Wann sollte man gehen?

    • (1) 02.03.19 - 10:06
      Inaktiv

      Hallo, mich beschäftigt ein sehr schlimmer Streit gestern mit meinem Mann. Wir haben ein Kleinkind und ein Baby. Mein Mann ist gerade total genervt von allem und unzufrieden. Er herrscht unser älteres Kind dauernd an, meckert nur mit mir rum. Ich bin krank, er wollte mit den Kindern raus gehen. Er stand in der Tür vom Kinderzimmer, ich war drinnen, wollte raus, um Babys Jacke zu holen. Er hat mir den Weg versperrt und ich wollte ihn zur Seite drücken. Daraufhin hat er mich bei den Schultern gepackt und ins Zimmer rein geschoben. Ich habe gebrüllt, dass er mich nicht schubsen soll. Daraufhin kam er auf mich zu, hat mich wirklich geschubst, um mir den "Unterschied" zu zeigen. Als ich sagte, dass er mich nicht anfassen soll, meinte er nur, dass er mich anfasst, wann er will. Ich kann schon nicht mehr sagen, was dann passiert ist, jedenfalls hat er mich - vor den Augen unserer Kinder- gepackt und wollte mich rauswerfen. Aus dem Haus. Ich habe mich natürlich gewehrt und mir dabei weh getan. Ich kriege gar nicht mehr alles zusammen, jedenfalls hat er mir das Baby aus dem Arm gerissen und wollte mich erneut rauswerfen. Wieder habe ich mich gewehrt und mir weh getan. Ich habe geschrien wie eine Irre und geheult. Unser Kind hat alles mitbekommen. Ich war so fertig. Mein Mann hat mir schon öfter gedroht, mich rauszuwerfen, wenn er das Gefühl hat, ich wollte nichts mit der Familie zu tun haben und würde nur mein eigenes Ding durchziehen. Was aber nicht stimmt. Ja, wir brauchen beide auch Zeit für uns und geben sie uns auch gegenseitig, aber ich liebe meine Familie. Auch im Urlaub hat er mir schon öfter gedroht, mich rauszuwerfen bzw auszusetzen. Ich drehe dann jedesmal total durch, auch, weil er regelmäßig sagt, dass er mir im Falle einer Trennung die Kinder nimmt, weil ich mich ins seinen Augen nicht richrig um sie kümmere. Ich habe mehrfach davon gesprochen, mich umzubringen, da ich in einem Leben ohne meine Kinder keinen Sinn sehe und die Schmerzen nicht ertragen könnte. Das würde er natürlich im Falle einer Trennung alles vor Gericht auspacken, sodass ich womöglich gar kein Sorgerecht bekommen würde. Er kümmert sich toll um die Kinder, auch, wenn er oft ungeduldig ist. Er ist gestern dann mit den Kindern zum Einkaufen los, ich bin heulend zu Hause geblieben. Er hat eine kurze Nachricht geschrieben, dass es im leid tut, dass er mich "angehoben" hat. Vorher hat er noch zig mal betont, dass er mir nicht weh getan hätte, hat das auch unserem Kind erklärt. Offenbar hat er Angst, dass unser Kind was im Kindergarten erzählt bzw ich was gegen ihn in der Hand habe. Ich habe ihm auch geschrieben, dass es mir leid tut und dass ich einfach Angst habe. Er kam vom Einkaufen zurück und hatte Blumen und Schokolade dabei, hat sich ernsthaft entschuldigt. Das konnte ich in dem Moment auch so annehmen, dennoch kriege ich die Bilder nicht aus dem Kopf, wie wir körperlich rangeln, weil er mich rauswerfen will. Ich habe kaum geschlafen die Nacht. Ich habe immer gesagt, dass ich gehen würde, wenn jemand handgreiflich wird. Das wäre für mich jetzt der Fall, auch, wenn er mich nicht geschlagen hat. Aber ich kann mich nicht trennen, u. A. auch wegen meiner oben beschriebenen Situation mit den Kindern. Ich weiß nicht, wie ich in eine solche Situation kommen konnte. Man hört oft von solchen Beziehungen, fragt sich, wie und warum Leute das aushalten. Nun bin ich selbst in der Situation. Wir kommen beide aus intakten Familien, haben beide studiert (beide Pädagogik!!) und trotzdem herrschen bei uns solche Zustände.
      Vielen Dank fürs Ausheulen dürfen.

      • (2) 02.03.19 - 10:26

        Wenn du Pädagogin bist, dann solltest du wissen, dass der schlechteste Ratgeber Angst ist, die verhindert, eine noch halbwegs rationale, bewusste und sich sowie andere schützende Entscheidung zu treffen. Ich finde es gut, dass du jetzt den Schritt getan hast, deine Geschichte hier zu erzählen und auch deine Ängste darzulegen. Die weiteren Schritte müssen in der Inanspruchnahme von so viel Hilfe, wie du kriegen kannst, bestehen.
        Ich kann natürlich nicht hellsehen, aber ich vermute mal, dass seine Äußerungen, dass er dir die Kinder entziehen will, vor allem dazu dienen, dich einzuschüchtern und dir Angst einzujagen. Seine Kinder scheinen ihn ja so, wie du das beschreibst, eher zu nerven, von daher kann ich mir kaum vorstellen, dass er solche Aussagen tätigt weil er ein besorgter Vater ist. Ein besorgter Vater der das Wohlergehen seiner Kinder im Blick hat würde davon abgesehen nicht die Mutter zu einem psychischen Wrack machen.
        Lange Rede kurzer Sinn, hol dir Hilfe, ganz viel, bei geeigneten Stellen, als Pädagogin müssten dir ja Anlaufstellen bekannt sein. Lass dich auch juristisch beraten.
        So schnell nimmt man dir shcon nicht die Kinder weg. #klee

        (3) 02.03.19 - 11:30

        Meinst Du wirklich, die richtige Lösung ist, sich das alles gefallen zu lassen?
        Folgt irgendwann die Konsequenz von Dir oder wie weit kann das gehen?
        Muss er Dich tatsächlich irgendwo aussetzen oder was kann er sich erlauben?
        Sollen Eure Kinder so aufwachsen?

        (4) 02.03.19 - 11:54

        Ihr tut euch beide nichts. Dein Mann wird körperlich und du drohst damit dich umzubringen und „drehst dann durch“.

        Holt euch Hilfe von außerhalb - völlig egal ob ihr gemeinsam weiter geht oder euch trennt. Ihr müsst beide was an euch tun.

        • (5) 02.03.19 - 15:21

          Das sehe ich auch so. Das Problem ist nur (in meinen Augen), dass ich mir für mich Hilfe hole, vielleicht noch nicbt die richtige, ich bin dran, er aber für sich nicht und er würde auch keine Paartherapie machen, da WIR ja kein Problem haben, sondern nur ich. Ja, er reflektiert sich selbst schon und hinterfragt sein Verhalten, aber im Grunde genommen bin ich immer diejenige, die falsch liegt.

          • (6) 02.03.19 - 16:21

            So viele Möglichkeiten hast du doch dann nicht.

            Love it, leave it or change it.

            Er will nichts ändern, du kannst ihn nicht ändern - nur dich.
            Leb so (für das Kind grausam), änder was dran (er will es aber nicht bei sich) oder geh eigene Wege.

          • (7) 02.03.19 - 17:06

            ... ernsthaft jetzt? Du ziehst dir den Schuh jetzt auch noch an, der dir hingestellt wird, obwohl deine körperliche Grenze überschritten worden ist?

        (8) 02.03.19 - 17:22

        "Dein Mann wird körperlich und du drohst damit dich umzubringen und „drehst dann durch"

        Das nennt man auch Verzweiflung angesichts der ganzen Situation.
        Eine Mitschuld der TE kann ich nicht identifizieren, aber es ist ja bei Urbia normal, dass Victim Blaming zum guten Ton gehört.

    (9) 02.03.19 - 12:10

    Ihr Pädagogen immer 🙈

(11) 02.03.19 - 12:28

Hi,
ihr erpresst euch beide gegenseitig emotional - er, indem er dir droht dich rauszuwerfen (kann er das denn überhaupt?) - du drohst ihm mit Selbstmord.
Dass die Zündschnur ab und zu mal kurz ist, wenn die allgemeine Belastung groß ist, kann man als menschlich betrachten, allerdings sollte es nicht darin enden, dass man sich gegenseitig und die Kinder psychisch fertig macht.
Liebt ihr euch denn noch? Sind solche Situationen eher die große Ausnahme in einer sonst eher funktionierenden Beziehung?
Wenn du allerdings für dich schon durchspielen musstest, dass du gehen würdest, wenn er handgreiflich wird, dann heißt das ja, dass du ihm diesen Übergriff zutraust.
(Wenn ich von mir ausgehe, musste ich mich mit solch einem Gedanken noch nie auseinandersetzen, also denke ich, dass man das in einer Beziehung eigentlich nicht tun muss.)
Ihr braucht eine Paartherapie und müsst an eurer Streitkultur arbeiten. So wie es jetzt läuft, macht ihr euer Zuhause für eure Kinder zur Hölle.

vlg tina

  • (12) 02.03.19 - 15:28

    Das sehe ich genauso. Mein Verhalten ist auch unter aller Sau. Keine Frage. Ja, wir lieben uns und trauen uns auch jedes Mal wieder zusammen. Wir streiten schon hin und wieder, haben aber über die Jahre eine ganz gute Streitkultur entwickelt. Es ist selten, dass es so eskaliert, aber wenn dann heftig und wie sind beide jedes mal schockiert.
    Er würde mich nicht schlagen, dass weiß ich. Aber mich zu packen und vor die Tür zu setzen wie ein Hund, ist nicht viel besser. Und mich verletzen seine Worte auch. Ich habe nie Gewalt erlebt, von keinem. Aber dass er ein psychisches Wrack aus mir macht, habe ich ihm auch schon öfter gesagt.
    Nein, dass ich gehen würde, wenn jemand handgreiflich wird, habe ich grundsätzlich und allgemein für mich und Beziehungen beschlossen, nicht auf meinen Mann speziell.

(14) 02.03.19 - 13:01

Kannst Du zu 100% festmachen, dass die familiären Probleme und die aktuelle Eskalation völlig alleine von Deinem Mann verursacht wurde? Es geht nicht darum, Dir zu sagen "Du bist schuld, dass er Dich gewalttätig angegangen hat", bitte versteh das nicht falsch. Ich habe eher den Eindruck, es geht euch BEIDEN in der Beziehung gerade schlecht und ihr macht jeweils den anderen Partner dafür verantwortlich. Und lasst es aneinander aus.

Falls das ein Irrtum ist, dann verlass ihn. Er kriegt sicherlich nicht das alleinige Sorgerecht, denn das müsste er a) erst einmal beantragen und b) nachweisen, dass Du (und nur Du alleine) den Kindern schadest.
Falls ich Recht habe dann wäre wichtig zu wissen, ob Du wirklich nur wegen der Kinder mit ihm zusammenbleiben willst oder ob eine für Dich wünschenswerte Alternative wäre, dass ihr mit Hilfe eure Probleme gebacken kriegt und wieder eine glückliche Familie werden könnt.

Mein Rat für den Moment: Abstand. Räumlicher Abstand und emotional eine Sendepause. Könnt ihr das gemeinsam beschließen und einrichten?

  • (15) 02.03.19 - 15:45

    Danke für deine gute Analyse. Klar trage ich Mitschuld!! Ich weiß ja auch, wo meine Knackpunkte liegen. Ich weiß, was ihn stört. Ich versuche auch schon, daran zu arbeiten, habe aber dann immer wieder das Gefühl, dass es nicht reicht. Ich habe das Gefühl, zu versuchen, aber er sieht es nicht. Er fühlt sich auch schnell angegriffenen und denkt häufig, dass ich ihn absichtlich ärgern will. Ich weiß, dass wir, vor allem ich, viel zu sehr gegeneinander kämpfen. Das Problem ist, dass er viel macht, viel Verantwortung übernimmt und sich um vieles kümmert, was unsere Familie betrifft. Ich dagegen neige leider dazu, die Verantwortung abzugeben, sobald jemand anders da ist. Ich habe lange alleine gelebt und mich mehr oder weniger gut um Dinge gekümmert. Oft habe ich aber auch Dinge schleifen lassen. Nun, wo ich Mutter bin, muss ich natürlich Verantwortung übernehmen. Das fällt mir in vielen Dingen schwer. Ich mache dann einfach nichts, mein Mann macht ja, was ihn natürlich nervt. Durch diese "Verteilung" ist irgendwie ein ziemliches Ungleichgewicht in unsere Partnerschaft gekommen. Ich fühle mich oft wie ein Kind. Das macht mich wütend ihm gegenüber, andererseits verhalte ich mich ja auch oft wie eins, wenn ich mich aus der Verantwortung ziehe. Vieles liegt mir Sicherheits auch in meiner Kindheit. Aus dieser Schieflage wieder heraus zu kommen, fällt mir unglaublich schwer. Ich bin da dran, aber es geht nicht von heute auf morgen. Gepaart mit dieser doch anstrengenden Zeit mit Baby und Kleinkind und wenig Schlaf, flippen wir beide natürlich schneller aus. Ich möchte schon, dass wir unser Familienleben und unsere Beziehung wieder in den Griff bekommen. Ich weiß, warum ich ihn geheiratet und Kinder mit ihm bekommen habe. Ich scheue mich nur davor, zu einer Beratungsstelle zu gehen, denn obwohl die vertraulich arbeiten, ist mein Mann hier in der Kleinstadt bekannt wie ein bunter Hund. Ich werde da aber nochmal schauen.
    Nun habe ich mir einiges von der Seele geschrieben. Danke euch für die tollen Anregungen. Durch das Schreiben habe ich viel reflektieren können, das hat mir gut getan. Danke für eure offenen Ohren und Worte!

(20) 02.03.19 - 18:35

Ehrlich gesagt hört ihr euch beide ziemlich asozial aus, ich hätte eher auf Brennpunkt getippt als auf intakte Familie mit Studium..
Drohung mit Selbstmord und körperliche Gewalt? Bei euch liegt extrem was im Argen! Was sollen eure Kinder da für Beziehungsmuster lernen?!

(21) 02.03.19 - 19:44

Hallo

bitte hole dir unbedingt fachliche Hilfe.
Du müsstest eigentlichen wissen, dass diese Stellen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind und nur durch Unterschrift davon entbunden werden können und Auskünfte erteilen. Das kann für dich nochmal sehr wichtig werden ,z.B. auch im Falle einer Trennung.
Es dokumentiert, dass du dir bereits im Vorfeld Hilfe gesucht hast, bevor einer von euch anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen hat.
Diese Beziehung ist mehr als schädlich für dich und die Kinder.

Jeder bringt sein Päckchen aus der Kindheit mit.
Manchmal kommen Paare zusammen, die trotz aller Liebe nicht hätten zusammen kommen sollen.
Man triggert sich gegenseitig im Laufe der Jahre immer mehr und dann kommt es zu diesen unhaltbaren Zuständen.
Du gehst psychisch den Bach runter, drohst mit Selbstmord.
Er verliert immer mehr die Kontrolle und wird auch im Beisein der Kinder gewalttätig.
Ihr braucht unbedingt fachliche Hilfe von außen.
Das bist du deinen Kindern schuldig.
Es einfach weiterlaufen zu lassen, halte ich für unverantwortlich

#klee

(22) 03.03.19 - 10:04

Man kann immer nur an sich selbst arbeiten, aber nicht an anderen Personen. Einem Mann, der mich körperlich angeht ("naja, er hat mich ja nicht geschlagen"...wenn ich sowas schon lese), regelmäßig mit Rausschmiss droht und nicht bereit ist, auch an sich zu arbeiten, hätte ich längst den Rücken gekehrt.
Und du gehörst dringend in eine Therapie, alleine aufgrund der Tatsache, dass du immer noch mit ihm zusammen bist. Und den einzigen Lebenssinn in seinen Kindern zu sehen und mit Selbstmord zu drohen, lässt auf psychische Labilität schließen.

Aber ich fürchte, das ist auch eher einer der unzähligen Threads, in denen sich halt ein bisschen "ausgekotzt" wird, um dann wieder eine Weile weitermachen zu können. Siehe "ich kann mich nicht trennen". Deinen Kindern erweist du damit einen Bärendienst, denn die sind euren Streitereien hilflos ausgesetzt.

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