bin ich so empfindlich oder mein mann so schwierig?

    • (1) 22.11.18 - 12:33
      blickweise

      Hallo zusammen,

      ich komme aus einem Haus indem nie wirklich jemand laut wurde, außer mein Stiefvater, der hat hin und wieder anwandlungen sehr despotisch zu sein. Darunter habe ich als Kind tatsächlich gelitten, insbesondere weil meine Mutter sich nicht vor mich gestellt hat.

      Nun bin ich selbst Mutter. Mein Mann hat leider in den Jahren einige Wesenzüge ans Licht gebracht mit denen ich nicht gut umgehen kann. Er ist teilweise cholerisch und schimpft oft obwohl er die zusammenhäne nicht kennt. Dies wurde zwarüber die Jahre besser, aber gerade die Kleinere hat viel geweint und sich auch über ihren Vater beschwert, der sie immer anmeckert. In guten Phasen himmelt sie ihn natürlich an. Desweiteren hat mein Sohn mir mal gesagt, dass er das Gefühl hat, dass er die Schule nicht schaffen würde, sein Vater würde ihm das Gefühl geben. Auch das ist eine Weile her und ich weise meinen Mann darauf hin, damit er was ändern kann. Nun ist es so, dass mein Mann keine Arbeit hat, er konzentriert sich extrem auf die Schule des Großen. Wenn dieser heimkommt, wird im Prinzip direkt mal gelernt, Vokabeln, Mathe, Grammatik. ja er ist nicht der Überflieger in den Sprachen aber ich persönlich finde es zu viel. Die ganze letzte Woche saß er nach der Schule jeden Tag mindestens 1,5 Stunden mit seinem Vater über den Büchern. Ich persönlich finde das total nervig, weiß abr nicht ob es meinen Sohn nun stört oder er vielleicht sogar dankbar ist, dass jemand mit ihm lernt. Häufig habe ich aber auch das Gefühl dass er auf Durchzug stellt.

      Mein Mann ist gebildet und schlau aber er zeigt es auch den lieben langen Tag. Wenn ich von der Arbeit komme und erstmal abschalten will, fängt er schon über die Nachrichten an zu reden oder über irgendwelche Wissenschaftler. Ich höre selbst schon gar nicht mehr richtig hin und überhöre dann auch wichtige Dinge.

      Er weiß das ich so denke, vor allem wenn er vor dem Frühstück schon wieder über Schwerkraft, materie oder sonstwas redet bekomme ich einen Hals.

      Wie fändet Ihr das?

      • Über " über Schwerkraft, materie oder sonstwas" kann er mit mir reden :-)

        Ich habe einen Freund (Physiker, an vielem interessiert) mit dem ich sehr interessannte Gespräche führe. Seine Frau behelligt er nicht damit. Sie plaudert lieber mit meiner Frau über Garten, kochen und ihre schrulligen Männer.

        1,5 Stunden pro Tag mit dem Vater lernen finde ich nich zu viel. Es kommt auf deinen Sohn an, wie gut er damit zurecht kommt.

        (3) 22.11.18 - 12:50

        Dass sich dein Mann um die schulischen Leistungen seiner Kinder kümmert, finde ich löblich. Sowas kann sich ja auch mal ballen, wenn für mehrere Fächer geübt werden muss, dauert es eben.

        Was mich nur wundert...Wenn dein Mann so gebildet ist, warum fehlt ihm dann eine gut bezahlte Arbeitsstelle?

        Rede mit deinem Sohn wie er die "Unterstützung" empfindet - je nachdem musst du eingreifen oder die Beiden laufen lassen. Aber deinen Mann immer wieder darauf hinweisen, dass positive Bestärkung das wichtigste für Kinder ist.

        Eine andere Sache ist der Redebedarf deines Mannes, der sich - da er nicht arbeitet - extrem ausgeprägt ist.
        Einerseits ist er zu verstehen, andererseits kann dies extrem nervig werden. Ist absehbar, dass er wieder arbeitet ? Kann er sich evtl. zum Beispiel einen Kreis an der Volkshochschule suchen, um seine wissenschaftlichen Interessen auszuleben und nicht "nur" Dich als Ansprechpartner zu haben.

      • (5) 22.11.18 - 13:03

        Warum hat dein Mann keine Arbeit?

        Ich denke, viele Probleme würden sich von allein lösen, wenn er arbeiten würde. Dann hätte er gar nicht mehr so viel Zeit, seine Familie mit seinem Wissen und Ehrgeiz zu “terrorisieren“.

        Sich für den schulischen Erfolg seiner Kinder zu interessieren und einzusetzen, finde ich grundsätzlich nicht verkehrt, wenn das mit Augenmaß geschieht. Sobald es in die Richtung geht, dass Kinder erreichen sollen, was man selbst nicht erreicht hat, wird es für mich problematisch, weil man Gefahr läuft, das Kind in seiner Individualität aus den Augen zu verlieren. Außerdem sollte man Kindern ja auch zugestehen zu lernen, sich selbst zu organisieren.

        Ich kenne im Übrigen einen Menschen, der ebenfalls von früh bis spät doziert. Der ist auch klug und hat oftmals gar nicht mal so uninteressante Ansichten, aber er hat entschieden, dass Arbeiten nicht so sein Ding ist und hat es sich gemütlich in der sozialen Hängematte eingerichtet. Wenn der loslegt, wird mir auch regelmäßig blümerant, weil ich es nicht ertrage, dass er sich sein Wissen anliest, während andere Menschen das Geld verdienen, dass ihm seinen Lebensstil ermöglicht. Wenn der dann anfängt, über Gesellschaft zu philosophieren, ist bei mir der Ofen aus.

        Und mein Mann hat manchmal auch das Talent, morgens im Bett liegend, mit mir über Weltpolitik reden zu wollen, während ich so profane Dinge zu erledigen habe, wie Kind wecken, Frühstück richten.....

        Was mich also aufregt, ist dieser Typ “vergeistigter Wissenschaftler“, der doziert, während andere Menschen irgendwie die Welt am Laufen halten und daher nicht so viel Zeit haben, sich Gedanken über Schwerkraft und Co zu machen.

        Ist er vielleicht so einer?

        • (6) 22.11.18 - 13:33

          Hallo,

          mein Mann hat sein Studium abgebrochen weil er früh viel geerbt hat. Inzwischen sagt er von sich, dass er keinen Job mehr annehmen wird. Hausmann wäre super. Was mich auch stört, denn besonders großzügig geht er mit seinem "Reichtum" nicht um.

          Ich finde irgendwie, dass die Kinder ja schon in der Schule stundelang sitzen und zuhören und aufnehmen müssen. Ich finde auch, dass ein 13 Jähriger seine Schulaufgaben selbst machen sollte und gerne nachfragen soll, wenn er eine Frage hat oder man was kontrollieren soll. Mein Mann stellt allerdings Lernpläne auf. So fördert er ihn auch nur einseitig in Naturwissenschaften und eben Grammatik (alter Lateiner).

          Es ist natürlich so, dass auch mal interessante Dinge im Gespräch sind, aber häufig habe ich auch das Gefühl, er sucht nach Diskussionen. Man gibt ein Stichwort und er stellt erstmal die Gegenargumentationskette auf. Z.B. Kohleabbau. Ich dafür, dass das ein Ende nimmt. Er dafür, dass man weiter abbaut um nicht Kohle aus Südamerika einfliegen zu müssen (ja verständlich). Aber wie gesagt, er hat wohl das Bedürfnis, sein Wissen darstellen zu müssen und wie gesagt häufig erstmal in eine Richtung die der eigenen Wert und Moralvorstellung nicht entspricht. Ich persönlich finde ihn immer anstrengender.

          LG

          • Vielleicht könnte er sich ja mal ein Hobby suchen.

            (8) 22.11.18 - 13:47

            Es würde mich auch nerven, in vielerlei Hinsicht:
            Erstens kann ich Geiz gar nicht ab, ist für mich in den Top 3 der unattraktivsten Eigenschaften, zweitens geht es deinem Mann ja bei seinen Diskussionen gar nicht um Meinungsaustausch, sondern um die Darstellung seines Wissens. Er doziert, du lauscht. Das wäre mir in einer Partnerschaft zu blöd. Und ich wäre auch genervt, wenn jedes Stichwort einen Sermon auslöst. Dafür fehlt mir im Alltag schlichtweg die Zeit und auch die Lust und ich denke, ich bin überdurchschnittlich an Bildung und Meinungsaustausch interessiert. Aber halt nicht immer und nicht so gerne, wenn ich Wäsche zusammenlegen und im Kopf bereits den Einkauf plane.
            Außerdem mag ich dieses Ausruhen auf Lorbeeren nicht. Einen Beruf zu haben, bedeutet für mich nicht nur, Geld zu verdienen, sondern Struktur zu haben, Ziele zu verfolgen, mich gesellschaftlich einzubringen. Jemand, der daran gar kein Interesse hätte, wäre mir suspekt.
            Aber das ist ja nur mein Urteil, vielleicht empfindest du das ganz anders.
            Aber wenn mein Hausmann anfangen würde, mein Kind zu drillen, würde ich ihm vermutlich nur ein genervtes: “Get a life“ entgegenschmettern. Wer den ganzen Tag zuhause abhängt (schmeißt er wenigstens den Haushalt und macht so profane Dinge wie Ämterkram?), kann dich vermutlich schlecht in jemanden einfühlen, der morgens schon fremdbestimmt in der Schule Kopfarbeit leisten musste...

            Wie wäre es denn mit einem Ehrenamt für deinen Mann? Vielleicht fühlt er sich irgendwo, tief in sich drin, doch nutzlos und muss das durch Wissenstiraden, cholerische Anfälle und Leistungsdrill kompensieren.

            Hast du ihn mal gefragt, ob er glücklich mit seinem Leben als Hausmann ist?

            (9) 22.11.18 - 22:24

            Denke mit nem Job oder nem hobby wenigstens wäre allen geholfen. Mein Vater hatte auch cholerische Züge. Die wurden massiv verstärkt, als er einmal wegen einer Verletzung 8 Wochen nicht arbeiten könnte.

      Was ist denn jetzt eigentlich Dein Anliegen?
      Zu Beginn des Treads sprichst Du über das aufbrausende Verhalten Deines Mannes, dann von der vielen Lernerei mit Deinem Sohn, später von dem Zutexten Dir gegenüber.
      Ich denke ebenso, dass Dein Mann dringend eine Aufgabe benötigt durch eine Arbeitsstelle, etwas Ehrenamtliches, ein Verein, ein Hobby etc. Anscheinend konzentriert er seine gesamte Energie auf euch drei und wartet den ganzen Tag darauf, dass ihr nach Hause kommt.
      Da würde ich ansetzen. Mir scheint, er ist nicht recht ausgelastet.
      Ansonsten sollte unbedingt jeder von euch lernen, seine eigenen Grenzen wahrzunehmen und das auch klar zu kommunizieren!
      Dein Soohn soll (je nachdem, wie alt er ist, Dir oder) Deinem Mann sagen, wenn ihm die Lernerei zu viel wird.
      Du musst klar äußern, wenn Du morgens noch zu müde oder abends zu geschafft bist, um über schwarze Löcher zu philosophieren.
      Viele neigen dazu, dem Partner mittels Vorwürfen ("Du machst immer...", "Nie machst Du...") vorzuhalten, was er alles falsch macht.
      Den besseren Weg finde ich, dem Partner aufzuzeigen, wo Deine persönliche Grenze erreicht ist ("Ich bin jetzt zu müde..., lass uns nach dem Abendbrot sprechen.", "Mir ist das zu laut, laß uns nachher bei einer Tasse Kaffee reden, wenn sich die Gemüter beruhigt haben!").

      • (11) 22.11.18 - 15:07

        Hallo,

        er sagt er wäre zufrieden. Er fährt recht viel Rad. Geht in die Sauna usw. Er ist wohl so ein Mensch, der in Beziehung dann alles andere vergisst und erst wieder mit anderen in Kontakt tritt, wenn die Beziehung nicht mehr ist, bzw. er keine hat.

        Nein er möchte nicht arbeiten. Er findet die meisten Menschen total beschränkt und hat keine Lust sich mit Ihnen auseinanderzusetzen. Was Ehrenamtliches wofür? Er braucht das nicht, wir sind seine Aufgabe. Uns zu bekochen (auch wenn es mal keinem schmeckt) und mit uns seine Zeit zu verbringen. Hätte ich das gewußt, hätte ich mich sicher von Ihm ferngehalten. Ich bin selbst auch gemütlich und gerne mal faul. Aber mein Job ist mir wichtig, rauszukommen, ein gesellchaftliches Leben zu haben. Aber ich wäre ihm sonst auch zu teuer... naja.

        Er zieht seinen Stiefel leider komplett durch.

        • Du sagst es doch selbst, er merkt es erst, wenn der Hammer fällt. Pack deine Kinder und teil ihm mit, dass ihr euch eine Woche von ihm erholen müsst. In der Zeit hättet er Zeit über sich und euer Zusammenleben nachzudenken.
          Ihr würdet gerne Zeit mit ihm verbringen, aber nur wenn er bereit ist, sein Leben gesellschaftstauglich zu gestalten.
          Seine Arroganz anderen Menschen gegenüber zeigt im übrigen eine deutlich eingeschränkte soziale Intelligenz.
          Da er soviel Zeit hat, steht damit einer Therapie nichts im Wege.

    (13) 22.11.18 - 14:03

    "Mein Mann ist gebildet und schlau aber er zeigt es auch den lieben langen Tag."

    Aber nur an der falschen Stelle!

    Warum gehen Kinder zur Schule?
    - damit sie später einen besseren Job finden

    Warum zeigt dein Mann, was er schon kann?
    - wenn er es im ALLTAG nicht anwendet?

    Wenn er soviel weiß, dann soll er sich eine Arbeit suchen, wo er genau DAS ausleben kann? Oder hält er sich für zu schlau zu arbeiten?


    Ich kenne Hochbegabte, die quälen sich durch ihren Job. Einfach, weil es nicht das passende ist.
    Andere Ausbildung, zweites Studium - ZIEL : einen Beruf finden, in dem sie ihre Leidenschaft anwenden können. Prima!


    Bildung nutzt dann etwas, wenn man sie ausleben kann.
    Sie zu nutzen, um sich andere "weniger gebildete, die mehr leisten!" zu unterstellen ist ein No Go. Da würde ich rebellieren.

    Schule ist wichtig. Schule ist nicht alles.

    Mein Kind soll in der Schule lernen, damit sie sich später das aussuchen kann, was sie gerne möchte.
    Wenn das mit niedrigerem Abschluss gut geht. Super.
    Nicht jeder will Arzt, Professor oder ähnliches werden. Vgl. oben: ich kenne einige, die zwar ihr Studium super geschafft haben und auf Wunsch der Eltern ihr kognitives Potential ausnutzen lernten. Jedoch haben sie später den Beruf gewechselt und machen jetzt etwas auf Basis geringerer Bezahlung, weil es ihnen Spaß macht und Lebensqualität bietet.

    Schule sollte das Ziel haben, sich die Türen zu öffnen, die man selbst (das Kind!!! nicht die Eltern) später braucht, um glücklich zu werden.

    Glücklich ist nicht der höchste Bildungsabschluss oder die beste Bezahlung!

    Unterstützen ja klar, ich unterstütze mein Kind sehr gerne. Aber Motivation und Ziele braucht mein Kind selbst. Würde ich ihr diese vorgeben, würde sie streiken.

    Dass dein Mann cholerisch ist, ist natürlich nicht gut und er sollte etwas dagegen tun.

    Dass er mit eurem Sohn 1,5 Stunden täglich lernt, ist doch super. Nur fände ich es besser, wenn dies nach einer Pause von der Schule geschieht, also nicht gleich im Anschluss.

    Was ich schade finde, ist, dass du den Intellekt deines Mannes nicht zu schätzen weisst und nicht einmal mehr zuhörst, wenn er über Wissenschaft oder Nachrichten spricht.

(16) 22.11.18 - 19:37

Es ist erstaunlich, wie viele Ehen mit cholerischen Privatiers es bei Urbia gibt.

#schein

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