Freundin ist ein Energievampir SILOPO

Hallo Forum,

eigentlich gehört das Thema ins Freundschafts-Forum, ich möchte heute aber lieber anonym schreiben. Ich weiß auch gar nicht, was für Antworten ich mir erhoffe... ein SILOPO halt.

Ich hab eine Freundin, mit der ich aufgewachsen bin und die praktisch wie eine Schwester für mich ist. Mittlerweile trennt uns eine gewisse Distanz, über die ich zugegebenermaßen glücklich bin. Meine Freundin ist ein Energievampir wie er im Buche steht. Sie ist als Narzisstin (und andere psychische Baustellen) schon viele Jahre in Therapie.

Bei unseren ca. wöchentlichen Telefonaten geht es meist um sie und ihre vielen Probleme. Job scheiße, Chef unfair, Kollegen unkollegial, ihr Partner nutzt sie nur aus, ihre Eltern machen wieder mal Stress, Auto kaputt.... Es ist eine endlose Litanei an (selbstverschuldetem) Leid und Elend. Ein Trauerspiel. Ihr gesamtes Dasein ist dunkelschwarz.

Konkrete Lösungsansätze werden wegdiskutiert oder ignoriert. Sie hat eine wahnsinnig hohe Erwartungshaltung an ihre Umwelt. Alle anderen sind Schuld an ihrer Misere. Sie rechnet Geschenke auf - sie schenkt in der Erwartung, dass größere Geschenke zurück kommen. Sie macht sich wirklich selbst unglücklich.

Zugegebenermaßen hatte sie nicht den leichtesten Start ins Leben und ich finde, sie hat sich echt gut gemacht. Ich sage ihr auch immer, was sie gut gemacht hat, worauf sie stolz sein kann, ich unterstütze sie soweit ich kann. Und ich gebe ihr auch ziemlich unverhohlen Paroli, wenn sie anderen Unrecht tut (z.B. ist meiner Meinung nach ihr Partner das Opfer in deren Beziehung...).

Nur werde ich das Gefühl nicht los, dass das alles vergebene Liebesmüh' meinerseits ist. Es ist, als rede man gegen eine Wand. Meinungen/Anregungen, die nicht in ihr Weltbild passen, werden überhört. Ich hab mal ein paar Monate lang versucht, sie einfach reden zu lassen. Also dass sie sich bei mir auskotzen kann und ich höre einfach nur zu, ohne Ratschläge zu geben oder die Dinge zu reflektieren. Ich hab dann daneben gekocht oder so und nur mit 1/2 Ohr zugehört. Ist aber für mich auch unbefriedigend, ihrem Monolog 1 Stunde lang zu lauschen.

Nach den Telefonaten mit ihr fühle ich mich wirklich leer gesaugt, energielos, negativ.

Auf der anderen Seite hat sie natürlich auch ihre guten Seiten, sonst würde uns keine so lange Freundschaft verbinden.

Kontaktabbruch möchte ich nicht. Wie gesagt, sie ist wie eine Schwester, die lässt man auch nicht einfach hängen. Über die Jahre wurde sie auch wirklich reflektierter und fragt zumindest, wie's mir so geht.

Ihr fehlt oft das Verständnis für die Dinge, die mich bewegen. Sie meint, ich wurde ja mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und sie musste immer um alles kämpfen. Wirkliche "Probleme" hab ich tatsächlich nicht, ich bin aber auch ein zufriedener, demütiger und dankbarer Mensch. Trotzdem würde ich gerne Themen ansprechen, die mich belasten. Aber im Gegensatz zu ihren "großen Problemen" sind meine kleinen Wehwehchen unwichtig.

Mir geht's gar nicht unbedingt darum, dass ich sie mit meinen Problemen zumülle. Ich kann meine Problemchen schon selber lösen. Viel lieber würde ich mit ihr über die vielen schönen, positiven Dinge reden, die in unseren Leben so passieren.

Bisher konnte ich mich mit ihrer Persönlichkeit gut arrangieren. Aktuell mache ich aber auch eine schwere Phase durch und hab keine Energie mehr zu "verschenken". Daher überlege ich, wie ich die Freundschaft ressourcenschonender für mich gestalten kann. Ob ich sie bitten soll, mir ihre wiederholten Probleme zu ersparen. Oder die wöchentlichen Anrufe auf monatliche Anrufe reduzieren soll. Hm, keine Ahnung, vielleicht fällt der Schwarmintelligenz ja was schlaues ein...

Zur Info, wir sind beide Anfang 30.

Sorry, dass ich euch so zugemüllt habe. Aber ich fühle mich bereits jetzt erleichtert, mir das ganze mal von der Seele geschrieben zu haben #danke

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Kannst Du ihr das nicht einfach sagen, dass es Dir momentan selbst nicht so gut geht und Du gerade keine Kraft und Nerven hast, Dir von ihr dauernd nur Negatives anzuhören? Ich würde ihr sagen "Du sorry, aber ich habe momentan selbst nicht die beste Laune und bin daher als seelischer Mülleimer gerade gar nicht gut geeignet. Können wir bitte mal nicht über Negatives und Probleme reden? Erzähl mir doch mal was Schönes. Sorry, aber das zieht mich einfach tierisch runter gerade alles." Und wenn sie dann weiter klagt, würde ich das Gespräch beenden und ihr sagen, sie kann sich gern wieder melden, wenn es mal nichts zu klagen gibt, wie gesagt, momentan genug eigene Probleme und daher weder belastbar noch guter Ratgeber.

Was gibt sie Dir denn überhaupt, dass Du dran festhalten willst? Ich habe mich mit Ende 30 konsequent von allen Menschen getrennt, die mir nicht gut tun, das Leben ist echt viel zu kurz und zu schön, um es mit den falschen Leuten zu verbringen. 😒

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Genau meine Idee.
Würde ich genauso vorschlagen!

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Naja, diese Freundin weiß, dass ich aktuell selbst mit leichten Depressionen zu kämpfen habe. Durch die Blume hab ich ihr das bereits gesagt. Nächstes Mal werde ich ihr das direkt so sagen. Danke für die ausformulierten Worte.

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Hast du es schon einmal mit gezielt und bestimmt Thema wechseln versucht, wenn sie wieder nur klagen will? "So, jetzt sprechen wir über was anders, okay".
Und wenn das dann auch nicht hilft, sagen, "du, ich habe jetzt keine Zeit, ich hab was zu tun, bis irgendwann mal".

Manchmal funktioniert sowas. Bei manchen Menschen. Allerdings ist es eine langwierige, mühsame Methode und Widerstand quasi garantiert und möglich ist auch, dass sie dann die Freundschaft beendet, weil du ihr nicht mehr gibst, was sie von dir braucht. Ich schreibe dir das auch nur, weil du sagst, an der Freundschaft festhalten zu wollen, obwohl diese nur einseitig ist und du so wütend auf sie, dass sie die Narzisstin ist (ist das so?).

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Ja, das haben ich (und andere gemeinsame Freunde) bereits probiert. Sie ist dann schon verletzt, dass man sich keine Zeit nimmt für sie, akzeptiert es aber, wenn man mal keine Lust auf den ewig gleichen Terz hat.

Sie sagt von sich selbst, dass sie diagnostizierte Narzisstin in Behandlung ist. Mit ihren psychischen Problemen geht sie recht offen um. Das kam in meinem Eingangspost eventuell falsch rüber, sorry - das war keine Beleidigung, sondern eine Feststellung.

Sie versucht ja auch an sich zu arbeiten. z.B. fragt sie bei Telefonaten inzwischen am Anfang, wie es mir geht und was ich so treibe. Es bleibt halt oft bei der Bemühung - sie hört ein paar Minuten zu, dann geht wieder die alte Leier los. Bzw. mag ich es selbst nicht, Monologe zu führen - wenn von ihr dann kein Input kommt, lasse ich mein Thema wieder und wir reden dann wieder über sie. Ich schrieb ja, über die Jahre wurde das durchaus besser.

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Ich persönlich kenne keinen Narzissten, der diagnostiziert ist oder auch nur ansatzweise zugeben würde, Narzisst zu sein. Das kommt nämlich im Narzissten-Universum nicht vor.
Vielleicht klingt das für deine Freundin irgendwie besser und ist ja auch momentan eine „Modediagnose“, aber das zugeben von Narzissmus schließt diesen eigentlich aus.

Es gibt jede Menge Persönlichkeitsstörungen, die auf die Symptome deiner Freundin passen könnten. Ein guter Überblick ist zb hier https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/persoenlichkeitsstoerung.html

Grundsätzlich ist sie ein armes Ding und ich kann gut verstehen, dass sie dein Mitleid weckt. Und es ehrt dich, dass du zu ihr bisher loyal stehst. Aber das tut euch beiden nicht gut. Sie entwickelt sich nicht weiter und du hast ja ganz objektiv betrachtet so gar nichts von dieser Freundschaft.
In allen zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es immer mal Phasen, wo einer mehr gibt und der andere mehr nimmt, aber das sollte sich über die Zeit die Waage halten. Das sehe ich hier nicht.
Und solange sie nicht wirklich einen therapeutischen Durchbruch hat, würde ich hier mit ganz wenig Aufwand und Energie arbeiten und diese eher in den Aufbau neuer „gesünderer“ Freundschaften investieren.

Alles Gute!

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Ich habe so etwas auch erlebt und mich sehr schwer damit getan, eine Entscheidung zu fällen oder die Freundschaft zu beenden, selbst, als ich dahinter gekommen bin, dass von den unglücklichen Ereignissen und z.T. sehr unwahrscheinlichen unglücklichen Zufällen einiges nicht ganz wahr oder überdramatisiert dargestellt war.

Nachdem ich letztes Jahr Vater geworden bin, hat mir das die notwendige Energie gegeben, nach zwei Monaten einen Schlussstrich zu ziehen. Neben dem, dass ich ohnehin weniger frei verfügbare Zeit habe, gibt mir das die Möglichkeit, andere Freundschaften wieder vermehrt zu pflegen.

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Danke für deine Einschätzung.

Sie dramatisiert zwar und sieht oft nur ihre Sicht der Dinge, aber sie lügt nicht.

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Puh Narzissmus...da würde ich auch zum aussortieren raten. Schau dir auf YouTube ein paar Videos dazu an, da werden tolle Hilfestellungen gegeben im Umgang mit Ihnen. Spontan fällt mir nur der Kanal "Narzissmus verstehen" ein. Wenn's auch Englisch sein kann, dann empfehle ich "surviving narcissism", besonders die Videos von Les Carter.

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Danke für die Tipps. Englisch ist kein Problem.

Ist Narzissmus tatsächlich solch ein Ausschlusskriterium?