Zu rational?

    • (1) 05.09.18 - 00:33
      Anna.asks

      Hallo ihr Lieben,

      Ich habe mich jetzt auch mal angemeldet, nachdem ich so oft stille Mitleserin war.

      Und zwar bin ich (26, w) aktuell in einer Beziehung mit ihm (34, m).
      Wir sind auf der einen Seite grundverschieden, auf der anderen Seite haben wir aber -was Beziehungen angeht- dieselben Vorstellungen.
      Ich liebe ihn sehr, wir können über alles reden und er legt mir die Welt zu Füßen.

      Nun habe ich folgendes Problem:
      Er ist total antriebslos. Er hat privat ein bisschen Design studiert, lebt auch jetzt noch von Daddys Geld (mit 34?!?) und hat dementsprechend keinerlei Gründe, um selber zu arbeiten oder sich in irgendeiner Weise fortzubilden.
      Er lebt in den Tag hinein, lebt im Prinzip nur davon, sich mit mir zu beschäftigen, mir Essen zu kochen oÄ - klingt natürlich so erstmal ganz niedlich, aber im Endeffekt ist er immer direkt total verzweifelt, wenn ich mal Zeit für mich brauche oder den ganzen Tag arbeiten muss.
      Er verbringt seine Zeit dann mit Kaffeeklatsch, Netflix, Mittagsschlaf, Handyspielen und geht saufen.

      Er ist zwar nebenher selbständig, sodass ich gehofft habe, er hätte hier und da mal etwas zu tun, allerdings sieht das so aus, dass er alle paar Wochen mal einen kurzen Termin hat und ohnehin alles finanzielle ebenfalls wieder über den Vater läuft.

      Ich habe ihm vorgeschlagen, Sport zu machen, sich Interessen / Hobbies zuzulegen, oder mal ein Buch zu lesen und sich sonstwie weiterzubilden;
      Er ist offenbar der Meinung, das wäre nicht nötig, schließlich ist er keine 18 mehr, und er hätte damals gearbeitet.

      Kurzum: ich bin ehrgeizig, nutze meine Zeit gern sinnvoll und bin kein Mensch, der jeden Abend vor dem Fernseher hängt - gern gucke ich mal eine Doku, lese vernünftige Bücher etc etc. Außerdem mache ich viel Sport und bin auch ansonsten ein ehrgeiziger Mensch.

      Es klingt jetzt vllt herzlos oder zu rational? Aber ich weiß nicht, ob ich mit so jemandem langfristig zusammen sein kann; ich liebe ihn, aber ich kann nicht verstehen, wie man das einzige Leben, das man hat, damit verbringen kann, ständig nur Zeit totzuschlagen.

      Wenn ich ihm sage, ich möchte abends nach der Arbeit mal meine Ruhe, geht er saufen oder guckt stundenlang Filme, weil er einfach nichts mit sich anzufangen weiss.
      Er war schon 2,3 mal beim Psychologen, ist jetzt aber der Meinung, jetzt wäre alles geklärt.

      Ich kann ja niemandem vorschreiben, wie er sein Leben zu verbringen hat, will ich Vorallem auch garnicht.

      Seine Freunde haben mir auch schonmal erzählt, dass das auch das Problem mit seinen Exfreundinnen war. Er hatte immer lange Beziehungen, die daran gescheitert sind, dass die Mädels sich getrennt haben, weil er sein Leben nicht im Griff hat und es nicht merkt, weil ja trotzdem immer mehr als genug Geld vorhanden ist.
      Und anstatt das Problem bei der Wurzel zu packen, sucht er sich eine neue Freundin, bis wieder dasselbe Problem auftaucht...

      Kann man da noch was machen?
      Sollte ich mich trennen, obwohl Gefühle auf beiden Seiten da sind und er mich auf Händen trägt?

      • Ja. Obwohl ich ihn nicht kenne.
        Aber meine Erfahrungen zeigen, dass unterschiedliche Wesen langfristig sich trennen werden. Am Anfang sind Gefühle und Unbeschwertheit, die es trüben.. Er ist ja sonst soll lieb. Das reicht aber nicht. Die Wesen werden irgendwann sich reiben. Erst tauscht man Meinungen. Dann Diskussionen. Am Ende sagt der Mann, du bist ja streitsüchtig. Dabei versucht Frau nur ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Zb dass man nicht in den Tag Leben sollte. Unstrukturiert. Für mich zeigt das Verhalten Unreife und Verantwortungslosigkeit. Wie will er denn mal für eine Familie sorgen? Nein. Nicht finanziell. Ich meine Fürsorge.. Verantwortung. Was für ein Vorbild verkörpert er seinen Kindern? Er ist bequem und er hat offenbar nicht aus gescheiterten Beziehungen gelernt. Nicht reflektiert. Sich nicht weiter entwickelt. Normalerweise sollte man nach einer gescheiterten Beziehung versuchen, zu erkennen, wo eigene Anteile waren/? Man sollte sich entwickeln können und wollen. Dein Freund scheint aber resistent zu sein. Er sucht sich einfach eine neue Freundin. Selbe Muster. Null Veränderungen. Nein, so jemanden wollte ich nicht. Das Leben erfordert Umstellungen. Manchmal wird es unbequem.. es kommen Krisen. Gefühle werden schwächer und das erfordert Beziehungsarbeit. Arbeit an seinen Einstellungen..und Verhalten . Ich glaube kaum , dass er dazu in der Lage sein wird. Zumal er in einem Alter ist, wo er immer weniger bereit sein wird , seine Persönlichkeit zu formen. Und das freiwillig. Also Fazit, auch wenn es hart klingt : trennen, bevor du zu viel investierst und am Ende enttäuscht bist. Du bist ersetzbar. Er offenbar entwicklungsresistent.

        VG

        Ich denke, bei einem 34jährigen, der nie den Hintern hoch bekommen hat, ändert man nichts mehr.

        Und das Bisschen, was er mal gemacht hat, ist nicht wirklich was wahnsinnig Tolles.

        Langfristig scheint es keine gute Basis zu sein. Du bist ehrgeizig und er "antriebslos". Und wenn ihm sein Leben so gefällt wird er es nicht ändern. Er scheint sich mit seinem Lebensstil aus welchen Gründen auch immer eingerichtet zu haben. Es sei den der Geldhahn wird zu gedreht, die Gefahr besteht dann eventuell, dass Du ihn durchfütterst und darüber unglücklich wirst. Ich finde es immer etwas schwierig jemanden zu sagen: such dir mal ein Hobby, das ist gar nicht so einfach. Hier würde ich versuchen ihn zu irgendwelchen Kursen/Workshops mitzunehmen, vielleicht entwickelt sich ja was. Ich würde in mich hören und mich fragen wie hoch mein Leidensdruck in der Beziehung ist und ob mich das nicht zu viel Energie kostet, mir das anzuschauen. Auf mich wirkt es so, dass es nicht gut passt.

      • Hallo
        Ich sehe da langfristig auch keine Zukunft für euch als Paar.
        Vor der endgültigen Trennung würde ich wohl allerdings zuerst das Gespräch suchen und ihm eine Frist setzen ("bis Ende Jahr bemühst Du Dich um einen Job, oder das wars dann") und die Sache auch durchziehen.

        Gerade wenn Gefühle Deinerseits im Spiel sind (Du scheinst ja, wie schon jemand schrieb, ersetzbar zu sein....dann sucht er sich halt einfach die Nächste) würde ich ihm noch eine letzte Chance einräumen.

        Alles Gute!

        #winke Dani

        Hallo!

        Trägt er Dich wirklich auf Händen oder hängt er an Dir, wie so eine Bleikugel, die man früher Gefangenen ans Bein geschnallt hat?

        Ja, er macht viel für Dich - aber letztlich ist das SEIN Bedürfnis, Dich zu bekochen und jede freie Sekunde mit Dir verbringen zu wollen. Wie oft hast Du schon etwas nicht getan wegen ihm? bist nicht ohne ihn ausgegangen, nicht übers Wochenende zu einer Freundin, hast dir keinen Abend für Dich alleine genommen?

        Er engt Dich ein und macht dich alleine für seine Beschäftigung verantwortlich, weil er nicht gerne alleine ist und sperrt dich damit ein.

        Für mich wäre das auch nichts, ich will auch ein Recht auf eigene Interessen haben.

      • Ja das wäre auch kein Mann für mich. Einer der in den Tag hineinlebt.
        Furchtbar!

        Ein typischer Fall von "Jetzt würde ich gerne die Userin manavgat zitieren." :-)

        (9) 05.09.18 - 11:00

        Also ich sehe das etwas anders.

        Meine Erfahrungen mit Menschen, die aus Prinzip wollten, dass man mehr leistet, mehr arbeitet, weil es die meisten anderen Menschen auch müssen, aus Angst, dass man sonst in einer Situation die ein "mehr" erfordert nicht in der Lage dazu wäre oder einfach, weil sie selber super ehrgeizig sind und immer mehr wollen, sind nicht sehr positiv.

        Wodurch unterscheidet sich ein Hobby von Filme schauen? Oder Freunde treffen? Sollte ein Hobby nicht genau das sein, was man selber gerne in seiner Freizeit macht? Nur, weil das für dich Sport ist, muss das ja nicht für jeden so sein.

        Nur, weil er mehr Freizeit hat zur Zeit, heißt das ja nicht, dass er in anderen Zeiten (wenn der Vater zum Beispiel nicht mehr aufkommen will) nicht in der Lage wäre sich anzupassen. Oder wenn Kinder da sind etc.pp.

        Ihr passt einfach nicht zusammen.

        << ... und geht saufen. >>

        Ist er Alkoholiker?

        << Kann man da noch was machen? >>

        Psychotherapie taugt ihm nicht. Sprich mal mit seinem Vater.

        (11) 05.09.18 - 12:16

        "auf der anderen Seite haben wir aber -was Beziehungen angeht- dieselben Vorstellungen."

        Welche sind das denn?


        Manche Menschen kommen mit einem großen, andere mit einem kleinen Koffer auf diese Welt und für jeden gibt's was anderes zu erleben.

        Die Zeit die er nutzt ist in seinen Augen vermutlich genauso sinnvoll wie Deine. Von Außen, mit dem Maßstab der Leistungsgesellschaft betrachtet, wirkt das was Du tust als das Bessere.
        Legst Du die gleichen Maßstäbe bei ihm an, dann wird die Zukunft mit ihm eher eine, ich nenne es mal: Herausforderung.

        Hallo!

        Ganz ehrlich:
        "Kurzum: ich bin ehrgeizig, nutze meine Zeit gern sinnvoll und bin kein Mensch, der jeden Abend vor dem Fernseher hängt - gern gucke ich mal eine Doku, lese vernünftige Bücher etc etc. Außerdem mache ich viel Sport und bin auch ansonsten ein ehrgeiziger Mensch." - klingt ehrgeizig angestrengt, als hättest Du eine Checkliste im Hinterkopf und wenn am Abend nicht alle Haken gesetzt sind, kannst Du nicht schlafen.

        Kein Frage man sollte schon organisiert sein, wenn man ein Ziel vor Augen hat, aber purer Aktionismus ist auch nicht zieführend.

        Was ist sein Ziel im Leben? Und was ist Dein Ziel im Leben?
        Solltet ihr unterschiedliche Ziele haben, dann ist die Diskussion beendet.
        Solltet ihr ähnliche Ziele haben, dann kann es immer noch sein, dass jeder von Euch diese ANDERS meint erreichen zu können. Ihr müsst reden Kompromisse finden und Grenzen aufzeigen sonst kreigt ihr das langsfristig nicht auf die Kette. Es kann sich immer noch als "zu anstrengend" herausstellen - dann lass es.

        Im Übrigen müsst ihr nciht um die Wette laufen für dasselbe Ziel.
        Ich habe im Freundeskreis ein Päärchen, sie hat geerbt ohne Ende, er ist geschäftlich sehr umtriebig und risikofruedig und hat natürlcih öfters Durststrecken. OHNE dem Geld seiner Frau müsste er defintiv sehr kleine Brötchen backen, die ganze Beziehung wäre aber nicht so glücklich.
        Sie bringt das Geld mit, hat aber beruflich nicht so das Bedürfnis nach Risiko - ihr ist es wichtig, dass ein gewisses gesichteres stressfreies Grundeinkommen da ist - und dafür sorgt sie.

        LG, I.

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