Trennung nach Psychose und nun wieder Kontakt, richtig oder falsch?

    • (1) 08.02.19 - 13:49
      Alter Hase

      Hallo zusammen, ich habe hier vor einem guten halben Jahr berichtet, dass mein Partner in eine Psychose gerutscht ist und er Dinge getan hat, die zu einem sofortigen Abbruch der Partnerschaft geführt haben (hier der Link: https://www.urbia.de/forum/16-partnerschaft/5109377-trennung-nach-akuter-psychose-und-was-mach-ich-nun#p-35341614).

      Wir hatten seit diesem Tag keinerlei Kontakt, ich habe aber über seine Mutter mitbekommen, was er macht und wie es vorprogrammiert war, hat er sein komplettes Leben gegen die Wand gefahren. Er hatte einen sehr guten Job, 2 Autos, ein Haus, hatte eigentlich ausgesorgt. Jetzt, nach einem halben Jahr, steht er vor den Trümmern seines Lebens, Job gekündigt, alles verloren, er hat nichts mehr, nicht mal mehr Geld, um sich etwas zum Essen zu kaufen.

      Von seiner Mutter weiß ich nun, dass er im Moment versucht, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, er stünde fassungslos vor dem, was er getan hat und ist verzweifelt, aber er kämpft, arbeitet alle Punkte nacheinander ab.


      Nun hat er im Zuge dessen auch zu mir Kontakt aufgenommen, mir ein Weihnachtsgeschenk zukommen lassen und ich habe mich bedankt. Seither schreiben wir ab und zu, alles ganz vorsichtig und eher allgemeine Themen betreffend. Ich denke aber, dass es irgendwann zu einem Treffen kommen wird, in dem wir das Geschehene besprechen werden, zumindest wäre das mein Wunsch. Nun stoße ich in meinem Umfeld auf wenig Verständnis, irgendwie kann niemand nachvollziehen, dass ich das Geschenk angenommen habe, mit ihm über alltägliche Dinge schreibe „als wäre nichts geschehen“ (für mich ist das eine ganz vorsichtige Annäherung, die die Basis legt für ein Gespräch), ich würde in alte Muster fallen u.s.w. Ja, ich habe alte Muster, dessen bin ich mir bewusst und tatsächlich weiß ich auch nicht, was hier richtig und falsch ist, wahrscheinlich bin ich zu verstrickt, um hier klar zu sehen. Da ist ein Mensch, mit dem mich viele Jahre verbinden, der gutes und schlechtes getan hat, der eine schlimme Krankheit hat und sich nun an jeden Strohhalm klammert um wieder ein normales Leben zu führen. Soll ich ihn wirklich abweisen? Soll ich auf mein Bauchgefühl hören und den Kontakt zulassen? Ich tendiere zu Zweiterem, aber vielleicht spalte ich da wirklich etwas ab. Vorweg, natürlich schließe ich das Aufleben der Partnerschaft gänzlich aus, dafür geht es mir heute viel zu gut, aber ich könnte mir vorstellen ihm zur Seite zu stehen, einfach ab und zu Kontakt zu haben und ja, auch mal zu helfen, wenn er Hilfe braucht. Ihr habt mir damals geholfen, etwas klarer zu sehen und ich hoffe, das funktioniert auch heute. Ganz lieben Dank an jeden, der sich das hier durchgelesen hat :-)


      LG von einem alten Hasen

      • Jemandem verzeihen und gleichzeitig achtsam sein und sich bei Bedarf sofort und kompromisslos wieder selbst schützen ist kein Widerspruch für mich. Kriegst Du das denn hin?

        Eine Frage, die nicht unwichtig ist, wäre auch, was mit Deinem Sohn dabei geschieht. Darf er vom Kontakt wissen, würde es dann darauf drängen, selbst wieder Kontakt aufzunehmen? Würde er einen Rückfall, eine neuerliche Katastrophe verarbeiten können?

        • "würde es dann darauf drängen" .. würde er..

          (4) 08.02.19 - 14:57

          Zu Punkt 1: Ja, ich bin extrem wachsam und würde den Kontakt auch nur bis zu einem bestimmten, von mir festgelegten Punkt zulassen, sprich, ab und zu schreiben und Hilfe anbieten im Sinne von "so könnte der nächste Schritt aussehen".

          Zu Punkt 2: Mein Sohn hatte recht bald wieder Kontakt zu ihm. Er hat täglich gefragt und mir war klar, dass er definitiv heimlich Kontakt aufnehmen wird, wenn ich es weiter verbiete und das wäre wirklich schlimm gewesen. Also haben wir offen gesprochen, ich habe ihm deutlich gesagt, dass ich einen Kontakt als sehr schwierig ansehe, ich es ihm aber nicht verbieten kann, ich habe ihm das Krankheitsbild erklärt, ihm gesagt, dass ich immer wissen möchte, wenn sie Kontakt haben und er mir sofort sagen muss, wenn ihm etwas komisch vorkommt, so war ich mir sicher, einen Blick auf die Situation zu haben. Das hat gut funktioniert, mein Sohn hat mir immer Screenshots von den Whatsapp-Kontakten geschickt und hat irgendwann, als es ihm dann doch zu komisch wurde, selbst den Kontakt wieder eingestellt. Das erste Mal geschrieben hat mein Sohn ihm dann wieder kurz vor Weihnachten, als er mitbekommen hat, dass er gerade versucht, sein Leben wieder zu ordnen, seither schreiben sie hin und wieder.

          • Es klingt, als hättet ihr beide gelernt, wie ihr mit diesem Mann Kontakt haben könnt. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass Du reinen Tisch mit ihm machst und locker in Kontakt bleibst. Bleibt noch zu hoffen, dass er auch daraus gelernt hat und sich nun sagen lässt, wenn er abzurutschen droht.

      Ich würde auf keinen Fall wieder in den persönlichen Kontakt mit ihm treten. Du hast den Absprung geschafft und dabei würde ich es belassen.
      Ob man 10 oder 20 Jahre mit dem Menschen verbracht hat, ist für mich kein Argument, ständig in der Vergangenheit rumzuwühlen.
      Besser ist, weiterhin Abstand zu halten und den Kontakt zu beenden.
      Alles Gute für Dich und Deinen Sohn.

      • (7) 08.02.19 - 15:28

        Warum denkst Du, wäre es besser den Kontakt zu beenden? Das ist genau die Frage, die ich mir stelle. Ich habe die Befürchtung, sollte es nie zu einer Aussprache kommen, das mich diese Sache immer wieder einholen wird, wie eine Narbe, die einfach nur oberflächlich zuwuchert und bei jeder Berührung wieder aufgeht, verstehst Du, was ich meine?

        • (8) 09.02.19 - 13:28

          Absolut NEIN...du rutschtst da Schritt für Schritt wieder rein und das liest man 1000%ig raus, unabhängig davon das du ihm Hoffnungen machst auch wenn du ihm das anders erklärst.
          lass es doch einfach mal gut sein und sieh wie es in einem Jahr aussieht.

    Nein, nein, nein.
    Sei froh, dass das Vergangenheit ist. Du bist kein Therapeut und wirklich nicht dafür verantwortlich, dass er wieder auf die Beine kommt.
    Nur unverbindlich ab und an helfen wird nichts. Er macht sich dann Hoffnungen auf mehr, Du kannst nicht nein sagen und bist wieder mitten im Chaos mit drin. Bist Du wirklich so scharf darauf? Ich kann mich Deinem Umfeld nur anschließen, die Dich besser kennen und sich wohl berechtigte Sorgen machen.
    Finger weg und Kontakt wieder einschlafen lassen. Du hast Dein eigenes Leben, Du musst kein Helfersyndrom ausleben, nur weil ihr eine Beziehung hattet. Es gibt auch krankmachende Beziehungen......
    LG Moni

    Ist er in Therapie oder wie "arbeitet" er die aufgelaufenen Punkte ab?

    Wurde diese psychische Erkrankung im letzten Jahr überhaupt diagnostiziert oder wie kommt ihr darauf?

    • (11) 08.02.19 - 16:02

      Es wurde meines Wissens nicht diagnostiziert, aber ich arbeite in einer psychiatrischen Klinik und jeder, der das mitbekommen hat, hat gesagt, eine Psychose wie aus dem Lehrbuch. Es gibt natürlich viele Punkte, die darauf schließen, das würde hier nur den Rahmen sprengen.
      Ob er in Therapie ist, weiß ich nicht, wir haben ja über das Thema noch nicht gesprochen. Das Abarbeiten der Punkte heißt, dass er sich bewirbt, um wieder zu arbeiten und seine Schulden abzubezahlen, seine in der Zeit gegründete Firma hat er zurück abgewickelt, sein Haus ist wieder aufgeräumt, sauber und ordentlich, er versucht, sich mit den Menschen auszusprechen, mit denen er sich in der Zeit überworfen hat. Das sind natürlich alles nur Äußerlichkeiten und ich weiß das alles auch nur von seiner Mutter, aber es klingt "normal", also auch nicht nach manischer Phase.

      • Dafür dass du "vom Fach" bist, finde ich dein Ansinnen .....naiv, blauäugig, selbstüberschätzend, etwas selbstzerstörerisch.... mir fällt grad kein anderer Begriff ein.

        Du weißt, wie es läuft, hast aber dennoch nichts unternehmen können, um IHN vor dem Worstcase zu bewahren und dich zu schützen. Letztlich blieb dir nur die Trennung.

        Und nun willst du ihm den kleinen Finger reichen und hoffst, dass es nicht irgendwann der ganze Arm wird.
        Als emotional nicht Beteiligte halte ich das für möglich. Aber in eurem Fall finde ich das Riskant. Du bist nicht seine Therapeutin und wirst es auch nicht werden.

        Meine Schwester hat u. a. mit solchen Menschen (psychisch krank, aktuell oder ehemals drogen- oder alkoholabhängig usw.) ebenfalls berufsbedingt zu tun.
        Sie fährt da beruflich schon eine GANZ straighte Schiene. Sie grenzt sich sehr deutlich ab. Sonst würde sie 365 Tage rund um die Uhr von ihren Klienten - so nennt sie sie, glaube ich -
        vereinnahmt und angerufen. Mit jemandem privat würde sie NIE eine Beziehung eingehen. Sie sagt immer, dass sie einem die Energie aussaugen.

        Ein klärendes, finales Gespräch finde ich in Ordnung. Dann hörst du, ob er in Therapie ist und sein Leben wirklich langfristig in den Griff kriegen will.
        Die Frage nach dem "Warum", die du oben stellst, wenn ich mich richtig erinnere, ist doch obsolet. Ihr glaubtet doch zu wissen, woran er leidet.

        Aber Hilfe anbieten oder gar mehr? Never!

        • (13) 08.02.19 - 19:58

          Ich habe bereits einer anderen Userin geschrieben, dass Hilfe nicht möglich gewesen wäre. Er war in einem solchen Wahn, keiner kann sich vorstellen, was in der Zeit alles passiert ist, was er mit sich, seinem Körper, seinem Leben gemacht hat, niemand konnte ihn aufhalten. Seine Mutter hat es versucht, die Konsequenz war, dass er sich geschlagen hat. Daraufhin ist sie zur Polizei, hatte die Hoffnung, dass man eine Zwangseinweisung erwirken kann, leider nein, dafür war das Geschehene nicht ausreichend. Keiner von uns hat die Hände in den Schoß gelegt, aber wenn keinerlei Krankheitseinsicht vorhanden ist, kann man nicht helfen. Ich war tatsächlich raus, ich habe lange gehardert, darum auch der damalige Beitrag, aber ich hätte nichts tun können. Als ich ihm schrieb, dass ich das Geschehene versuchen muss zu verstehen kam von ihm, dass überhaupt nichts passiert sei, außer, was ich mir in meinem Hirn zusammendenke (das hatte ich damals in dem Beitrag beschrieben), spätestens da war mir klar, dass ich raus bin, raus sein muss, um meinen Sohn und mich zu schützen und glaube mir, es ist nicht ein Tag vergangen, an dem ich nicht darüber nachgedacht habe, was ich vielleicht doch hätte tun können.

          • Du hast mich ganz falsch verstanden. Das sollte keinesfalls ein Vorwurf sein.
            Ich hatte ja geschrieben, dass du als Insider nicht helfen konntest.

            Ich kenne das Szenario von einer Bekannten. Ihr Freund hatte eine diagnostizierte psychische Erkrankung. Er nahm sogar Medikamente, die er aber irgendwann eigenmächtig absetzte. Er wurde ziemlich unberechenbar, bedrohte jemanden mit einem Messer und wurde letztlich per Gericht zwangseingewiesen. Nur halten konnten sie ihn dort nicht. Ein paar Tage später war er wieder draußen.
            Ein Jahr später hat er sich umgebracht.

            Meine Bekannte hatte sich vorher schon von ihm getrennt. Aber sie hatte lange damit zu tun. Und sein Tod hat sie nochmal umgehauen. Sie hat ganz schön gelitten.

            Bei mir lösen extrem psychisch Kranke immer Fluchtreflexe aus.

            Alles Gute dir!

      (15) 09.02.19 - 13:37

      Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr hoch, dass es weder diagnosiert noch das er in Therapie ist/war?!
      Und dazu dein Beruf....man, man und dann kann man so naiv sein?!

      Das ist auch der Punkt das ich keinerlei Verständmis mehr für dich habe - sorry, mein Vorurteil bestätigst du leider voll.

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