Die Vergangenheit ist ein A...loch

    • (1) 27.12.18 - 20:25
      HeuteOhne

      Gleich vorab, ich erwarte nichts, aber vielleicht hilft es mir, dass erlebte besser verarbeiten zu können.

      In meiner Jugend lernte ich meinen Exmann kennen. Wir hatten anfangs eine sehr schöne Zeit, wir hielten aber auch in schlechten Tagen zusammen. Ich bin kein Unschuldslamm und habe auch meine Fehler gemacht. Rückblickend würde ich sagen, man hätte sich damals trennen sollen. Irgendwann wurde ich ungeplant schwanger. Mein Exmann hatte sich tierisch gefreut und unsere Zukunft perfekt geplant. Wir heirateten noch schnell, bevor unser Baby zur Welt kam.

      Eigentlich wollte ich nie heiraten. Vielleicht waren es die Hormone? Man weiß es nicht. Als Baby auf der Welt war, war er die ersten 4 Wochen ein super Papa. Die Hebamme lobte ihn und sagte, bei anderen Familien ist es meistens ganz anders. Alles schien perfekt, bis eines Tages. Er sagte mir, dass ihn die Vaterrolle überforderte. Also lies ich ihn etwas mehr Freiheiten. Schon immer war er eher ein Partymensch. Damals dachte ich dabei an nichts schlimmes...großer Fehler. Fehler sind bekanntlich dafür da, gemacht zu werden. Und ich habe draus gelernt.

      Mein Exmann lernte neue Leute kennen, passend zu ihm. Es waren auch Partymenschen. Ich bin ehrlich, mir ist es am Anfang selber gar nicht aufgefallen. Nach Wochen sprach ich ihn darauf an, ob er nicht auch mal wieder ein Wochenende mit uns verbringen möchte und nicht nur Party machen will. Ob die neuen Freunde denn keine Kinder hätten oder ob ihnen dies gar nicht auffallen würden. Er antwortete trocken "Die haben auch Kinder und gehen feiern". Irgendwie wurde mein Exmann immer egoistischer. Ich habe mir dabei nichts gedacht. Jeder streitet mal. Wir streiteten immer öfter.

      Eines Tages kam meiner Schwiegermutter zu mir und sagte, dass sie sich sorgen um ihren Sohn machte. Ich gab zu, er war schon irgendwie komisch, aber mir fiel nichts anderes auf. Mein Exmann kam dazu und seiner Mutter sprach das Thema direkt an "Nimmst du Drogen?" Er wurde sauer und verneinte es. Er zog mich auf seine Seite und sagte "Ihr würde es ja wohl auffallen, wenn ich nicht mehr schlafen könnte". Er schlief viel. Party machen kann anstrengend sein. Von dem Tag an, versuchte er mich von seiner Familie fern zu halten. Ich hielt zu meinen Exmann. Wir verstanden uns besser und je besser wir uns verstanden, umso weniger verstand er sich mit seiner Familie.

      Die Partywochenenden nahmen nicht ab. Ich war genervt von seinen neuen Freunden und er war genervt, weil ich von denen nichts hören wollten. Wir sprachen im wahrsten Sinne des Wortes aneinander vorbei. Jeder machte mehr und mehr sein eigenes Ding.

      Irgendwann wechselte es sich ab, verstand er sich mit mir besser, dann war seine Familie doof. Verstand er sich mit seiner Familie besser, dann war ich doof. Es war ein Teufelskreis. Ich wurde immer unglücklicher. Jeder hat was als Familie an den Wochenenden gemacht. Und wir? Ich war mit unseren Baby alleine. Ich habe die Frage von anderen gehasst: Was macht ihr schönes am Wochenende? Am Anfang habe ich mir immer was ausgedacht. Irgendwann dann nicht mehr...

      Es wurde alles immer schlimmer. Nun ging mein Exmann auch nach der Arbeit häufig weg. Die Streitereien wurden immer schlimmer und schlimmer. Meiner Schwiegermutter kam meistens nur, wenn er nicht da war. War er quasi auch nie. Man konnte sich austauschen.

      Eines Tages sagte ich zu meinen Exmann, dass ich später mal in seinen E-Mailaccount was schauen muss. Er hörte mir nicht richtig zu. Für mich war das aber abgeklärt. Ich klicke ausversehen auf eine Email "xy hat eine Nachricht geschrieben" Also bei Facebook. In dieser Nachricht stand "ich liebe dich auch". Ich hatte dann die anderen Nachrichten auch geöffnet. "Ich vermisse dich. Wann rufst du an?"

      Ich war stocksauer und schrieb ihm, dass er seine Sachen abholen kann. Er informierte meine Schwiegermutter und die schlichtete. Angeblich war die gute krank. Und ich? Ich war doof und glaubte ihn. Er sagte aber auch, dass er mir die Wahrheit sagen möchte, er war Drogenabhängig. Meine Schwiegermutter hatte recht. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Mein Mann und Vater meines Kindes war Drogenabhängig. Er versprach mir damit aufzuhören. Nur noch diese eine Party und ich müsste ihn helfen. Jeden Donnerstag sagte er "Nur noch diese eine Party und dann". Wir stritten immer noch und irgendwann reichte es mir. Ich wollte nicht mehr. Er versprach mir wieder damit aufzuhören und ich sollte einen Termin bei der Drogenberatungsstelle machen. Gesagt, getan. Da waren wir aber nie. Er kam nur noch zum duschen und schlafen nach Hause. Er fuhr mit seinen "Freunden" in andere Städte um zu feiern. Wir waren nur noch alleine. Alles was ich machte war schlecht.

      Irgendwann fuhr er wieder mit Freunden weg. Wir haben uns die Tage davor gut verstanden, aber abends hatte ich ein komisches Gefühl. Ich schaute in seinen E-Mailaccount. Was sah ich? Eine Hotelreservierung in einer ganz anderen Stadt, mit einer Frau. Ich schrieb ihm eine böse Nachricht. Er rief sofort an und log mir den Himmel auf Erde runter. Und ich? Ich war dumm und glaubte ihm. Wieder sollte alles besser werden. Und was war? Die Nächste Städtereise. Ich wurde immer misstraurischer. Sein Rucksack war voll mit komischen Pärchen Geschenken. Mittlerweile war ich coabhängig. Ich konnte mich seinen Verhalten nicht mehr wehren. Es war mir egal. Ausziehen konnte ich nicht, weil ich angst hatte. Finanziell war ich abhängig. Ich war froh, wenn er seinen Mist hatte. Dann war alles einigermaßen ok.

      Er wurde immer egoistischer und ich wurde immer kälter. Ich hatte gelernt, ihn genauso mit meinen Worten zu verletzen, wie er mich verletzt hat. Seine Sätze prallten an mir ab. Wir stritten wieder mal und nach hunderten verheulten Nächten, dieser Gfühlskalten Spannung, schoss aus mir raus: Wir ziehen aus und wir lassen uns scheiden.

      Dies ist nun fast 3 Jahre. Ich hab von null angefangen. Und ich hätte nie gedacht, dass ich es soweit schaffe. Allerdings, finde ich seitdem auch keinen Partner mehr. Ich habe angst davor, dass sich der neue Partner nach einer Zeit ändert und ich mit seiner Art nicht klar kommen. Dass ich wieder Gefühlskalt werde. Das alles schlimmer wird, als ichs erleben musste. Obwohl ich mehrfach betrogen wurden bin, habe ich davor keine angst.

      Sobald mir ein Mann näher kommen möchte, umso biestiger werde ich. Ich werde verletzend. Ich möchte es gar nicht. Es kommt automatisch. Ich hoffe, irgendwann kann ich nähe wieder zu lassen. Es liegt nicht an den anderen, es liegt an mir. Ich habe den ganzen Mist einfach nicht verarbeitet. Die Suchterkrankung.

      • Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Sie hat das aus dir gemacht was du bist. Wachsam autark und stark. Sie ist kein a-loch sondern ein wichtiger Teil von dir. Aber weshalb guckst Du ständig nach hinten. Du kannst es nicht mehr ändern. Aber das was vor dir liegt schon. Guck nach vorn und mach was aus den Tagen die VOR dir liegen. Das hast Du in der Hand. Nur du und das ist gut so.

        (3) 27.12.18 - 21:20

        Warum arbeitest du es nicht auf? Therapie, Gespräche in Gruppen Angehöriger von Suchtkranken. Die werden dir wertvolle Tipps geben können.

        LG

        Hey du,

        Deine Geschichte liest sich wahnsinnig traurig.

        Hast du dir schon mal überlegt, dir therapeutische Hilfe zu holen? Für dich und für dein Kind?

        Alles Gute!

      • (5) 27.12.18 - 23:07

        "Sobald mir ein Mann näher kommen möchte, umso biestiger werde ich."
        Das ist Selbstschutz!
        Kein Wunder, dass Du so reagierst- ein gebranntes Kind scheut das Feuer.

        Das Geheimnis, Deine Erfahrung mit Deinem Ex nicht auf andere Männer zu übertragen, ist: Angst durch Vertrauen zu ersetzen.
        Falls Du das nicht alleine schaffst, lass Dir von Außen durch eine Therapie helfen!
        Alles Gute! #klee

        Ich würde dir auch zu einer Therapie raten.

        Meine Vergangenheit wiegt auch schwer. Mithilfe der Therapie habe ich es aber geschafft, aus meiner Last Stärke zu ziehen. Und du klingst nach einer starken Frau. Ich bin mir sicher, das du das auch schaffen kannst!

      • Irgendwann wird einer kommen bei dem du es schaffst Nähe zuzulassen. Es muss nur der richtige sein der dranbleibt.

        Ich finde man kann es schon so deutlich sagen, du bist wirklich durch die scheiße gelaufen. Und nicht die Vergangenheit ist ein arschloch sondern dein ex Mann!

        Sieh nach vorne, komm mit dir selbst ins reine, schließ mit der Sache ab. Der Rest kommt von selbst.
        Ich wünsche dir alles gute!

        Hallo, hast Du Dich nach dieser sehr kranken Beziehung mit dem falschen Mann mal therapeutisch zur Aufarbeitung behandeln lassen?
        Natürlich schadet so eine Beziehung auch nachhaltig, wie zb eine verkorkste Kindheit im Erwachsenenalter noch nachzieht.

        Daher, such Dir eine Psychotherapie, dort kannst Du professionell aufarbeiten und der oder die Therapeutin kann Dir Wege aufzeigen wie man nach so einer zerstörerischen Ehe wieder auf normale Bahn gerät.
        Aus eigener Erfahrung kann ich Dir nur dazu raten.

        Viel Erfolg.

Top Diskussionen anzeigen