Trennug verarbeiten

    • (1) 04.12.18 - 21:57

      Hallo zusammen,

      ich weiß nicht wirklich, was ich erwarte, aber ich muss das einfach mal loswerden... Ich war mit meinem ehemaligen Partner 18 Jahre lang zusammen. Wir wollten Kinder, was nicht geklappt hat. Er war mein bester Freund und zum Schluss nur noch das. Ich habe mich schon seit Jahren trennen wollen, weil ich nicht mehr wusste, ob ich mehr als Freundschaft empfinde. Dennoch war es zwischen uns immer sehr harmonisch. Dann habe ich mich getrennt, sehr schnell einen neuen Mann kennengelernt und bin auch schwanger geworden.

      Anfangs war ich so berauscht von der neuen Situation. Doch nach und nach hatte ich Schuldgefühle meinem Ex gegenüber, der sehr unterer Trennung litt. Er hat den ganzen Freundeskreis mobilisiert, die natürlich alle zum armen Verlassenen gehalten haben. Meine Traurigkeit habe ich in der Schwangerschaft nicht zugelassen, da ich das Baby schützen wollte, doch nun bahnt sie sich nach und nach durch, dabei sind wir schon fast 2 Jahre getrennt. Ich vermisse ihn als Menschen, unser Team und die Harmonie, die zwischen uns herrschte. Ich möchte ihn nicht als Partner zurück, dennoch kommen so viele schöne Momente in all den Jahren wieder hoch, die mich echt traurig machen und auch irgendwie zweifeln lassen.

      Dauert es einfach? Gehen diese Gefühle vorbei? Ein freundschaftliches Verhältnis kann ich ausschließen, da er wohl immer noch sehr wütend sein soll. Ich habe persönlich keinen Kontakt.

      • Tja was soll man sagen? Bei jedem ist das anders. Es kommt doch auch auf deine jetzige Beziehung an. Bist du da glücklich? Ich habe etwa 10 Jahre gebraucht um die Trennung von meiner großen Liebe zu verkraften. Nun bin ich aber glücklich verheiratet und er ist vergessen. Normal sind 10 Jahre aber nicht. Lag wohl an vielen anderen Dingen die ich lernen musste.

        (3) 04.12.18 - 23:17
        Verstehe-ich-absolut

        Dein Text könnte von mir sein. Ich habe mich vor 2 Jahren von meinem Mann getrennt. Wir haben zwei gemeinsame Kinder. Das Ende unserer Ehe war scheußlich. Vor ca 9 Monaten habe ich einen Mann kennengelernt und mich in ihn verliebt. Und erst danach habe ich Schritt für Schritt erkannt, wie schwer mir die Umstellung fällt. Ich vermisse meinen Mann erst seit der neuen Beziehung. Völlig irre. Bei mir kommt dazu, dass es schwer ist wenn ein "Außenstehender " meine Kinder kritisiert. Dieses Problem hast du nicht. Da bei dir die Vorzeichen quasi vertauscht sind, würde ich eher versuchen an der Beziehung zum Kindsvater zu arbeiten. Aber das Herz kann manchmal echt fies sein.

        • Ja, das fühlt sich so an. Das Herz kann fies sein. Da wollte ich diese Zweifel, ob es noch die richtige Beziehung ist, abstellen und habe mich getrennt und nun bin ich immer noch am Zweifeln :-( Dabei sollte ich mich voll auf meine neue Familie konzentrieren! Das macht mir auch ein schlechtes Gewissen. Allen gegenüber Schuldgefühle! Ist doch bescheuert...

      (5) 04.12.18 - 23:51

      Interessant, dass ich offenbar nicht allein bin mit dem Thema. Ich hab mich auch nach 10 Jahren von meiner Jugendliebe getrennt. Er ist ein lieber Kerl, aber der Ofen war aus, wie man so schön sagt.

      Ich hab ihn vor 2 Jahren für meinen jetzigen Partner verlassen. Die Entscheidung war absolut richtig, diese Beziehung hat eine mir bisher unbekannte Intensität! Und trotzdem fressen mich die Schuldgefühle auf, immer noch... Ich hab gehofft, dass es mit der Zeit besser wird, aber nada...

      Wir haben auch null Kontakt (keine Kinder, keine gemeinsamen Freunde mehr).

      • Das ist ja exakt die gleiche Situation. Es wurde nicht besser? Ich habe so viel von ihm geträumt und in meinen Träumen wurde es komischerweise besser. Da hat er mir auch verziehen. Seltsam, oder? Er ist mir immer noch sehr wichtig, als Mensch schätze ich ihn sehr, doch nach seiner Ansicht habe ich ihn verraten. Das stimmt ja auch, aber was sollte ich machen?

        • (7) 05.12.18 - 22:51

          Ich wünsche dir, dass es mit der Zeit besser wird.

          Das mit deinen Träumen finde ich nicht seltsam. Immerhin fühlst DU Dich schuldig, vorrangig musst du dir selbst vergeben! Du scheinst ja auf einem guten Weg zu sein.

          Ja, aus seiner Sicht hast Du ihn nun mal verraten. Das einzige, was Du machen kannst, ist dir selbst zu verzeihen.

          Objektiv betrachtet gehören zum Scheitern einer Beziehung immer zwei. Man muss auch einfach akzeptieren, dass sich Menschen (und deren Gefühle) im Lauf der Jahre verändern können. Man hat keinerlei Anspruch darauf, vom Partner ein Leben lang geliebt zu werden.

          Hast du vielleicht unterbewusst Angst, dass dir mal dasselbe passieren könnte? Dass die Gefühle deines Partners einfach weg sind, er nicht um die Beziehung kämpfen will und du das einfach hinnehmen musst?

          • Ja, du hast recht: Zum Scheitern gehören immer 2, zumal meine Zweifel schon über Jahre da waren und er es auch mitbekommen hat. Und es stimmt, ich habe mir selbst nicht verziehen oder bin noch dabei. Ich habe diese Gefühle in der Schwangerschaft gar nicht zugelassen, da ich Stress möglichst vermeiden wollte. Aber die Träume waren trotzdem da und dort wird es in der Tat besser. Auch ich fühle mich mehr und mehr befreit, aber dennoch kommt in gewissen Abständen ein Gefühl des Vermissens und damit auch der Reue / Schuld auf. Ja und vielleicht hast du auch recht, dass ich insgeheim Angst davor habe, dass mir Ähnliches passieren könnte. Mit einem gewissen Abstand betrachte ich die Dinge nun etwas anders, was aber sicher auch normal ist.

    (9) 05.12.18 - 08:06
    Trennungsschemrz

    Mir ging es genauso, jahrelang. Gerade wenn man überhaupt keinen Kontakt mehr hat, weil er verletzt ist, spinnt man sich auch viel zusammen. Es wird aber besser im Laufe der Zeit.

    • Wow, interessant, dass es doch einigen von euch so ging. Ich dachte, ich hätte halt Pech gehabt und muss nun damit klar kommen. Die Entscheidung fiel ja nicht leicht und reifte über mehrere Jahre. Doch nun kommt es mir so vor, dass ich das, was nicht mehr da ist, besser zu schätzen weiß. Aber so ist es ja immer :-(

<<< Ein freundschaftliches Verhältnis kann ich ausschließen, da er wohl immer noch sehr wütend sein soll. Ich habe persönlich keinen Kontakt.>>>

Das was am meisten an uns nagt sind immer Situationen in denen man entweder im Ungewissen ist, oder einem etwas auf der Seele brennt, das man nicht los werden kann.....zumindest nicht an der Stelle wo man es eigentlich müsste/gerne will.

Mag sein dass er immer noch wütend ist, aber ich an Deiner Stelle würde es darauf ankommen lassen.

Was kann im schlimmsten Fall passieren?

Er brüllt Dich an oder will tatsächlich nichts mehr mit Dir zu tun haben. In beiden Fällen weisst Du aber wenigstens woran Du bist, und schaffst es evtl. eher, damit endgültig abzuschliessen.

Im anderen.....besten Fall redet ihr miteinander, klärt alles und könnt vielleicht sogar wieder Freunde sein.

  • Davor habe ich etwas Angst. Denn er wird mich fragen, was ich damit bezwecken will. Er weiß, dass ich mir eine Freundschaft wünschen würde. Andererseits hast du recht: Was soll passieren? Ich habe heute Nacht sogar davon geträumt, dass wir ganz ruhig miteinander reden. Und diese Verbundenheit, die uns auch nach der Trennung bei Treffen begleitet hat, war da. Es war keine Liebesverbundenheit, sondern wir kennen uns durch die langen Jahre und dadurch, was wir zusammen durchgestanden haben, einfach so gut.

    Gemeinsame Freunde, bei denen ich mal vorfühlen könnte, sind nicht übrig geblieben.

    • Für mich klingt das nicht so, als ob Du eine rein freundschaftliche Annäherung mit ihm schaffen kannst. Leider gibt es Männer, mit denen das nicht möglich ist - die wollen eine Frau als Partnerin oder gar nicht - an einer reinen Freundschaft mit einer Frau sind sie nicht interessiert, egal, wieviele Jahre und Erinnerungen sie verbinden. Sie wollen die Frau ganz oder gar nicht, nur "halb" tut ihnen weh, weil sie eben dann immer auch ganz haben wollen, was sie sehen, und darum reagieren sie auch mit Wut und Ärger auf jeden Versuch der "halbherzigen" Annäherung.

      Das ist sehr schade, aber ich fürchte, das wird nie eine reine Freundschaft geben.

Das Zweifeln kommt vom Verstand, der gern bewertet.

Lass die Gefühle erst einmal so sein wie sie sind und sehe zu, wie sie kommen und wie sie gehen. Wenn es zu schmerzhaft wird, kannst Du sie bildlich immer wieder in einen Fluß geben und Dich dafür bedanken.

Es ist völlig in Ordnung traurig zu sein. Deine alte Beziehung muss in keiner Schublade verschwinden. Ein Teil davon warst Du, ein Teil davon war er. Umso schöner, wenn Du die positiven Dinge aus der Vergangenheit sehen kannst.

Das Gute daran: Du hast Dich selbst ja in die jetzige Zeit mitgenommen. Es wird wieder gut oder es ist schon gut oder es kommt alles noch besser.

Ich würde es weniger als Schuld bezeichnen, sondern mehr als den Teil von Verantwortung, den Du nun übernimmst.

Die Gefühle werden immer wieder mal kommen und je liebevoller Du mit ihnen umgehst, umso schneller werden sie wieder gehen.

Das ganze Veränderungswesen des Menschen besteht für mich aus dem Umgang mit seinen Gefühlen.
Sei vor allem nachsichtig mit Dir und nochmal: traurig sein ist ok. Komisch wär's wenn Du nicht traurig bist, denn dann würdest Du Deine alte Beziehung nicht verarbeiten, sondern nur "zurechtdenken".

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