Extreme Verlustangst - Hält so etwas die Partnerschaft aus?

    • (1) 15.10.18 - 09:39

      Hallo Ihr Lieben,

      da ich weiss, dass hier ganz oft so lieb geholfen wird - hab ich gehofft, ich könnte mich hier an die Community wenden mit einer Angelegenheit, die mich sehr belastet.
      Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen bereits gemacht und Strategien entwickelt damit umzugehen oder weiß einfach, was es ist und was man dagegen tun kann.

      Zu meiner Person, ich bin 27 und mein Freund 28.
      Wir sind grade mal 4,5 Monate zusammen und sind relativ schnell auf's ganze.
      Sehen uns 4-6 Tage die Woche, waren bereits 3 Wochen zusammen auf einem Roadtrip und schmieden schon weitere Pläne für den kommenden Urlaub und die Zukunft.
      Alles in allem läuft es sehr gut, es könnte nicht besser sein, wäre da nicht dieses ABER

      Obwohl alles gut scheint, natürlich hin und wieder mal eine Meinungsverschiedenheit aber keine Grundsätzlichen Probleme - fühle ich mich seit einiger Zeit labil, fast schon depressiv.

      Vielleicht sollte ich vorab sagen, dass meine Kindheit schwierig war.
      Mein Vater verschwand plötzlich, da war ich ca. 3 - 4 Jahre, ich erinnerte mich daran, dass mich das damals sehr mitgenommen hat.
      Darauf folgte eine lange Depression meiner Mutter, der es sehr schwer fiel meine Bedürfnisse zu sehen als Kind, häufig war Sie daher keine Mutter wie man es sich vorstellt, sondern ich wurde zu Ihrem CO-Partner und musste relativ schnell Verständnis und Mitgefühl für Ihr Leid entwickeln.
      Als ich ungefähr 11 war, lernte meine Mutter jemand neues kennen und verließ die Familie.
      Sie Unterstützte uns zwar finanziell aber war quasi nicht mehr als Bezugsperson verfügbar.
      Ich und meine 1 Jahr ältere Schwester, lebten ca. 1 Jahr unter diesen Umständen, die ich nicht weiter ausführen möchte, bis ich schließlich in eine Einrichtung musste für Mädchen. Einfach ausgedrückt, ich kam ins Heim.
      Angehörige und Nachbarn hatten damals das Jugendamt alarmiert.
      Wie auch immer, ich weiß aus Therapien usw. das diese Zeit mich sehr geprägt hat und vieles, was ich erlebt habe, dazu führte das ich oft Überlebensstrategien entwickelte und gar nicht dieses sichere Fundament aufbauen konnte, wie Kinder in einem relativ behüteten Haushalt.
      Ich vertraue nicht in Bindungen, bzw. nur ganz schwer.
      Ich trage heute noch, einiger Merkel davor, obwohl ich sagen kann, soweit hab ich alles gut hinbekommen.
      Ich habe Abitur gemacht, studiere, finanziere mich durch diverse Jobs selbst, seitdem ich 18 bin, hab allerdings immer mal wieder Phasen, wo ich unter psychischen Episoden leide und generell ein Problem mit Nähe & Distanz, dass fühlen von Gefühlen fällt mir schwer.
      Damit meine ich, ich bin nie wütend oder sauer, oft fühle ich auch einfach gar nichts. 


      Vorab möchte ich noch sagen, dass es meine Erste Beziehung ist.
      Zwar hab ich vorab schon von Zeit zu Zeit mal jemanden kennengelernt, allerdings führten dieses Kennenlernen eher zu "komplizierten Undefinierten Beziehungszustände", als das Sie wirklich was wurden.


      Jetzt aber zu meinem eigentlichen Problem.
      Der Anfang der Beziehung war gezeichnet mit vielen guten Zeiten, ich war locker, fröhlich, immer gut drauf, es gab eigentlich keine Probleme, ließ Ihm seine Freiräume ohne Probleme - lag sogar Wert drauf. .
      Bis auf immer mal wieder kleine Auseinandersetzungen, weil mein Freund etwas eifersüchtig war und grade zu beginn, viel mit seinen eignen Unsicherheiten zu kämpfen hatte.
      Die ich ihm aber immer nehmen konnte, auch weil ich bewusst versucht hatte, Ihm möglichst viel Sicherheit zu geben.
      Als wir uns kennengelernt hatten, wusste er natürlich nichts von meiner Vergangenheit und umso mehr er Erfahren hat, umso weniger war ich die taffe Frau - er meinte Eingans zu mir, dass er das gar nicht erwartet hätte, eigentlich hätte ich immer einen so starken Eindruck auf Ihn gemacht und ich denke, dass ich dieses Bild nach außen über Jahre aufgebaut habe quasi auch als eine Strategie um Irgendwie klar zu kommen.
      Menschen auf abstand zu halten - es fungiert quasi als mein dicker Pelz.

      Wie auch immer, mein Problem fing ungefähr kurz vorm Urlaub an, vielleicht auch im Urlaub - wurde aber definitiv schlimmer "nach dem Urlaub".
      Ich hab relativ schnell gemerkt, als er z.B. ein Wochenende auf einem Festival war, dass ich wie neben mir stand, ich viel weinte, ich die ganze Zeit kreisende Gedanken hatte und die ganze Zeit vom Gedanken geplagt war, dass er dort möglicherweise auf die Erkenntnis kommt "Die Beziehung mit mir könnte ein Fehler sein".
      Obwohl er mir jeden Tag lange Nachrichten schrieb, wie wichtig ich ihm bin usw.
      Irgendwie fiel es mir schwer es zu glauben.

      Seitdem wir zurück aus dem Urlaub sind, weine ich plötzlich häufig. Bei jedem kleinen Konflikt, meistens bedarf es nicht mal einen Konflikt.
      Meistens reicht es schon, wenn er zur Arbeit geht oder nachhause oder er mir erzählt er muss ausnahmsweise nächstes Wochenende arbeitet oder was mit Freunden machen wird.
      Für uns beide geht jetzt wieder das neue Semesterlos und er hat bereits angesprochen, dass er wohl dann weniger Zeit haben wird, wegen Uni, Job und Sport.
      Er wohnt ca. 20 km von mir weg, ich habe ein Hund daher ist er in der Regel bei mir in der WG aber auch weil er noch zuhause wohnt und im Frühling nächstes Jahr erst in seine eigene Wohnung zieht.
      Wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, was das bedeutet - wie oft man sich tatsächlich sieht aber für mich klingt das alles so negativ, als ob er sich quasi bereits damit anfängt zu distanzieren.
      Er sagt es ändert doch nichts und wir werden uns trotzdem weiterhin regelmäßig sehen, mich macht diese Art von Veränderung aber wahnsinnig unsicherer.
      Er sagt, dann gibt es halt mal ne Woche, wo wir uns nur 2 Tage sehen und das macht mich nur beim daran denken ganz nervös.
      Mich stresst es selbst, das ich da so nervös bin und nicht locker, ich weiss auch das er sich wünschen würde, ich wäre lockerer in der Planung unserer Zeit, immer bevor er geht, frage ich, wann er wieder kommt - antworten wie "Mal schauen" - halte ich ganz schwer aus, ich hab dann einfach angst - er fängt sich damit an zu distanzieren und will vielleicht nicht mehr.
      Und das ist eigentlich der Kreislauf, der mir so angst macht.
      Mich quälen die ganze Zeit Gedanken, er würde mich verlassen, seine Gefühle könnten weniger werden usw.
      Auf der einen Seite quälen mich diese Gedanken, weil ich Sie selbst als übertrieben empfinde und weiss, dass meine innere Bewertung einfach gestört ist.
      Kann aber auf der anderen Seite, einfach auch nichts machen.
      Ich bin ziemlich transparent mit Ihm, teile mich Ihm mit.
      Ich merke aber trotzdem, wie ich dadurch irgendwie auch klammere und ich Ihn sicherlich damit auch unter druck setze und an jeder Stelle höre ich - klammern ist unsexy und dann denke ich mir - Ja, ich weiss aber ich bekomm es nicht in den Griff.
      Ich hab jetzt wieder eine Therapie begonnen, verzweifle aber in letzter Zeit so häufig, ob ich das jemals in den Griff bekomme, ob das jemals weg geht und was ich meinen Partner damit mit an tu.

      Ich hab selbst schon versucht, mir Freundinnen über das Wochenende einzuladen, damit ich Ihn mal absagen kann, damit ich etwas Freiraum für Ihn schaffe aber ich genieße diese Zeit dann nicht - ich denk dann nur an Ihn, bin total ungern dann unterwegs uns zähl eigentlich die Zeit, bis er wieder kommt.
      Ich weiß, dass ich durch mein Verhalten eigentlich nur ein Bedürfnis nach Kontrolle habe, ich versuche schmerzlich jedes Risiko verletzt zu werden bzw. alleine gelassen zu werden zu minimieren.
      Aber leider kann man das einfach nicht ausschließen, verlassen zu werden.

      Mich hindert es selbst, objektiv Dinge in der Beziehung zu beurteilen, weil meine Verlustangst viel größer ist.
      Ich kann das gar nicht normal beurteilen, wenn es mal streit gibt - weil ich immer nachgebe, wegen der Harmonie und ich einfach nicht sauer werden kann.

      so, denke das ist genug Input erstmal - weiss nicht, ob man das als aussenstehender verstehen kann. Ich hoffe es doch.

      Ich bedanke mich vorab schon mal, für jeden Rat.
      Verzweifle momentan an dieser Situation, weil es mich in meinem kompletten Alltag beeinträchtigt, beschäftigt mich die ganze Zeit, selbst wenn er da ist.

      • (2) 15.10.18 - 11:20

        Hallo!

        Es tut mir sehr leid, mit deiner schrecklichen Kindheit hast du wirklich viel Ballast.

        Versuch, ein wenig Vertrauen zu fassen und nicht gar zu viel über deine Angst zu reden. Und Versuch, mehr du selbst zu sein und Phasen ohne ihn auch zu genießen.

        Das kann man lernen, es dauert nur und braucht Anstrengung. Aber vor ihm hattest du auch Dinge, die dir Spaß gemacht haben. Warum verdirbst du die die jetzt selbst mit Grübelei?

        Versuch es ernsthaft. Mit der extremen Angst engst du ihn wirklich ein.

        • (3) 15.10.18 - 12:47

          Hallo liebe Hasipferdi,

          vielen Dank für deine Anteilnahme.

          An meiner Kindheit, generell an Vergangen Erfahrungen, werde ich nichts ändern können.

          Ich würde sagen dass ich Ihm doch ziemlich vertrau, sehr sogar. Ich denke sogar, dass darin der Schlüssel liegt.
          Ich hab mich daraufhin so extrem auf Ihn fixiert, dass ich alle anderen in meinem Umkreis vernachlässigt habe.
          Früher, hätte ich immer eine Freundin gehabt, mit der ich über solche Dinge sprechen konnte.
          Mittlerweile ist mir bewusst geworden, dass es sonst ziemlich still geworden ist um mich.
          Meine Beziehung ist einfach mein alles geworden.

          Ich werde weiterhin versuchen optimistisch zu sein und deine Ratschläge darin einbauen.
          Du hast schon recht, ich beschreiben es aber absichtlich mit einer Depression, weil ich merke das ich es nicht wirklich hinbekomme, obwohl ich will.

          Ich weiß, ich will Ihn auf keinen Fall einengen.

          Danke für deine Rückmeldung

          • (4) 15.10.18 - 12:59

            Das machen alle Frischverliebten am Anfang steht immer der neue Partner total im Mittelpunkt. Aber deswegen sind deine Freunde nicht weg. Deine Mitbewohner freuen sich, deine Freundinnen auch, wenn du wieder mehr Zeit hast. Und mit dem neuen Semester sitzt du wieder mit neuen Leuten in dem einen oder anderen Seminar. Organisiere eine Lerngruppe, das lenkt super ab - man muss sich da ja besser konzentrieren, kann also nicht so grübeln und ganz nebenbei werden die Noten besser.

            Wegen den paar Monaten hat dich niemand vergessen. Du musst deswegen auch kein schlechtes Gewissen haben. Ich habe das schon so oft erlebt, dass jemand frisch verliebt ne Weile von der Bildfläche verschwunden ist um ein wenig später wieder an Freundschaften anzuknüpfen, völlig normal. Nur war es eben zum ersten Mal bei dir so, das ist doch eigentlich schön und zeigt, dass du dabei bist, die Kindheit zu überwinden.

      Was ist eine Beziehung wert, in der einem der Partner/die Partnerin nur darum verlassen würde, weil man eine andere Meinung hat, weil man nicht zu allem ja und amen sagt, weil man eingene Interessen hat, oder es einfach offen ausspricht, wenn man den jeweils anderen vermisst und ihn/sie bei sich haben will?

      Richtig .... die wäre gar nichts wert.

      Hab keine Angst davor DU zu sein, das zu sagen was Dich beschäftigt, oder mal etwas auf das Du eigentlich keine Lust hast auch nicht zu tun.

      Und glaube ruhig auch mal ein bisschen mehr an Dich. Dein Beitrag wirkt auf mich sehr symphatisch ohne etwas zu beschönigen.

      Ich kann nur von mir selbst ausgehen:

      Man kann sich durchaus in jemanden verlieben von dem man denkt "Wow...der/die ist taff".....aber jemanden wirklich lieben bedeutet, genau die Dinge über die Du schreibst an der Partnerin / am Partner zu erkennen, dass Du dadurch eben nicht mehr so taff wirkst, sondern auch mal verletzlich ....menschlich ....herzlich ....liebenswert !

      Glaube an Dich.

      • Hallo liebe Seelenspiegel,

        vielen Dank für dein so positiven, motivierenden Worte, die mich auch einwenig zum nachdenken anregen.

        Ich finde du sagt echt wahre Dinge, besonders Eingangs.
        Ja, du hast absolut Recht und prinzipiell stell ich es mir auch genau so vor.
        Es gibt gemeinsame Schnittmengen, ebenso gibt es Gegensätze und es gibt einfach auch bedingungslose Gefühle, Verständnis und Toleranz für einander und die jeweiligen Bedürfnisse.
        ich muss bei mir aber viel zu oft Festellen, dass Ich Sie im Zuspreche, mir oft aber verbiete.
        Ich hab leider festgestellt, dass ich viel zu oft nachgegeben habe, direkt auf Dinge verzichtet hab und das sein Bedürfnis über meinem steht aber ich es nicht hinbekomme, es durchzusetzen, ohne das ich mich Schuldige fühle.


        Danke dir für all die schönen Worte!

        Ich würde sogar sagen, ich hab einen idealen Partner dafür gefunden, nur ich muss einfach viel mehr an mir arbeiten und endlich anfangen die Beziehung so zu leben und zu gestalten, der Rahmen ist schließlich da - ich muss Ihn nur lernen zu nutzen.


        Vielen Dank <3

    (7) 15.10.18 - 12:46

    Mir tut segr leid, was du durchgemacht hast. Deine Verlustangst kann ich sehr gut verstehen. Auch ich bin ein Mensch, der zum klammern neigt. Es dauerte ein paar Beziehungen, bis ich mein Verhalten änderte. Beim letzten Mann machte ich es anders und bin nun seit über 10 Jahren verheiratet.

    Kurz nachdem wir zusammen kamen, machte er eine lang geplante Reise mit Freunden. Ich zwang mich nicht anzurufen und unternahm in der Zeit viel. So rief er dann während eines Cocktailabends mit Freunden an und beteuerte, wie sehr er mich vermissen würde. Einen Monat später lud seine Ex ihn zum Geburtstag ein. Ich shoppte mit ihm gemeinsam um ein Geschenk für sie zu finden. Anschließend gab ich ihm einen Kuss und wünschte ihm viel Spaß. Es war echt schwer für mich, doch ich lächelte und wirkte entspannt. Da ich nicht alleine bleiben wollte, unternahm ich wieder etwas mit Freunden. Das sollte mich ablenken. Was soll ich sagen. Er rief mich an diesem Abend mehrmals an und war auch in der nächsten Zeit viel anhänglicher und wollte mehr Zeit mit mir verbringen.

    Es gibt ganze Bücher über dieses Phänomen. Männer schaffen Distanz um zu schauen wie sie reagiert. Bleibt sie entspannt, bindet er sich nur umso fester. Wenn du ein bisschen im Internet suchst, wirst du da auch ganz viele Seiten zu finden. Mir hat es sehr geholfen.

    • (8) 15.10.18 - 13:21

      Hallo liebe Abenteuer,


      vielen Dank für dein Feedback/ Rat und diesen Einblick auch weil Sie mir irgendwie Hoffnung spendet.


      Ich glaub, ich weiss welchen Phänomen du meinst.
      Obwohl ich mich selbst immer in Fragestelle, bin ich damit ich, also authentisch oder gebe ich vor etwas zu sein.
      obwohl ich glaube, jeder hat diese Anteile.

      Ich muss sagen, eingangs war ich tatsächlich, ziemlich "locker/gelassen/cool".
      Ich ließ Ihn mit seinen Jungs einen Trinken, nahm mich zurück, verabredete mich parallel und er entschied mich selbst dafür einen ruhigen Abend zuhause zu machen.
      Grade zu beginn war es dann oft so, dass er spät Abends anrief, mir die ganze Zeit schrieb, dass er mich unbedingt sehen möchte, so das ich das Gefühl, grade zu beginn hatte, er hat ein sehr hohen Bedürfnis, mich ebenfalls viel zu sehen und so begann es, dass wir uns seit Anfang an 4-6x die Woche sahen.
      Obwohl er immer meinte, es müsse weniger werden.

      Allerdings, gab es bei mir eine Wende.
      Ich will nicht sagen, dass er anfing mir Dinge zu verbieten aber er manipulierte einwenig meine Entscheidungen.
      Er war z.B. aus mit Freunden und als ich spontan entschied weg zu gehen, war er sauer, genervt, fragte "Wieso tust du mir das an, willst du mich damit kränken".
      Ihm fiel es sehr schwer mir zu vertrauen, dachte immer ich nutze jede Gelegenheit um mit anderen Männern Kontakt zu suchen, schlussendlich passierte auch das, wovor ich immer angst hatte.
      Ich fing an männliche Freundschaften zu beenden oder zu minimieren, sagte Verabredung ab, hörte auf Weg zu gehen.
      Einfach um Ihn Sicherheit zu geben.
      Ich hab das Gefühl, er hat diese Bindungsangst teilweise nochmals stärker in mir aktiviert, weil sobald etwas nicht seinen Vorstellungen entspricht, wird er ruhig.
      Zieht sich zurück, fängt an mich zu ignorieren.
      Das triggert mich leider total.

      Er wiederum erlaubte sich schon den ein oder anderen Fauxpas, wenn er betrunken unterwegs war, verwechselte mich mit seiner Ex-Freundin, berichtete mir betrunken auf dem Festival das er sich gar nicht satt sehen könne an den attraktiven Frauen in den kurzen Shorts + Tattoos (Ich habe keine Tattoos) usw.
      Mitterlweile bin ich nicht mehr so locker, wenn er weg geht - einfach weil schon echt viel passiert ist.
      Nehme es ihm aber nie Krumm.


      Ich muss einfach gestehen, Ich hab wirklich das Gefühl verloren, was gesund ist an meiner Beziehung und was nicht.

      Ich freu mich für dich, dass du dieses Problem in den griff bekommen hast.

      • (9) 16.10.18 - 17:12

        Das was du jetzt hier über ihn schreibst, hättest du am besten schon im Anfangsthread geschrieben.

(10) 15.10.18 - 13:20

Sehr vieles weißt Du ja bereits über Dich und Deine Mechanismen. Das ist für Dein Alter sehr reif und reflektiert und im positiven Sinne, Deiner Vergangenheit geschuldet.

Wie Du schon "schrubst" bist Du jemand der er es Richtig machen will. Dabei analysierst Du dann alle erdenklichen Möglichkeiten, ziehst seine und Deine Position in Erwägung und verzettelst Dich vllt. ein wenig um letzten Endes immer wieder bei Deiner Ur-Angst herauszukommen: <Aber leider kann man das einfach nicht ausschließen, verlassen zu werden.>
Dazu kommt dann noch vermutlich noch der Glaubenssatz: daß Du es nicht wert bist so eine tolle Beziehung/ Partner zu haben.

So ist das Leben - jetzt ist er aber einfach da, dieser andere Mensch und zeigt Dir, daß Du es sehr wohl wert bist geliebt zu werden und das löst einen inneren Konflikt aus.

2 Ansätze sehe ich da:

1. mit dem Wissen von heute, nochmal in eine therapeutische Sitzung gehen (evtl. Familienaufstellung oder Heilung inneres Kind) und der Situation nochmals entgegen treten. Du hast heute viel mehr Möglichkeiten, verglichen mit der Zeit als Du ein Kind warst. Damals warst Du der Situation ohnmächtig ausgeliefert und es gab diese "automatische" Überlebensstrategie.


2. Loslassen - das setzt vor Allem auf eine Starke Präsenz im Jetzt leben zu wollen, ist nicht für jedermann geeignet, jedoch ebenso heilvoll, weil die Vergangenheit einen Raum hat (jetzt). Wer nur zurück denkt und den Schmerz von damals sieht heilt nicht, sondern verstärkt und wiederholt diesen nur.

Der kraftvollste Heiler ist das Bewusstsein. Sich dabei beobachten wie und was man gerade tut.
Dann kannst Du in Deine Werkzeugkiste greifen und das herausholen was Du im Moment brauchst.
Mal ist es eine Suggestion um Glaubenssätzen entgegen zu treten, mal heißt es die Angst liebevoll in den Arm zu nehmen und ein andermal reicht ein Stopp, nur um Dich im gleichen Moment einer neuen Tätigkeit zuzuwenden.

Auch herauszuarbeiten was für Dich ganz speziell die Unterschiede zwischen Gedanken, Gefühlen und Emotionen sind und wie sie sich gegenseitig beeinflussen, kann sehr hilfreich sein.
Dann merkst Du bspw. in einem Moment: ah da ist dieses Gefühl im Bauch, jetzt krabbelt es langsam durch die Brust in den Hals und will sich mit dem Gedanken X vermischen, woraus dann eine Emotion werden kann. Wenn Du das merkst (Bewusstsein) kannst Du es fangen und entscheiden, ob Du es zulassen willst oder nicht. Du bist dann keine Gefangene Deiner Selbst mehr.

Ich weiß, daß Dir diese Beziehung sehr viel bedeutet und das soll sie auch. Gleichzeitig würde ich mich freuen, wenn Du den Fokus darauf legst wie Du für Dich Freiheit erlangen kannst. Das sollte ganz vorne auf Deiner Agenda stehen.
Das ist dann ein Ziel das nichts verhindert (Angst verlassen zu werden) sondern es schafft etwas Neues.

Schau viel nach oben, auch wenn es sich anfangs komisch anfühlt.

  • (11) 15.10.18 - 14:16

    Hallo liebe dhyan,

    vielen Dank für deine lange und informative Nachricht zu meinem Thema.

    Ich merke, du hast dich wirklich lange und sehr emphatisch meinem Anliegen gewidmet und ich nehme an, du hast dich wahrscheinlich schon in einem anderen Kontext mit dem Thema auseinander gesetzt.

    Mit Glaubenssätze habe ich immer wieder zu tun, leider sind die manchmal schon so tief und so automatisiert und funktionieren völlig von selbst, ohne das man sie bemerkt.
    ich hab ja schon berichtet, dass ich immer wieder Probleme habe, die Dinge zu fühlen, Sie wirklich bennen zu können.
    ich mache schon wirklich lange Therapie, ich habe schon viele Erkenntnisse gewonnen aber ich bin noch lange nicht durch.
    Ich merke, es ist immer wieder im Prozess.

    Ich hab mich übrigens bereits für Variante 1 entschieden, bzw. denke immer mal wieder in einem Mix aus 1. & 2.
    Ich hab schon am Anfang der Beziehung schnell ungesunde Verhaltensmuster bei mir entdeckt und mich dann relativ schnell um einen Platz bemüht.
    Letzte Woche hatte ich die erste Sitzung und morgen die Zweite, ist grade alles nochmal Diagnostik, viele Fragen, viele Fragebögen usw.
    Ich hoffe in erster Linie hilft es mir und wirkt sich dazu positiv auf meine Beziehung aus.

    Loslassen ist leider nicht so einfach, Ich hab das Probiert aber es verfolgt mich - irgendwo hat es mich einfach auch geprägt.
    Obwohl ich mich darüber jetzt nicht definieren will.

    und ja, an meinem Bewusstsein Muss ich definitiv arbeiten, es gibt noch viel zu viel was mir nicht Bewusst ist, wofür ich kein Gefühl habe.
    Das muss ich und möchte ich ändern.
    Manchmal brauch man für diese Erkenntnisse Spiegel, Gespräche, Erfahrungen und Mitmenschen die einem ehrlich begegnen.

    Den Ansatz versuche ich übrigens immer wieder in den Fokus zu nehmen, mehr auf mich schauen, wie kann ich mein Leben möglichst positiv für mich gestalten, was könnten persönliche Ziele sein.

    Ich arbeite viel mit den Bücher von Frau Stahl bezüglich Beziehungsproblemen.


    Vielen Dank nochmals für deine Mühe.

    • (12) 15.10.18 - 16:43

      Na das hört sich ja alles schon ziemlich gut an. Ich bin übrigens ein männlicher Vertreter der Gattung Mensch ;-)
      Sei nicht zu hart zu Dir selbst und verbieg Dich nicht.
      Das Einzige was Du musst, ist: die Mechanismen wahrnehmen. Der Rest kommt dann in Folge fast von alleine.
      Es gibt im Grunde viel weniger zu Tun, als Du annimmst.

      Wenn Du wenig fühlst, könntest Du bspw. freies Tanzen machen (5 Rhythmen) oder auch was ganz Sanftes wie Feldenkrais. Beides unterstützt die "binnenkörperliche" Wahrnehmung. Aber auch einfaches Atmen kann dasselbe bewirken.
      Probier einfach ein bisschen rum.... und da wo es sich leicht und schön anfühlt, machst Du weiter.

(13) 15.10.18 - 19:36

Du BIST eine taffe Frau. Da hin zu gelangen wo du jetzt bist ist eine ganz tolle Leistung.
Sehe jeden tag in den Spiegel und sag dir das auch.

Ich komme auch aus dem nichts und bin einen sehr harten weg gegangen um zu sein wo ich bin.
Wie schwer dieser Weg war weiss niemand ausser mir.

ich bin mit 17 von daheim ausgerissen weil es dort so fürchterlich war und nie mehr wieder gekommen.

Jedem Menschen dem ich meinen Lebensweg erzähle finden mich sehr krass und taff.

Ich wach nachts oft auf, weil ich geträumt habe, das ich wieder so arm bin wie ich es schon mal war.

Ständig muss ich meinen Kindern Kleider kaufen, weil ich als Kind kaum welche hatte.meine Füsse sind schief um krumm weil ich nie Schuhe besessen habe, die mir passten.


Das alles erzähle ich natürlich niemandem.
Die Leute denken guck die an, wohnt in nem fetten haus, fahren dicke Autos und sind nur am reisen. Wieviel es mich aber gekostet hat dort hin zu gelangen ahnt keiner.

Also du bist stark und taff. Deine Vergangenheit kannst du nicht auslöschen, ich meine auch nicht.

  • (14) 15.10.18 - 20:26

    Wow! Deine Geschichte hat mich sehr berührt!
    Hut ab, dass Du so stark warst und es geschafft hast #pro

    Tolle Frau #pro

    • (15) 15.10.18 - 21:05

      Vielen Dank :-) was ich damit meinte ist, das die Angst bleibt.
      Ich weiss das mein Leben relativ sicher ist, haben beide gute Jobs in guten Unternehmen usw
      Ich kann trotzdem nicht aufhören Geld auf die Seite zu legen, mir und den kindern alles im sale zu kaufen.
      So etwas geht nicht weg. In meinem Kopf gibt es sehr viele Szenarien für jedes Drama was kommen kann.

      Ich habe mir letztens sinnlose Schuhe gekauft 🤣 also Schuhe die ich möchte aber nicht brauche.
      das erste mal in meinem Leben, das ich mehr als 3 paar Schuhe besitze.

      Ich würde es gern ablegen aber es gehört trotzdem ja irgendwie zu mir.

      • (16) 16.10.18 - 07:42

        Deine Geschichte ist Dein Weg. Den Du sehr erfolgreich gegangen bist!
        Manchmal ist es doch gar nicht so schlecht, wenn man dadurch geerdet ist und auf dem Boden der Tatsachen bleibt.
        Dir ist immer bewusst, dass es auch Anders sein kann.
        Ich denke, das macht Dich aus :-)

        Alles Gute #klee

(17) 16.10.18 - 21:48

Ach liebes ,
Fühl dich erst einmal ganz ,ganz lieb gedrückt!
Deine Geschichte macht mich echt traurig. Du wurdest verlassen und vernachlässigt, dein Urvertrauen ist bei null. Dein inneres Kind muss Heimat finden. Ich kann dir da die Bücher von Stefanie Stahl empfehlen. Ich stand schon vor lauter Verlustangst vor meinem heutigen Mann und meinte Schluss machen zu müssen vor lauter Liebe zu ihm. Dank ihm bin ich heute voll und ganz bei mir! Ich vertraue nicht nur ihm sondern auch mir. Ich kann dir nur mit auf dem Weg geben , dass du nur du sein kannst und hoffen , dass es langt. Und wenn er der richtige ist , dann bleibt er bei dir und hilft dir raus aus der Angst! Glg

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