"Zu schüchtern" gibts nicht? Gibts doch!

    • (1) 07.04.19 - 23:18
      Geht ran

      Da hier ja oft Frauen sind, die das Verhalten ihrer angebeteten Noch-nicht-Partner vom Forum gern analysieren lassen ("Mag er mich odet nicht?" - "Hat er Interesse oder ist er nur höflich?" - "Warum meldet er sich nicht?" etc.), und diesen Frauen hier meist gesagt wird "Ein Mann, der Interesse hat, zeigt das auch", mal ein gegenteiliges Beispiel aus aktueller Praxiserfahrung. 😊

      Ich habe vor zwei Jahren einen Mann kennengelernt über gemeinsame Bekannte und Interessen, zu dem ich nur sporadisch persönlichen Kontakt hatte. Dieser Kontakt hat sich erst vor ein paar Wochen intensiviert, als er mir bei etwas helfen sollte, was er auch gern und bereitwillig tat. Da wir dabei etwas mehr geredet haben als sonst üblich, merkte ich schnell, dass er mir eigentlich ganz gut gefällt.

      Im Zusammensein hatte ich immer den Eindruck, dass die Sympathie auf Gegenseitigkeit beruht. Jedoch hat er nie von sich aus einen weiteren Kontakt gesucht. Ich bin normalerweise der Typ Frau, der nicht gern den ersten Schritt macht, in diesem Fall tat ich ihn nicht nur 1x sondern mehrfach. Immer wieder wollte er sich dann auch sofort mit mir treffen, wir verbrachten lustige Abende (rein freundschaftlich bisher) und danach meldete er sich aber wieder nicht von sich aus, ich musste immer den ersten Schritt tun. Beim letzten Mal dachte ich dann, jetzt ist echt er mal dran. Habe mich nicht wieder gemeldet. Und es kam: NICHTS.

      Nach zwei Wochen wollte ich es eigentlich schon abhaken, dachte aber dann, egal, kontaktiere ich ihn trotzdem noch mal und versuche herauszufinden, was das Ganze eigentlich zu bedeuten hat. Habe ihm offen gesagt, dass ich ihn sehr mag und etwas traurig bin, dass er sich gar nicht mehr gemeldet hat seit dem letzten Treffen, ob ich etwas falsches gesagt oder getan habe oder was los ist. Der Mann fiel aus allen Wolken. Er habe sich nicht im Traum zu hoffen gewagt, dass ich ihn gern habe. Ich fragte ihn, was er denn dachte, warum ich mit ihm mich mehrfach getroffen habe sonst. Ja, das hätte er sich ja auch gefragt, aber ihm sei klar gewesen, dass ein Mann wie er bei einer Frau wie mir nicht landen kann. Ich fragte ihn, was man denn als Frau machen muss, damit er merkt, dass man ihn mag, nackt auf den Schoß springen? Er meinte, nicht mal dann hätte er es geglaubt.

      Und das ist ein toller gutaussehender netter gestandener Mann, von dem man nie Schüchternheit oder Unsicherheit erwarten würde, wenn man ihn sieht und erlebt, er wirkt total selbstbewusst.

      Naja, das mal nur als alternatives Erlebnis zum Thema "wenn er was will, merkt man das schon". Denn seit ich mich "offenbart" habe, kann ich mich über mangelnde Aufmerksamkeit, süße Komplimente und Liebesbekundigungen wahrlich nicht mehr beschweren. Es gibt sie eben doch, die schüchternen Manner, die einfache subtile Signale nicht verstehen und sich dann auch nicht ran trauen. 😁

      Sind diese Fälle denn echt so selten?

      • (2) 08.04.19 - 07:27

        Ich glaube nicht, dass das selten ist. Ich glaube aber, dass so schüchterne Männer nicht jedermanns Sache sind.

        Für mich wäre so jemand nichts. Und ich gehe davon aus, dass der Großteil der Frauen das so sieht. Für mich ist das nämlich eine sehr unmännliche Eigenschaft.

        Aber jeder ist nun mal anders.

        • Und warum sollte Schüchternheit nur Frauen vorbehalten sein?
          Ist für einige Männer sicher auch "unweiblich" :-p

          • (4) 08.04.19 - 10:38

            Deswegen schrieb ich: jeder ist anders.

            Dennoch glaub ich, dass der Großteil Frauen lieber einen „starken“ Mann an ihrer Seite hat, und keinen mit nem Stock im ..

            • Die Schüchternheit bezieht sich ja aber manchmal nur auf die Anfangsphase, ich kenne das selbst. Davon war nach ein paar Wochen nichts mehr zu merken ;-)

              (6) 08.04.19 - 13:26

              Er ist ganz und gar keiner mit Stock im A..., wie die/der Vorredner/in schon sagte, betraf das nur die Anfangsphase, und da gab er sich auch nicht unmännlich, sondern einfach zurückhaltend reserviert, ließ sich nicht in die Karten gucken emotional, bevor ICH sagte, was ich denke / fühle. Er kam sogar sehr männlich so rüber, da rational wirkend und nicht emotional. Jetzt, wo er weiß, dass die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen, ist es einfach nur total schön und wird mit jedem Tag schöner. Er ist total aufmerksam, liebevoll, lässt mich nie im Ungewissen, spielt keine Spielchen, kann mich aber auch aufziehen, necken und frech sein, ich fühle mich zum ersten Mal seit Langem mal wieder richtig angenommen und gemocht / geliebt, so wie ich bin. #verliebt

      Für mich wäre ein schüchterner Typ nie in Frage gekommen....

      • (8) 08.04.19 - 14:19

        Das dachte ich auch immer, aber er wirkt gar nicht schüchtern im normalen Leben, ich habe ihn ja als Freund/Kumpel erst kennengelernt, da war er total offen, kontaktfreudig, witzig und nicht auf den Mund gefallen. Erst als ich dann anfing ihn mehr zu mögen, habe ich vergeblich meine Angel ausgeworfen, er sprang einfach auf keine Signale an, wirkte nicht an mir interessiert als Frau, bis ich den ersten Schritt auf ihn zuging.

    > Denn seit ich mich "offenbart" habe, kann ich mich über mangelnde Aufmerksamkeit,
    > süße Komplimente und Liebesbekundigungen wahrlich nicht mehr beschweren.

    Eine schöne Geschichte, danke dafür! :-D

    (10) 08.04.19 - 16:01

    Ich behaupte mal, daß das Gefühl nicht gut genug zu sein, bei Männern genauso verbreitet ist, wie bei Frauen. Und daraus resultiert dann oft Unsicherheit der Frau gegenüber.
    Wenn nicht früh positiv geprägt, dann ziehen sich die meisten Jungs komplett zurück.
    Nehmen die Avancen der Frauen nicht ernst (die kann doch nicht wirklich mich meinen).

    Ja, die Lauten bestimmen die Welt und stehen auf der Bühne. Aber nicht alle sind laut. Bei den Stillen finden sich viele Feingeister (gilt für beiderlei Geschlecht), die sich in einem "sicheren" Umfeld öffnen und nochmal eine ganz andere Welt offenbaren.

    So ein Mann, wie Du ihn beschreibst, ist sicher flexibler in vielen Ansichten wie die "Hallo-hier-komm-ich und wo-ich-bin-ist-vorne" Fraktion.

    Von 10 Jungs in meinem Team, würde ich 7 als eher schüchtern bezeichnen. Alles feine Kerle, teils mit, teils ohne Partnerin und vom Alter zwischen 20-57 Jahre.

    • (11) 08.04.19 - 16:54

      Ja, da hast Du recht, ich merke gerade auch, dass es bei einem zurückhaltenden Mann viel zu entdecken gibt, wenn man ihn dann näher kennenlernt und er sich anfängt zu öffnen und mehr und mehr Vertrauen entsteht, das ist gerade sehr spannend und faszinierend, gerade WEIL er mir so nach und nach mehr Aufmerksamkeit schenkt und Vertrauen als nicht nahestehenden Menschen. Da entsteht dann auch so ein besonderes Band dann, das es zu pflegen und schützen gibt, um das Vertrauen nicht zu enttäuschen irgendwann.

      Ich hatte vorher jahrelang eine Beziehung zu einem Narzissten und kann gerade gar nicht sagen, wie gut mir dieser Mann mit seiner echten aufrichtigen Zuneigung tut. Den geb ich nie wieder her, wenn er nicht von sich aus das Weite sucht. 😍😊

(12) 08.04.19 - 16:11

Eine schöne Geschichte - und dann auch noch mit happy end, prima!

Bei uns war es ähnlich. Meinen Partner habe ich im weiteren beruflichen Umfeld kennengelernt.

Mir hat er auf Anhieb gefallen, wir haben uns dann wiederholt auch länger gut unterhalten. Ich bin ungern in der Situation, auf etwas warten zu müssen, also habe ich ihm am Ende eines Gesprächs mal gesagt, dass ich später noch essen gehe und ob er sich nicht anschließen mag. Mochte er.

Jetzt ist es halt so, dass angenehme Unterhaltungen nicht unbedingt Anhaltspunkte dafür sind, ob mehr als Sympathie vorhanden ist. In der Folgezeit haben wir zwar auch mal was unternommen, aber so richtig vorwärts ging es nicht. Mal dachte ich, dass Signale da sind, mal eher nicht.

Ich war aber bereits fest entschlossen und mir ist dann auch eine Abfuhr lieber, als es gar nicht erst versucht zu haben. Also habe ich an einem Abend meinen Mut zusammengenommen, das Gespräch auf den passenden Boden gelenkt und ihn dann geküsst. OK, er ist erst mal fast vom Stuhl gefallen vor Überraschung, aber mittlerweile sind wir seit mehr als 20 Jahren ein glückliches Paar.

Später habe ich ihn gefragt, wie er sich eigentlich den Verlauf weiter vorgestellt hätet, wenn ich nicht zuerst gehandelt hätte. Er meinte dann, dass er sich das so schnell nicht getraut hätte und keinen Fehler machen wollte. Mit der Schüchternheit war es damit jedenfalls endgültig vorbei, davon war nach dem Kuss nichts mehr zu spüren.

Meiner Meinung nach stellt das weder meine Weiblichkeit noch seine Männlichkeit in Frage. Gerade bei der Annäherung von Männern und Frauen ticken die Uhren nicht zwangsläufig so, wie es im Umgang mit nicht begehrten Menschen oder eben in anderen Lebenssituationen der Fall ist. Auch eine gestande Frau oder ein gestandener Mann kann sich schüchtern zeigen. Die Besonderheit besteht ja gerade darin, dass man den anderen toll findet, sehr hofft, dass es umgekehrt auch der Fall ist und eine Zurückweisung schmerzlich ist.

  • (13) 08.04.19 - 16:48

    Das ist aber eine sehr schöne Geschichte. 😍

    Ja eben, heißt ja nicht, dass die Person generell verklemmt ist oder so, ich bin selbst immer total schüchtern eigentlich, wenn ich jemanden toll finde, und versuche alles, um das zu überspielen, damit der das ja nicht merkt aus Angst, mich zu blamieren oder abgewiesen zu werden.

    Aber hier waren die Signale so widersprüchlich, dass ich auch irgendwann dachte, entweder warte ich jetzt noch ewig vergeblich darauf, dass er von sich aus auf mich zukommt, oder ich wage mich einfach selbst mal etwas aus der Deckung, Versteckspiel, wenn BEIDE sich verstecken, funktioniert ja nicht. 🙈😂

    Ansonsten sind wir beide nicht auf den Kopf und auch nicht auf den Mund gefallen, und da ich vorher einen Hallodri im Visier hatte, der alles anflirtete was sich bot, ist das mit einem in der Hinsicht zurückhaltenden Mann jetzt auch für die eigenen Nerven und den Aufbau von Vertrauen doch deutlich entspannter. 😉😊

(14) 08.04.19 - 17:46

Darf ich mal fragen, ob du in den ersten 2 Jahren auch mal das Gefühl hattest, er sei nicht interessiert? Sogar teilweise ablehnend? Ich habe das bei einem Mann. Manchmal denke ich er mag mich, manchmal denke ich, er interessiert sich nicht für mich.

  • (15) 09.04.19 - 15:37

    Er war immer recht zurückhaltend, aber immer freundlich zu mir. Generell bleibt er im Umgang auch mit anderen Leuten immer freundlich, aber reserviert. Das Gefühl, dass er mich nicht mag oder ich ihm egal bin, hatte ich bei ihm nicht. Er hat schon immer mal wieder meine Nähe und Kontakt zu mir gesucht. Eine gemeinsame Freundin von uns meinte schon vor einem Jahr zu mir, dass sie in einem Gespräch auch auf mich gekommen seien und sie daher wisse, dass er mich unheimlich gern mag. Wenn wir miteinander zu tun hatten, war er auch früher immer sehr lieb, aber er hat sehr selten Kontakt zu mir gesucht, meist kontaktierte er mich, wenn er auch einen Grund hatte. Dass er als Frau an mir interessiert ist, das Gefühl hat er mir aber tatsächlich nie vorher gegeben.

Anfangseuphorie!
Warte mal ab, bis sich die Macken zeigen. Warum diese Sahneschnitte noch frei war. Sicher nicht aus Schüchternheit und Angst vor Frauen außerhalb seiner Liga.

  • (17) 08.04.19 - 20:32

    Du schreibst vom Freund der TE, als hätte er über die Schüchternheit in der Anbahnungsphase hinaus zwangsläufig Probleme, die dazu führen, dass er überhaupt noch zu haben war. Das wissen wir doch gar nicht und irgendwelche Macken haben wir doch alle. Oder meinst du, dass mit jedem etwas nicht stimmt, der in einem bestimmten Alter noch zu haben ist?

    In meinem Fall mündete die Anfangseuphorie jedenfalls in einer Beziehung von mittlerweile 21 Jahren.

    Ich wünsche der TE, dass es bei ihr ebenso sein wird.

    (18) 09.04.19 - 15:44

    Ja, kann sein, oder auch nicht. Er hat zwei langjährige Beziehungen hinter sich (1. Liebe 5 Jahre, 2. Liebe 15 Jahre mit Ehe und Kind), all zu unerträglich kann er da ja nicht sein. ;-)

Eine Geschichte, die Mut macht. Für beide Geschlechter. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Dass man von Männern häufig diesen Eroberungswillen und die Initiative erwartet bzw. voraussetzt, hat in meinen Augen v.a. etwas mit tradierten Rollenbildern von Männern und Frauen zu tun. Er erobert, sie lässt sich erobern.

Immer wieder erfrischend zu erfahren, wenn Menschen diese Rollenbilder ad acta legen!

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