Wie kann ich ihr helfen?

    • (1) 06.03.19 - 11:12
      Hilflos123

      Hallo zusammen,

      meine Frage hat mit einer sehr guten Freundin von mir zu tun. Ich kenne sie schon seit 15 Jahren. Seit einiger Zeit verändert sie sich total. Sie war schon immer sehr unsicher und meinte es allen recht machen zu müssen, war sich nie gut genug. Das hat ihre Mutter ihr so schön in der Kindheit eingebläut. Seit sie auch von ihrem Freund getrennt hat geht es ihr zusehends schlechter. Sie ist unglücklich verliebt (ihre Gefühle werden nicht erwidert). Gestern erzählte sie mir, sie habe letzte Woche eine fressattacke bekommen und sich danach den Finger in den Hals gesteckt. Außerdem hat sie sich alleine mit Schnaps betrunken. Sie hat meinen Freund mit dem ich seit 8 Monaten zusammen bin mit meinem Ex-Mann verwechselt und dann noch seinen Namen vergessen. Wusste, als ich den Namen von meinem Bruder genannt habe nicht, von wem ich rede (wir kennen uns wie gesagt 15 Jahre und unsere Brüder waren gut befreundet). Das macht mir große Sorgen aber ich komme nicht an sie heran. Sie spielt es runter, sagt ihr ginge es gut. Ich habe ihr gesagt, dass mich das sehr beunruhigt und sie gefragt, was los ist, dass sie mit mir reden kann und ich sie unterstütze wenn sie Hilfe braucht, aber sie redet es klein. Wie kann ich ihr helfen? Habt ihr einen Rat für mich?
      Danke für eure Antworten.

      • Ist sicher schlimm, das mit anzusehen.
        Aber aktiv tun kannst du nicht viel außer ein offenes Ohr anzubieten und den Kontakt zu halten. Sie vielleicht öfter mal einzuladen oder zu Unternehmungen mitzunehmen, damit sie auf andere Gedanken kommt und ihr zuhause die Decke nicht auf den Kopf fällt.

        Bedrängen würde ich sie nicht und bitte verlier dich nicht aus den Augen und setze dir selbst Grenzen, wie weit deine Hilfe womöglich gehen dürfte. Sie will sich dir nicht völlig anvertrauen. Das musst du leider akzeptieren. Du kannst ihr noch von der Telefonseelsorge bis Therapiesitzungen alles empfehlen. Fraglich, ob sie es annimmt.

        Liebeskummer ist immer doof und nagt am Ego. Die einen heulen wochenlang, andere verputzen Eiscreme in epischen Ausmaßen und andere ertränken ihr Elend in Alkohol. Aber wir wissen ja alle, dass es irgendwann bergauf geht.

        Sie macht von außen betrachtet und ohne sie zu kennen, keinen bedenklichen Eindruck. SIE hat sich von ihrem Freund getrennt - das erfordert Mut und Stärke.
        Jetzt hat sie sich neu verliebt - auch ein weiterer Schritt nach vorn. Auch wenn es nicht erwidert wird. Sie hängt nicht krankhaft im Gestern fest.

        Manchmal muss man als Außenstehender sowas aushalten. Nicht alles ist pathologisch und sollte sie sich täglich betrinken, erbrechen oder was auch immer wollen, ist das ein gutes Recht jedes Erwachsenen. Davon wird sie kein Arzt und keine höhere Instanz abbringen.

        (3) 06.03.19 - 14:10

        Ich hatte auch mal grauenhaften Liebeskummer, das ging echt über ein halbes Jahr so.

        Eine Freundin hat mich dann eingepackt und wir sind mit dem Zelt an den Lago Maggiore gefahren, da bin ich schnell auf andere Gedanken gekommen.

        Ein Ortswechsel durch Urlaub schadet ihr bestimmt nicht!

        • (4) 06.03.19 - 16:21

          Danke für deine Antwort. Leider kann ich nicht einfach spontan mit ihr weg, weil ich ein Baby habe. Als sie sich von ihrem Freund getrennt hatte, hat sie während meines Wochenbetts bei mir gewohnt (das hatte ich ihr angeboten). Da ich alleinerziehend war, war das schon eine enorme Belastung mich um mein Neugeborenes, meine verwirrte Freundin und meinen Hund zu kümmern, aber ihr ging es eine Zeit lang besser. Bei ihr ist der Liebeskummer aber nicht das Hauptproblem denke ich. Da ist irgendwas, was viel tiefer sitzt und da hilft ablenken nicht. Da muss was aufgearbeitet werden, aber ich weiß nicht, wie ich ihr das vermitteln kann, dass sie selbst die Notwendigkeit erkennt.

      Hallo,

      erstmal ein Kompliment - du bist eine wahre Freundin! Bei all der Sorge, solltest du dich selber schützen, damit dir die Kraft nicht ausgeht (also dir selbst was Gutes tun).
      Mitleid bringt sie in eine Abhängigkeit und drängt sie noch mehr in ihre Opferrolle, in der sie ohne hin schon steckt.
      Du hast ihr Hilfe angeboten und ihr gesagt, daß du für sie da bist. Jetzt ist sie dran. Wer keine Hilfe annehmen kann/will, muss halt selbst durch.
      Du könntest alle paar Tage ein kurzes Lebenszeichen von dir geben um ihr zu zeigen, daß du nach wie vor zu ihr stehst.
      Vielleicht kommt sie dann auf dich zu.
      Als erstes würde ich sie dann in Arm nehmen und ihr sagen, daß sie nicht allein ist, daß die meisten Menschen sowas durchmachen und daß es zu schaffen ist.
      Dann würde ich ihr sagen, daß die "unglückliche Liebe" gar nicht existiert, sondern ein nicht erwidertes Interesse. Die Liebe ist immer glücklich und entsteht ZWISCHEN Menschen.
      Wer glücklich sein will, muss akzeptieren daß auch andere Gefühle ihre Berechtigung haben. Man kann nicht ausschließlich angenehme Gefühle separiert von unangenehmen haben. Sie alle gehören dazu und müssen nicht bewertet werden. Alles darf sein: Trauer, Wut, Schmerz, Verzweiflung, Angst, Enttäuschung... sie zu betäuben und zu unterdrücken führt zum Abstumpfen und Depris.
      Sie soll es sich selbst erlauben schwach zu sein, zu heulen - wenn diese Phase vorbei ist, kann sie wieder Kraft tanken. Selbstliebe, Akzeptanz ihrer Situation und Eigenverantwortung - das sind drei Zauberzutataten, mit den Alles gelingt.

      Alles Gute für Dich und Deine Freundin

      Aljöna

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