Wie die Trennungszeit in gemeinsamer Wohnung durchstehen?

    • (1) 11.03.19 - 09:36
      SucheNachAusweg

      Liebes Forum,

      ich versuche mich kurz zu fassen: Ich habe mit meinem Mann drei gemeinsame Kinder, die alle noch unter 6 sind. Insgesamt kennen wir uns seit 10 Jahren.

      Unsere Ehe hatte schon viele Höhen und Tiefen, wir haben auch schon mal eine zeitlang mit dem Leben in zwei Wohnungen versucht. Mir ging es damit viel besser, da ich mich innerlich besser abgrenzen konnte, wenn mein Mann seine "schwierigen Phasen" hat. Mit der (nicht so ganz geplanten) Schwangerschaft unseres Jüngsten wollten wir versuchen, nochmal eine "richtige Familie" unter einem Dach zu sein. Insbesondere mein Mann hat sehr darauf gedrängt, dass wir wieder in eine gemeinsame Wohnung ziehen, ich hatte dabei auch viel Angst. Das ist jetzt zwei Jahre her, und leider haben sich viele Befürchtungen bestätigt.

      Mein Mann lebt jede seiner Phasen ungebremst aus, wenn ich versuche, eigene Bedürfnisse oder Gefühle zu artikulieren, wird er abfällig oder ungehalten.
      Nun habe ich auch noch herausgefunden, durch einen grässlichen Zufall am Tag des Geburtstags unserer Tochter, dass er heimlich andere Frauen trifft. Er sagt auf Nachfragen, dass er sich im Herbst bei Tinder angemeldet hat, "weil es mit mir immer so viel Streit gab und ihn das verletzt hat". Angeblich hatte er "nur" vier bis fünf Dates und hat mit den betreffenden Frauen nicht geschlafen. Zu einer davon könnte er sich aber grundsätzlich eine Beziehung vorstellen, wenn es mit mir zu Hause nicht wieder harmonischer wird.

      Ich kürze an dieser Stelle ab: Ich wäre so gerne frei. Ich möchte ein eigenes Zuhause, und ich möchte diesmal auch eine Scheidung. Ich soll sowieso schon so Vieles ertragen, mehr als ich ertragen kann, und nun auch noch andere Frauen? Das ist mir zu viel. Ich habe mich bereits rechtlich beraten lassen, und soweit sieht eigentlich alles rational betrachtet ganz gut bzw. machbar für mich aus - ich könnte jetzt einen Schritt vor den anderen setzen und nach und nach mit Hilfe meiner Anwältin klären, was geklärt werden muss. Wohnung, Unterhalt, Lösungen für die Papa-Kind-Beziehung, also Umgangsregelungen, ...

      Aber immer, wenn ich vor meinem Mann stehe, weiß ich, dass ich die Zeit von der ausgesprochenen Trennung bis zum tatsächlichen Auszug meines Mannes psychisch nicht schaffen werde. Er macht mich sobald das Wort Trennung/Scheidung/... fällt klein, droht mit "harten Bandagen", droht mich als Mutter überall schlecht zu machen, droht, dass er alles bekämpfen wird, was ich vorschlage, macht mir Angst. Nicht körperlich, aber psychisch-manipulativ. Ich weiß, es werden höllische Monate, so dass ich dann immer wieder einen Rückzieher mache, obwohl meine Anwältin quasi schon alle Schreiben vorbereitet hat und nur auf mein Startsignal wartet.

      Familiären Rückhalt habe ich keinen. In einer Welt, in der ich einen Wunsch freihätte, würde ich mir wünschen, dass jemand für ein paar Wochen (oder schlimmstenfalls wahrscheinlich 2-3 Monate) hier bei mir mit einzieht, bis zumindest die Wohnsituation geklärt ist und mein Mann akzeptiert, dass er ausziehen muss. Einfach nur jemand, der da ist, damit mein Mann sich mäßigt, und damit ich nicht immer Angst kriege und zurückzucke. Aber so jemanden gibt es nicht - alle Freundinnen haben selber Kinder und Co., und welche gute Fee könnte das sonst sein?

      Ich habe drei kleine Kinder und zwei Kater, und wohne in einer Stadt, in der ich derzeit keinesfalls als Alleinerziehende mit all meinem "Anhang" kurzfristig eine Wohnung finden werde. Ansonsten wäre es natürlich einfacher, wenn ich gehen würde, zumindest erstmal. Aber ich weiß nicht wohin.

      Mein Mann meint, wenn ich mich trenne, muss ich gehen. Die Anwältin wiederum ist sich sicher, dass die Wohnung vom Gericht den Kindern und mir zugesprochen würde. Aber bis dahin komme ich psychisch derzeit gar nicht...

      Wer hat einen Rat für mich??
      Danke im Voraus, und natürlich beantworte ich gerne Nachfragen.

      Liebe Grüße,
      SucheNachAusweg

      • (2) 11.03.19 - 10:12

        Hallo Du Liebe,
        Vorab: oft ist die Situation gar nicht so schlimm, wie in der Vorstellung, wenn man endlich mutig die Schritte einleitet und durchzieht.

        Er möchte Dich klein halten und droht Dir- aber rechtlich hast Du viel gegen ihn in der Hand. Wenn er sich tatsächlich quer stellt, wird er gezwungen werden zu zahlen. Denn der werte Herr hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.
        Und wer weiss, ob er überhaupt wirklich so reagiert, wenn Du Ernst machst?
        Hunde, die bellen, beissen nicht...

        Du und die Kinder könntet in der Übergangszeit sicherlich in einem Frauenhaus unterkommen, wenn die Situation zu Hause tatsächlich unerträglich ist.
        Ich würde raten, das vorab zu regeln, dass Du gehen kannst, wenn er wirklich unmöglich wird.

        Versuche aber erst, Dich gütlich mit ihm zu einigen.
        Als Aufhänger für das Trennungsgespräch würde ich die Frau von Tinder nehmen, mit der er sich eine Beziehung vorstellen könnte.
        Sage ihm, Du machst den Weg für die Beiden nun frei, da Du Dich trennst und schon Alles in die Wege geleitet hast.

        Zieh das Ding jetzt duch! Lass Dich nicht einschüchtern von ihm und erobere Dir Deine Freiheit und Deinen Frieden zu Hause wieder.
        2 bis 3 Monate vergehen schnell. Umso länger Du wartest, umso länger wird sich Alles hinziehen.

        Ich wünsche Dir viel Kraft und starke Nerven!
        DU schaffst das! #klee

        Alles Liebe,
        Katnissa

        • (3) 11.03.19 - 10:39
          SucheNachAusweg

          Danke, liebe Katnissa, dass du so schnell geantwortet hast und mir Mut machst. Ich hab sofort beim Lesen angefangen zu weinen. Ich MUSS es einfach schaffen, dies ist kein Leben mehr...
          Ich hoffe, es wird nicht so schlimm für die Kinder, bis wieder Ruhe einkehrt...

          • (4) 11.03.19 - 10:53

            Die Kinder spielen da oft besser mit, als man denkt.
            Sie merken sehr wohl, dass es der Mutter nicht gut geht. Und ihren Vater verlieren sie durch Eure Trennung ja nicht. Das wird Alles geregelt.#klee

            Eine Freundin von mir war in einer ähnlichen Situation, wie Du.
            Sie war psychisch am Ende und hatte solche Angst vor der Trennung.
            Als sie es aber tatsächlich durchzog, war die Situation gar nicht so schlimm. Im Gegenteil, ihr Mann spielte erstaunlicherweise sogar gut mit, als sie tatsächlich Ernst machte. Das hätte sie vorab nie vermutet!
            Sie zog zu ihren Eltern, die aber weiter weg wohnen. Die Kinder mussten Schule und Kita wechseln. Auch das klappte sehr gut!
            Ich wünsche Dir, dass es bei Dir genauso läuft #klee!

            Und vergesse nicht: es gibt sehr wohl Menschen, die Dir helfen und Dich unterstützen: Das ist Deine Anwältin und auch alle Beratungsstellen, die Du anläufst.
            Und wir stehen Dir hier auf Urbia auch zur Seite, wenn Du uns zum Ausheulen und Rat suchen brauchst #klee
            Du kannst mich auch jederzeit privat per PN anschreiben, wenn Du möchtest.

            Alles ist besser, als die momentane Situation zu Hause.
            Viel Kraft #klee

          • (5) 12.03.19 - 11:33

            Hallo, ich habe es gerade hinter mir. Ich musste auch mit den Kindern ausziehen, denn mein Ex wäre nie ausgezogen. Die Zeit als ich ihm gesagt habe, dass ich eine Wohnung habe und dann tatsächlich ausgezogen bin war schrecklich.. Panikattacken usw.
            Im besten Fall kommst Du dann schon irendwo anders unter oder versuchst Deinen Mann zu überzeugen bis dahin irgendwo unterzukommen. Ansonsten Augen zu und durch. Danach wird es besser.

        <<<Und wer weiss, ob er überhaupt wirklich so reagiert, wenn Du Ernst machst?
        Hunde, die bellen, beissen nicht...>>>

        Dem kann ich nur zustimmen. Mein Ex war auch so und drohte, wo es nur ging. Als es dann wirklich zur Trennung kam (von meiner Seite her), ist er zusammengebrochen. War er sich doch seiner Sache so sicher.

        zu TE:
        Trenn dich schnellstens. Sollte er dir drohen, hab keine Angst, bleib auf deinem Weg. Er wird schnell merken, dass er da nicht weiter kommt. Er wird erst ganz lieb und nett versuchen und wenn das nicht fruchtet, bekommt er wieder einen Ausraster. Er ist einfach nur hilflos, das lässt er dich dann spüren.

    Das wird nicht einfach.
    Mein Exmann ist damals auch völlig durchgedreht (er hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung), es war die Hölle. Ich hatte danach eine PTBS und habe einiges an Therapie gebraucht um darüber hinwegzukommen.
    Versuche auf jeden Fall dir Hilfe zu holen, und geh zur Not mit den Kindern übergangsweise in eine Ferienwohnung oder ins Frauenhaus.
    Ich hatte damals das Glück dass meine Oma mir Geld gegeben hat so dass ich finanziell nicht völlig runiert war, das ist natürlich auch ein schwieriger Punkt. Generell ist es aber so dass der die Kinder behält Dinge wie Waschmaschine etc. zugesprochen bekommt, egal wer die bezahlt hat.

    • (9) 11.03.19 - 10:47
      SucheNachAusweg

      Liebe Bleathel,

      es tut mir sehr leid, dass du auch so etwas erlebt hast.
      Ums Geld mache ich mir zwar auch Sorgen, aber ich hoffe, dass ich vielleicht, wenn meine Reserve zu Ende geht, mir eine Art zinsfreien Kredit von meinem Vater erbitten kann und ihm das Geld nach der Elternzeit in Raten zurückzahlen.

      Die Idee mit der Ferienwohnung ist glaube ich gut, weil ich da auch eine finden könnte, in der Tiere erlaubt sind, denn nicht mal die beiden lieben Kater möchte ich bei meinem Mann im „Ausnahmezustand“ zurücklassen.

      Du meinst, vielleicht Trennung aussprechen, Anwaltspost in die Wege leiten, und dann erstmal 2 Wochen oder so mit allen in eine Ferienwohnung verschwinden, bis er sich hoffentlich etwas beruhigt hat?
      Darf ich das überhaupt bei gemeinsamen Sorgerecht?? Weil, wenn ich ihm die Adresse der FeWo sagen muss, und er dann dort wieder auf der Matte steht und mich belagert, dann habe ich ja nichts gewonnen.....

      Danke, dass auch du dir so schnell die Zeit für eine Antwort genommen hast.

      • Hallo

        das alles wird dein Anwalt in die Wege leiten.Wenn du keine große Entfernung herstellst, kannst du sehr wohl mit den Kindern ausziehen.Schildere deinem Anwalt das ehe feindliche Verhalten deines Mannes ( incl. der Drohungen ).
        Dein Anwalt wird ihm die Umgangszeiten mitteilen.
        Als erstes würde ich eine Familienberatungsstelle ( der Gemeinde, Caritas u.s.w ) aufsuchen.Dort erhältst du kostenlos Hilfe und Unterstützung.
        Ich würde auch sofort nach einer Wohnung suchen,wichtige Unterlagen kopieren und zu deinen Eltern bringen.Man kann vieles telefonisch und online erledigen und die gemeinsame Zeit in der Wohnung verkürzen.
        Ich habe vor vielen Jahren, meinen Auszug mit drei Kindern fast unbemerkt vorbereitet.
        Überlege genau wen du einweihst ( Bekannte, Freunde etc. )
        #klee

Hallo und gleich vorab: viel Kraft für den Weg, der dir da bevorsteht!

So wie du deine Situation beschreibst, scheints du aber die richtige Entscheidung getroffen zu haben und ich wünsche dir, dass du die Kraft hast, sie durchzuziehen - für dich und deine Kinder!

Grundsätzlich finde ich es logisch und vernünftig, dass du dir vorab Gedanken über seine Reaktion machst - du kennst ihn und wirst sicher Gründe für deine Bedenken und Ängste haben.

Aber, wie eine andere Userin schon schrieb: "bellende Hunde beißen sind". Oder auch: er versucht, dir aktuell zu drohen, um eine Trennung abzuwenden.
Wie er dann reagiert, wenn du den Schritt schon vollzogen hast und ihm den Scheidungsantrag hinlegst, steht auf einem anderen Blatt.
Wichtig: wenn du das tust, solltest du in deiner Entscheidung absolut klar sein. Du solltest ihm ganz ruhig und vernünftig erklären, dass du dich zu diesem Schritt entschlossen hast und es kein zurück mehr gibt.
Dass es dir aber wichtig ist, sowohl für die Kinder als auch für euch beide, dass ihr diese Situation gemeinsam und erwachsen meistert. Frag ihn, wie er das mit dem weiteren Zusammenleben sieht und was er vorschlägt - vll möchte er ja selbst nicht dableiben...

Geh also fürs erste mal nicht vom Schlimmsten aus - vielleicht reagiert er doch vernünftiger als du denkst, vor allem wenn er merkt, dass er dir wirklich ernst damit ist.

Dennoch finde ich den Vorschlag einer FeWo gut - vielleicht kannst du dir ja vorab schon mal 2-3 FeWos in der Umgebung raus suchen.
Wenn die Situation daheim dann unerträglich wird, hast du kurzfristig einen Plan B auf den du ausweichen kannst.

Ich würde auch nochmal mit deiner Anwältin sprechen - vielleicht wäre es gut, wenn sie beim ersten Gespräch mit deinem Mann dabei wäre? Sie kann Sprüche wie "ich werde dich bekämpfen" sachlich entkräften und auch ihm klar machen, wie das in den kommenden Monaten ablaufen wird.

Alles Gute!

Geh zu einer Frauenberatungsstelle deiner Stadt. Dort gibt es Rat.

Eigentlich sollte dir deine RÄ zur Seite stehen und nicht nur den Schriftverkehr regeln. Du bist nicht die 1. und einzige mit so einem Typen. Sie sollte dir mitteilen, welche Unterlagen du sichern musst, was rechtlich möglich ist und was nicht. Immerhin verdient sie ihr Geld mit dir und das meist nicht zu knapp.
Was muss denn jetzt schon an Post an den Mann raus? Du könntest dir eine Wohnung suchen und ihn eine Woche vor Auszug informieren.

Und wenn es so schlimm wird, dass du in ein Frauenhaus flüchten müsstest, kannst du auch die Polizei rufen. Die können ihn für ein paar Tage der Wohnung verweisen und dir Luft verschaffen. Angst haben musst du nicht in den eigenen 4 Wänden haben.

  • (13) 11.03.19 - 12:56
    SucheNachAusweg

    Ich wollte diesmal eigentlich versuchen, in der Wohnung zu bleiben, wenn irgend möglich. Um die Kinder nicht nach 1,5 Jahren wieder zu entwurzeln, und weil ich auch nach Einschätzung der RÄ in meiner Stadt alleinerziehend mit drei Kindern und zwei Katern derzeit nichts finden werde.
    Ich gucke schon einige Zeit heimlich.
    Das Schreiben der RÄ sollte dazu dienen, die Trennung/Scheidung offiziell einzuleiten, und meinen Mann zum Auszug innerhalb von 3 Monaten aufzufordern.
    In dem Moment, als sie sagte, dass ein Gericht sicherlich mir und den Kindern die Wohnung zusprechen würde, war ich erleichtert. Erst zu Hause im Angesicht meines Mannes wurde mir wieder klar, wie schwer die Umsetzung wird, bzw. das Aushalten der Zwischenzeit.

Falls du jemand bist, der gerne Rat aus Büchern zieht, hier zwei, die Mut machen und auch ganz praktischen Rat geben:

"Ich verlasse dich: Ein Ratgeber für den, der geht" von Sandra Lüpkes

und für verschärfte Fälle, wie deiner einer zu sein scheint: "Mein (Ex-)Partner ist ein Psychopath: Wege aus der Opferfalle" von Bärbel Mechler

Viel Glück!

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