Emotionale Verbundenheit vs. körperliche Emotionen

    • (1) 18.10.18 - 15:36

      Hallo in die Runde,

      Ich (M40) bin seit inzwischen 8 Jahren mit meiner Partnerin zusammen und wir haben eigentlich eine tolle Beziehung; verstehen und blind, sind füreinander da, richten unser Leben aufeinander aus, ticken in fast allem gleich etc. alles wunderbar. Seit längerem (wahrscheinlich schon vor meiner Zeit) leidet sie an Depressionen was aus Job und Familienverhältnissen her stammt. Sie ist nun schon einige Monate in Behandlung und es wird langsam besser.
      Wir haben keine Kinder. Das mal zu den groben Eckdaten.

      Jetzt ist es so, dass sie schon von Anfang an eher "nicht so einfach" war, was die "Bettgeschichten" angeht - Aber das war anfangs trotzdem ok. Seit ihre Krankheit aber immer schlimmer wurde, hatte ich selbst keine größeren Anstrengungen hierhingehend unternommen. Ich hatte das Gefühl, das wäre nicht richtig und dass ich ihre Lage ausnutzen würde. Auch von ihrer Seite aus kam kaum was in diese Richtung. Vielleicht ein mal alle Paar Monate "mal kurz". Tja; nun ist aber seit 3 Jahren der Ofen komplett aus und nachdem ich Sie nun darauf angesprochen habe, ob das jemals wieder was wird kam was wie "irgendwann vielleicht".

      Tja... Ich liebe sie ja und will mich nicht von ihr trennen. Wir sind für außenstehende wohl sowas wie ein Dream Team und ich will auch nicht mehr ohne sie sein. Aber ich kann irgendwie nicht mehr ohne Nähe. Ich habe mich während der gesamten Beziehung immer am Riemen gerissen, war immer für sie da, aber ich habe nun das Gefühl, ich laufe selbst nur noch im emotionalen Notprogramm und bin mir nicht sicher, ob ich mit einer rein platonischen Beziehung (?) überhaupt klar komme.

      Manchmal denke ich, dass ich inzwischen selbst in Richtung Depression drifte.

      Was ich hier eigentlich genau will, weiß ich ehrlich gesagt selbst nicht, weil ich als rational denkender Mann die Antwort kenne, die ich meinem Gegenüber geben würde, wenn ich gefragt werden würde :-(

      • (2) 18.10.18 - 16:03

        Naja, da würde ich Dir wie der rationale Mann in Dir wohl auch dasselbe raten. Das ist ja keine Beziehung mehr, das ist eine Freundschaft, was Ihr habt. Ich würde mich trennen, ihr aber weiter als Freund zur Seite stehen, wenn sie das möchte.

        3 Jahre ohne Sex und ohne Aussicht, dass sich daran was ändert in absehbarer Zeit, das hätten die Meisten wohl nicht mitgemacht, Seelenverwandte hin oder her. Und wenn Du selbst schon das Gefühl hast, depressiv zu werden, ist höchste Eisenbahn angesagt. Du hast Dich selbst schon aufgegeben in dieser Beziehung, um für sie da zu sein. Zeit, an Dich selbst auch mal wieder zu denken. Als starker Freund nutzt Du ihr auf Dauer auch mehr als als schwach und schwächer werdender Partner.

        Ich finde es ehrlich gesagt eine Zumutung, was sie da an Verzicht von Dir erwartet seit Jahren, Depression hin oder her. Wäre es eine Phase, okay, aber das ist ja manifestiert. Willst Du so den Rest Deines Lebens verbringen? Du kannst sie offensichtlich nicht heilen und nicht retten, rette wenigstens Dich selbst, Du hast nur das eine Leben, und das ist schon halb vorbei.

        (3) 18.10.18 - 17:31

        Hast du mal mit ihr darüber geredet? Weiß sie, wie es dir damit geht? Sie könnte das ja auch bei ihrer Therapie, die sie hoffentlich macht, mal ansprechen. Es geht ja nicht darum ihr Druck zu machen im Sinne von "ab sofort jeden Mittwoch und Samstag", sondern darum, dass sie dich als Partner mit Bedürfnissen wahrnimmt und respektiert.

        Wenn sie dir das nicht bieten will oder kann, gibt es in meinen Augen nur drei Möglichkeiten: Trennung, offene Beziehung oder heimliche Affäre.

        Es sollte jedem Menschen klar sein, dass man seinem Partner nicht gegen dess3n Willen die Sexualität amputieren kann. Ich sehe auch nicht die Verpflichtung bei dir, dich zu trennen. Wenn du mit ihr gesprochen hast und verdeutlichst, dass du irgendwann ganz sicher wieder Sex haben wirst, kann sie genauso gut Konsequenzen ziehen


        LG

        (4) 18.10.18 - 17:53
        punktpunktkomma-

        Hast du mit ihr mal darüber geredet? Vielleicht merkt sie nicht, wie sehr dich das belastet. Kann schnell passieren, je nachdem, wie tief sie in ihrer Depression steckt.

        Nimmt sie Medikamente? Die könnten unter Umständen die Libido auf 0 setzen. Vielleicht könnte sie mit ihrem behandelnden Arzt sprechen und gucken, ob man die Medikation umstellen kann.

        Ansonsten müsst ihr wohl gucken, ob ihr diese Beziehung weiterführen wollt, wie sie grade ist, aber sie eben auf körperlicher Ebene öffnet, ihr so weitermacht wie bisher oder ob ihr euch trennt.

        Ich habe mein ganzes Leben lang Depressionen und je nach Zustand kann ich Berührungen einfach nicht ertragen, während ich in den guten Phasen meinen Mann am liebsten bei jeder Gelegenheit bespringen möchte :D

      • (5) 18.10.18 - 18:14

        Du hast ein Bedürfnis, das sie nicht erfüllen kann. Du leidest. Du würdest am liebsten alles mit ihr haben, ist aber nicht drin. Bis auf die Bett-Sache läuft alles gut.
        Für mich glasklar: schildere ihr die Situation und frage als Kompromiss-Lösung nach einer offenen Beziehung. Anderenfalls würde ich an eine Trennung denken. Es ist schlicht verantwortungslos DIR SELBST gegenüber, wenn du so keusch lebst, aber etwas was anderes (ist ja ganz normal) brauchst. Alles Gute für dich :-)

        • (6) 19.10.18 - 10:48

          @So besser
          Depressiv weiß ich nicht, aber sehr deprimiert definitiv. Innerlich leer und einsam. Ich glaube, ich gehe auch deswegen nicht alleine weg, weil ich Angst habe, jemanden kennen zu lernen der mich wieder "wachküsst" was die Situation in meinem Kopf noch viel mehr verkomplizieren würde.

          Eins meiner Hauptprobleme ist wohl, dass ich mich selbst immer in Beziehungen soweit zurücknehme, weil ich meine Partnerin glücklich machen möchte. Obwohl ich ja eigentlich nicht wirklich ein Weichei bin. Ich falle allerdings in Beziehungen wohl immer in dieses Schema zurück.
          Das war schon immer so und ich werde den Fehler auch in künftig wieder machen. So bin ich halt leider (vielleicht gemacht worden).

          "Ich finde es ehrlich gesagt eine Zumutung, was sie da an Verzicht von Dir erwartet seit Jahren..." ich will ihr da nicht wirklich einen Vorwurf machen. Da gehören schon immer zwei dazu. Das Verlangen ist einfach über die Jahre gegangen. Entweder weg oder eingeschlafen. Das ist die Frage.





          @kuestenqueen
          Hast du mal mit ihr darüber geredet? Weiß sie, wie es dir damit geht? [...]Es geht ja nicht darum ihr Druck zu machen im Sinne von "ab sofort jeden Mittwoch und Samstag", sondern darum, dass sie dich als Partner mit Bedürfnissen wahrnimmt und respektiert."
          Das hast du schön geschrieben. Bisher habe ich das nicht wirklich angesprochen (Spoiler: s. unten).
          Sie respektiert mich eigentlich schon. Wenn ich "Freizeit" brauche, oder mich meinen Hobbies widme (als ich das noch hatte) hat sie mich schon immer unterstützt und/oder mir meine Freiheiten gelassen.


          "Wenn sie dir das nicht bieten will oder kann, gibt es in meinen Augen nur drei Möglichkeiten: Trennung, offene Beziehung oder heimliche Affäre"
          Alles, außer einer Trennung würde für mich nicht in Frage kommen. Ich könnte das nicht mit mir selbst vereinbaren und mit kurzen Affären tu ich mir -auch als Single- keinen gefallen. Das ging regelmäßig ganz konsequent und mir Karacho immer nach hinten los... :)
          Die Affäre, vor meiner jetzige Partnerin, hat mich über ein paar Wochen mehr geschlaucht als die Trennung zu meiner 10jährigen Beziehung davor .... Aber im Schlafzimmer (oder wo auch immer) wars Weltklasse.... :)



          @punktpunktkomma-
          "Nimmt sie Medikamente?"
          Die liegen zuhause, aber nimmt sie nicht, weil sie eben das eigene Denken beeinflussen können. Ich bin da auch ganz froh drum. Seit ein paar Wochen ist sie bei einem Heikpraktiker und dessen Behandlung ist erfolgreicher als die eigentliche Therapie der letzten Monate, Die guten Tage werden mehr und mehr und sie ist auch wieder aktiv(er) im Leben.


          "Ich habe mein ganzes Leben lang Depressionen und je nach Zustand kann ich Berührungen einfach nicht ertragen, während ich in den guten Phasen meinen Mann am liebsten bei jeder Gelegenheit bespringen möchte :D"
          Ganz im Ernst; Ich bin froh, dass du als selbst betroffene dich gemeldet hast!!!
          Manchmal frage ich mich, ob meine passive Art einen Beitrag zur Verstärkung der Depression leistet. Also: dass sie selbst eigentlich gar nicht so platonisch (ich muss so kryprisch schreiben, wegen einem Textfilter in der Firma...:-) ) leben will. Dazu muss man wissen, dass sie schüchtern ist und Angst vor Zurückweisung hat, wesshalb die Initiative eigentlich fast immer von mir ausging. Und ich für meinen Teil komme ohne der richtigen Schwingungen nicht so recht in Fahrt. Tja; wenn man ein Häufchen Elend auf dem Sofa neben sich hat, ist das nicht gerade antörnend...



          @Ghjkltz
          "Alles Gute für dich :-) "

          Danke. Danke an alle hier!

          Also zusammenfassend finde ich eine Trennung wirklich die allerletzte Option.

          Ich bin jetzt über meinen Schatten gesprungen und habe das zum ersten Mal richtig angesprochen. Also, dass das so ohne "Berührungspunkte" nicht weitergehen kann. Und da meinte sie doch tatsächlich, dass ihr auch der Körperkontakt fehlt.
          Das ist ja schonmal ein Lichtblick. Vielleicht führt das auch auch wieder zu mehr. Die ganze Geschichte ist halt auch generell als Beziehung irgendwie eingeschlafen. Alltag, Jobs/Jobwechsel, familiäre Geschichten, Hauskauf, Renovierung, Depression....

          Nach so langer Zeit wieder damit anfangen, sich anzunähern zu wollen ist nicht leicht - für beide. Obwohl. Irgendwie ist es aufregend, auch wenn sich mein Gefühlsladen nicht von Heute auf Morgen um 180° dreht und ich nicht weiß, wo die Reise hin geht....

          Wir versuchen jetzt, wieder mehr aktiv gemeinsam zu unternehmen; Kino/Essen gehen/Museum/schwimmen...Shopping (Spass; das soll sie ruhig mit ihrer Freundin machen:) ) und abends auf dem Sofa die Ablenkungen wie Handy/Tablet/Laptop ausgeschaltet zu lassen.

          Ich frage mich ernsthaft, wie es Paare mit Kindern schaffen, sich über Jahre nicht zu entfremden. Respekt an alle glücklichen Paare! Wobei in meinem Umfeld nicht wirklich viele so richtig glücklich sind, wenn man mal genauer hin schaut. Naja. Ich kehre jetzt erst mal vor meiner eigenen Haustür :)

      (7) 19.10.18 - 12:17

      Hallo Scorp, ich finde es schön dass dein erster Gedanke nicht die Trennung ist weil seit 3 Jahren im Bett nichts gelaufen ist... klar mag das für manchen ein Ausschlußkriterium sein - aber ich kenne Beziehungen die hatten bis zum letzten Tag Sex und haben sich trotzdem getrennt, also ist auch das eine Größe an der eine Beziehung nicht (nur) festgemacht werden kann. Persönlich kann ich dir auch sagen, dass mein Mann und ich seit 14 Jahren zusammen sind und diese "Phasen" (im Vergleich zu 14 Jahren also etwas kürzer als bei 8 *lol*) auch hatten, zusätzlich verstärkt durch meine Schüchternheit, meine Depression und die Antidepressiva welche erst recht ein echter Lustkiller sind, aber auch einfach der Alltag der einen einholt, die Gewohnheit, die Langeweile, die Sicherheit... alles was halt dazu gehört um so etwas einschlafen zu lassen.
      Wenn sonst alles passt ist eine gute Beziehung, eine Partnerschaft nunmal auch Arbeit - bei einigen mag auch noch nach Jahren der Himmel voller Geigen hängen, andere müssen dafür was tun und manchmal heißt die Devise auch einfach aussitzen.
      Schön dass du schon das Gespräch von dir aus gesucht hast und heraus gekommen ist, dass deiner Partnerin die Nähe genau so fehlt! Ich finde es schön dass ihr euch neu füreinander Zeit nehmt und gemeinsame Unternehmungen plant. Nur weil man zusammen lebt, zusammen wohnt hat man trotzdem in unsererer Zeit irgendwie wenig Zeit füreinander (erst recht abends auf der Couch das Schlimme mit Handy, Tablet, fernseher und Co...). Alles Gute für dich!

      (8) 21.10.18 - 09:26

      Hallo

      an deiner Stelle würde ich mit deiner Partnerin darüber sprechen.

      Aber es gibt auch Partnerschaften, die ohne ... sehr gut auskommen. Das geht aber nur, wenn es für beide so ok ist. Ich spreche aus Erfahrung und nein es liegt nicht an mir als Frau. Ich bin es nicht und ich bin auch nicht unattraktiv. Eine Trennung kommt für mich dennoch nicht in Frage. Mein Mann und ich sind seit über 20 Jahren zusammen und vielleicht ist da doch irgendwie in diesem Punkt die "Luft" raus.

      Manchmal ist gerade diese Innigkeit und Vertrautheit die Ursache des Problems.

      LG

      Carola

      (9) 23.10.18 - 12:31

      Nachdem das Gespräch am Donnerstag gut verlaufen ist, habe ich mich Freitag auf Arbeit den ganzen Tag auf das gemeinsame Wochenende mit den neuen Plänen gefreut. Als ich dann nach Hause gekommen bin, hätte ich am liebsten auf der Schwelle sofort wieder kehrt gemacht. Ein neuer, starker Schub mit Vorwüfen und allem drum und dran.

      Ich habe über´s Wochenende auf dem Sofa geschlafen und habe mich Samstag mit einer Freundin getroffen, die mir sofort ein Zimmer angeboten hatte. Ich war nervlich am Ende und wirklich soweit, auszuziehen, aber wenn, dann nur in eine eigene Wohnung (Auf der Tasche will ich niemandem liegen!). Sie hat gute Connections und will mir suchen helfen.


      Dann habe ich mich jedenfalls wieder nach Hause gequält und ich wollte die Fassade erst mal aufrecht erhalten. Tja... einem Fisch kann man nichts vormachen und ein Skorpion kann nicht schauspielern (ich glaube irgendwie inzwischen an diesen Unsinn; auch, was frühere Beziehungen und Bekanntschaften angeht).

      Es kam zu einer weiteren, dieses mal tränenreichen Aussprache, wobei ich einfach nicht genau sagen konnte, wo der Hase eigentlich im Pfeffer liegt. Ich konnte eigentlich nichts weiteres sagen, als dass ich sie lieb habe, aber nicht weiß, auf welche weise und dass ich sie eigentlich nicht verlassen will; dass ich die Situation aber nicht mehr ertrage. Da ist mir auch irgendwie klar geworden, dass es eigentlich nicht mal einfach nur der xxx als solches ist, der fehlt, sondern die gesamte "tiefemotionale" Ebene verschoben ist ...
      Dass wir beste Freunde sind ist unbestritten.

      Nach den Phasen: "Beleidigt sein" (lass mich in Ruhe) => mich "unter Druck setzen" (Dann gehe ich halt) => "an die Vernunft appelieren" (haben ja Verpflichtungen) kam dann die Selbstreflexion ihrerseits und ab da ging´s dann tatsächlich bergauf. Ich will und kann nicht alles im Detail schreiben und das würde auch keinen wirklich interessieren, aber wir bzw. ich versuche einen echten Neustart. Ich bin da zwar noch etwas skeptisch, aber wie ich meiner Freundin (s.O) schon sagte: man kann Brücken sehr schnell einreißen, aber will man das wirklich und kann man damit leben?


      Die Wohnungssuche läuft aber dennoch parallel erstmal weiter...

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