Wie wichtig ist Euch Vertrauen?

    • (1) 30.12.18 - 10:50
      Vertrauensvoll

      Hallo zusammen,

      ich habe mich gestern mit einem guten Freund unterhalten und wir kamen auf das Thema, was uns in einer guten Beziehung das Wichtigste ist. Erstaunlicherweise antwortete er nicht "Liebe", "Sex" oder dergleichen, sondern "Vertrauen". Wir haben dann weiter darüber gesprochen und er sagte, er ist in seinem Leben so oft enttäuscht worden von anderen Menschen und hat gelernt, dass man eigentlich fast niemandem wirklich 100% vertrauen kann, gerade in Situationen, wenn Streit ist, zeigen auch Partner/innen oft ihr wahres Gesicht und dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die wirklich loyal sind, ob im Regen oder Sturm (enge Verwandte ausgenommen).

      Ich habe dann darüber nachgedacht und muss ihm Recht geben, man trifft im Leben wirklich nur ganz ganz selten Menschen, denen man "blind" vertraut und auch vertrauen kann. Selbst beste Freunde/innen haben mich schon enttäuscht mit Lästereien hinter dem Rücken, wenn man Streit hatte, auch Partner zeigten im Streit schon eine hässliche Seite und griffen dann zu unfairen Mitteln, und wenn ich Recht nachdenke, gibt es außerhalb meiner Familie nur 2-3 Personen, die ich im ganzen Leben (fast 50 Jahre immerhin) getroffen habe, von denen ich sagen würde: Ja, die sind meiner Einschätzung nach wirklich 100% loyal zu mir. Und traurigerweise ist keiner davon je mein Partner gewesen, sondern es waren Freunde/innen.

      Daher meine Frage mal so hier in die Runde: Wie wichtig ist für Euch dieses 100%ige Vertrauen und habt Ihr es in Euren Beziehungen? Ist es ein Ausschlusskriterium für Euch, was Freunde und Partner betrifft, oder lebt Ihr auch mit illoyalem Verhalten in Krisenzeiten, weil man eben so selten nur Menschen findet, denen mal so 100% vertrauen kann? Und wenn Ihr jemanden im Leben habt, dem ihr so vertrauen könnt (und er/sie Euch) - wie sind Eure Erfahrungen mit solchen Menschen: Bleiben diese Freundschaften länger bestehen als andere, bindet das Vertrauen einen auch automatisch emotional aneinander, selbst dann, wenn einen andere Dinge trennen?

      Ich muss sagen, dass ich jeden einzigen Menschen, dem ich im Leben blind vertrauen konnte, immer im Herzen trage, selbst wenn man teils jahrelang keinen Kontakt mehr hat/te, ich habe allerdings noch nie einen Mann als Partner gehabt, der so ist, was ich ziemlich traurig finde, weil ich glaube, wenn man so ein Vertrauen innerhalb der Partnerschaft erlebt, das muss doch wirklich so verbindend sein, dass eine Trennung quasi gar nicht mehr denkbar ist, weil der Partner ja dadurch gleichzeitig zum besten Freund wird, oder? Auch der Freund, mit dem ich gestern darüber sprach, hatte noch nie eine Partnerin, die ihn nicht irgendwann enttäuscht hat durch illoyales Verhalten. Irgendwie traurig, aber wahrscheinlich denken wirklich die meisten Menschen nur an sich selbst, wenn es hart auf hart kommt.

      Wie sind Eure Erfahrungen zu dem Thema? Komisch, dass mir vorher nie bewusst wurde, wie wichtig, ja geradezu elementar, Vertrauen ist für eine wahre Freundschaft und auch Liebe, viel wichtiger als gemeinsame Interessen, Anziehung und alles - es macht für mich den Unterschied zwischen Bekannte und Freunde, aber so bewusst habe ich darüber nie nachgedacht.

      LG und einen schönen Sonntag!
      Vertrauensvoll

      • (2) 30.12.18 - 10:52

        P.S.: Ich merke auch, dass ich achtsamer und offener und ehrlicher mit solchen Menschen umgehe, denen ich vertrauen kann, vielleicht ist es auch DAS, was einen dann so emotional an sie bindet, dass man ihren Wert zu schätzen weiß und sich gleichzeitig aber auch mehr öffnet als bei Anderen, was wiederum eine noch engere Bindung schafft.

        • (3) 30.12.18 - 12:17

          Mein Mann und ich sind seit 21 Jahren zusammen und ich kann wirklich sagen: wir vertrauen uns 100%.
          Dieses Vertrauen( und dadurch auch unsere Liebe und Bindung) ist mit den Jahren gewachsen.
          Es ist toll, so einen Menschen an seiner Seite zu haben.

          Blind vertrauen würde ich am Anfang einer Beziehung nicht. Dazu muss man einen Menschen erst richtig kennenlernen. Blindes Vertrauen von Anfang an wäre naiv.

          • (4) 30.12.18 - 12:44
            Vertrauensvoll

            Das sehe ich auch so, Vertrauen muss erst wachsen durch gemeinsame Krisenzeiten, in denen der Andere bewiesen hat, dass man ihm vertrauen kann. Ich vertraue wenigen Menschen, aber die, denen ich vertraue, möchte ich nie mehr missen im Leben.

      (6) 30.12.18 - 11:13

      Ja, mir ist dieses blind vertrauen können auch sehr wichtig! Meinem Mann ebenso. Und ja, wir vertrauen uns zu 100%.

    Aus meiner Sicht führt Liebe zu Vertrauen. Ich vertraue meiner Frau ohne Einschränkung und sie mir auch.

    Wir machen einander das Leben schön, soweit wir dazu imstande sind.

    Wir haben auch Freunde, die uns noch nicht enttäuscht haben. allerdings haben wir schon einige Freunde verloren.

    • (9) 30.12.18 - 11:42

      Das ist schön. Interessanter Satz von Dir "Liebe führt zu Vertrauen". Meinst Du, das gilt auch umgekehrt, dass Liebe in uns geweckt wird, wenn ein Mensch uns immer wieder beweist, dass wir ihm vertrauen können? (Nicht unbedingt romantische Liebe, auch freundschaftliche Liebe ist gemeint.)

      • Ja, auch romantische Liebe.

        Sexuelles Verlangen kommt aus dem Kleinhirn.

        • (11) 30.12.18 - 12:40

          Das mit dem sexuellen Verlangen hab ich sowieso nie verstanden. Bei mir entsteht das immer durch Nähe, ich habe ohne emotionale und/oder körperliche Nähe kein sexuelles Verlangen, aber ich glaube, das ist bei vielen anders.

Ich glaube nicht an 100 %iges Vertrauen. Vielmehr gilt zumindest für mich, dass ich mich mit einem kleinen Restrisiko arrangiere. Das ist ok und damit kann ich leben.

Wir sind alle nur Menschen, großteils gefühlsgesteuert und nicht berechenbar und ich finde es vermessen zu glauben, dass man vorab weiß, wie jemand in bestimmten Situationen handeln würde. Es gibt sicher worstcase-Situationen, die auch den loyalsten und soziasten Menschen an seine Grenzen bringen. Der eine knickt früher ein, der andere später.

So wie ich auch glaube, dass jeder Mensch seinen Preis hat bzw. käuflich ist (nicht unbedingt monetär gedacht). Man muss nur verzweifelt genug sein und keinen anderen Ausweg mehr sehen.
Und wenn dann dazu kommt zu entscheiden, wer einem näher ist (man sich selbst oder eine von zwei Personen), dann muss einer über die Klinge springen. Ich glaube nicht an die absolute Selbstlosigkeit.

  • (13) 30.12.18 - 12:42

    Ich verstehe was du meinst und denke ähnlich, ein Restrisiko bleibt immer. Aber wenn man mit einem Menschen schon mehrere Situationen erlebt hat, wo er zu einem gestanden und nicht eingeknickt ist, steigert das natürlich auch das Vertrauen.

    • Natürlich! Wir lernen durch Erfahrungen. Aber um diese zu machen, müssen wir immer einen Vertrauensvorschuss geben und sehen erst später, ob man richtig "investiert" hat oder nicht. Vielleicht hat man mit manchen Menschen auch nur Glück gehabt und sie mussten sich weniger beweisen als andere und hatten es somit leichter.

(15) 30.12.18 - 13:17

Ich sehe das ganz genauso. Man kann hoffen, man kann glauben, aber man kann niemals WISSEN, dass einem der Partner nie enttäuscht.
Wichtig ist für mich vor allem, dem anderen nicht konkret misstrauen zu müssen. Aber diese Gewissheit, die viele Menschen ihrem Partner (oder auch anderen Menschen) gegenüber haben ("das würde er/sie NIIIIEMALS tun"), hat für mich etwas davon, nicht wahrhaben zu wollen, dass man nie sicher vor Enttäuschungen ist.
Ich würde mich trotzdem als positiv eingestellten Menschen bezeichnen und kann Beziehungen oder das Leben allgemein (trotz dieser Restunsicherheit) genießen.

  • (16) 30.12.18 - 13:33

     Aber diese Gewissheit, die viele Menschen ihrem Partner (oder auch anderen Menschen) gegenüber haben ("das würde er/sie NIIIIEMALS tun"), hat für mich etwas davon, nicht wahrhaben zu wollen, dass man nie sicher vor Enttäuschungen ist
    ----

    Vermutlich ist das eine Art Selbstschutz. Ich würde sogar behaupten, dass sich niemand selbst zu 100 % kennt und unmöglich vorhersagen kann, wie er sich die nächsten Jahrzehnte verhalten wird.

    Wär ja auch langweilig! 😆

(17) 30.12.18 - 13:00

Also ich vertrau meinem Freund nicht wirklich, er mir schon. Aber ich hab sein Vertrauen mehrfach missbraucht

  • (18) 30.12.18 - 13:08

    Danke für Deine offene Antwort. Was denkst Du, wenn Du ihm mehr vertrauen würdest, wärst Du dann auch loyaler zu ihm oder würde das für Dich / Dein eigenes Verhalten betreffend keinen Unterschied machen?

    • (19) 30.12.18 - 13:14

      Nein würde kein unterschied sein, man weiß nie wie ein Mensch denkt, egal wie lange man jemanden kennt.

      • (20) 31.12.18 - 08:15

        Einem Menschen kann man nicht in den Kopf schauen, nur davor.

        Mein Ex hat mir vertraut, ich hab ihn jahrelang betrogen. Er weiß bis heute nichts davon. Von sich selbst zu wissen, zu was man im Stand ist, obwohl man das Gegenüber liebt, relativiert "Vertrauen".

        Mir reicht es, wenn mir ein Mensch positiv gegenüber steht und grundsätzlich mein bestes will. Um den Rest kümmere ich mich lieber selber.

        • (21) 01.01.19 - 22:53

          Ich hab selten so eine gleichermaßen pragmatische und positive Lebenseinstellung gelesen. Könnte von mir sein.

    (22) 30.12.18 - 13:26

    Ich denke das Problem ist eher, daß sie ihn schon hintergagngen hat und weiß, wie einfach das ist und passieren kann.

    Das bezieht sich jetzt nicht auf sie, aber ich habe schon oft gesehen, daß gerade Menschen die selbst nicht immer ehrlich sind große Probleme haben, anderen zu vertrauen.

Ich sehe Vertrauen als das Fundament einer Beziehung an. Natürlich unterscheidet sich das Vertrauen am Anfang einer Beziehung von dem, das nach Jahren entsteht (da hat es sich in der Regel mehrfach bewiesen und dadurch gestärkt). Ich habe erst jetzt die letzten Tage eine Erfahrung gemacht, wie in einer recht frischen Beziehung das Anfangsvertrauen einen ordentlichen Knacks bekommen hat. Ich weiß nicht, wie man das wieder kitten könnte und damit hat sich aus meiner Sicht die Beziehung erledigt. Wie soll die ohne Vertrauen funktionieren? Ich kann mir das nicht vorstellen.

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