Nur noch heftige Streits

    • (1) 03.02.19 - 21:02
      Waskannmantun

      Guten Abend zusammen
      Ich mache mir so meine Gedanken über ein älteres Pärchen in meiner Familie sie 70, er 72. Kurz zur Vorgeschichte: die beiden sind 50 Jahre verheiratet, er war schon immer ein eher schwieriger Mensch (extrem introvertiert, hat sich in seiner Jugend gern geprügelt, nie wirklich Freunde gehabt, kein wirklich adäquates Sozialverhalten, immer gern über andere Leute sehr gemein hergezogen) vor 5 Jahren hatte er einen Schlaganfall wo einiges bezüglich Empathie und Sozialverhalten im Gehirn kaputtgegangen ist. Wenn die beiden in der Stadt unterwegs sind kommt es jedesmal zu Situationen wie zum Beispiel: an der Supermarktkasse fährt er dem Mann vor ihm mit dem Wagen in die Hacken weil es nicht schnell genug geht oder ältere Frau steigt in den Bus ein, er sagt laut und hörbar "jetzt will die dicke alte hier auch noch rein". Er selbst hat ca. 20 Kilo Übergewicht. Gegenüber seiner Frau ist er regelmäßig ähnlich gemein. Er wirkt sehr zerfressen von Selbsthass (Aussagen wie "ihr wollt doch eh alle nur dass ich endlich tot bin" kommen regelmäßig) außerdem hat er Pflegegrad zwei. Seine Frau ruft regelmäßig die gemeinsame Tochter an und lässt ihren Frust über ihn raus, weint häufiger und wirkt nervlich am Ende. Die Tochter gibt ihr gute Tipps (Tagesgruppe für ihn z.B.)
      welche sie jedoch nie befolgt. Sie ruft nur immer wieder die gemeinsame Tochter an und beschwert sich immer über das selbe was wiederum die Tochter frustriert.
      Ich würde gern allen Beteiligten helfen...aber wie ?
      Danke euch fürs Lesen 😊

      • (2) 03.02.19 - 21:36

        Ergänzung: es kam bereits schon zu einer Ohrfeige von ihr als er sie Mal wieder beleidigt hat.

        Mein Rat an die Tochter wäre, der Mutter zu sagen, dass sich nichts ändern wird, wenn die Mutter nichts ändert. Und ihr dann auch zu sagen, sie soll nicht dauernd um Rat fragen, wenn sie doch eh keinen hören und befolgen will. Danach sollte sich die Tochter das Gejammer auch nicht mehr anhören (das hilft nämlich erst Recht niemandem).

        Die beiden Eltern brauchen Hilfe, aber man kann niemanden zwingen, der keine Hilfe will. Aber man muss sich das auch nicht mitansehen.

          • Die Reaktion ist nachvollziehbar, aber da muss die Tochter kein schlechtes Gewissen haben. Lieber im Laufe der Woche nochmal fragen, ob die Mutter jetzt gewillt ist, Hilfe anzunehmen.

            • (6) 03.02.19 - 22:08

              Danke für deine Antwort 😊 ja das ist eine gute Idee....nur bezweifle ich stark dass die Mutter irgendwann Mal Hilfe annehmen will. Ich frage mich bloß was man da noch machen kann...weil die Mutter so sehr leidet und die Tochter dadurch auch

        Hallo, wenn Ihr wirklich helfen wollt, dann nehmt der Mutter doch einfach mal den Mann ab, z.B. indem Ihr ihr einen Ausflug (Konzert, Städtetrip, Wellness...) schenkt und in der Zeit ihrer Abwesenheit ihren Mann betreut.
        Übrigens habe ich oft erlebt, dass die Menschen, die ich als am Unangenehmsten empfand die schlimmsten Lebenläufe hinter sich hatten und so oft ich glaube, diesmal bin ich wirklich einfach auf ein naturgegebenes Ekelpacket gestossen erfahre ich dann immer im Nachhinein Dinge, die die erste Aussage bestätigen.
        LG

        • (8) 04.02.19 - 07:58

          Ja da hast du auf jeden Fall Recht. Das haben wir auch schon gemacht mit dem Wellness Wochenende. Das hat ihr sehr sehr gut getan. Aber danach ist sie wieder in den Termin mit ihm verfallen, Beleidigungen von ihm, Verzweiflung von ihr. Er hatte keine Bilderbuch Kindheit (nicht super schrecklich aber hätte vieles besser sein können)....aber ist das eine Entschuldigung sich seiner Frau und Fremden gegenüber wie der letzte Ekel zu verhalten ?

          • Naja, anscheinend war er ja vor dem Schlaganfall schon nicht besonders gut sozialisiert, und dann hat er auch noch Empathie und Sozialvethalten verloren (von seinem niedrigen Niveau). Was soll man denn da erwarten?

            • (10) 04.02.19 - 08:44

              Ganz genau ! Bloß....kann man da noch etwas tun dass seine Frau (die keine Hilfe so Recht annehmen will) nicht so leidet ?

              • (11) 04.02.19 - 09:35

                Ich denke, der einzige Weg, Besserung in die Situation zu bringen, wäre, dass die Mutter ihrem Mann gehörig die Grenzen aufzeigt.
                Er verhält sich anderen gegenüber unmöglich und es fällt ihm Selbst nicht auf. Teils Charakterbedingt/ teils Krankheitsbedingt.
                Seine Frau kann ihm nur helfen, indem sie ihn auf sein Verhalten in den Situationen direkt anspricht und auch offen sagt, dass sie und die Familie das so nicht mehr mitmachen wollen.
                Sie müsste allerdings auch bereit sein, Konsequenzen zu ziehen, wenn er sich nicht bessert- sonst helfen leere Drohungen auch nicht weiter.
                Und, ja, wenn die Mutter nicht bereit ist, auf Konfrontation zu gehen und Grenzen aufzuzeigen, wird sich Nichts an der Situation ändern.
                Da kann dann auch Niemand helfen. Leider.

                Die Mutter hat es Selbst in der Hand, die Situation für die Tochter und sich zu ändern.
                In erster Linie durch Worte und wenn diese nichts bewirken, kann sie Entscheidungen für sich und die Tochter treffen und somit die Situation ändern.

                Wenn sie keine Hilfe annehmen will, dann muss sie halt weiter leiden. Vielleicht ist das seit 50 Jahren ihre Rolle: Die duldsame, bedauernswerte, aufopferungsvolle Frau des Ekelpakets. Mitleid garantiert. Vielleicht will sie da nicht raus.

                • (13) 04.02.19 - 10:30

                  Genau so sehe ich das auch!
                  Nur sie alleine könnte etwas an der Situation ändern. Wenn sie das nicht tut, dann leidet sie wahrscheinlich gerne.
                  Es gibt ja so Leute, die durch die Opferrolle Mitleid und Aufmerksamkeit für sich schaffen.

    Hallo.

    Du kannst versuchen zu helfen, indem du sowohl mit der Mutter alsauch mit der Tochter ganz deutlich redest. Der Rat steht schon weiter oben, bzw hat die Tochter ja bereits das Richtige getan.

    Ich spreche wirklich aus eigener Erfahrung. Meine Oma hat so unter meinem Opa gelitten, 40 Jahre lang war er schwerstbehindert. Aber Oma hat auch nie, nie, nie gehört. Mich hat es so fertig gemacht. Genau wie die Tochter habe ich irgendwann gesagt, ich möchte das nicht mehr hören.

    Versucht, die Oma zu überzeugend, den Opa anderweitig unterzubringen. Irgendwann ist das vermutlich eh von Nöten und es wäre extrem blöd, wenn es schnell erfolgen muss. Das habe ich meiner Oma auch klar kommuniziert. Sie hat allerdings nie gehört. Erst ein Herzinfarkt hat es geregelt, wobei sie ihm dann entgegen seiner Patientenverfügung sogar noch eine Magensonde legen wollten, damit er überlebt. Damit hätten sie einen noch schlimmeren Pflegefall produziert. Zum Glück ist er vorher verstorben.

    Es soll nicht herzlos klingen, aber manche Menschen können das Gewohnte nicht loslassen. Wenn die Oma sich nicht ernsthaft ins Gewissen reden lässt, hilft es leider nur, sich davon zu distanzieren.

    LG

    (16) 04.02.19 - 11:59

    Hallo,
    gibt die Tochter nur Ratschläge oder geht sie es auch zusammen mit der Mutter an?
    Es ist ja recht einfach zu sagen "Mach doch dies und das. Das wäre am besten." und dann den Hörer wieder aufzulegen. Vielleicht bräuchte die Mutter eine helfende Hand, die die Lösung mit ihr gemeinsam angeht, z.B. konkrete Broschüren, Adressen und Ansprechpartner raussuchen, relevanten Papierkram ordnen und zusammensuchen, mit dem Vater zusammen sprechen und ihm aufzeigen, dass es so nicht weitergehen kann...

    Natürlich ist die Frau erwachsen und sollte ihre Probleme in erster Linie selber klären, aber ich stelle es mir nicht einfach vor, das alles alleine bewältigen zu müssen, wenn man durch den normalen Alltag schon nervlich am Ende ist und wenn sie es schon so lange mit ihrem Mann aushält, ohne die Reißleine zu ziehen, steht es um ihr Selbstvertrauen vielleicht auch nicht allzu gut. Da kann man jetzt sagen "Pech, dann leide halt weiter." oder man kann versuchen, es als Familie ganz konkret und greifbar gemeinsam anzugehen.

    Aber vielleicht hat die Tochter das alles auch schon gemacht. Das kann ich nicht herauslesen.

    • (17) 04.02.19 - 13:17

      Die Sache ist, dass die Tochter und die Eltern 500km voneinander entfernt wohnen. Die Tochter hat trotzdem schon ihr bestmögliches getan, ihr Anlaufstellen, Anträge gezeigt etc und angeboten das so gut wie es geht gemeinsam zu lösen....aber die Mutter lädt wie immer nur ihren Frust ab.
      Vielen Dank für die Antworten das tut gut da so viele Sichtweisen zu hören

      • (18) 04.02.19 - 13:50

        Okay, dann wurden ja schon so gut wie alle Möglichkeiten ausgeschöpft und die Entfernung macht es sicher nicht leichter.
        Ich vermute, dass sich die Mutter genauso wenig ändern wird wie der Vater. Das Muster scheint sich ja schon durch viele Jahrzehnte zu ziehen und die Rollen sind so festgefahren, dass es wahrscheinlich schwer wird, den Kreis zu durchbrechen, gerade in dem Alter. Es wäre bestimmt noch möglich, aber realistisch betrachtet schaffen es die wenigsten aus diesem Trott heraus, wenn er schon so lange geht und bis jetzt nichts passiert ist.

        Für die Tochter bleibt in meinen Augen nur, sich klar zu positionieren und abzugrenzen. Sie hat ihre Hilfe im Rahmen des Möglichen angeboten und oft ein offenes Ohr gehabt, doch wer sich nicht helfen lassen möchte, wird es immer schwerer haben. Das Leid ist dann jedoch bis zu einem gewissen Grad selbst gewählt und das darf man auch mal aussprechen, finde ich.

        Die Tochter kann das Verhalten der Mutter nun so hinnehmen und versuchen darüber hinwegzusehen. Oder sie zeigt ihr jedesmal klar die Grenze auf, wenn sie in das typische Schema verfällt.
        Ich kann total verstehen, dass die Mutter ihren Kummer loswerden will und ich glaube ihr auch, dass sie wirklich unter der Situation leidet. Aber irgendwann muss auch sie einsehen, dass sich nie etwas ändern wird, wenn man nichts dagegen tut. Kann sie das nicht, bleibt ihr nichts weiter als zu jammern und zu leiden. Das muss die Tochter aber nicht jedesmal mittragen.

Solche Konstellationen kenne ich leider mehrere und aus Beobachtung und Erfahrung kann ich sagen, dass sich mit größter Wahrscheinlichkeit gar nichts ändern wird. Sie leben seit Jahrzehnten in dieser leidvollen Verbindung und haben sich so sehr daran gewöhnt, dass gerade im Alter die Handlungs- und Vorstellungskraft fehlt, sein Leben noch einmal ändern zu können.
Alle gut gemeinten Ratschläge helfen nichts, wenn die Person sich im Grunde nur ab und an ausheulen will. Denn hätte sie ernsthaft was ändern wollen, hätte sie es vor langer Zeit getan. Klingt deprimierend, ist leider so... gerade bei älteren Paaren.
Wenn jemand nicht von selbst die Kraft zum Wandel aufbringt, kannst du dir den Mund fusselig reden mit den besten Ratschlägen.

Deine Freundin muss eine Mischung zwischen „ein offenes Ohr/Kummerkasten sein” und es doch nicht zu nah an sich heranlassen finden...

Sie könnte den Kontakt zu ihren Eltern komplett abbrechen, aber damit wäre ihrer Mutter der letzte Halt genommen.

An Stelle der Tochter würde ich mich da einfach rausziehen. Dieses Abladen von Frust sorgt nur dafür, dass sie ebenfalls frustriert wird. Außerdem ist das die einzige Möglichkeit, der Mutter klarzumachen, dass sie doch mal in die Gänge kommen und was ändern muss, wenn sie sich durch das Verhalten ihres Mannes so belastet sieht (ist ja auch nachvollziehbar).
Aber so, wie das momentan läuft, verringert die Mutter mit den Anrufen lediglich ihren Leidensdruck, "kotzt" sich bei ihrer Tochter aus, um dann wieder ne Weile weitermachen zu können wie gehabt.

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