Wie fange ich nur das Trennungsgespräch an?

    • (1) 22.10.18 - 17:14
      Trennung_ohne_Kinder

      Hallo,
      die Entscheidung steht bei mir schon etwas länger fest, aber ich finde nicht die richtigen Worte oder DEN Moment um es auszusprechen. Und es hat schon etwas gedauert bis man sich das ja auch wirklich eingesteht, dass es keine Zukunft mehr gibt. Wer gibt schon gerne seine Ehe auf, oder?
      Wir sind seit 13 Jahren zusammen, 6 verheiratet, haben keine Kinder und ein gemeinsames Haus.
      Richtig rund läuft es sicherlich schon länger nicht mehr, aber man lernt ja irgendwie sich zu arrangieren. Wir leben in unserem Haus eher als 2er WG als in einer Beziehung. Seit fast 3 Jahren haben wir getrennte Schlafzimmer, weil mein Mann so schnarcht. Deswegen hat man auch fast keinen Sex mehr.
      Wir reden kaum miteinander, haben bis auf ein Hobby, keine Gemeinsamkeiten mehr und jeder macht was er will (Außer fremdgehen, da bin ich mir 100% sicher). Wenn wir zu Hause sind, gucken wir meist Serien oder unternehmen was mit Freunden, so hat man immer jemanden dabei und kann sich mit anderen unterhalten.
      Ich möchte meine Ehe beenden und möchte auch keine Therapie oder um sie kämpfen. Das habe ich lange versucht und in unseren Gesprächen haben wir immer wieder versucht das zu kitten, aber naja eben ohne Erfolg.
      Momentan läuft es „gut“, also für unsere Verhältnisse. Wir streiten nicht, wir leben einfach. Ich glaube aber trotzdem, dass es ein Schock für ihn sein wird und ich weiß nicht, wie ich dieses verflixte Gespräch starten soll, gerade weil es „gut“ läuft, wie soll man da argumentieren?
      Er ist ein wirklich feiner Kerl, und so blöd das klingt, also Kumpel könnte ich ihn mein ganzes Leben lang haben, weil wir uns, außerehelich, gut verstehen. Schwer zu beschreiben/erklären. Letztes Jahr stand ich schon mal an diesem Punkt und habe es nicht geschafft, weil ja auch Familie dahintersteckt. Man verliert ja nicht nur den Partner, sondern auch alles was man sich in den vielen Jahren aufgebaut hat.
      Ich möchte das Trennungsgespräch aber „sachlich“ führen (auch wenn ich bitterlich weinen werde), bzw. ohne Vorwürfe. Es gibt vieles, was sich bei mir angehäuft, was ich ihm an den Kopf werfen könnte, aber nicht möchte, denn die Trennung wird ihn sicherlich genug treffen. Trotzdem habe ich vor dem Moment solche Angst, weil ich weiß, dass ich ihn so verletzen werden. Denn ich glaube, trotz der Situation hat er keine Ahnung, wie weit ich schon bin, weil er in solchen Situationen immer den einfachsten Weg geht. Wie hier, einfach aussitzen, weil es läuft ja irgendwie … Er mag keine Konflikte und weicht diesen auch immer aus. Aber er ist ja auch nicht blöd, ich bin mir sicher, dass er auch unzufrieden ist, aber er ist nicht der Mensch der aufgibt, so wie ich.
      Und wie macht man danach weiter? Zieh ich aus Rücksicht aus, oder lässt man es so laufen bis ich eine neue Bleibe habe? Das Haus möchte ich nicht, es ist viel zu groß und ich würde zurück zu meiner Familie ziehen. Wir sind beide finanziell unabhängig, weil wir beide gut verdienen und in Vollzeit arbeiten. Die Trennung wäre also gar nicht so schlimm, was die „Gütertrennung“ angeht. Wir haben sogar jeder ein eigenes Konto. Ihr seht ich habe mir schon viele Gedanken gemacht aber schaffe es vom Kopf her nicht diese auszusprechen.
      Mit meinem Post erhoffe ich mich einfach Hilfe von Gleichgesinnten die das schon erlebt haben und mit vielleicht gute Ratschläge geben können. Um meine Ehe kämpfen kommt aber nicht mehr in Frage.
      Danke für euer Ohr!

      • Dann würde ich ihn mir einfach am Freitag Abend oder Samstag packen und sagen, dass du mit ihm ein Gespräch über eure Zukunft führen musst. Aber nicht vorher großartig ankündigen oder so.
        Wenn du damit den Anfang gemacht hast, ist es sicher viel leichter dir alles geschriebene von der Seele zu reden und weitere Termine zu machen. Damit meine ich jetzt evtl. Immobilienmakler, Anwalt etc. Wenn er da nicht in die Puschen kommt, dann machst halt du die Termine für dich. Anwalt ist denke ich zwingend nötig.

        Aber ihn halt einfach mit deinem festen Entschluss "überrumpeln".
        Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende - und du willst ja das Leben auch mal wieder genießen.... er sicherlich auch.

        • (3) 22.10.18 - 17:37

          Danke für deine Nachricht! Da steckt viel Wahres drin.

          Ich hoffe tatsächlich, dass wir die Trennung der Dinge und auch das Haus friedlich lösen können. Ich würde die Tilgung auch weiterhin tragen, damit wir, wenn es zu einem Verkauf kommt auch einfach 50/50 reinen Tisch machen können, damit kein Streit entsteht.
          Unsere finanziellen Rücklagen sind fast 1:1 gleich und Unterhalt müsste auch niemand an den anderen Zahlen.
          Wahscheinlich wäre es für jeden anderen eine Traumtrennung und ich habe immer im Kopf wie sehr ich ihn verletzten werde und habe deswegen solche Hemmungen. :-(

      Hallo

      erstmal, tut mir leid für dich und deinen Partner, dass ihr so eine Situation habt.

      Ich an deiner Stelle würde mich schon vorab um eine Bleibe kümmern. Da du arbeitest und umabhängig bist, wäre es also möglich. So kannst du und er auch wirklich mal Abstand voneinander gewinnen. Denn auch wenn ihr euch vielleicht kumpelmäßig versteht, muss man sich so nicht täglich immer wieder begegnen.
      Ob einer von euch beiden das Haus alleine halten kann, weiß ich nicht. Vielleicht will er es auch nicht haben.

      Sonst würde ich dir raten, alles aufzuschreiben. Auch als Therapie für dich. Den kannst du ihm geben oder vorlesen oder so. Dann kommst du um spontane Vorwürfe rum und er kann beim Lesen zB nicht die Ohren einfach verschließen.

      Ich wünsche dir viel Kraft für die nächsten Monate!

      lg lene

      • (5) 22.10.18 - 17:34
        Trennung_ohne_Kinder

        hallo,
        danke für die fixe Antwort. Das Haus könnte er alleine halten, was die Tilgung angeht, wir haben nur noch eine geringe Restschuld. Schwieriger wird es da mich auszuzahlen. (der Wert liegt bei mehr als 400.000 € und die hat niemand von uns beiden). Diesen Punkt verdränge ich bis jetzt, weil ich ihm, durch meine Entscheidung ja auch das zu Hause nehmen würde.
        Ausziehen kann ich auch, da ich zu meiner Familie kann und dort würde ich in den nächsten 3 Monaten auch eine Wohnung bekommen, das weiß ich bereits.
        In dem Punkt mache ich mir immer wieder Vorwürfe, also das er wohl auch ausziehen müsste und das versuche ich zu verdrängen. Wenn ich bei der Trennung emotianal denke, dann schaffe ich das nie, weil er mir einfach so Leid tut. Er ist mir ja auch nicht egal.
        Das mit dem Aufschreiben finde ich schon mal eine schöne Idee, danke dafür!!!

    (6) 22.10.18 - 17:51

    Ich finde schon, dass man so ein Gespräch ankündigen sollte.
    Bei uns war die Trennung eigentlich klar, ich habe dann bevor ich ein längeres Wochenende weg gefahren bin, mitgeteilt, dass ich nach meiner Rückkehr reden möchte.
    Ich würde also ihm zumindest sagen, dass du in zeitnaher Zukunft mit ihm sprechen möchtest. Man sollte auch ihm die Chance geben sich „vorzubereiten“.
    Wie ihr danach weiter macht wird man sehen.
    Mein Ex und ich haben noch 3 Monate zusammen gelebt. Was schon fast die entspanntesten Monate nach langer, ätzender Zeit waren.

    Alles Gute

    • (7) 22.10.18 - 17:56
      Trennung_ohne_Kinder

      hallo.
      wie hat er denn reagiert, als du ihm das angekündigt hast und dann gefahren bist?
      ich fahre diesen donnerstag bis übers wochenende beruflich weg. komme sonntag am späten nachmittag wieder, das würde also passen.

      sag ich dann. "wenn ich sonntag wieder da bin müssen wir mal sprechen!"
      was wenn das gespräch dann schon startet? oh man ich merke gerade wieder wie überfordert ich mich fühle :-(

      • (8) 22.10.18 - 18:28

        Was hältst Du denn davon, das erste Gespräch in dieser Richtung nicht als "Ich will mich Trennen"-Gespräch zu führen sondern als "Wo soll unsere Reise hingehen"-Gespräch. Sprich, Du sagst ihm, dass Du Dir in letzter Zeit immer wieder Gedanken gemacht hast über Eure Zukunft und von ihm mal wissen möchtest, wie er das eigentlich sieht. Konkrete Fragen an ihn hätte ich folgende:

        Bist Du glücklich/zufrieden in unserer Beziehung?
        Wo siehst Du uns in 5, 10, 20 Jahren?
        Möchtest Du so wie es ist auch auf Dauer weitermachen?

        Ich denke, über diese Fragen ergibt sich dann recht sanft ein Gespräch Richtung Trennung. Dabei würde ich vor allem dann, wenn er auf die Fragen selbst Unzufriedenheit, Langeweile o.ä. äußert, die Betonung darauf legen, dass eine Trennung ja auch eine Chance für Euch beide wäre, getrennt noch mal ein neues Glück zu finden.

        Ich würde aber im ersten Gespräch noch offen lassen, dass ich mich trennen will, sondern erst mal nur seine Gedanken in diese Richtung aktivieren, und sich dann noch mal auf eine Woche später vertragen, wenn er Zeit hatte, das sacken zu lassen. Aber schon sagen, dass DU nicht zufrieden so bist, nicht auf Dauer so weitermachen möchtest, und dass sich eben für Dich rigoros was ändern muss. Da soll er mal drüber nachdenken ne Woche, und dann noch mal reden, dann ist er zumindest schon vorbereitet.

        So eine Ankündigung fände ich nicht gut, das hat was Bedrohliches und lässt den anderen verunsichert zurück. Er darf aber noch drei bis vier Tage warten, bis er erfäht, was Sache ist.
        Bei deiner Vorschreiberin lag der Fall anders, sie schrieb ja, dass die Trennung schon klar war.

        (10) 22.10.18 - 20:34

        Naja, ich meinte: wenn ich wieder da bin sollten wir reden.
        Allerdings war beidseitig klar worum es gehen wird.

Wir haben immer viel geredet. Über so Probleme die man ja immer im Miteinander hat.
Wir haben auch darüber geredet, dass bei uns der Wurm drin ist. Haben versucht das wieder gerade zu biegen. Durch mehr gemeinsame Aktivitäten (Kino, Konzerte, essen gehen,...).
Dann wieder reden. Und es kam irgendwann die Frage von meinem Mann, ob ich eigentlich glücklich bin, so wie es grad läuft. Ob ich das Gefühl hätte, „wir“ wären glücklich. Das musste ich beneinen. Klar waren viele gute Seiten, Zeiten, mit „uns“, aber eine klassische Ehe war es halt nicht.
Darauf hin haben wir uns getrennt, weil er es genauso sah.
Wir haben uns so beiden die Chance gegeben den einen zu finden, der uns das gibt, was der Ex nicht geben konnte/wollte/ what ever.

Vielleicht musst Du den Satz "Ich trenne mich von Dir" gar nicht so deutlich aussprechen. Vielleicht reicht es schon, wenn Du sagst, dass Du ausziehen wirst und dann die Gründe benennst. Vorher alles aufschreiben, vielleicht sogar in briefform, das würde ich Dir aber wirklich raten.

Man kann nämlich auch mehrere Gespräche führen und vielleicht reicht es erstmal, ihm mitzuteilen, dass Du Dir etwas Neues suchen wirst.

Sehr schade für euch, dass es nicht mehr passt. Aber du klingst sehr reflektiert und schreibst im Grunde freundschaftlich über deinen Mann. Das können nicht alle Trennungswilligen von sich behaupten. Ich hoffe, dass ihr dieses Verhältnis darüber hinaus weitertragen könnt.

Du schreinst, dass dein Mann Konflikten gern ausweicht.
Ich verstehe auch sehr gut, dass du dich windest.

Wie wäre es, wenn du ihm einen Brief schreibst in der Art wie du hier schreibst? Deine Gefühle zum Ausdruck bringst und ihn auf ein Grundsatzgespräch vorbereitest .und um einen "Termin" für das Gespräch bittest? So kann er sich in Ruhe Gedanken machen. Er wird dennoch kalt erwischt, aber kann sich auf euer Gespräch mental vorbereiten. Für den, der verlassen wird, ist es immer schwerer.

Konkreten Tipp für ein Trennungsgespräch habe ich keinen - ich habe mich um meines auch lange gedrückt, es ist einfach nie der richtige Zeitpunkt...

Aber für das richtige "Mindset" kann ich dir das Büchlein "Trennt euch!" von Thomas Meyer empfehlen. Tenor: "Diese Beziehung tut mir nicht mehr gut, daher kann ich sie nicht weiterführen".

Das Buch gibt viele Denkanstöße und Anregungen und hilft dir vielleicht, die richtige Einstellung für so ein Gespräch zu finden.

Hallo.

Also ich würde mich auch mit ihm hinsetzen und mal fragen, wie er eure Beziehung sieht. Ob er zufrieden ist oder ob er auch das Gefühl hat, dass man nur nebenher lebt. Der Rest wird dann von alleine kommen.

Alles Gute.

LG

<Er ist ein wirklich feiner Kerl, und so blöd das klingt, also Kumpel könnte ich ihn mein ganzes Leben lang haben, weil wir uns, außerehelich, gut verstehen.>

Da hast Du Deine Einleitung schon.

Du bist ein feiner Kerl und ein guter Freund, jedoch ist die Beziehung die wir führen, nicht die Art von Beziehung welche ich leben möchte, deshalb usw usf.

Du wirst vllt. nen Kloß im Hals haben, aber es ist es wert es auszusprechen. Auch, daß Du Dich trennen willst/ wirst.
Damit ist es dann unmissverständlich.

Du kannst da meiner Meinung nach nichts falsch machen. Sei Du wie Du eben bist. Wenn Du ihn nicht verletzten willst, dann sagst Du ihm genau das.

Mach Dir mit dem Haus mal keinen Kopf. Vllt. kommt er von alleine auf Dich zu und will es mit Dir verkaufen. Oder wenn erkennbar daß Ihr Euch im Guten trennen könnt, dann bleibt Ihr Beide im Grundbuch und es bleibt als Sicherheit für später stehen. Sofern Du von dem Geld momentan nichts benötigst.

Eine neue (Übergangs-) Bleibe findet sich mit finanziellem Spielraum sehr schnell. Da sehe ich noch keinen Handlungsbedarf.

Ich vermute, ein fertiger Plan mit Auszug und allem anderen stößt ihn mehr vor den Kopf, als wenn Ihr das gemeinsam festlegt.
Es hängt eben vor allem davon ab, wie er sich verhält. Das lässt sich nicht vorhersehen.
Leben eben.....

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