Wie mit Freundin umgehen, jahrelang belogen

    • (1) 28.08.18 - 10:17

      Hallo,

      meine Freundin/Bekannte, die ich seit fast 30 Jahren kenne, macht mir Sorgen bzw ich weiß nicht, wie ich mit ihr umgehen soll.

      Sie hatte wechselnde Männerbekanntschaften. Ok, wenn sie keine feste Beziehung möchte, es ist ihr leben. Sie sagte mir auch in all der Zeit, dass sie niemals Kinder haben möchte und würde sie schwanger werden, würde sie sofort abtreiben. Als sie älter war, riet ich ihr zur Sterilisation, wenn sie sich so sicher wäre. Das wollte sie nicht. Sie spielte immer so schön mit unseren Kindern und ich fragte sie, ob sie sich nicht doch vorstellen könnte, selbst Mutter zu werden. Sie verneinte mit der Begründung, sie mag Kinder sehr, aber eigene, das würde ihr Leben nur einschränken und sie möchte auf ihre Freiheit nicht verzichten.

      Vor einer Woche dann folgendes.

      Sie sagte mir, dass sie mich all die Jahre belogen hätte. Sie wäre lesbisch und hoffte, auch wegen ihrem Vater, der über Homosexuelle kein gutes Wort übrig ließ, dass sie sich zwingen könnte, den richtigen Mann zu finden oder sie bisexuell sein könnte. Deshalb auch die wechselnden Männer. Sie gesteht sich jetzt ein, dass sie lesbisch ist und sie das endlich ausleben möchte, mit einer festen Partnerin (das sehe ich nicht als Lüge, sondern als verzweifelter Versuch, aus Angst vor ihrem Vater, dennoch tat es weh, dass zu hören, sie hätte mir Vertrauen können).

      Dann die Lüge. Sie wäre neidisch auf mich, weil ich Kinder habe. Sie hätte so gerne eigene Kinder und hofft sehr, dass sie eine lesbische Freundin findet, die jünger als sie ist und mit der sie Kinder haben kann. Dieser Umschwung und das Geständnis waren zu viel auf einmal. Ich blieb nett, gab ihr Tipps und wünschte ihr Glück.

      Erst Tage später wurde mir richtig bewusst, was ihre Worte bedeuten. Sie hat mir jahrelang etwas vorgespielt, sie ist neidisch auf mich wegen unserer Kinder, und sie möchte sehr wohl Kinder haben. Die Abneigung gegen eigene Kinder hat sie sehr gut gespielt.

      Nun meine Frage an euch, wie ihr reagieren würdet. Würdet ihr sie trotz aller Märchen und dem Neid ihr weiterhin beistehen, was ich wohl eher tun würde. Es wird doch auch lesbische Frauen geben, die auf ältere Frauen stehen und sich Kinder vorstellen können, oder? Wie kann sie das ihrem Vater beibringen, der sehr homophob eingestellt ist? Würde sie eine Frau heiraten, dann wäre es dennoch nicht ihr gemeinsames Kind, ,oder?

      Andererseits fühle ich mich naiv. So lange belogen zu werden, eine Freundin, die neidisch ist, die sich nicht anvertrauen kann usw. Würdet ihr den Kontakt abbrechen?

      Viele Fragen, entschuldigt bitte dafür, doch ich bin ziemlich durcheinander. Da denkt man, man kennt einen Menschen und dann ist nichts so, wie es scheint.

      Danke für jeden Tipp, wie ihr euch verhalten würdet und vielleicht kennt sich jemand von euch aus, wie das mit dem Altersunterschied und einem Kind wäre, ob sie da die Mutter wäre bei einer Heirat oder nicht?

      Weiß nicht mehr, was ich denken soll.

      Auf jeden Fall freue ich mich über jede nette Antwort.

      • Ich denke, ich wäre zwar auch etwas gekränkt über diese jahrelange Lüge, aber letztendlich ist das alles schlimmer für deine Freundin als für dich, oder?!

        Verzeih ihr, denn außer der Lüge, die nur sie selbst betraf, ist doch nichts vorgefallen, denn sonst hättest du etwas bemerkt. Und wie viele Menschen werden aus Neid gemein - das war sie aber nicht, also was soll´s?!

        Hallo!

        Nein, ich würde den Kontakt natürlich nicht abbrechen. Wenn sie meine Freundin wäre, würde ich das Elend sehen, das hinter ihrem Geständnis liegt.

        Sie hat jahrelang verborgen, was sie ist, weil sie Angst vor ihrem Umfeld hatte. Wie schrecklich muss das sein? Nur weil sie "neidisch" ist auf deine Kinder, bedeutet das nicht, dass sie sie dir missgönnt. Das bedeutete ja auch nicht, dass sie Kinder voll doof findet. Wahrscheinlich hat sie sich all die Jahre auch selbst etwas vormachen müssen.

        Ich finde, du reagierst etwas egozentrisch. Als lesbische Freundin, die damit auch noch Schwierigkeiten hat, hätte ich mich dir auch nicht anvertraut, glaube ich.

        LG

        • Ja ich bin auch der Meinung, dass du den Kontakt abrechnen muss solange sie dir immer noch was bedeutet und die Freundschaft für dich was Wert ist! Ist bestimmt vor allem für sie schwer gewesen all die Jahren das zu schweigen und so tun als ob sie jemand andere ist, die in der Realität gar nicht gibt! Ich verstehe dich vollkommen, weil als Freundin (über 30 Jahren) sollte man das schon anvertrauen aber wer weiß wie sie sich angefühlt hat vielleicht hatte sie ja auch Angst gehabt wie du reagieren würdest !

      Sie hat sich (vermutlich aus Angst vor ihrem homophoben Vater) ein Konstrukt geschaffen und um es erfolgreich aufrecht zu erhalten hat sie sich vermutlich selbst auch angelogen.

      Ich habe einen homosexuellen Sohn und schon einige Menschen kennengelernt, und erfahren welche Ängste sie zu Lügengebilde getrieben haben.

      Dich zu belügen war sicher keine bewusste Entscheidung sondern nur ein Teil ihrer eigenen Selbstlüge. Auch die Frage nach dem Kinderwunsch.

      Ich sehe da ganz ehrlich keinen Grund gekränkt zu sein. Sie hat es dir JETZT anvertraut, das zählt.

      Bitte stehe ihr zur Seite und sieh den "Neid" nicht als negatives Gefühl an, sondern nimm ihren Schmerz wahr, dass sie vielleicht nie auch Kinder haben wird.

      Für lesbische Paare ist es sehr wohl möglich "eigene" Kinder zu haben, wenn auch nicht unbedingt leibliche.

      Alles Gute! Steh deiner Freundin bitte zur Seite, sie wird jetzt genug Verluste erleben müssen.

      LG S.

      Wenn Dir was an der Freundin liegt- gerade jetzt braucht sie Dich! So ein Coming-Out ist zwar für einige heutzutage leicht, aber mit der Ablehnung durch die Familie für sie bestimmt sehr schwer! Und mit dem Kinderwunsch- ich kenne welche die sogar während der künstlichen Befruchtung noch behauptet haben keine Kinder zu wollen, als Selbstschutz, um nicht immer angesprochen zu werden. Ihr ist bestimmt ein Stein vom Herzen gefallen als sie sich Dir anvertraut hat- es ist ihr bestimmt nicht leicht gefallen. Versuch für sie dazusein!

    • Ich denke, wenn die sich erst jetzt eingestehen könnte, dass sie lesbisch ist und sich um sich das Gegenteil zu beweisen deswegen ständig auf Männer gestürzt hat, dann wird sie alles andere auch einfach verdrängt haben. Denn Kinder ohne funktionierende Partnerwahl ist ja für die wenigsten ein Thema. Dazu ist ein Kinderwunsch auch eine Entwicklungssache.

      Ich würde ihr vielleicht Mal sagen, dass du es gut findest, dass sie endlich ehrlich war, du dir gewünscht hättest es wäre eher so gewesen...

      ...aber ich würde ihr vergeben. Es war sicher keine Lüge um dir zu schaden, sondern einfach weil sie selbst mit sich und ihrer Identität nicht klar gekommen ist und da hängt die Kinderplanung eben in der Folge mit dran.

      Man kann sie eigentlich fast nur beglückwünschen, dass sie sich nicht x Kinder hat an die Backe nageln lassen von wechselnden Männern, sondern gewartet hat bis sie da für sich mit aufräumen könnte. Das war - auch wegen ihrem Elternhaus - sicher keine leichte Geschichte. Sie hat ihr Vertrauen in dich durch dieses Geständnis bewiesen. Zu so einer Einsicht gehört viel Mut.

      Die Antworten die du hier bekommst kann ich nur bestätigen. Denk daran wie schwer es für sie war und sie sich selbst bestimmt lange belogen hat. Deine erste Reaktion war toll! Du hast zugehört und hast erstmal besonnen reagiert. Deine Gefühle kann man sicher verstehen. Die möchte ich dir nicht abschlagen, aber manchmal muss man sich zurück nehmen. Das hast du getan und solltest sie weiter unterstützen. Damit nichts unausgesprochen bleibt, würde ich ihr deine ersten Gedanken dazu aber auch sagen. Es steht sonst zwischen euch und Ehrlichkeit ist nun der richtige Weg. Liebevolle Ehrlichkeit.

      Hallo,

      ich kann verstehen, dass Dich das kränkt, aber Deine Freundin braucht Deinen Beistand und Deine Freundschaft jetzt mehr denn je.
      Ich schätze auch nicht, dass sie Dich bewusst und mit böser Absicht belogen hat - sie hat sich selbst doch ebenfalls etwas vorgemacht; womöglich dachte oder hoffte sie, tatsächlich bei einem Mann hängen zu bleiben - Du schreibst, sie gesteht sich das selbst jetzt erst ein. Sie hätte Dir gar nicht die Wahrheit sagen KÖNNEN - sie hatte sie ja selber noch nicht auf dem Schirm. ;-)

      Dass sie jetzt den Mut gefasst und sich Dir mit allen unangenehmen Details offenbart hat, würde ich ihr hoch anrechnen, wirklich wahr. So ein Geständnis erfordert eine Menge Mut.

      Zu den Fragen, die sie betreffen: Ja, es gibt lesbische Frauen, die sich Kinder wünschen. Es gibt sogar lesbische Frauen, die leibliche Kinder HABEN. Und selbstverständlich - wenn sie heiratet, dass ist sie rechtlich die Mutter eines in dieser Ehe gezeugten Kindes, egal, welche Partnerin es austrägt.

      Was sie mit ihrem Vater macht, muss sie selber sehen. Da kannst Du ihr nur beistehen. Allerdings sind die eigenen Eltern zwar ein riesiger Faktor in dieser Rechnung, aber bei Weitem nicht die Hauptbaustelle, wenn es darum geht, als Erwachsene ein eigenes Leben zu führen.

      Viele Grüße!

      • Absolut richtig #pro.

        Der Kopf ist schließlich rund, damit die Gedanken mal ihre Richtung ändern können.

        Es gibt unendlich viele Frauen, die steif und fest behaupten, niemals Kinder haben zu wollen. Abgesehen von der sexuellen Gesinnung, stellt dies oftmals auch eine Schutzbehauptung dar. Man kann halt nur bis vor den Schädel schauen.

        Hallo! "selbstverständlich - wenn sie heiratet, dass ist sie rechtlich die Mutter eines in dieser Ehe gezeugten Kindes, egal, welche Partnerin es austrägt. "

        Ich muss dir leider wiedersprechen: wir haben zwar die Ehe für alle,doch ist genau dieser wichtige Gesetzestext nicht geändert worden. Wird ein Kind in eine homosexuelle Ehe geboren,muss der co-elternteil immer noch die Stiefkind Adoption durchführen. Das ganze heißt Abstammungsrecht. Ich bin selber lesbisch,verheiratet ein Sohn und Kind Nummer zwei ist unterwegs. Ich bin die adoptivmama,meine Frau die leibliche. Ja armes Deutschland wir werden noch immer diskriminiert. Ich ich fand es China das du gesagt hast " selbstverständlich ist das so ". Nein,leider nicht.
        MfG

    Für mich klingt das alles nicht so schlüssig. Wenn sie wirklich unbedingt ein Kind hätte haben wollen, wäre es schlau gewesen, sich von einem Mann eins machen zu lassen und dann die richtige Partnerin zu suchen um es großzuziehen. Bei so verlogenen Menschen, die mit sich selbst so viele Baustellen haben läuft man irgendwann Gefahr verletzt zu werden. Ich persönlich kann Lügen nicht ausstehen und verliere schon bei kleinen Lügen völlig das Vertrauen. Hatte selbst so eine sehr gute Freundin und es sind immer wieder Täuschungen vorgekommen. Mir war das irgendwann zu viel und ich habe den Kontakt abgebrochen. Da ich ein grundehrlicher Mensch bin, kann ich das nicht nachvollziehen.

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