neue Ehe und die Frage nach dem alten Ring

    • (1) 19.01.19 - 14:52
      Inaktiv

      Hallo zusammen!
      Kurz zu mir: Ich bin 42 Jahre alt und seit mittlerweile fast 9 Jahren verwitwet. Ich habe drei Kinder zwischen 12 und 8 Jahren (mein Mann starb noch vor der Geburt des Jüngsten).
      Seit zwei Jahren bin ich mit meinem Freund zusammen, seit 1,5 Jahren wohnen wir zusammen.
      Es ist wohl eine ganz normale Beziehung, wir sind glücklich miteinander und auch meine Kinder kommen sehr gut mit ihm klar. Sie nennen ihn Papa (haben einen Papa J. und einen Papa L.).

      Vor wenigen Wochen haben mein Freund und ich uns verlobt.
      Ich liebe ihn, ich möchte ihn heirate und ich hoffe, dass ich mit ihm mehr Zeit haben darf als mit meinem ersten Mann.
      Jetzt trage ich an jeder Hand den Ring von einem Mann, den ich liebe – rechts den Ehering, links den Verlobungsring.
      Obwohl ich meinen Verlobten sehr liebe, jagt es mir Angst ein, meinen Ehering abzulegen. Ich habe das Gefühl, einen (letzten?) Teil von meinem Mann loszulassen, manchmal das Gefühl, ihn zu betrügen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, diesen Ring in eine Schatulle zu legen. Eigentlich habe ich das Gefühl, seinen Tod längst überwunden zu haben.
      Nach der Hochzeit möchte ich allerdings den neuen Ehering tragen. Zwei Ringe – das geht nicht.
      Außerdem weiß ich, dass es meinen Verlobten verletzen würde. Es wird auf eine gewisse Weise wohl immer zwei Männer in dieser Familie geben. Er geht sehr gut damit um, aber manche Dinge verletzen ihn verständlicher Weise. Er hat einmal zu mir gesagt: „Ich kann dich und die Kids nie für mich alleine haben, ich muss euch immer mit einem anderen Mann teilen.“
      Ich möchte ihm zeigen, dass ich ihn liebe, dass er für mich nicht nur die „zweite Wahl“ ist, aber das Loslassen tut auch weh.

      Vielleicht gibt es hier ja irgendjemanden, der einen Rat hat.

      • (2) 19.01.19 - 14:58

        Ich finde des Satz deines Verlobten doof. Warum sagt er sowas?
        Dein verstorbener Mann wird immer zu dir gehören und lebt in deinen Kinder weiter.

        Was kann man machen? Den Ring einschmelzen lassen und in den neuen Ringen verarbeiten? An einer Kette um den Hals? Oder eben weiter an der anderen Hand. Das solltest du ganz für dich entscheiden.

        • (3) 19.01.19 - 18:02

          Ob ich den Ring "zerstören" will, weiß ich nicht - da muss ich in Ruhe drüber nachdenken. Die Idee mir der Kette gefällt mir spontan. Danke.

          "Ich finde des Satz deines Verlobten doof. Warum sagt er sowas?"
          Weil es im Kontext gepasst hat. So, wie ich es oben geschrieben habe, wird wohl nicht richtig deutlich, aber im Endeffekt hat er im Gespräch genau das akzeptiert: Dass mein Mann immer zu mir und den Kids gehört. Dass die Situation so ist, kann man ja nicht leugnen und das hat er auch immer akzeptiert. Ich will sie nur nicht unnötig verschärfen oder verletzend werden, wenn du weißt, was ich meine.

      (4) 19.01.19 - 15:15

      Dein verstorbener Mann wird immer ein Teil Deines Lebens sein, ein Teil eines Abschnittes Deiner Vergangenheit.
      Dein neuer Mann begleitet ebenso Dein Leben, im Jetzt und in der Zukunft.
      Ich würde Vergangenheit und Zukunft zusammenbringen, indem ich die Ringe übereinander trage.
      Deinem Mann könntest Du erklären, dass das Tragen der beiden Ringe keinesfalls heisst, dass er zweite Wahl ist.
      Der erste Ring stellt Deine Vergangenheit dar, der Zweite symbolisiert die Zukunft.

      Alles Gute auf Deinem weiteren Weg#klee

    • Ich würde den ersten Ehering nicht ablegen.

      Natürlich gibt es immer einen anderen Mann in der Familie. Mit ihm hast du Kinder und ihnen soll die Erinnerung an den Vater erhalten bleiben. Ihr habt Fotos und andere Erinnerungsstücke.

      Dein Verlobter scheint ein gewisses Besitzdenken zu hegen, dass es ihm nicht genügt, jetzt mit dir die Ehe einzugehen.
      Du hast deinen Mann nicht verlassen. Er wurde euch genommen. Und ich finde, es zeichnet dich als sozialen Menschen aus, dass du ein klein wenig von ihm als Erinnerung für dich erhalten möchtest. Da ist der Ring nur ein Symbol. In deinem Herzen ist er sowieso präsent.

      Ich würde ihn etwas umarbeiten lassen, so dass er nicht direkt nach Ehering aussieht. Einen oder mehrere Steine (vielleicht für jedes eurer Kinder einen) einarbeiten lassen und ihn tragen.

      Die Aussage deines Freundes finde ich empathielos und ziemlich arm, wenn er meint, mit einem Toten in Konkurrenz treten zu müssen.

      War die Idee der Hochzeit eventuell von deinem Freund vorgeschlagen worden?

      • (6) 19.01.19 - 18:05

        Danke, die Idee mit den Steinen gefällt mir gut.

        Die Aussage meines Verlobten habe ich damals gar nicht als empathielos oder gemein aufgefasst.
        Er hat es mir natürlich nicht aus heiterem Himmel ins Gesicht gesagt, sondern in einem Gespräch, indem es um meinen verstorbenen Mann und ihn ging und die Rolle, die beide in der Familie einnimmt. Zu dem Zeitpunkt hat mein Mittlerer, der sehr an seinem Vater hängt, obwohl er sich aktiv nicht erinnern kann, ihn noch nicht mit "Papa" angeredet. Die anderen beiden aber schon.
        Der Satz hat (und so sehe ich ihn auch heute noch) schlicht und einfach den Fakt ausgedrückt, dass meine Kinder ihren "Papa J." immer lieben werden und dass auch ich ihn immer lieben werde. Im Gespräch hat mein Verlobter deutlich gemacht, dass er von meinem Sohn nicht erwartet, ihn "Papa" zu nennen, auch wenn es ihn sehr freuen würde. Und, dass er weiß, dass wir ihn lieben.
        Mein Verlobter steht nicht in einem ständigen Konkurrenzkampf mit meinem Mann. Ich denke, es steht ihm zu, zu äußern, dass die Situation für ihn auch manchmal schwierig ist, wie es für mich und die Kids auch manchmal schwierig ist, zwei Männer "gleich" zu lieben, mit dem einhergehenden Gefühl, einem von beiden unrecht zu tun.
        Wie gesagt, das ist kein ständiges Thema.

        Der Antrag kam von ihm. Wir haben vorher zwar nicht explizit über das Thema Hochzeit gesprochen, aber über die Zukunft. Und uns war beiden immer bewusst, dass es diese "bis der Tod und scheidet Zukunft" ist. Implizit war Heirat schon ein Thema, von beiden Seiten aus
        Nach dem Tod meines Mannes und bevor ich meinen Verlobten kennengelernt habe, war ich kurzzeitig in einer anderen Beziehung. Damals habe ich explizit ausgeschlossen, jemals wieder zu heiraten. Als meine Schwägerin mich vor gut einem Jahr gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, noch einmal zu heiraten, habe ich gesagt: "Eigentlich schon."
        Ich habe vor zwei Jahren gezögert, eine Beziehung mit ihm einzugehen, aber ich habe nicht gezögert, den Antrag anzunehmen.

    Hallo,
    ich würde den Ring nicht zu einem neuen Ehering verarbeiten lassen. Ich würde mir daraus einen Anhänger für eine Halskette machen lassen. Als Motiv etwas, dass er gerne gemacht hat z.B. ein Mikrofon als Symbol für singen, eine Gitarre fürs musizieren etc.
    Das fände ich persönlich sehr schön und du hast eine Erinnerung an ihn die du immer bei tragen kannst.
    LG und alles Gute
    boehmin

    (8) 19.01.19 - 16:43

    Ich bin auch verwitwet und in zweiter Ege verheiratet. Das was Dein Verlobter sagt und wie er zu Deinem ersten Mann steht, sich in Konkurrenz sieht, damit könnte ich nicht leben. Mein 2. Mann hat sich von meinem verstorbenen Mann nie bedroht gefühlt, im Gegenteil, er hat ihn sehr bedauert, dass er so jung sterben musste. Er hat mich gehalten und getröstet, zum Grab begleitet und mit mir um ihn geweint, obwohl er ihn nie kennengelernt hat. Er sagte sogar mal unter Tränen, er hätte ihn gern kennengelernt, da er glaubt, dass sie sich verstanden und gemocht hätten. Nie kam ein abfälliges Wort in diese Richtung, nie ein Wort der Konkurrenz. Ich weiß, das ist außergewöhnlich, aber ich habe 10 Jahre um meinen verstorbenen Mann getrauert, davon war ich aber bereits die letzten 7 Jahre mit meinem 2. Mann zusammen. Mit einem Mann, der mich nicht durch diese Trauer begleitet, hätte ich keine Beziehung führen können.

    Ich finde es hört sich an, als wärst Du auch noch nicht drüber hinweg. Wenn Du ein Problem damit hast, den Ring abzulegen, spricht es sehr dafür. Wie geht dein Freund damit um, wenn Du traurig wirst wegen deinem verstorbenen Mann? Ich kann mir nicht vorstellen, mit einem Mann zusammen zu sein, vor dem ich meine Tränen und Trauer verstecken muss, wenn sie hochkommen. Für mich wäre die Einstellung deines Verlobten ganz ehrlich ein Grund gewesen, ihn nicht zu heiraten.

    • (9) 19.01.19 - 18:06

      Ich habe schon weiter oben geschrieben, dass ich seine Antwort damals wie heute nicht als „Konkurrenzkampf“ aufgefasst habe/auffasse. Ohne Kontext wird es wohl wenig deutlich, aber es war eine schlichte Akzeptanz dessen, dass mein verstorbener Mann immer eine Rolle spielen wird.
      Ich hatte nie das Gefühl, mich mit meiner Trauer verstecken zu müssen. Wir waren noch nicht lange zusammen, als er derjenige war, der mich gefragt hat, ob er zum Friedhof gehen dürfe. Er sieht sich oft von sich aus die Fotoalben der Kids mit den Fotos ihres Vaters an. Einmal hat er mich gefragt, ob er sich wohl gut mit J. verstanden hätte. Mein Mittlerer hat nicht nur mich, sondern auch ihn um Rat gefragt, als seine Geschwister ihn Papa genannt haben, er aber nicht sicher war, ob man zwei Papas haben kann. Auch wenn es für ihn im ersten Moment ein wenig seltsam war, hatte er kein Problem damit, meine Schwiegereltern kennenzulernen und versteht sich auch gut mit ihnen. Er hat auch nie belächelt, dass ich ihn zu Beginn unserer Beziehung auf meiner Bettseite habe schlafen lassen, weil ich nicht wollte, dass er im Bett meines Mannes schläft. Bei ihm habe ich mich deshalb nie albern gefühlt.

      Ist es dir leicht gefallen, deinen Ehering abzulegen? Oder hast du das anders gehandhabt?
      Ich musste nicht darüber nachdenken, ob ich L. heiraten will. Es ist irgendwie nur der Ring, der mir Sorgen macht.

      • (10) 19.01.19 - 18:45

        Das klingt schon ganz anders, dann habe ich das missgedeutet, als Akzeptanz der Situation, wie sie nun mal ist, ist der Spruch natürlich ganz anders zu werten. Das klingt nun sehr danach, dass Du auch das Glück hast, einen sag ich mal "würdigen Nachfolger" gefunden zu haben. Wie groß und wenig selbstverständlich dieses Verhalten ist, wurde mir erst Jahre später bewusst. Der Verstorbene hinterlässt sehr große Fußspuren, der Nachfolger muss sie nicht nur ausfüllen, er muss besser sein, um gut genug zu sein, das ist nicht immer fair, weil man es oft erst später rückblickend zu schätzen weiß.

        Mit dem Ring habe ich es so gemacht, dass ich den angenommen habe, sobald ich wieder für Dates zu haben war. Ich fand es den Männern gegenüber bissl komisch, mit Ehering beim Date zu erscheinen. Ich habe dann beide Eheringe an einer Kette um den Hals getragen. Irgendwann habe ich dann auch aufgehört, die Kette zu tragen. Das war keine bewusste sondern eher eine praktische Entscheidung. Ich habe aber auch nicht so dran gehangen, muss ich sagen, ich trug meinen Mann ja so fest im Herzen, dass ich den Ring nicht so brauchte irgendwie, ob ich ihn trage oder nicht, es ändert ja nichts an dem, was ich fühle.❤️

        • (11) 20.01.19 - 13:51

          Ja, mir ist auch aufgefallen, dass das in meinem Text oben nicht so deutlich wird.

          Ich trage den Ring jetzt vorläufig (es fühlt sich nicht so an, als ob ich das dauerhaft will) an einer Kette.
          Jetzt möchte ich in Ruhe darüber nachdenken, ob ich den Ring "nur" wegräume, oder ob ich ihn tatsächlich in irgendeiner Form umgestalten lasse.

(12) 19.01.19 - 17:58

Hallo

Ich finde den Satz deines Verlobten gar nicht schlimm, sondern nachvollziehbar. Er meinte damit, dass dein verstorbener Mann euch immer auf eine Art begleiten wird. Alle kommen ja soweit gut miteinander aus - alles gut. Er darf, finde ich, so etwas schon sagen.

Dass du den Ring noch nicht ablegen magst, deutet meiner Meinung nach hingegen darauf hin, dass du noch nicht ganz abgeschlossen hast, wie du meinst.

Du könntest den Ring einschmelzen lassen und deinen 3 Kindern je ein klitzekleines Schmuckstück herstellen lassen. So verteilst du den Ring an seine Kinder, was auch etwas Besonderes ist.

LG mindgames

  • (13) 19.01.19 - 18:07

    Danke. Ich habe oben schon mal geschrieben, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich den Ring "zerstören" will, aber mir gefällt die Symbolik, ihn an meine Kinder weiterzugeben. Ich werde auf jeden Fall darüber nachdenken.

(14) 19.01.19 - 18:17

Egal, was du machst, bitte zerstöre den Ring nicht, in dem du ihn umarbeiten lässt oder so.

Ich habe beide Eheringe meiner verstorbenen Eltern aufbewahrt und möchte sie auch einfach so behalten. Sie sind mit als Erinnerungsstücke wichtig.

Genauso die Ringe aus meiner ersten Ehe, aus der ein Kind entstanden ist. Die kann mein Sohn mal haben, wenn er möchte.

Den Ring würde ich so lange tragen, wie ich möchte. Das bedeutet nichts für deine neue Ehe. Du musst auch nicht heiraten, wenn du noch nicht bereit bist.

Hallo liebe TE,
ich finde ganz toll, wie reflektiert du bist, dein Beitrag liest sich sehr warmherzig und sympathisch, finde ich. Und dass dein Verlobter auch seine Gefühle aussprechen kann, ist doch ein gutes Zeichen für eine gemeinsame Zukunft! Ich glaube, alles ist auf einem guten Weg, und beide Ringe werden einen „würdigen“ Platz finden, du hast hier schon ein paar schöne Vorschläge bekommen...
Auch an einem besonderen Armband könntest du den ersten Ring tragen, oder um den Hals in einer Art Amulett?
Vielleicht könntest du tatsächlich mal einen Juwelier, den du magst, um einen Rat fragen - die wissen manchmal gut und behutsam mit der besonderen Bedeutung von „alten“, lange getragenen Schmuckstücken umzugehen. In meiner Stadt wüsste ich, wen ich fragen würde... :-)
Ich würde mich freuen, nochmal von dir zu lesen!
Grüße, Travekind

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