Was muss man in einer Partnerschaft aushalten (können)?

    • (1) 10.01.19 - 00:20

      Hallo zusammen,

      ich bin mit meiner Frau nun 9 Jahre zusammen. Vier Jahre davon verheiratet, wir haben zwei wundervolle kleine Kinder ... und doch geht es seit einiger Zeit permanent bergab.

      Ich bin eigentlich gar nicht so recht der Typ, der sich anonym Meinungen oder Rat sucht. Mittlerweile bin ich aber so durcheinander, dass ich nach jedem Strohhalm greife, den ich so kriegen kann.

      Mit meiner Frau war es seit jeher schwierig. Ich kann mich an viele Momente erinnern, wo ich am liebsten die Beziehung beendet hätte. Wir (insbesondere ich) haben dann aber miteinander gesprochen und haben uns doch jedes Mal auf einen Neuanfang geeinigt. Das war einige Male so. Über eine gewisse Zeit hinweg hielt der Alltag wieder Einzug und meine Frau war überhaupt nicht mehr sensibel für mich und unsere Beziehung. Sie schnauzte viel rum, kommandierte, delegierte und musste ständig von Aktionen überzeugt werden, die mal nur mir dienen sollten. Wenn ich darum bat auch mal in meine Richtung Kritik zu äußern, kam bloß, dass sie zufrieden sei und nur Kleinigkeiten stören würden. So zum Beispiel Angelegenheiten im Haushalt.

      Dann kam unser Sohn zur Welt und nach dem ersten Einpendeln waren wir sehr glücklich. Meine Frau hatte ein Hobby (Ballet) und soziale Kontakte. Uns ging es einfach extrem gut.

      Wenig später sind wir dann in eine kleinere Stadt gezogen, weil uns nach mehr Gemütlichkeit war. Kurz danach kam dann unsere Tochter zur Welt.

      Und ab da ging es kontinuierlich abwärts.

      Meine Frau sucht keine Nähe mehr zu mir. Und dabei rede ich nichtmal von Sex. Ich wurde so oft abgelehnt, dass ich die Priorität diesbezüglich ganz weit unten angesetzt habe. Sie nimmt mich nicht in den Arm, möchte keinen Kuss haben und stellt den kompletten Alltag unter das Wohlergehen der Kinder. Wenn sie abends auf der Couch sitzt, dreht sie mir den Rücken zu und beschwert sich manchmal sogar: Sie hätte gerne ihre Ruhe.

      Mein Weihnachtsgeschenk wurde in einen Gutschein umgetauscht und anschließend bei Ebay unter Wert verkauft. Auf die Hochzeit meines Bruders ist sie nicht mitgekommen, weil mit den Kindern alles zu stressig geworden wäre, obwohl ich klar kommunizierte, dass ich mich über die Anwesenheit meiner Familie sehr freuen würde.

      Ich suchte natürlich sehr oft (!) das Gespräch. Regelmäßig konfrontierte ich sie seit Oktober damit, dass ich einsam sei und uns vermissen würde. Irgendwann ging ihr das sogar auf die Nerven und sie begann bei erneutem Aufkommen des Themas mit den Augen zu rollen. Sie könne ohnehin nichts ändern. Wenn ich sie dann mal in einen "Dialog" verwickelt bekomme, sagt sie nichts, sondern drückt sich nur die Tränchen weg. Die Kinder für 1-2 Stunden abgeben möchte sie auch nicht. Zugegeben, wir haben keine Unterstützung von außen für unsere Kinder. Aktuell wird unsere Tochter bei der Tagesmutter eingewöhnt, der Große ist in der KITA. Das wird uns etwas Raum schaffen. Ich weiß aber nicht, ob es schon zu spät ist.

      Mittlerweile gibt es einen großen emotionalen Graben zwischen uns. Zumindest von meiner Seite aus. Dabei merke ich, wie ich mich emotional für andere Frauen öffne. Damals war ich immun dagegen. Vollkommen. Ich weiß mittlerweile einfach nicht mehr, was ich tun soll. Ich arbeite und investiere, wo es nur geht. Leider geht mir mittlerweile die Motivation verloren, weil sich nichts ändert und meine Frau mich nicht sieht.

      Bin schon in vielen Foren unterwegs gewesen und habe viele solcher Beiträge gelesen. Da wurden die Männer meistens lang gemacht. Sie sollten sich nicht so anstellen und um ihre Frau kämpfen. Ich habe gefühlt 9 Jahre lang den Karren aus der Kacke gezogen und ebenso gefühlt lang stand meine Frau daneben und hat dabei zugeschaut.

      Puh, ich hab jetzt ganz viel, ganz wild geschrieben. Das ist bestimmt unstrukturiert geworden. Vielleicht kann man aber trotzdem herauslesen, worum es geht. Die Darstellung wirkt sehr einseitig. Ich muss aber eben auch betonen, dass meine Frau weiterhin nicht in der Lage ist, Störfaktoren zu benennen. Ich würde so gerne bei meiner Familie bleiben und alles gerade rücken. Mir geht aber langsam die Luft aus und ich bin nicht dazu bereit, hier baden zu gehen :-(

      Vielen Dank für eure Zeit und besten Gruß.

      • (2) 10.01.19 - 00:48

        Ich habe es bei urbia schon oft gelesen und verstehe es einfach nicht: Warum hält man so krampfhaft an einer Partnerschaft fest, wenn es von Anfang an schon nicht richtig passt und bekommt dann auch noch Kinder?
        Dein Leben, in Bezug auf deine Frau, liest sich sehr freudlos.
        Ich würde ihr den Vorschlag machen, eine Paartherapie anzufangen. Wenn sie das ablehnt, wäre es das für mich gewesen.
        Vorher solltest du noch einmal das Gespräch suchen und ganz konkret fragen, ob sie unglücklich ist, ob ihr etwas fehlt, ob sie dich überhaupt noch will.

      (4) 10.01.19 - 01:46

      Hallo!

      Wenn ich es richtig verstanden habe, ist deine Frau zufrieden mit dem aktuellen Status und sieht keinen Grund für Veränderungen?

      Was willst du da noch diskutieren oder therapieren, wenn sie nur sich sieht?

      Hast du sie mal konkret gefragt, ob sie dich noch liebt und warum sie noch mit dir zusammen ist? Ich befürchte, dann hast du deine Antwort, die dir die Entscheidung erleichtert.
      Oder schlag ihr eine offene Ehe vor. Du holst dir Nähe und alles was dir fehlt woanders.

    • (5) 10.01.19 - 07:28

      "Meine Frau hatte ein Hobby (Ballet) und soziale Kontakte."

      Hat sie das noch? Oder ist das alles mit dem Umzug verschwunden? Dann würde ich nämlich primär darauf tippen, dass Deine Frau an einer depressiven Verstimmung leidet und deshalb nicht wirklich benennen kann, was mit ihr los ist. In leichteren Fällen verändert sich eine Person nämlich auf genau die Art, die Du beschreibst: Zurückziehen, "Ruhe haben" wollen, sich ausgrenzen von gesellschaftlichen Ereignissen, Unzufriedenheit, Traurigkeit.

      Das bedeutet aber im Klartext, dass sie Hilfe und einen (freundlichen) Tritt in den Hintern braucht, um erst einmal zu ergründen, ob diese Theorie zutrifft. Aber sie muss an sich arbeiten und als Erstes muss sie wissen, dass Du keine Selbstverständlichkeit bist, sondern Dich gerade sehr weit weg von ihr befindest.

      (6) 10.01.19 - 07:32

      Mit deiner Frau war es jeher schwierig,...und sie ist glücklich und zufrieden wie es ist. Wieso sollte sie sich ändern? Sie war schon vorher so. Und eine Veränderung passiert nur, wenn der andere es will, schließlich kannst du nur dich verändern, nicht sie.

      Da frag ich mich wie meine Vorrednerin: warum bekommt man in der Konstellation Kinder?

      Mehr Möglichkeiten als das ihr in eine Paartherapie macht, und beide mit einer neutralen Person sprechen könnt, sehe ich auch nicht.

      • (7) 10.01.19 - 07:48

        Guten Morgen,

        vielen Dank für eure Beiträge.

        Nunja, meine Frau und ich hatten auch sehr, sehr viele schöne Momente. Nur leider war das immer wellenartig. Als wir uns für unser erstes Kind entschieden haben, waren wir eben auch sehr glücklich, was sich ja dann auch fortführte.

        Die Freundschaften meiner Frau haben sich schon vor dem Umzug aufgelöst. Sie hatte nie viele Freunde oder gar lange Freundschaften. Mit Ballet hat sie wieder angefangen, so richtig tiefe Freundschaften hat sie allerdings nicht.

        Als Küchenpsychologe der ich bin, tippe ich mittlerweile und mit all dem emotionalen Abstand auf eine Bindungsstörung. Die Idee hatte ich schonmal ihr gegenüber eingebracht und sie auf eine Therapie hingewiesen. Sie hält das sogar für sehr wahrscheinlich, schlägt eine Therapie aber aus.

        Ich war die Nacht viel im Netz unterwegs. Vor allem im Bereich der Bindungsstörung. Da wurde häufiger beschrieben, dass Beziehungen mit solchen Menschen phasenweise schön sind, man dort auftankt und in Krisen darauf hoffe, dass ja alles wieder gut werde. Das beschreibt so ziemlich genau unsere Dynamik. Muss man sowas aushalten? Für die Kinder? Kann man sowas verändern? Ich weiß nicht. Ich muss das wohl alleine entscheiden. Tat dennoch gut, mal ein wenig Zeug loszuwerden. Danke euch.

        Für Vorschläge oder Erfahrungswerte bin ich weiterhin offen, ne?

        • (8) 10.01.19 - 08:02

          Ich empfehle dann wirklich das Buch aus meiner anderen Antwort. Ich bin selbst so eine Beziehungsgestörte. Das Buch war eine Offenbarung. Es ist sowohl für einen Betroffenen gut als auch für den Partner des Bindungsphobiekers. Es gibt da ganze Kapitel für den Partner, wie man damit umgeht etc. Dennoch rät sie als Psychologin am Ende, wenn gar nichts zieht, Leine zu ziehen.

          Mein Erfahrungswert: Der Mann wird für mich interessant, wenn er auf Distanz zu mir ist, mich wenig beachtet. Dann muss ich aus meinem Schneckenhaus raus, mich bemühen...

    (9) 10.01.19 - 07:52

    Deine Frau - das könnte glatt ich sein. Ich suche nie die Nähe meines Mannes. Nur er meine. Das war schon immer so. Aber vor der Geburt unserer Kleinen habe ich trotz meiner passiven Art seine Nähe zumindest genossen. Jetzt genieße ich sie nur, wenn ich weiß, dass es nicht zum Sex kommen wird. Ich habe keinerlei Ambitionen, aktiv zu werden. Oft ist es mir alles zu viel und ich möchte auch nur meine Ruhe. Wir haben zwei Kinder. Die Kleine ist sehr quirlig und hält mich schön auf Trab. Meine Prioritäten sind auch ganz klar die Kinder. Und weißt du, wen ich noch außer meinen Mann vernachlässige? Mich selbst! Meine Wünsche, Bedürfnisse etc. existieren sozusagen nicht. Wenn ich dann mal abends Zeit habe, dann stehe ich am Bügelbrett. Ist das etwa mein Hobby? Nein! Ich habe eine sehr große Sehnsucht nach dem Malen, finde aber nicht die Zeit dafür. Haushalt, Kinder und der Ehemann. Demnächst auch ein Job.

    Sammelsurium an Gedanken, vielleicht pickst du dir was raus:

    - Hashimoto bei mir unterdrückt die Libido.
    - Frau nach der Entbindung braucht unheimlich lange, um wieder zu sich selbst zu finden. Las mal einen Artikel darüber, fühlte mich sehr verstanden.
    - Beziehungsängstliche haben von vorne rein wenig Drang nach Nähe zu den Anderen. (Buch “Jein“ von Stefanie Stahl)
    - Hat deine Frau ein Hobby (wie damals Balett), irgendetwas, was sie NUR für sich macht?
    ...

    Ich glaube, du hast es bereits aufgegeben. Und suchst hier die Absolution für die kommenden Abenteuer...
    -

    • (10) 10.01.19 - 08:22

      Hm, das klingt uns tatsächlich sehr ähnlich. Wie kommt ihr zurecht? Trägt Dein Mann das einfach mit? Oder hat es geholfen, Verständnis für die Dynamik zu entwickeln?

      Warmwechsel kommt für mich nicht in Frage. Es geht einfach darum, dass ich emotional verhungere, sie wiederum aber ganz gut zurecht kommt. Das finde ich so schwierig. Zumal wir nun auch zwei Kinder dabei haben.

      Es gab Zeiten, da hat mich diese Distanz nicht gestört, da saß ich trotzdem fest im Sattel. Über die Zeit hinweg hat sich das Gefühl jedoch geändert. Und nein, es gibt keine andere Frau.

      • (11) 10.01.19 - 08:48

        Ich denke, ihn reizt es irgendwie. Vor ein paar wenigen Tagen sagte er noch zu mir, er weiß nicht was es ist, aber er ist von mir gefesselt. Ich sagte, dass ich weiß, woran es liegt: Weil er mich nicht “gezähmt“ hat.

        Er ist sehr auf Nähe, Kuscheln etc. aus. Und ich weiche nach Möglichkeit aus.

        Er ist sehr geduldig, wurde in seiner Familie wenig beachtet, hat als Kind wenig Zuwendung bekommen. Ich denke (es ist nicht böse gemeint. Eher als Konstatieren einer Tatsache) : Genau das bekommt er jetzt wieder. Es ist also eine vertraute Distanz.

        Das war nämlich auch in dem Buch interessant: Warum hat sich der andere Part auf den Bindungsgestörten eingelassen? Es ist ja nie einseitig. Die Antwort darauf für meinen Mann steht oben. Du kannst dich ja Fragen, warum du darauf geflogen bist?

        Wenn du nicht fürs Warm-Kalt-Duschen im Wechsel bist, musst du, glaub ich, die Sache beenden. Wundere dich aber nach dem Schluss machen nicht, wenn sie urplötzlich wieder Interesse an dir zeigt! ;)

(12) 10.01.19 - 10:53

Hi,

du hattest weiter unten geschrieben, du wollest keinen Warmwechsel - das finde ich gut.

Dass du grundsätzlich noch versuchen möchtest, euch zu retten, finde ih auch gut.

Aaaber, bei all dem möchte ich dir gerne nochmal sehr eindringlich sagen: du hast definitiv ein Recht auf deine Bedürfnisse. Und mir scheint, die stellst du im Moment seeehr weit hinten an (damit meine ich jetzt auch nicht unbedingt Sex, wobei das auch ein völlig legitimes Bedürfnis ist, sondern emotionale Nähe, Gespräche, Umarmungen, sowas halt).

Vielleicht setzt du dir einen Fixpunkt, zum Beispiel den nächsten Jahreswechsel. Und wenn sich bis dahin nichts getan hat, dann bist du es dir glaube ich selbst schuldig, dich wieder mehr um dich zu kümmern. Sonst bist du plötzlich 60 und plötzlich kommt dir viel Lebenszeit verschwendet vor. Dann lieber früher gehen, wenn man einerseits den Partner noch nicht abgrundtief verachtet, sondern sich gerade der Kinder wegen noch auf augenhöhe begegnen kann, und andererseits, weil man dann noch eine chance auf ein echtes, erfüllendes Leben hat.
Setze dir also vielleicht zum Ziel, verändert in das bald kommende neue Jahrzehnt zu starten - innerhalb der Beziehung verändert oder eben außerhalb.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem beschwerlichen Weg und das du dich nicht vergisst dabei!

LG macy

(13) 10.01.19 - 13:03

Ich war über zwanzig Jahre in solch einer Einbahnstraßenbeziehung. Nicht so extrem wie bei dir, aber das hier kommt mir alles sehr bekannt vor:

> Sie könne ohnehin nichts ändern.
> kam bloß, dass sie zufrieden sei und nur Kleinigkeiten stören würden.
> Ich habe gefühlt 9 Jahre lang den Karren aus der Kacke gezogen

Man gewöhnt sich an vieles, hat es vielleicht auch nie anders erlebt, aber ich kann dir sagen: von alleine wird es so nicht besser werden. Es gibt Aufs und Abs, klar, aber die Tendenz geht nach unten.

Dass du selbst merkst, dass sich deine Einstellung anderen Frauen gegenüber ändert, ist ein deutliches Zeichen, dass es fünf vor zwölf ist, etwas zu ändern. Dein Gefühl der Einsamkeit, obwohl du in einer Beziehung bist, ein anderes.

Wenn Bereitschaft besteht, könnt ihr eine Paartherapie probieren, als letzte Option. Aber auch hier muss man ehrlich sein, und eine zeitweilige Verbesserung kann ein Strohfeuer sein. Doch dann hast du wenigstens alles probiert.

Ansonsten: Frage dich ehrlich, ob du noch zehn, fünf oder auch nur zwei Jahre so weiterleben kannst oder möchtest, ohne dich selbst zu verlieren.

Und dann sei konsequent und steh für dich ein.

(14) 10.01.19 - 15:48

Hmm, das liest sich ein wenig so, als habe Deine Frau den Respekt vor Dir verloren. Vielleicht nicht komplett, aber doch deutlich spürbar. Lass mich raten, Du bist nicht unbedingt der Typ, der klar und direkt seine Meinung sagt und seine Grenzen aufzeigt? Sie klingt nach einem Typ Frau, der man durchaus öfter mal eine „Ansage“ machen muss bzw. sich selbst nicht zu sehr hinten anstellen darf, da sie sonst ungebremst ihr Ding durchzieht. Sie scheint fast gelangweilt und genervt von Dir, kein Wunder, dass Du anfängst, anderen Frauen hinterherzuschauen! Sie hat die Wertschätzung für Deine Person verloren.

Schwierige Frage, ob man die Beziehung retten kann. Ich denke, Du darfst ihr nicht alle Launen durchgehen lassen und musst selbstbewusster in Deinem Auftreten werden, ohne Dich von ihrer möglichen Reaktion abschrecken zu lassen.

Sie hört Dir ja gar nicht mehr zu! Lass Dich nicht in die Ecke des jammernden Bittstellers drängen, das finden Frauen extrem unsexy. Natürlich sehr schwierig, wenn man eher ein sanftmütiger Zeitgenosse ist. Komplett verstellen sollst Du Dich auch nicht, aber mach mal Deine Position klar und die Dringlichkeit, JETZT SOFORT mit Änderungen anzufangen- sonst hat die Beziehung keinen Sinn mehr.

Viel Glück!

(15) 10.01.19 - 17:21

Hallo!

Ich muss jetzt auch schreiben warum muss man sich so in eine Beziehung reinhängen wenn es von Anfang an Probleme gab? Warum heiratet man? Warum bekommt man Kinder? Ich verstehe das wirklich nicht. Ich würde deiner Frau zu einer Paartherapie raten. Wenn sie diese nicht annimmt wäre ich weg. Das ist doch kein Leben. Vor allem schaust du auch schon nach anderen Frauen und das wäre für mich ein Alarmzeichen. Nach Liebe klingt eure Beziehung nicht.

Gabi

(16) 10.01.19 - 17:31

Ich weiß nicht, aber ich glaub, mir ginge es nicht viel anders, wenn ich mit 2 kleinen Kindern an zu Hause gefesselt wäre. Ich glaube, viele Frauen, die daheim sind, haben so eine Art - ihnen fehlt irgendwie die Power, der Lebensinhalt, der Antrieb, die Anerkennung.

Ich selber war zweimal ein Jahr daheim (einmal mit 29 und einmal mit 35) mit einem Kind zwischen 0 und 1 (das erste Lebensjahr halt) und beide Male hab ich mich zu so einem gefühllosen Wesen entwickelt, das einfach nur seine Ruhe wollte, unzufrieden mit sich und der Welt. Nicht so schlimm wie bei euch vielleicht, aber ein paar Jahre mehr und es wäre soweit gewesen. Ein wenig ist das auch erklärbar:

-Die Frau daheim bekommt null Anerkennung von außen. Mal ein: "Das Schnitzel schmeckt aber heute toll." oder - wenns hoch kommt: "Schön hast du die Adventsdeko gemacht." Nun ja, das bringt einen aber ja nicht wirklich weiter.
-Hast du es schon mal länger als einen Tag mit den Kindern allein probiert? Es läuft immer gleich: Du kannst NICHTS tun, es ist stinkend langweilig. Dein Leben besteht darin, mit Puppen, Autos, etc. zu spielen und deinen Nachwuchs nur ach so bedürfnisorientiert zu erziehen (ergo: von vorn bis hinten zu bedienen). Gleichzeitig siehst du Berge von Arbeit (vom Geschirrspüler über die Spinnweben in den Ecken und die nicht geputzten Fenster bis zu den Fotoalben, die du schon lang mal wieder kleben wolltest), die du aber mit zwei kleinen Störenfrieden gar nicht erst anzufangen brauchst, weil kaum fängst du an, hörst schon wieder auf. Diese Mischung aus Langeweile und Bergen von Arbeit hat mich immer am meisten fertig gemacht.
-Man hat halt auch null Input. Ich hatte immer das Gefühl, alle Welt "erlebt" was, hat abends was zu erzählen. Und ich? Nun, zweimal in die Windel gekackt, ein neuer Zahn und den Karottenbrei verweigert. Was hast du da abends noch beizutragen zur Unterhaltung nach dem Essen?
-Kinder zerren ständig an einem rum. Mama hier, Mama da. Selbstverständlich springt man, wenn die Windel voll ist, der Nachwuchs Durst hat, auf einem Stuhl steht und runterzufallen droht, etc. pp. Man kann NIE allein sein Brot aufessen, aufs Klo gehen, wenn man selber muss, etc. Und da ist es einfach das allergrößte Geschenk, wenn man abends mal einfach "seine Ruhe" hat, wenn da keiner an einem rumzerrt, wieder angrapscht (und ich mag Berührungen durch meinen Mann eigentlich sehr gern, aber wenn den ganzen Tag wer seine Finger an mir dran hatte, …).
-Bei Dauerhausfrauen auch noch: Natürlich sieht man, dass andere Frauen viel mehr schaffen, dass die auch noch arbeiten. Selber hat man dagegen "nur" Haus und Kind. Und da will man das natürlich auch irgendwie rechtfertigen. Man will, dass auch die eigene "Arbeit" ganz, ganz wichtig und wertvoll ist. Also lässt man überhaupt keinen mehr machen. Ich beobachte das bei einigen Freundinnen, die sich ernsthaft einbilden, dass sie wesentlich besser eine Windel wechseln können als der Mann! Was für ein Schmarrn! Aber klar, wenn das auch noch was wäre, was "eh jeder kann", ja, was bleibt denn dann noch an Wert für mich?
-Und dann kommen noch die Medien, die Gesellschaft dazu, die im Umgang mit Kindern (aber auch mit sich selber) so viel erwarten, verlangen und so viel verteufeln und als das Allerletzte hinstellen. Du musst IMMER gesund und frisch kochen, keine Süßigkeiten, kein Limo, nur stilles Wasser. Das Kind muss gefördert werden, aber darf nicht gehelikoptert werden. Die Hausaufgaben müssen überwacht werden, aber das Kind soll selbständig sein. Man darf keine Wippe benutzen, das Kind muss im Auto immer angeschnallt sein (auch im 3stündigen Stau, wenn es brüllt), darf aber nicht schreien, etc. Ich bin bei vielen Dingen der Meinung, dass es sinnvolle Dinge sind. Aber das Augenmaß fehlt und es scheint jeder über dich zu richten, obwohl es ihn nichts angeht. Ich hab z.B. 20 kg abgenommen, ernähr mich viel "gesünder" (fettarm, wenig Süßes, …), treibe Sport. Ja, ich sehe hübscher aus. Und für meinen Blutdruck usw. ist es wahrscheinlich gesünder. Aber glücklicher, zufriedener und belastbarer war ich davor. Und jetzt kommen die Leute und sagen mir, dass das ja alles so toll ist und dass ich sicher glücklich sein werde, dass ich nimmer so dick bin. Äh, nein, eigentlich nicht - und was geht es euch überhaupt an? Weißt wie ich mein, jeder mischt sich irgendwie ein.

Das hört sich jetzt alles überspitzt und übertrieben an. Klar, es ist so die Quintessenz und ja, ich hab es spitz formuliert. Genau diese Dinge sagt dir aber meist keiner. Alle erwarten von dir als Mama, dass du mit nem Rama-Grinsen durch die Familie tanzt und alles suuuuuper findest. Alle scheinen glücklich mit ihren Kindern, nur du findest dein Leben eher so naja. Dazu kommt vielleicht auch noch ein schlechtes Gewissen. Selbst ich hab jetzt mit 2 Jahren Abstand den Anflug eines schlechten Gewissens, weil ich mir denk: "Du liebst aber doch deine Kinder, wie kannst du so böse über sie schreiben." Ja, ich liebe sie und klar, ein Baby ist süß. Aber ehrlich? Jetzt wo sie selbständiger sind, ist mein Leben auch wieder schöner. Eine ewig-nur-Mama wäre ich nie!

Was ihr machen könnt? Hmmm. Keine Ahnung, ein paar Ideen.
-Könnt ihr euch nicht mit der Arbeit abwechseln, so dass sie auch arbeiten geht und du dafür auch mal daheim bist? Wir arbeiten beide TZ, verdienen aber beide auch in etwa gleich gut. Das ist für mich eh schon so eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer Ehe - also dass man irgendwie auf Augenhöhe ist. Anders könnte ich das eh nicht.
-Lass ihr die Ruhe so lang, bis sie auf dich zukommt. Schau mal, wie lang sie es ohne Körperkontakt aushält. Lass sie gaaaaaanz in Ruhe. Sie soll wirklich mal komplett machen, was ihr guttut - ohne schlechtes Gewissen, ohne Druck. Vielleicht langt es ihr dann selber irgendwann (auch wenn du dir das jetzt gar nicht vorstellen kannst).
-Sie braucht Zeit für sich, für ihre Hobbies, sie braucht Anschluss. Sucht doch gemeinsam eine Ballettgruppe oder was anderes, was ihr Spaß macht.
-Kläre ganz deutlich, dass du dich nicht dauerhaft anmotzen lässt. Beende die Situation/das Gespräch sofort, wenn sie "lästig" ist. Setze deutliche Grenzen.

Ansonsten wünsch ich euch einfach mal viel Glück!

  • (17) 10.01.19 - 20:00

    Hey zusammen,

    besten Dank für eure Teilnahme.

    Ich bin schon häufig extrem unangenehm und nur allzu deutlich aufgetreten. Allerdings wird dann im Anschluss immer die Opferkarte gespielt. Dadurch kommt leider, trotz meines Zorns, auch nicht viel mehr an.

    Ansonsten habe ich unzählige Gespräche unterschiedlicher Natur geführt. Klare Ansagen, verständnisvoller Dialog usw.. Man lernt ziemlich viel im Zusammenleben mit einem solchen Menschen.

    Mir wurde nun häufig geraten, deutlich zu kommunizieren.

    Das habe ich und das tue ich. Hier wird andauernd reiner Wein eingeschenkt, ungeachtet der Konsequenzen. Das ist unsere einzige Chance.


    Ansonsten bekommt sie jeden Raum, den sie kriegen kann. Wenn ich daheim bin, kann sie meinetwegen den ganzen Tag unterwegs sein. Ich komm mit den Kids gut klar und habe auch keine Scheu, nach dem Nachtdienst die Aufsicht zu übernehmen. Meine Frau nutz das allerdings nicht.

    "Rar machen" - sitzt sie locker problemlos aus. Das ist schön seicht, gefällt ihr bestimmt sogar ganz gut. Das fordert nämlich nichts ein.


    Nunja, wir hatten heute morgen nochmal gesprochen. Deutlich. Wir lassen es nun so laufen und wollen versuchen die Tage zu nutzen, an denen wir kinderfrei sind. Ab da werden wir weiter schauen.


    Danke Leute, schönen Abend euch noch.

    • Wenn ich das lese, kann ich Dir nur raten, die Beine in die Hand zu nehmen!!!
      Wie lange willst du denn bitte noch abwarten und wo siehst Du Anzeichen, dass sie willig ist etwas zu ändern? Sie hat gar keinen Bedarf etwas zu ändern. Es wird sich nichts ändern, willst du deine Lebenzeit echt mit dieser abweisenden Frau verplempern?
      Ich bin in einer wunderschönen Partnerschaft, ich liebe meinen tollen Mann über alles, wir können gar nicht anders, als uns dauernd zu berühren, wie 2 verliebte Teenager, jeden Tag aufs neue. Er war vor mir in einer ganz ähnlichen Situation. Tote Beziehung, man blieb der Kinder wegen verheiratet. Bis es einfach nicht mehr ging. Da hat er sich scheiden lassen. Kurze Zeit später haben wir uns kennengelernt. Heute sagt er, es war der grösste Fehler, so viel kostbare Lebenszeit mit dieser Frau verschwendet zu haben.

(20) 12.01.19 - 21:56

Toller Beitrag und leider war

(21) 13.01.19 - 14:36

Hi,

auf mich wirkt es so, als würdet ihr nicht grad offen und ehrlich miteinander umgehen. Wenn sie sich so sehr abwendet, sie schweigt und dabei "lediglich" Tränchen kullern, ist das der Beweis für mich.

Weiss sie, dass Du Dich emotional schon für andere öffnest? Oder hat sie es vielleicht sogar schon herausgefunden und wartet nur darauf dass Du endlich ehrlich zu ihr bist?

Mit so einer Verschlossenheit kann man leider auch nicht wirklich Beziehungprobleme lösen. Vielleicht habt ihr beide dafür auch schon zu viel zurückgesteckt und resigniert.

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