Problem mit Betrunkensein gerechtfertigt?

    • (1) 16.02.19 - 07:11
      Nichtobjektiv

      Guten Morgen zusammen,

      ich würde mich über eure Meinungen zu folgendem interessieren.
      Ich leide seit meiner Kindheit an Emetophobie (die Angst, dass andere oder man sich selbst übergeben muss). Sie war mal deutlich stärker ausgeprägt als momentan, mit regelmäßigen Panikattacken usw. heute bekomme ich nur noch Panik, wenn sich jemand anderes übergeben muss oder ich selbst. Ich denke, jeder der schonmal Panik hatte weiß, wie sich das anfühlt. Mein Freund, mit dem ich sechs Monate zusammen bin wusste davon. Gestern kam er sturzbetrunken nach Hause und meinte schon ihm sei schlecht. Da brach bei mir Panik aus. Ich hab mit ihm nochmal darüber gesprochen, und er sagte ganz lapidar, das habe er auch, er kotze auch nicht gern. Das sagte er mehrfach. Als ich dann nochmal zu meinen Panikattacken ausholte, um ihm klar zu machen, dass ich das nicht nur „nicht so schön finde“ sondern es für mich der größt mögliche psychische Stress bedeutet, ist er einfach eingeschlafen. Ich hab natürlich kein Auge zu getan, wegen meiner Panik. Hinzu kommt, dass ich eine Erkältung ausbrüte und wegen meines Sohnes sowieso unter Schlafmangel leide - ich also eine ruhige Nacht gut hätte gebrauchen können. Ich finde sein Verhalten rücksichtslos und fühle mich absolut nicht ernst genommen. Wäre es ihm nicht gut gegangen, hätte ich mich nicht so abgeschossen und dafür gesorgt, dass er die Nacht nicht schlafen kann. Könnt ihr das nachvollziehen oder sehe ich das zu übertrieben?
      Ich danke euch, für eure Antworten.

      • Ich glaube, dass abschießen hat rein gar nichts mit dir zu tun! Er war halt raus und hat Spaß gehabt. Viele Männer (und auch Frauen) haben sich dann nicht mehr im Griff und denken weder an morgen, noch daran, was es für den Partner bedeutet.

        Mach ihm un solchen Situationen, vorausgesetzt sie sind nicht "alltag" die couch fertig und lass ihn da pennen. So kannst du in ruhe pennen und wirst nicht mit deiner Phobie konfrontiert.

        Er kann zwar vielleicht Rücksicht nehmen, aber DU hast das Problem! DU musst nach Möglichkeiten gucken, die Situation für euch "normal" zu gestalten.

        • (3) 16.02.19 - 08:34

          Danke für deine Worte. Mir ist natürlich klar, dass ich das Problem habe, aber sollte es in einer Partnerschaft nicht so sein, dass man die Gefühle des anderen ernst nimmt und Rücksicht darauf nimmt? Für mich steht es halt in keinem Verhältnis. Warum muss man sich so betrinken (dann geht es einem ja auch nicht mehr gut), wenn man weiß dass der Partner dann Panik bekommt? Mal ganz davon abgesehen, dass ich es nicht gut finde, wenn Kinder die Haushalt leben und davon wach werden.

            • Meinst du nicht, auch ohne Phobie kann man Sturzbetrunkene eklig finden?
              Mein Partner muss seine Pläne so um mich rum bauen, dass er sich NICHT Sturzbetrunken neben mich ins Bett legt.

              Ebenso respektiere ich seine Bedürfnisse und Abneigungen.

              • Klar kann man das. Nur findet die TE ja nicht Betrunkene an sich eklig, sondern es geht ihr um ihre Phobie. Da erwartet sie, dass ihr Partner sich "phobie-konform" verhält. Das finde ich problematisch, weil ihre Phobie ihre Umwelt einschränkt. Mal weitergedacht, gibt es ja noch andere Situationen, in denen es zu Übelkeit/Erbrechen kommen kann - fremdes/zuviel Essen, Achterbahn, Reisekrankheit.. an Stelle des Partners der TE wäre ich da unsicher, inwiefern sie auch da erwartet, dass ich mein Verhalten anpasse, um Erbrechen zu vermeiden.

                • Ist es denn so unnatürlich, Auslöser von Erbrechen zu umgehen?

                  Oder isst du Fleisch und Fisch, deutlich übers Datum, mit intensivem Geruch, Grünfärbung usw? Gehst du auf Achterbahnen, wenn du davon kotzen musst?
                  Bei Reiseübelkeit wählst du genau das Verkehrsmittel welches du am wenigsten ab kannst und statt Reisekrankheitsmedizin packst du Plastiktüten ein? Ich nicht.

                  Und ja, Volltrunkene finde ich so oder so dermassen eklig, dass mein Partner diese Einschränkung auf sich nehmen muss, sich in so einem Zustand NICHT in meiner Nähe zu befinden.

                  Und ebenfalls ja, zum Zusammenleben gehört für mich Rücksichtnahme, ich kaufe mir KEINE Vogelspinne wenn mein Partner Spinnen nicht ab kann, im Gegenzug hängt er KEINE Bilder von Nacktschnecken an die Wand, weil nämlich ich die nicht ab kann.

                  • Ja, das ist unnatürlich, denn sonst würde man ja niemals mehr etwas Neues erleben.

                    Außerdem sind Mägen-Darm-Erreger nicht unbedingt planbar.

                    • Ja, Magendarm-Infektionen sind nicht planbar, übrigens wird auch dort zu sinnvollen Vorsichtsmassnahmen geraten.
                      Aber verfaultes Fleisch essen, ist NICHT natürlich, nur um ein Geschmackserlebnis vor der Kotzerei zu haben.

                      • Es geht ja nicht nur um Verfaultes, wobei Rindfleisch ja kontrolliert vergammelt wird um es überhaupt genießbar zu machen. Die meisten Menschen probieren eben gerne unbekannte Speisen und man kann nicht immer wissen, ob es einem bekommt oder nicht.

                        Und sorry, aber Vorsichtsmaßnahmen gegen entsprechende Erreger? Das ist denen Wurst. Ich denk da allein schon an das Norovirus, da kannst du keine Maßnahmen ergreifen, wenn das einer hat, bekommen das alle und es hat schon ein paar Tage Inkubationszeit. Auch kann man eben nicht immer wissen wo was kontaminiert ist. Sorry, aber dann müsste man sich in einer Blase einschließen.

                        • Wir reden aneinander vorbei.

                          Von mir unbekannten Speisen musste ich übrigens noch nie erbrechen. Vorausgesetzt es handelt sich um Speisen. Ich latsche jedoch nicht durch den Wald und stopfe mir Pilze oder Beeren in den Mund die ich nicht kenne.

                          MIt deiner Einstellung, dass man keine Massnahme ergreifen kann gegen Noro, wärst du in der Pflege ziemlich schnell entlassen, zumindest hier in der Schweiz. Bei uns ist es so, dass NOro NIE aufs komplette Haus übergreift, weil wir noch jedesmal Erfolg hatten mit den Massnahmen. Natürlich gibt es keinen vollumfänglichen Schutz, aber die Ausbreitung lässt sich durchaus begrenzen.

                          • Begrenzen ja, vermeiden nein und nur darum geht es mir. Wenn ich bedenke, dass ein Ferienlager in Deutschland schon mehrfach geschlossen werden musste, weil immer irgendwer Noroviren eingeschleppt hat...

                            Das mit den fremden Speisen bezog sich übrigens nicht exklusiv auf dich, sondern auch auf den Post auf den du bereits geantwortet hast. Mir ist übrigens auch noch nie davon schlecht geworden, aber es gibt eben Leute, denen das passiert und wenn es sich um eine unbekannte oder neuerdings auftretende Unverträglichkeit handelt.

                  (13) 16.02.19 - 17:09

                  Das lässt sich aber nicht immer planen.
                  Ich habe von ganz profanen neuen Chips mal eine Anaphylaxie bekommen und musste mich heftig übergeben. Ja, ich weiß, dass ich Allergikerin bin. Trotzdem habe ich damit nicht gerechnet. Trotzdem probiere ich immer noch gerne neues Essen aus.
                  Normalerweise komme ich mit Achterbahn gut klar. Einmal wurde mir davon so übel, dass ich mich übergeben musste. Trotzdem gehe ich immer noch auf Achterbahnen.
                  Als Kind hatte ich (manchmal) heftige Reiseübelkeit bei langen Autofahrten. Trotzdem fuhren wir mit dem Auto in die Ferien oder zu den Großeltern.
                  Wenn man alles vermeiden will, was vielleicht zu Übelkeit führen könnte, wäre das Leben ziemlich langweilig.

          Im Grunde gebe ich dir Recht, aber sturzbetrunken nach Hause zu kommen, gerade wenn Kinder im Haushalt sind, finde ich nicht unbedingt normales Verhalten. Und nee, ich bin keine Spaßbremse, ich mag es nur nicht, wenn sich jemand dann nicht mehr im Griff hat.

          Aber ansonsten, ja, die TE müsste sich um ihre Panik kümmern und zwar für sich selbst. Ich kann aber nicht beurteilen, wielange so eine Therapie dauert und ob die erfolgreich ist.

      Was soviel heißt, daß er sich nie mehr betrinken darf?

      Ne, also ich würde mir nicht von meinem Mann vorschreiben lassen, wieviel ich trinke.
      Alternativ soll er oder du in so einem Fall in einem anderen Zimmern oder ganz woanders schlafen.

      lg

    (21) 17.02.19 - 08:09

    Diesen Spieß könnte man auch umdrehen.

    Natürlich nimmt man in einer Beziehung Rücksicht aufeinander. Ich verstehe dich aber so, dass du Rücksicht für dein Problem einforderst, ihm aber keine zugestehen magst.

    Dein Partner ist erwachsen und wenn er nicht ständig und immer betrunken heim kommt, finde ich, dass auch du ihm entgegen kommen musst. Er kann doch alleine entscheiden ob und in welchem Ausmaß er trinken möchte. Ich finde 2 oder 3 mal im Jahr sturzbetrunken nach Hause kommen (Annahme: einer der Partner ist wegen Kindern nüchtern) ist kein Verbrechen und absolut im Rahmen. Wenn er an 49 Wochenenden im Jahr Rücksicht auf dich nimmt, warum du dann an 3 im Jahr nicht auf ihn?

    Er ist doch nicht dein Kind, dass du ihm Vorschriften machen kannst!

    Dir wurden ein paar Vorschläge gemacht. Lass z.b. dein kind in so einer nacht bei dir im Bett schlafen und er geht dann ins Kinderzimmer seinen Rausch ausschlafen. Oder auf die couch ins Wohnzimmer. Oder er bleibt gleich die Nacht bei einem Kumpel.

    Wir reden hier von 3 +- Nächten von 365 im Jahr!

    Fordere nicht nur Rücksicht, nimm sie selbst zum Partner auch!

    • (22) 17.02.19 - 08:50

      Ist sind eher 12 + x Tage im Jahr und wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, mache ich ihm weder Vorhaltungen noch verlange ich irgendwas von ihm. Ihm war nicht bewusst, wie genau es mir dabei geht und hat von sich aus gesagt, dass man diese Situation ja in Zukunft vermeiden kann. Und ganz egal ob Phobie oder nicht. In einer Beziehung nimmt man immer Rücksicht auf die Befindlichkeiten des Partners, weil man möchte, dass es dem anderen gut geht. Ich mache Sachen, die ich sonst vielleicht nicht machen würde, weil ich weiß dass es ihm dann besser geht und umgekehrt ist es genau so. So lange man sich nicht komplett verbiegen muss finde ich das total in Ordnung. Und mal abgesehen von meiner Phobie finde ich es nicht in Ordnung wenn Kinder das gekotze der Eltern aufgrund von Alkohol mitbekommen.

Ich vermute, er weiss nicht, wie stark dein problem ist.
ich selbst wusste auch nicht, dass es so etwas gibt. ein gewisser grundekel ist ja „normal“.

ich würde es ihm nicht vorwerfen, sondern erläutern, was in dir vorgeht.
schwer.

Dein Partner war sturzbetrunken und das hältst Du für den richtigen Zeitpunkt, ihm Deine Panik zu schildern und von ihm Verständnis zu erwarten?

Nein, *das* kann ich nicht nachvollziehen. Deine Emetophobie durchaus, ich habe selbst eine Phobie, die erklärbedürftig ist, aber im normalen Alltag keine Rolle spielt.

  • (25) 16.02.19 - 08:42

    Das hatte ich ihm auch schonmal im nüchternen Zustand erklärt, aber da hat er es anscheinend nicht so ernst genommen wie es ist

Top Diskussionen anzeigen