Trauma meiner Tochter? Psychologen hier?

    • (1) 12.11.18 - 21:24
      sch222

      Hallo,
      meine Tochter hatte vor 3 Monaten eine Hirnhautentzündung, die 8 Tage im Krankenhaus behandelt wurde. Direkt danach musste sie dringend operiert werden (was anderes und nur ein kleiner Eingriff, aber mehrere Tage stationär mit starken Schmerzen über 2 Wochen).
      Danach wollten wir zur Normalität zurück gehen und haben sicher auch Fehler gemacht. So waren wir abends recht streng und haben erwartet, dass sie alleine einschläft. Dies hat gar nicht funktioniert. Inzwischen muss sich wieder einer (mein Mann oder ich) zu ihr legen und warten bis sie eingeschlafen ist. Sie hat seit dem ständig Bauchschmerzen, keiner weiß, ob es psychisch ist oder nicht. Sie erzählt ab und zu sie träumt "dass die Ärzte sie Tod machen, weil sie so krank ist.". Familiär
      ist alles okay, mein Mann und ich haben keine Eheprobleme, sie hat eine kleine Schwester, die sie sehr liebt, Kindergarten etc. ist alles wie immer. Sie hat eine starke Bindung zu mir und inzwischen kann ich zu mindestens das Haus verlassen ohne das sie ausflippt. Die ersten Wochen wollte sie nicht mal bei meinem Mann bleiben und sie hat wirklich einen tollen Papa, der auch Bezugsperson ist.
      Aber sie hat plötzlich verstanden, dass man sterben kann und der sch.. Narkosearzt hat sie hellwach einfach mitgenommen und ich musste draußen bleiben. Ich war so perplex, dass ich nicht reagiert habe und mache mir solche Vorwürfe.
      Jetzt frage ich mich, wie wir ihr am besten helfen das Erlebte aufzuarbeiten. Meine Kinderärztin möchte erst mal keine Traumatherapie machen.
      Heilt die Zeit wirklich alle Wunden oder kann ich ihr helfen es besser zu verarbeiten?
      Über Erfahrungen und Ratschläge bin ich sehr dankbar.
      Natürlich sind wir unendlich dankbar, dass sie wieder gesund ist und wahrscheinlich keine gesundheitlichen Spätfolgen mehr zu befürchten hat. Aber es ist im Moment für alle so sehr anstrengend und sie tut mir sehr leid.
      Vielen Dank

      • (2) 12.11.18 - 21:51

        Hallo,


        ich denke der Spruch " Zeit heilt alle Wunden" ist ein Trugschluss. Bei einige mag es wirklich funktionieren. Es besteht aber die große Gefahr das man bestimmte Ereignisse verdrängt und sie irgendwann später ( das können Jahre sein) plötzlich wieder im Bewusstsein erscheinen und einem den Boden unter den Füßen weg ziehen.

        Vielleicht reicht auch eine ganz " normale" Therapie hin. Eine Traumatherapie ist selbst für Erwachsene eine sehr schwer Sache. Ich würde versuchen einen Termin bei einer Kinderpsychologin oder einer Psychologischen Therapeutin zu bekommen und dort eure Tochter vorzustellen.

        Macht euch auch bitte keine Vorwürfe das ihr eventuell etwas falsch gemacht habt oder nicht richtig reagiert habt. Diese Vorwürfe helfen euch nicht weiter und kosten zusätzlich viel Kraft.

        Wenn die Angelegenheit euch zu stark belastet empfehle ich euch selbst auch Hilfe anzunehmen.

        Freundliche Grüße und viel Kraft

        blaue-Rose

        Hallo,

        als ich 5 Jahre alt war, war ich 4 Wochen im kkh. Schwere op, wäre fast gestorben.

        Ich hatte danach immer Bauchschmerzen. Meine Eltern gingen zu sehr vielen Ärzten. Keiner konnte helfen. Bei mir war es psychisch bedingt und Schluss endlich hat mir ein Homöopath geholfen.

        Ich selbst bin nicht so der Fan von Homöopathie, glaube eher an Schulmedizin. Kenne die Geschichte ja auch nur von meinen Eltern aus Erzählungen. Sie wussten sich damals nicht mehr zu helfen und der Homöopath hat es geschafft.

        Viel Erfolg euch!

        Lg Lena

        (4) 12.11.18 - 22:02

        hallo
        bin keine psychologin aber ich hatte schon mit einigen kindern zu tun die durch krankenhaus und/oder ärzte traumatisiert wurden.
        und bitte lasst nicht die zeit arbeiten - kann zwar sein das die maus es bald mal ne zeit lang vergessen kann aber es ist auch wahrscheinlich das es irgendwann wieder zum vorschein kommt und dann vielleicht in einem ganz anderen ausmaß.
        es muss kein traumatherapeut sein. ein guter kinder und jugendpsychologe hilf euch auch sicher gut weiter.
        ich würde sie auf jeden fall vorstellen :-)
        und macht euch keine vorwürfe - kann doch keiner riechen das ihr das sooo zugesetzt hat und als ihr es bemerkt habt, habt ihr ihr doch allen halt gegeben den sie brauchte.

        alles gute und lg :-D

      • (5) 12.11.18 - 22:11

        Ich würde einfach für sie da sein.
        Sie braucht dich jetzt und das solltest du annehmen.
        Ich würde kein Brimborium drum machen und das alles Trauma bezeichnen, aber ich würde auf keinen Fall eingeforderte Nähe verwehren...

        (6) 12.11.18 - 22:36

        Ich würde mir ihr zu einem Psychologen gehen. Der (oder die) wird dann schon einschätzen können, ob eine Therapie nötig ist.
        Listen dafür erhälst Du auch beim Kinderarzt.

      • (7) 12.11.18 - 22:40

        Hallo,
        Das mit dem Narkosearzt habe ich bei meiner Tochter ähnlich erlebt. Das Beruhigungsmittel hat 0 geholfen.
        Im op haben sie mehrere Personen festgehalten, um ihr eine Nadel zu legen.
        Die Nadel wurde im Fuß vergessen, da sie sie mit einem Verband nach Hause geschickt haben habe ich es erst nach 24 h bemerkt. Das hat natürlich starke Schmerzen verursacht.
        Sie war 4 und ist monatelang bis zu 10 mal nachts wach geworden, schweißgebadet.
        Ich bin mit ihr zur Caritas Familienberatung, die haben mir sehr gut geholfen, u.a. mit dem Tip ihr immer wieder ihre Geschichte nur mit anderen Namen zu erzählen , mit Happy end (ein Mädchen mit namen xy, hat sich das Bein gebrochen - sie hatte einen Armbruch....).
        Sie hatte dadurch anscheinend nicht mehr das Gefühl allein zu sein mit ihrer Angst.
        Ich habe die Geschichte mindestens 50 mal erzählt. Irgendwann haben wir uns ihrer Geschichte immer mehr dem Erlebten angenähert, als sie angefangen hat Fragen zu stellen.
        Außerdem bin ich mit ihr und ihrem kleinen Bruder zur Mutter-Kind-Kur gefahren. Wir waren ja alle vom monatlichen Schlafmangel am Limit.
        Ich habe ihr so viel Nähe gegeben wie sie gebraucht hat.
        Nach ca. 1 Jahr war alles wieder gut.

        Sie selbst hat nur 1 mal mit dem Mann von der Beratungsstelle gesprochen. Er hat eher mich gecoacht. Er hat gemeint Kinder möchten oder können mit fremden in dem Alter eh kaum über solche Ängste reden.

        Ich hoffe ich kann dir mit den Anregungen helfen.
        Mit meinem Sohn habe ich auch ein paar Krankenhaus Erlebnisse durch.

        Ich kann nur sagen :
        Kopf hoch, irgendwann wird es besser.

        (8) 13.11.18 - 00:09

        Wie alt ist denn Deine Tochter?
        Nach solchen Erlebnissen braucht sie uneingeschränkt jede Zuwendung, die sie fordert.
        Manchen Kindern hilft es, das Erlebte mit Puppen nachzuspielen. Dabei ist ein Happy End wichtig: Der Doktor hat die Puppe wieder ganz gesund gemacht.
        Auch Geschichten/ Bücher eignen sich zur Aufarbeitung gut.
        Ich wünsche Deiner Tochter alles Gute #klee

        Hallo sch222,

        ich selbst habe im erwachsenen Alter zwei lebensbedrohliche Erlebnisse und entsprechende OP- und Kliniktraumata erlitten. Darum hatte ich anschließend eine sog. posttraumatische Belastungsstörung.
        Diese konnte ich in den Griff bekommen, indem ich viel darüber gelesen und gesprochen habe. Ich habe länger mit einer befreundeten Psychologin geredet und sehr lange eine Selbsthilfegruppe besucht. Dazu hat die Zeit geholfen -und die tägliche Liebe meines Mannes, meiner Kinder, Freude, Familie...

        Wenn ich mir vorstelle, ich hätte weder die erwachsene Sprache um mich auszudrücken, noch mein Wissen gehabt - keine Ahnung, wie ich das hätte verarbeiten sollen! Suche jemanden, der mit deinem Kind adäquat arbeiten kann. Gehe zu einer Beratungsstelle oder zum Pychologen. Pfriemle bitte nicht selbst, lass dir sagen, was du tun kannst!! Du kannst bestimmt viel tun, aber es ist besser, du wirst angeleitet!

        Tanke dein Kind mit Liebe auf, sei da... Immer und immer wieder, aber suche einen Profi, der das Ganze begleitet. Der Brocken ist für das kleine Mäuschen sonst viel zu groß!!

        Alles Liebe für euch!! #liebdrueck

        (10) 13.11.18 - 18:57

        Hallo,

        es tut mir sehr leid für Euch und ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr schnell wieder in eine Normalität findet.

        Ich hatte kurz vor der Einschulung eine Routine-OP, keinerlei Komplikationen, danach ging es mir gesundheitlich besser. Allerdings war die Narkose wohl zu schwach, ich habe teilweise mitbekommen, was um mich rum passiert, und bin noch im OP aufgewacht und habe halluziniert. Das war schräg und die intensiven Gefühle und Bilder sind noch heute in mir abgespeichert.

        Weder meine Eltern noch ich haben damals meine anschließende Klaustrophopie und Furcht in der Dunkelheit im Zusammenhang mit der OP gesehen. Ich hatte die Ereignisse sofort vergessen und hätte meinen Eltern auch mit meinem kindlichen Wortschatz nicht davon erzählen können.

        Alles Gute.

        (11) 13.11.18 - 20:46

        Bitte biete Ihr Hilfe an. In welche Form kann ich dir auch nicht sagen, ich bin keine Fachfrau.
        Verschleppte Ängste und Traumata sind sehr schwer zu verdauen für Kinder und kommen oft Jahre später wieder zum Vorschein - nur dann meist viel tief gehender und heftiger.
        Ich spreche aus eigener Erfahrung.
        Nur du kannst deine Tochter lesen wie kein anderer. Die Anzeichen sind, bitte reiche ihr die Hand und gehe auf ihre Ängste ein. Gib ihr das Gefühl, dass du ihre Angst spürst und versteht. Sei geduldig.
        Dafür sind Mamas da!

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