Erschöpft und allein gelassen

    • (1) 10.11.18 - 19:08
      Lovemymen

      Guten abend.

      Ich bin ein sehr sensibler Mensch und in letzter Zeit ist viel passiert, was mir stellenweise den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Mein Partner hält immer zu mir, bzw stärkt mir den Rücken. Bis zu einem gewissen Punkt. Eigentlich bis zum nächsten Tag, und dann scheint es so als würde meine psyche bei ihm abfärben. Er ist dann plötzlich so launisch und fängt an mit jedem zu meckeln. Mir fällt es manchmal sehr schwer stark zu sein. Oder überhaupt erstmal meine Kräfte zu sammeln. Ich verstehe natürlich das gewisse Dinge, ihm selbstverständlich auch nahe gehen. Aber wenn es zb mich persönlich betrifft (meine Arbeit, meine Freunde), dann fühl ich mich oft alleine gelassen und weiß nicht wo ich Trost, Anerkennung, nette Worte oder einfach nur eine starke Schulter zum anlehnen finde. Mein Partner projiziert meine persönlichen "Probleme" komplett auf sich selbst und drückt sich damit extrem ins abseits. Er brüllt die Kinder an, hat schlechte Laune und bei jedem Gespräch welches ich mit ihm suche, ist er wie ausgewechselt und hat auf einmal sooo viel Verständnis für mein "leid".

      Ich liebe ihn und es verletzt mich zu sehen, wie sehr es ihn mitnimmt wenn es mir nicht gut geht. Aber mich verletzt es auch, dass er mir nicht beisteht. Und ich meine Gefühle ignorieren muss. Das raubt mir mittlerweile wirklich meine Nerven und Kräfte. Ich bin seelisch fix und fertig. Manchmal laufen mir einfach so die Tränen. Wenn er fragt was los ist, Lüge ich ihn schon an. Nur damit er gute Laune behält.

      Ich hoffe hier ist jemand, der/die mein Problem versteht und vielleicht einen Rat für mich hat. Oder ist es normal das der Partner sich ebenso fallen lässt, anstatt zu helfen aus dem Loch zu kommen?

      • Weiß er denn, wie er dir helfen soll? Vielleicht kann er es einfach nicht.

        ich denke dass du von deinem Parter zu viel verlangst. Du bist erwachsen (ihr habt Kinder!) und musst lernen, mit deinen Gefühlen und Problemen erst mal selber klar zukommen.

        ".... wenn es zb mich persönlich betrifft (meine Arbeit, meine Freunde), dann fühl ich mich oft alleine gelassen und weiß nicht wo ich Trost, Anerkennung, nette Worte ... " Such dir eine geeignete Freundin, Mutter, Coach.... oder einfach einen kompetente Person mit der Du deine Probleme lösen kannst. Am besten jemand, der nicht so eng privat mit dir verkuppelt ist, diese Menschen sind aus ihrer Position heraus viel besser geeignet dir klare Worte zu sagen.

        Anerkennung, nette Worte, das braucht dein Partner von dir!
        Ihr zieht euch gegenseitig runter und aus Hilflosigkeit schreit er dann rum. Das ist ein Alarmsignal, Überforderung!

        • (4) 10.11.18 - 19:44

          So habe ich das noch nicht betrachtet. Danke für den Denkanstoß.

          Mein Problem ist leider, das mein Leben von Anfang sehr schwer ist und ich manchmal gefühlt vor einer wand stehe während sich der Boden unter mir langsam öffnet. Jetzt gerade wurde mir bewusst, das mein mann ziemlich viel aushalten muss mit mir. Er hat schon öfter eine Therapie vorgeschlagen. Dies hab ich immer abgewunken. Weil, ich habe ja ihn. Der Mann der mich liebt und mich auffangen muss. Aber offensichtlich hast du recht. Es ist ihm zu viel. Allerdings habe ich nur ihn. Eine Therapie scheint wohl doch die einzige Lösung zu sein. Möchte die Beziehung zu ihm natürlich nicht gefährden

          • Dein Mann kann dich nicht therapieren, aber auch nicht deine ganzen Sorgen, Nöte, Probleme, Stimmungen auffangen. Im Gegenteil, eure Beziehung lebt davon, dass jeder dem anderen Gutes zukommen läßt. Geben statt Nehmen ist die Devise.

            Wenn dein Leben "von Anfang an sehr schwer" war, dann brauchst du wohl eine therapeutische Hilfe, bevor eure Familie noch den Bach runter geht.
            Deine Beziehung zu ihm ist schon gefährdet, so wie du es beschreibst. Also öffne dich für Hilfe von außen.

            (6) 10.11.18 - 21:10

            Sein Mann ist nicht für dein Glück zuständig, das bist du selbst! Natürlich unterstützt man sich in einer Partnerschaft, tröstet. Ein Partner ist aber niemals ein Ersatz für einen Therapeuten! Es klingt für mich auch deutlich so als wäre dein Partner überfordert

          • Sorry, dein Partner hat Recht mit der Therapie. Kein Mensch kann einen anderen Menschen, dem es regelmässig „den Boden unter den Füssen wegzieht“ permanent auffangen und aufmuntern. Er ist nicht dein Therapeut!! Ich glaube, du mutest deinem Partner zu viel zu. Auch dass du glaubst, dein Leben sei „von Anfang an besonders schwer“ klingt für mich nach unterschwelliger Depression, wenig Resilienz, das solltest du mit einem Therapeuen aufarbeiten. Klar tauscht man sich aus und hilft sich gegenseitig, aber er zeigt dir ja deutlich, dass er an seine Grenzeb kommt.
            Sowohl mein Partner als auch ich suchen uns übrigens Hilfe von aussen, wenn wir nicht mehr weiter kommen. Da ist überhaupt nichts schlimmes bei.
            LG

      (8) 11.11.18 - 08:20

      Du, mir geht es da ganz ähnlich wie deinem Partner. Ich werde da zwar nicht so extrem, aber wenn mein Mann mir berichtet, das und das belaste ihn/mache ihn unglücklich, dann trifft mich das oft härter als eigene Probleme. ZB letztes Jahr hatte ich viel Stress im Job, habe das aber zu einem großen Teil für mich behalten, um ihn nicht aufzuregen und es klappte ganz gut.
      Jetzt läuft es bei mir ruhig und er hat mega den Stress, den er mir aber auch immer haarklein erzählen muss😔das macht mich total fertig!! Natürlich sollte man mit seinem Partner reden können, man hat aber auch Verantwortung. Ich wusste, dass es ihm ähnlich geht, deshalb habe ich ihm damals nur das nötigste erzählt und mich hauptsächlich bei einer Kollegin ausgekotzt...

      (9) 11.11.18 - 11:54

      Ich habe noch einen anderen Aspekt. Ich habe überhaupt kein Problem, Menschen zu helfen, die Probleme haben. Egal ob Partner, Freunde, Kollegen.

      Was mich aber auch aggressiv macht:

      - jammern
      - sich selbst bedauern (ich habe es ja soooo schwer mein Leben lang schon!)
      - Leidensmiene
      - sich im vermeintlichen Unglück suhlen
      - dabei nicht wahrnehmen, dass man nicht der einzige Mensch mit Problemen oder gar einem Schicksal ist.

      Als ich deinen Beitrag gelesen habe, hat sofort der "Dramaqueen"-Alarm angeschlagen. Nicht, weil ich dir unterstelle, keine echten Probleme zu haben, aber weil es den Anschein macht, dass du genau in diese Kategorie gehörst, die mit dramaturgischem Talent ausgestattet ihr Umfeld dazu nötigt, sie tagfüllend zu bedauern und zu stärken. Schafft das Umfeld das nicht oder braucht auch einfach mal eine Pause, dann ruft das sofort Unverständnis hervor.

      Und sorry, das hält kein Mensch auf Dauer aus. Wenn man tagfüllend einen anderen Erwachsenen so umsorgen muss, fällt man zwangsläufig hinten runter. Man fühlt sich manipuliert (es geht mir sooo schlecht und du bist so genervt) und überfordert von dieser Vereinnahmung, da kann er nur genervt reagieren.

      Ich fürchte, wenn du ihn weiterhin mit deiner psychisch negativen Ausstrahlung so überlastest und vereinnahmst, ist er bald weg.

      Und frage dich mal: wo findet ER mit SEINEN Bedürfnissen, Problemen, Wünschen, Freuden denn statt? Wenn er dir erzählt, er hatte heute einen tollen Tag/ein Gespräch wegen einer Gehaltserhöhung/ ein Lob oder gar Ärger auf Arbeit, beinahe einen Autounfall... kannst du dich dann aufrichtig mit ihm und seinem Anliegen beschäftigen oder bringst du deine persönlichen Themen ein?

      Deine Probleme saugen ihn aus. Lass nicht zu, dass du ihn damit verbrauchst.

      LG

      • (10) 12.11.18 - 10:36

        Ich danke dir für deine ehrlichen Worte. Auch wenn diese sehr überspitzt gewählt sind. Natürlich stehe ich meinem Partner bei und versuche gemeinsam mit ihm nach Lösungen zu suchen, einfach nur zuzuhören oder was er eben im Moment benötigt. Je nach Situation. Ich "jammere" nicht jeden Tag und suhle mich auch nicht in selbstmitleid. Und schon gar nicht erwarte ich von meinem Umfeld, dass mir täglich der Kopf getätschelt wird. Allerdings erwarte ich, das man mir zuhört und ggf beisteht mit einer gewissen Stärke. Mein Partner liebt mich und tut alles was er kann. Das weiß ich. Dennoch habe ich Phasen wo ich mich einfach nicht selbst auffangen kann. Und ja, ich muss selbst etwas tun um damit leben zu lernen. Dies ist mir bewusst geworden. Ich möchte meinen Partner nicht belasten, aber ich möchte auch nicht still schweigen. Denn, natürlich interessiert er sich auch für meine Sorgen und Gefühle. Wenn ich ihm dann etwas erzähle, schwappt es nunmal zu ihm über. Und er spiegelt meine Gefühle wieder, manchmal zum leid unserer Kinder.

        Ich bin dankbar für jede Antwort! Ihr habt mir geholfen die Situation anders zu sehen und wahrzunehmen. Ich selbst muss etwas tun. Und das werde ich. Mein lieber Partner muss wirklich viel aushalten. Er ist mein Fels in der Brandung, so wie ich für ihn. Aber gewisse Dinge muss er nicht mit aufarbeiten. Das habe ich nun eingesehen.


        Nochmal, vielen Dank für jede einzelne Antwort. 🌻

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