Mein Mann

    • (1) 24.01.19 - 13:45

      Hallo ihr lieben,

      im Moment bin ich mal wieder am Verzweifeln über meinen Ehemann. Wir sind seit 10 Jahren zusammen und haben viele Dinge durchgestanden und ein paar Kinder gezeugt.

      Mein Mann ist kein einfacher Mensch, jedoch lieben wir uns und sind ein gutes Team. Ich habe Fehler, die er mir verzeiht. Er hat Fehler, die ich ihm verzeihe. Also soweit alles gut. Doch oft hat er Phasen, in denen sich seine Unzufriedenheit widerspiegeln. Das äußert sich dann so:

      Mein Mann legt sich mit jedem an. Er liebt es, zu streiten und zu diskutieren, er verhält sich, als hätte er die Wahrheit gepachtet. Er reflektiert nicht, er überlegt nicht, für ihn sind die Dinge so, wie sie sind und daran ist nicht zu rütteln. Stellt sich ihm jemand in den Weg, wird er teilweise laut und beleidigend.

      Ich bin der Meinung, diskutieren ja, aber laut und beleidigend zu werden, ist nicht dienlich zu einem sachlichen Ergebnis zu kommen. Im Gegenteil, man vergrault alle. Der Ton macht halt die Musik!

      Er kann – wenn er schlecht drauf ist - Menschen nicht überzeugen oder für eine Sache begeistern, er macht immer nur Vorwürfe und motzt rum. Er hat kein Taktgefühl, ist nicht konstruktiv und nicht wirklich harmonieliebend.

      Dann kommt dazu, dass er auch nicht mit der Sprache herausrücken kann, was ihn wirklich stört bzw. was er will. Man soll ihm die Wünsche von den Lippen ablesen. Tut man das nicht, rastet er irgendwann wegen einer lächerlichen Kleinigkeit aus, z. B. einem Stift, der auf dem Esstisch liegt, der aber in die Stiftdose gehört. Also total bescheuert.

      Dieses ganze Verhalten kommt in letzter Zeit immer häufiger heraus. Normalerweise hat er sich eigentlich unter Kontrolle. Jedoch ist die finanzielle Lage bei uns angespannt. Auch beruflich hat er momentan eine blöde Situation, die ihn ärgert. Er arbeitet in einem Projekt, in dem er der Älteste und Erfahrenste ist, aber irgendwie wird er wohl ständig von Jüngeren „überholt“ und korrigiert. Das nagt an seinem Ego. Da wir auf dieses Projekt angewiesen sind, wird er es so schnell nicht wechseln können.

      Im Sommer hatten wir eine Phase, da hat er in einer Tour unser ältestes Kind niedergemacht, weil das Zeugnis nicht so toll war. Und als ichs in Schutz genommen habe, hat er mich für das schlechte Zeugnis verantwortlich gemacht. Dabei hatten wir immer gelernt und geübt. Jetzt im neuen Schuljahr sind die Zensuren übrigens super, ohne, dass wir was am Lernverhalten geändert hätten. Diese Phase ging ein paar Wochen, danach wurde es wieder besser. Jetzt ist es allerdings wieder anstrengend mit ihm.

      Mich nervt einfach, dass er seinen Frust an anderen auslässt (nicht nur an mir). Dass er regelrecht nach Dingen sucht, um einen Streit anzuzetteln. Ich verstehe, dass die berufliche Situation und der Druck „die Familie durchzubringen“ extrem auf seinen Schultern lasten. Aber ich verstehe nicht, wie man seine Liebsten dafür benutzt, seinen eigenen Frust abzuladen. Ich selber habe mich während der Elternzeit selbstständig gemacht und erziele leider noch nicht wirklich gute Einnahmen. Das soll sich aber in den nächsten Monaten und Jahren ändern.

      Er sagt immer, er hätte nichts in seinem Leben erreicht und langsam schwindet die Hoffnung, dass das auch noch was wird. Er fühlt sich ausgebrannt und überfordert, er macht sich Druck, dem er selber nicht standhalten kann.

      Er ist mit nichts zufrieden. An jeder Kleinigkeit wird herumgemeckert. Das ist für mich und alle anderen Menschen um ihn herum sehr, sehr anstrengend. Ich versuche immer, ihm Sachen abzunehmen, ihm einen schönen Feierabend zu machen. Aber nichts fruchtet so wirklich. Ich bin der ausgleichende Pol in dieser stürmischen Zeit, lasse mir aber natürlich auch nicht alles gefallen. Ich möchte die Ehe unbedingt retten, denn eigentlich sind wir ein super Team. Wir haben den selben Humor, können super zusammen lachen, wir packen alles gemeinsam an und können uns auf einander verlassen.

      Wie soll ich mit meinem Mann bloß umgehen, wenn er dieses schlechte Verhalten an den Tag legt? Drohen ist für mich nur der letzte Schritt, das finde ich allerdings blöd und fühle mich dabei selber nicht gut.

      LG Coco

      • (2) 24.01.19 - 13:59

        Ist deinem Mann denn bewusst, dass er Frust durch Meckern abbaut und das Runtermachen anderer Menschen zum Pumpen des Egos missbraucht?

        Falls nicht, würde ich ihm das ganz klar machen. Ich neige leider auch zu so einem simplen Reiz-Reaktionsmuster und oft genug musste mein Mann, ganz selten mein Kind herhalten, damit ich den Druck in mir los werde.

        Mittlerweile erinnere ich mich in solchen Situationen gerne an den Satz: “Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Moment der Freiheit“ und nutze diesen Moment zum Durchatmen und oder, um mir Zeit zu nehmen, runterzukommen. Ich gehe dann, wenn es geht, einfach aus der Situation kurz raus...

        Das kann man lernen, aber hier gilt: Selbsteinsicht ist der erste Weg zur Besserung.

        Mein Mann hat übrigens immer sehr klar und sehr deutlich, aber ruhig artikuliert, dass er nicht als Blitzableiter herhalten möchte. Garantiert hätte er mich in einer solchen Situation nicht geschont, sondern mir ganz klar seine Grenzen aufgezeigt. Mein Sohn hat schon mit drei zu mir gesagt, wenn ich am ausrasten war: Du bist gestresst, Mama, ne? Trink mal einen Kaffee...

        Das hat mich schnell wieder von der Decke, an der ich klebte, geholt.

        Was mir sehr geholfen hat, ist, zu meditieren.... Ich habe viel dadurch gelernt, mich mit meiner Wut auf mich und die Welt einfach aufs Kissen zu setzen und nichts zu machen...;-)

        • (3) 24.01.19 - 17:56

          Mein Mann hatte auch solche Phasen. Er hatte auch beruflich Druck.
          Wir haben damals auch schon von Trennung gesprochen.

          Er hat dann das Buch "Der dressiert Mann" gelesen und erkannt, dass er sich einen riesigen Druck aufgebaut hatte, für einen ersehnten Erfolg, den er zum Leben eigentlich gar nicht braucht.
          Er macht seit dem Sport. Mannschaftsportarten (Fußball, Handball) sind besonders gut, da trifft er auch gleichgesinnte Männer, die aber keine Beruflichen Konkurrenten sind und die ihn in normalen Gesprächen erden.

          Autogenes Training machen wir auch. Das ist für den Anfang leichter zu erlernen als Zen-Medidation, wo man 'nichts' denken soll. Das hat mir immer schwer gefallen. Nach dem Motto "Denken Sie nicht an den rosa Elefant"

      Ich an deiner Stelle würde "Umgang mit narzissten" bei Google eingeben und gucken, ob sich die Beziehung dort spiegelt

    (7) 24.01.19 - 14:15

    Dieses Verhalten kann, insbesondere weil er sich auch ausgepowert fühlt, auf eine beginnende Depression hinweisen. Depressive müssen nicht heulend in der Ecke sitzen, manche werden auch aggressiv.

    Hat er neben dem Job die Möglichkeit, sich auszupowern (zB Sport) um mal Dampf abzulassen? Hat er sich mal medizinisch durchchecken lassen?

    Ich würde ihm schon deutlich klar machen, dass er zu weit geht. Weder du und schon gar nicht die Kinder dürfen der Sandsack sein, auf den er aus Frust verbal drauf prügelt. Klare Ansage: "Wenn du dich streiten willst, verlasse das Haus und suche dir jemanden, die Kinder und ich stehen dafür nicht zur Verfügung."

    LG

    Hallo,

    nur ganz kurz, da ich grad keine Zeit habe...aber könnte es sein, dass dein Mann Depressionen hat und kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht? Es liest sich nämlich, als hätte ich das vor ca. einem Jahr geschrieben (nur dass meine Kinder jünger sind) und dann ist mein Mann um Ostern rum 2 mal richtig zusammengeklappt. Erst dann hat er eingesehen, dass er Hilfe braucht. Er war dann 6 Wochen Stationär in einer Klinik und wir werden noch lange daran zu arbeiten haben. Aber er hat Wege aufgezeigt bekommen, die uns im Alltag helfen.

    Alles Liebe
    Susanshi

    Dein Mann brütet einen ganz gewaltigen Burnout mitsamt einer Lebenskrise aus, da helfen auch keine Drohungen Deinerseits.
    Bitte rede unter vier Augen in entspannter Atmosphäre mit ihm, dass er einen Arzt aufsucht, das geht so nicht weiter, irgendwann bricht er zusammen. Kann auch in einem Herzinfarkt enden oder ähnlichem.
    Seine Lage in der Firma wird nicht besser, wenn er nun auf Krampf irgendwas versucht - und Bundesverdienstkreuz kriegt er auch nicht.
    Was er aber letztendlich kaputtmacht, ist seine Familie und seine Ehe. Wenn Du ihm das einfühlsam vermitteln kannst, lässt er sich vielleicht (hoffentlich) helfen.
    LG Moni

    (10) 24.01.19 - 15:45

    Das die Gefahr eines Burn Outs etc. durchaus besteht mag ja sein, aber ich sehe da jemanden der nicht in der Lage ist, seinen Druck anderweitig anzubauen und der seine schlechte Laune an anderen auslässt.

    Ich würde an deiner Stelle sehr deutlich werden:
    Du bist gern für ihn da, aber weder du noch die Kinder sind sein Blitzableiter oder für sein berufliches Ego verantwortlich.

    Du könntest natürlich gucken, dass du ihm die finanzielle Last zum Teil abnimmst, wenn möglich. Ich finde nicht, dass ein Familienmitglied beruflich durch alles durch muss, weil sonst der Lebensstandard nicht gehalten werden kann.
    Parallel mal gucken welchen Ausgleich dein Mann hat. Ein Ventil für seine Emotionen. Schick ihn joggen oder so ;-)

    (11) 24.01.19 - 15:57

    Dein Mann sollte an seiner "Work- Life- Balance" arbeiten und einen anderen Weg des Ausgleiches finden.
    Gut hilft Yoga, Meditation oder Autogenes Training.
    Macht doch zusammen einen Kurs, das macht Spass und hilft ihm, etwas durchzuatmen.
    Mit Druck würdest Du hier nur das Gegenteil erreichen.

    Ich wünsche Euch alles Gute- auch, für Deine Selbstständigkeit#klee
    LG

    (12) 24.01.19 - 16:36

    Man kann nicht alles mit Burn out, Depressionen oder Midlife crisis "entschuldigen".

    *Mein Mann legt sich mit jedem an. Er liebt es, zu streiten und zu diskutieren, er verhält sich, als hätte er die Wahrheit gepachtet. Er reflektiert nicht, er überlegt nicht, für ihn sind die Dinge so, wie sie sind und daran ist nicht zu rütteln. Stellt sich ihm jemand in den Weg, wird er teilweise laut und beleidigend.*

    Ich vermute, so verhält er sich nicht erst seit Kurzem, sondern immer schon, vielleicht jetzt ausgeprägter als zu Anfang, was ja bei vielen Charaktereigenschaften so ist.

    Mit solchen Charakteren kann man als Partner kaum bis gar nicht auskommen, denn:
    §1: Ich weiß und kann alles besser, die anderen haben keine Ahnung.
    §2: Trifft das mal nicht zu (was eigentlich gar nicht sein kann!!!), tritt automatisch §1 in Kraft.
    §3: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.

    Viele Möglichkeiten hast du nicht. Du kannst versuchen, in einem Moment, in dem er "normal" drauf ist, mit ihm zu reden. Aber ich fürchte, er wird dich nicht verstehen, denn ER ist schließlich ER, und wer bist du, dass du IHN kritisierst?

    Meiner Erfahrung nach hast du nur zwei Möglichkeiten, dich arrangieren und vor dich hin leiden, oder du gehst. Ihr seid erst 10 Jahre zusammen, du hättest noch jede Menge Lebenszeit vor dir, ohne diesen Druck und die Angst, dass dein Mann wieder mit irgendwem einen Streit vom Zaun bricht.

    (13) 24.01.19 - 16:59

    Hast Du ihn einmal darauf angesprochen ob ihm das selbst auffällt (so wie Du sein Verhalten oben beschrieben hast) und falls ja ob es ihn dann im Nachhinein selbst stört?

    Wenn kein Bewusstsein für das eigene Verhalten vorhanden ist, dann ist eine Veränderung nur schwer möglich.

    Konsequent hilft hier nur spiegeln/ spiegeln/ spiegeln in liebevoller Weise.
    Mit Sätzen wie: Deine Aussage verletzt mich, ich fühle mich unfair behandelt usw.
    Dein Verhalten löst in mir dies und das aus.

    An seiner Reaktion kannst Du dann erkennen, wieviel Empathie in ihm steckt.


    Wie Du schreibst, klaffen in ihm Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Hier könnten Frage helfen, wie bspw. eine optimale Zukunft aussehen müsste, in der er zufrieden ist.
    Was davon ist evtl. doch schon jetzt vorhanden, was könnte man sich gem. erarbeiten (Einkommenssituation etc.).

    Unzufriedenen Menschen ist oft die Dankbarkeit für das was ist, abhanden gekommen. Schau mal wie Ihr das gemeinsam in den Alltag integrieren könntet.

    Ich freu mich jedesmal beim Frühstück am WE und halte das was ich da so vor mir stehen hab, nicht für "normal", sondern bin dankbar dafür, daß ich Salz aus der Camargue auf mein Ei vom Bauern von nebenan tun kann. Käse aus der Schweiz, Schinken aus Italien, Kiwi, Banane etc.

    Aufgrund der Situation aktuell die du schilderst scheint er wirklich kurz vor einem Burn out zu stehen. Dagegen kann und sollte er etwas unternehmen. Das geht meist nur mit professioneller Hilfe.

    Das andere was du schilderst. Seine Charakterzüge, die haben schon einen narzisstischen Charakter. Ich war selber mit einem Narzissten zusammen. Sehr sehr schwierige Menschen, die oft ihre Aggressionen nicht im Griff haben und das oft an anderen Menschen auslassen. Vielleicht würde euch da eine paarberatung helfen.

    (15) 25.01.19 - 10:36

    Hallo.

    Dein Mann ist ein ungehaltener Flegel. Du schreibst, er war schon immer anstrengend. Er kann nicht diskutieren und beharrt auf seine Meinung. Das wäre für mich kein Partner. Mein erster Mann war auch so und ich habe es lange ausgehalten. Jetzt bin ich froh, dass ich ihn los bin. Es geht auch anders. Das hat mit Liebe nichts zu tun. Nur, weil er auf Arbeit Stress hat, kann er es nicht an euch auslassen. Immer sind die anderen Schuld, er macht alles richtig.

    LG

    (16) 25.01.19 - 11:17

    Liebe Coco,

    klingt fast so wie bei mir.
    Mein Mann hat von sich aus narzisstische Züge (er diskutiert ebenfalls leidenschaftlich gern und meist wird er dabei persönlich verletzend und streitet das dann immer bis aufs Blut ab, weiß alles besser, nichts und niemand kann Dinge so gut wie er). Als er aufgrund beruflichen Druck in eine Depression rutschte, war er kaum mehr auszuhalten. Nach 2 Jahren endlich nahm er Antidepressiva. Aber bis dahin... Und mit dem Zeug sind andere Dinge mässig #gruebel

    Ich versuchte ihn weitestgehend zu ignorieren, sagte maximal, dass ich das nicht in Ordnung finde was er tut und mehr nicht mehr. Ich habe mich und die Kinder aus der Schusslinie gebracht so gut wie möglich und so gings irgendwie.
    Die Depressionseinsicht hatte er dann mal von alleine...

    Sorry dass ich nicht mehr hilfreiches sagen kann.
    Ich wünsche Dir viel Kraft

    Dein Mann sollte mal zum Arzt gehen, z.B. die Schilddrüse checken lassen. Ansonsten äußern sich Depressionen und Burn-out nicht immer durch zurückziehen und "traurig Sein", sondern oft auch genau so, wie du es bei deinem Mann beschreibst. Ab zum Arzt mit ihm!

Hallo.

Ich schreibe normalerweise nicht in diesem Forum, aber dein Text erinnert mich sehr an meinen Vater-und mich selbst.

Mein Vater ist genauso, wie du deinen Mann beschreibst. Auch er kann nur sehr schlecht mit negativen Gefühlen umgehen, ist sehr schnell verunsichert und verletzt, will aber nach außen hin immer der "Starke" sein. Als Kinder haben wir darunter mitunter sehr gelitten. Er hat sehr oft rumgeschrien, hat sehr verletzende Dinge zu uns gesagt. Das alles wurde noch sehr viel schlimmer, als sein Vater sich erschossen hat. Da ging unsere Familie ein Jahr lang durch die Hölle. Alle hatten nur noch Angst vor ihm. Das hat sich Gott sei Dank auch gebessert. Helfen lassen wollte er sich leider nie.

Ich habe nun leider sehr viel von seinem Temperament geerbt. Ich dachte also es kann nicht schaden, wenn du einmal das Ganze durch ähnliche Augen betrachtest, wie die deines Mannes. Wenn ich mir Sorgen mache, an mir zweifle, Angst habe, im Grunde genommen bei allen "negativen" Gefühlen die es so gibt, dann verwandelt das sich in mir drin in wirklich zum Teil rasende Wut. Ich fühle mich dann, als wäre ich nicht mehr ich selbst, als würde ich zu einer anderen Person werden, einer Person die ich weder mag noch sein will. Auch meine Wut richtet sich dann gegen meine Mitmenschen. Und dann kommen die furchtbaren Schuldgefühle, der Selbsthass. Das sind keine schönen Gefühle.

Da ich weiß, wie mein Vater ist, und was das für die Menschen heißt, die man liebt, habe ich an mir selbst gearbeitet. Ich habe eine Therapie gemacht. Meine Berufswahl hat mir zusätzlich geholfen, mich selber mehr in Frage zu stellen, bewusster meine Gefühle zu erleben, und mir überhaupt über die ganzen inneren Prozesse bewusst zu werden. Das alles ermöglicht es mir, dass ich mich heute in fast jeder Situation zurück nehmen kann, bevor es zur Eskalation kommt. Darüber bin ich sehr froh, es geht mir auch sehr viel besser damit. Klar, es kommt immer noch manchmal vor, dass ich nicht rechtzeitig die Notbremse ziehen kann, aber nur noch sehr, sehr wenig. Eine Frage: Entschuldigt sich dein Mann für seine Ausraster? Denn auch das musste ich mühsam lernen. Entschuldigen heißt sich einzugestehen, dass man etwas falsch gemacht hat. Und das ist für Menschen mit wenig Selbstwertgefühl oft das Schwerste der Welt. Mein Vater hat sich bis heute nie entschuldigt, bei keinem von uns.

Nun aber zum eigentlichen Grund für meine Antwort. Du fragst, wie du mit deinem Mann umgehen sollst in solch einer Situation. Hier meine Sichtweise:
Wut braucht eine Mauer, an der sie aufprallen und zurückgeschleudert werden kann. Gibst du ihm diese Mauer nicht, verpufft die Wut, als hätte man die Luft aus einem Ballon rausgelassen. Das heißt nicht, dass man sich nicht wehren darf, im Gegenteil (das fand ich immer besonders schlimm im Nachhinein, wenn niemand sich gegen mich zur Wehr setzte). Es heißt in einem ruhigen, bestimmenden Ton zum Beispiel sagen: "Du tust mir grad sehr weh mit deinem Verhalten. Ich verstehe, dass es dir nicht gut geht. Aber ich werde erst mit dir weiter reden, wenn du dich beruhigt hast."
Hast du deinem Mann schonmal vorgeschlagen, zum Boxen zu gehen oder ähnliches?
Ich weiß nicht ob ihr einen Keller oder ähnliches habt, aber vielleicht kannst du ihm auch einfach mal vorschlagen, doch mal in einen abgetrennten Raum/Balkon/Garten zu gehen, und kräftig zu schreien. Das ist unheimlich befreiend, und hat bei mir immer sehr geholfen. Ihr könntet eventuell sogar ein "safe word" vereinbaren, ein Wort, einen Satz, den du sagst, wenn sein Verhalten unmöglich ist. Das unterbricht meist den Wutschwall vorerst. Du kannst auch alternativ einfach mal versuchen irgendein lautes Geräusch zu machen, das erschreckt. Ich kann dir nämlich aus Erfahrung sagen, dass solche Wutanfälle sich anfühlen, als wäre man weit weg. Als wäre man in Watte versunken, und nicht mehr wirklich da. Man verliert einfach jegliche Kontrolle. Etwas, das einen brutal wieder zurück in die Realität bringt reicht oft schon damit man realisiert, was grad los ist.

Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.

Alles Liebe und alles Gute! #klee

  • Hab grad noch die anderen Kommentare gelesen, und wollte das noch kurz dranhängen:
    Yoga und Meditation sind sehr gute Möglichkeiten, die sind aber nicht für jeden was.
    Ich habe mich darin nie wieder gefunden, und geholfen hat es mir auch nicht.

    Ich gebe meinen Vorschreiberinnen Recht, wenn sie sagen, dass es sicher ratsam wäre, einen Arzt oder Therapeuten, am Besten beide, aufzusuchen. Man kann sehr wohl lernen, seine Gefühle wahr zu nehmen, und anders zu reagieren. Ich habe nämlich in der Therapie recht schnell gelernt, dass ich eigentlich nie richtig wusste, was ich fühle, weil alle Gefühle sich immer nur anfühlten wie Wut. Das ist eine sehr wichtige Einsicht, und damit kann man arbeiten.

Hallo meine Liebe,
tut mit leid aber ich denke, dass dein Gatte an einer handfesten Depression leidet und dringend Hilfe benötigt.
Schau zu, das er einen Termin erstmal bei seinem Hausarzt in deinem Beisammensein wahr nimmt, evtl kann dieser ihn auch dazu bewegen einen Psychiater aufzusuchen.
Dort kann ihm sicherlich geholfen werden.
Alles Gute euch...

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