf sagt zu beidem nein, mein Herz schwankt und das ist fatal, weil ich merke, dass ich selbst in alte Muster rutsche, ich wissen möchte, wie es ihm geht, mein Kopf ständig um dieses Thema kreist. Ich glaube, ich brauche einen Abschluss, weiß aber nicht wie :-(

        • Dein Partner weiß, dass er krank ist und möchte sich nicht behandeln lassen. Es besteht keine Einsicht, kein Wunsch zur Besserung. Daher werden Briefe und Gespräche meiner Ansicht nach nichts bringen. Ein echter Schlussstrich von dir könnte wachrütteln. Aber das würdest du erst viel später oder nie erfahren.?
          Wie du selbst sagst, deine Muster sind co-abhängig.

          Dein Sohn hat viel bei WhatsApp mitbekommen und versteht njcht. Ich würde mit ihm im Internet oder sonstwo das Krankheitsbild mit ihm durchsprechen. Neutral lesen, Beispiele aus der letzten Zeit von euch zu den Symptomen benennen. So versteht er, was da überhaupt passiert ist. Dann kann er sehen, was er machen möchte. Kontakt unterbinden halte ich für schwierig. Ich wurde aber deine Sorgen benennen.

          Alles Gute für euch!

    Ich habe nicht alle Antworten gelesen, lasse mich aber sowieso nicht beeinflussen.....lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, dieser Spruch ist uralt, gilt aber immer noch.
    Mein erster Mann wurde zum Alkoholiker, schob immer wieder psychische Gründe vor, ich Trottel wollte ihm helfen - bis er garnichts mehr arbeitete, nur noch trank und ich auch noch fast lebensgefährlich zusammengeschlagen wurde. Dann war sofort Schluß und ich schmiss ihn eeeeendlich raus - nach 2 1/2 Jahren Mitleid und ach vielleicht ändert er sich ja noch.
    An Deiner Stelle würde ich mich sofort abgrenzen und zwar komplett, kein Brief, garnichts mehr. Bau Dir endlich Dein eigenes Leben auf, Du hast es sowas von verdient.
    Sag auch Deinem Sohn, dass ihr beide erstmal Zeit braucht - lasst eine Zeit verstreichen und Du wirst sehen, was passiert. Dann kann ihm Dein Sohn immer noch schreiben. Aber in der aktuellen Situation würde ich keinerlei Kontakt wollen - kommt erstmal zur Ruhe.
    Ich bin der letzte Mensch, der einen anderen im Stich lässt, der Hilfe braucht - aber manchmal muss man sich einfach selber schützen - und Du Deinen Sohn auch noch.
    So ein Leben braucht keiner. Alles Gute. LG Moni

    • (12) 02.08.18 - 19:25

      Liebe Moni, ich danke Dir von Herzen für Deine Antwort. Das ist genau das, was mein Kopf auch sagt. Zum Glück musste ich nie so Schlimmes erleben wie Du, er hat mich nie körperlich attackiert (naja, verbale Schläge tun auch weh) und ich hatte, bis auf das Jahr, in dem wir bei ihm gelebt haben, immer mein eigenes Leben, einen Job der mir Spaß macht, eine schöne Wohnung, eine liebende Familie, tolle Freunde, sprich, ich stehe nicht mit nichts da, mein Leben geht genauso weiter wie vorher... Ruhiger wahrscheinlich.
      Und Du hast absolut Recht, es muss Ruhe einkehren, für meinen Sohn und mich. Ich habe meinem Sohn immer wieder erklärt, dass M. krank ist, er Hilfe braucht die wir ihm nicht geben können und ich ihn bitte, derzeit keinen Kontakt aufzunehmen, weil es nicht gut wäre, wenn er auf diese Weise wieder einen Fuß in unser Leben bekommt. Aber ich kann meinen Sohn verstehen, mir selbst geht es ja ähnlich, dass ich immer wieder zweifel, ob dieser komplette Rückzug richtig ist... Ja, ist er!!! Danke für Deine Bestärkung :-)

Du solltest dir immer wieder die Frage stellen ob du dir so dein Leben vorstellst. Er hat keinerlei Einsicht und wird sich auch nicht ändern.

Ich wollt so jemandem mir und meinem Kind nicht zumuten, der ist doch ne tickende zeitbombe!

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