Trennung trotz Kindern?

    • (1) 04.05.19 - 15:25
      MasaiMara

      Meine Frau und ich sind seit 7 Jahren ein Paar und seit drei Jahren verheiratet. Wir haben drei kleine Kinder - 1, 5 und 6 Jahre alt.

      Die Beziehung war immer schwierig und konfliktreich und es gab im Verlauf auch zwei Trennungen, die beide von meiner Frau ausgingen - eine davon nach der Geburt unseres ersten Kindes. Aber es gab auch immer wieder tolle Momente - zeitlich gesehen in der Summe nicht sehr viele, aber dafür sehr schöne. Also haben wir uns immer wieder zusammen gerauft, schließlich geheiratet und sind vor zwei Jahren zum zweiten Mal zusammen gezogen.

      Es war schon immer so, dass wir uns besser verstanden haben, wenn ein gewisser Abstand zwischen uns war. Doch nun genieße ich das Zusammenleben mit meinen Kindern sehr - und manchmal auch mit meiner Frau. Es gibt zwischendurch immer wieder schöne Momente. Gleichwohl gab es in der letzten zwei Jahren sehr viel Streit, eigentlich fast täglich und zu meinem Kummer auch oft vor den Kindern. Es ging - wie schon immer - meist darum, dass sie ihre eigene Wohnung braucht und gleichzeitig darum, dass ich zu wenig zu Hause sei und wenn, dann meist erschöpft. Letzteres ist sicher nicht von der Hand zu weisen, da ich einen sehr anspruchsvollen Job habe. Meine Frau hat sich in dieser Zeit verbal immer wieder von mir getrennt oder damit gedroht. Sie hat mich über Stunden angeschrien und auf das schlimmste beschimpft. Ich bin dadurch zunehmend unglücklicher geworden - auch im Hinblick auf die Kinder, denen ich so sehr ein glückliches Zuhause geben möchte.

      Vor einigen Wochen habe ich eine andere Frau kennen gelernt, mit der ich, glaube ich, sehr glücklich sein könnte. Meine Frau und ich haben uns dann schließlich getrennt und eine einvernehmliche Trennungsvereinbarung erstellt. Das ist also alles geklärt. Allerdings wohnen wir bisher noch in der gemeinsamen Wohnung.

      Aber es fällt mir so schwer, die Familie und das Zusammenleben mit den Kindern aufzugeben. Meine Frau schwankt zwischen Trennung und einem weiteren Versuch.Ich auch. Wenn die Kindern nicht wären, würde ich mich sicher trennen. Aber so?

      • (2) 04.05.19 - 15:55

        "auch im Hinblick auf die Kinder, denen ich so sehr ein glückliches Zuhause geben möchte."

        Das wollen die meisten Eltern.

        Wenn ihr euch aber täglich streitet und deine Kinder erleben, wie deine Frau dich stundenlang beschimpft, kann von einem glücklichen Zuhause nicht die Rede sein. Das ist schrecklich für Kinder.

        Ein Neuanfang wäre nur mit Paartherapie bzw. Verhaltenstherapie und dem ernsthaften Willen, es anders machen zu wollen, möglich. Will deine Frau diesen Weg gehen?

        • (3) 04.05.19 - 16:57

          Danke für deine Antwort! Ich denke, sie würde das machen. Ich im Prinzip auch. Ich habe nur den Glauben daran verloren, dass dieses Streiten und Schimpfen, diese extremen Wutanfälle - ich sehe das v.a. als Folge einer großen inneren Unsicherheit sowie einer schwierigen Nähe-Distanz-Regulation mit Angst vor dem Verlassen-werden - begleiten uns nun schon so viele Jahre. Eine Psychotherapie vor ein paar Jahren konnte daran nichts grundlegend ändern. Ich habe mich immer bemüht, ihr die Sicherheit zu geben, die sie sonst nicht hat. Bestimmt habe ich es auch nicht immer geschafft, aber ich kann einfach nicht mehr. Ich sehne mich sehr danach, mal wieder einfach glücklich zu sein und nicht jede Sekunde darauf achten zu müssen, keinen "Fehler" zu machen, der den nächsten Streit nach sich zieht. In den Momenten, in denen wir glücklich sind, manchmal blitzt es durch, finde ich sie immer noch toll.

          Und ich mache mir wirklich Sorgen um die Kinder. Es ist jetzt schon seit Monaten so, dass ich zu Hause kaum noch ungestörte und friedliche Zeit mehr mit den Kindern habe. Selbst wenn ich Ihnen Abend vor dem Einschlafen noch eine Geschichte vorlese, ist daran irgendetwas falsch. Die letzte Begründung war, dass es das "Abendritual" stört - ich komme nämlich nicht jeden Abend rechtzeitig nach Hause und kann deswegen nicht jeden Tag eine Geschichte vorlesen. Deswegen ist das Abendritual jetzt ohne Geschichte und ich darf nicht mehr vorlesen. Ist das normal?

          • Deswegen ist das Abendritual jetzt ohne Geschichte und ich darf nicht mehr vorlesen. Ist das normal?

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            Ich weiß nicht, was deine Frau für ein Problem hat und ob es pathologisch ist. Die Kinder tun mir jedenfalls von Herzen leid. Sie kümmert es einen Sch***** wie es ihnen geht. Da könnten mir die Tränen kommen. Statt den Kindern die Freude zu lassen, dass du vorliest und dich kümmerst sobald du Zeit hast. Warum setzt du dich nicht durch? Sie kann dir doch nicht verbieten, den Kindern vorzulesen?

            Trenn dich schleunigst und halte engen Kontakt. Wer weiß, wie sie mit den Kindern umgeht und es womöglich Probleme beim Umgang gibt.

            Und halte die neue Errungenschaft erstmal von den Kindern fern. Die haben genug hin und her sowie Drama bei euch mitgemacht. Nicht dass die in einem Jahr auch wieder passė ist.

      (5) 04.05.19 - 17:44

      Ich würde mich trennen, Ihr macht Euch gegenseitig unglücklich und nervt Euch, so können die Kinder nicht glücklich aufwachsen. Getrennt kannst Du an den Besuchstagen machen, was und wie Du meinst und sie hat die Ruhe und Distanz, die sie braucht.

      Wenn Ihr Euch auf Distanz in getrennten Wohnungen besser versteht, kommt das am Ende auch wieder den Kids zugute. So oder so, selbst wenn Ihr es noch mal versucht, würde ich mich räumlich trennen, damit jeder seine Rückzugsmöglichkeiten hat. Klingt mir nach Borderline-Persönlichkeit bei Deiner Frau. Das ist nie einfach und wenn Du im Leben wieder glücklich werden willst, dann muss ich Dir leider aus Erfahrung sagen, dass das mit solch einer Partnerin nicht klappen wird.

      Ist ein Wechselmodell mit Deinem Job vereinbar? Nur, weil Ihr Euch trennt, muss ja nicht zwangsläufig Dein Zusammenleben mit den Kindern enden.

    • Hallo, das ist ja eine verzwickte Situation. Von außen betrachtet macht es nach deiner Schilderung wenig Sinn noch einen Versuch zu starten. Auch nicht den Kindern zu liebe. Ich bin ein Kind geschiedener Eltern und was mir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben ist, waren die ständigen Streitereien. Es war für uns Kinder kaum zu ertragen. Auch wenn es nicht immer vor uns war spürte man ziemlich deutlich die Spannung. Findet eine gute Lösung für die Kinder und geht getrennte Wege. Manchmal ist es besser zu gehen.

      Hallo!

      Gerade für die Kinder ist es absolut unhaltbar, noch länger in dieser Situation zu leben.

      Der dauernde Streit, der teilweise sogar auf ihrem Rücken ausgetragen wird (Vorlesen), kaum Phasen, in denen es harmonisch klappt. Kannst Du Dich an eine Phase erinnern, in der ihr mal zwischen zwei mal Streit ein oder zwei Wochen Frieden hattet? Oder streitet ihr eher schon täglich?

      Ideal wäre eigentlich ein Wechselmodell, bei dem die Kinder so viel Zeit wie möglich mit beiden Elternteilen verbringen können, damit würdest Du auch das Familienleben nicht verlieren. Nur musst Du da auf der Arbeit eben klären, dass es Wochen gibt, wo deine Kinder da sind und in denen Du pünktlich heim musst. Wenn das nicht machbar ist, organisiere wenigstens zwei Nachmittage pro Woche mit den Kindern.

      Aber unter den gegebenen Vorzeichen weitermachen, darunter leiden die Kinder am meisten. Streitende Eltern machen gerade kleinen Kindern wahnsinnige Angst, die können das gar nicht richtig verarbeiten. Und so richtig wohl fühlen kann man sich bei euch zu Hause auch nicht, oder?

      • Danke für eure Antworten. Mir hilft das tatsächlich sehr. Ein Wechselmodell wäre auch mein Wunsch. Meine Frau möchte das nicht, weil sie meint, die Kinder würden dann zu viel fremdbetreut werden - denn ich müsste schon weiterhin in Vollzeit arbeiten. Außerdem reichen die Öffnungszeiten von Kita und Tagesmutter im Moment nicht aus. Hier ließe sich aber sicher etwas machen, denke ich. Immerhin legt sie mir sonst keine Steine in den Weg und möchte ausdrücklich, dass ich möglichst viel Zeit mit den Kindern verbringe.

        Wir haben ja mit einem bzw. zwei Kindern schon einmal für drei Jahre getrennt gelebt und damals hat das eigentlich sehr gut geklappt. Unsere älteste Tochter kann sich noch sehr gut daran erinnern und hat diese Wohnsituation nach dem Zusammenziehen noch sehr lange sehr vermisst. Noch heute erinnert sie sich an unglaublich viele Details und möchte immer wieder zu dem Haus wo Papa damals gewohnt hat. Und ich habe diese Zeiten mit den Kindern immer unglaublich genossen. Und die Absprachen zwischen meiner Frau und mir haben tatsächlich immer sehr gut und komplikationslos geklappt. Manchmal haben wir sogar zusammen Dinge mit den Kindern unternommen - in sehr friedlicher Atmosphäre.

        Ich habe noch nie in m einem Leben eine so persönliche Frage in einem Forum gestellt. Ich bin sehr positiv überrascht und berührt von den netten, überlegten, nachdenklichen Antworten. Danke.

        • Das spricht ja sehr dafür, dass ihr als getrennt lebende Eltern sogar besser klar kommt, als als Paar.

          Manche Menschen sollten einfach auch nur mit niemandem zusamen wohnen, weil sie den Freiraum einfach wollen und brauchen - bei aller Liebe eben einfach nicht jede Nacht neben jemand anderem Schlafen wollen, sondern einfach mehr Abstand brauchen.

          Es klappt einfach in einer gemeinsamen Wohnung nicht, und es klingt ja so, als hätte eure Große nur die besten Erinnerungen an die getrennte Zeit - qualitativ wertvolle Zeit mit Dir, statt mieser Stimmung mit der ganzen Familie. Kann ich sehr gut verstehen, ich fand als Kind den dauernden Streit zwischen meinen Eltern einfach nur belastend und habe mich gar nicht wohl gefühlt zu Hause.

          (11) 05.05.19 - 11:17

          Hey, ich kann dich voll und ganz verstehen, mein Mann könnte dir zu dem Thema ganze Romane erzählen. Ich habe eine diagnostizierte Borderline Persönlichkeitsstörung wegen der ich auch langjährig in Therapie war. Es gibt gute Phasen in denen ich anhänglich, freundlich und zugänglich bin und schlechte Phasen in denen ich mich abschotte, wegen Kleinigkeiten heftigen Streit anfange und Distanz brauche. Kommt die Distanz von meinem Mann, flippe ich allerdings wieder aus weil die Angst hoch kommt verlassen zu werden.
          Früher war das alles sehr viel schlimmer, weil ich nicht wusste was mit mir los war und mit Aggression auf mein Umfeld reagiert hab wenn jemand es gut mit mir gemeint hat, heute kann ich bewusst aussprechen, dass ich gerade in einem Tief stecke und Freiraum brauche. Es gibt auch Phasen, in denen ich tagelang auf dem Sofa schlafe weil ich die Nähe zu meinem Mann, den ich über alles liebe, nicht ertragen kann. Mittlerweile versteht er, dass ich in solchen Momenten nicht böse auf ihn bin und es einfach besser für unsere Beziehung ist, mir diese Distanz zu lassen wenn ich sie brauche.
          Ich ziehe täglich den Hut vor meinem Mann, dass er alle Phasen mitmacht, immer wieder Verständnis zeigt und mit mir gegen die Störung ankämpft, ich würde mit mir selbst nicht so klar kommen wenn ich an seiner Stelle wäre.
          In Kombination mit Kindern wirst du da allerdings mit Hoffen und gutem Willen nicht weiter kommen, es wäre tatsächlich für dich und deine Kinder das Beste, sich zu trennen wenn sie nicht bereit ist, weiter an sich zu arbeiten, aber eine sehr enge Verbindung zu deinen Kindern zu halten, damit du mitbekommst, wenn ihr Verhalten auf eure Kinder umschlägt und sie ihnen schadet.

          Ich habe viele Borderliner kennen gelernt, für die ihre Kinder über allem stehen und bei denen die Störung in diesem Bereich absolut nicht zum Tragen kommt, klingt aber in eurem Fall (Streit vor den Kindern, Vorlesen) leider nicht so. Deshalb bitte immer Ansprechpartner für deine Kinder bleiben!

          Natürlich kann es auch sein, dass das alles auf deine Frau gar nicht zutrifft, eine fundierte Diagnose kann nur ein Psychologe stellen (ich habe damals drei Anläufe gebraucht bis ich überhaupt einen gefunden habe mit dem ich zurecht kam, vielleicht sollte deine Frau noch Mal versuchen eine Therapie zu beginnen), aber die Abläufe kommen mir leider aus den Zeiten bekannt vor in denen ich noch keine Bewältigungsstrategien kannte und mit mir selber nicht zurecht kam. Und ohne Hilfe von außen ist es fast unmöglich, dieses destruktive Verhalten in den Griff zu bekommen.

          Sorry für den langen Text und alles Gute weiterhin für euch

    Es liest sich für mich so , als ob sich deine Frau von dir einfach allein gelassen fühlt. Du berichtest ja auch, dass Du einen anspruchsvollen Job hast und dann auch erschöpft bist. Ich habe ähnliche Streitphasen mit meinem Mann und wir haben nur ein Kind. Wenn ich das Gefühl habe, nur ich bin verantwortlich, dann kriege ich auch die Krise. Zusätzlich bin ich aber seit dem 2. Lebensjahr fast voll berufstätig. Ihr habt 3 !!!! Kinder. Ich kann mir nur im entferntesten vorstellen, wie sich deine Deine Frau fühlen muss. Sie ist sicherlich überfordert. Mit den Kindern und mit einem erschöpften Mann. Dann kommt noch eine neue Frau dazu. Komm mal zu Dir und überlege dir genau, was wirklich wichtig ist. 😊 Viel Glück!

    • Ich glaube, der TE berichtet sehr genau was ihm wichtig ist. Zudem macht er auf mich nicht den Eindruck, dass er seine Frau nicht unterstützt bzw nicht unterstützen möchte.

      Ich finde es immer sehr "gemein", wenn Männer / Vätern die einen Job haben, der zeitlich gesehen nicht familienfreundlich ist,vorzuwerfen sie würden ihre Frauen allein lassen. Mein Mann ist von 8.30-19.30 aus dem Haus. Er hat gar nicht die Möglichkeit sich Zuhause in der Woche um etwas zu kümmern. Niemals aber würde ich ihm vorwerfen, dass er mich mit der Verantwortung allein lässt. Eine andere Arbeitszeit ist in dem Job auch schlichtweg nicht machbar. Zudem ermöglicht mir sein Job, dass ich mich dafür entscheiden konnte, die gesamte Grundschulzeit Zuhause zu bleiben.

      Ich habe das Gefühl, das Problem der Frau scheint viel tiefer zu liegen. Sie "gönnt" ihrem Mann die schönen Momente mit den Kindern (im Beispiel das Vorlesen) nicht und das finde ich doch schon sehr eigenartig. Zudem finde ich, dass der Vater nicht weniger Rechte hat als die Mutter. Wie kann also der Vater die Abendroutine stören?

      Ich rate selten zur Trennung, aber in diesem Fall scheint eine räumliche Distanz sowohl den Eltern, als auch den Kindern besser zu tun. Ich stelle es mir für die Kinder schrecklich vor, wenn sich die Eltern permanent streiten.
      Ich schrieb schon in einem anderen Forum. Jeder Mensch, hat das Recht glücklich zu sein. Und leider ist es bei Paaren bzw Familien so, dass sie sich dafür trennen müssen.
      Als ich mit meinem Mann vor 12 Jahren zusammenzog, bekam ich von meiner Tante eine Pflanze mit einer Karte: Pflege die Liebe wie eine Pflanze, denn ohne Liebe stirbt die Pflanze.
      Diese Pflege muss aber auf Gegenseitigkeit beruhen und leider vergessen wir diese im Alltag. Der Andere wird zur Selbstverständlichkeit. Man fühlt sich einander nicht mehr geschätzt. Man streitet wegen Kleinigkeiten... entweder man findet (durch Hilfe) wieder zueinander oder wie im Falle des TE, man stellt fest, dass es ohne dem anderen besser geht.

      An den TE:
      Vielleicht würde eine räumliche Distanz erst einmal helfen, einen klaren Kopf zu bekommen. Vielleicht ist das für euch eine Möglichkeit, als Paar wieder zueinander zu finden. Vielleicht braucht deine Frau diese Freiraum. Ich würde es probieren. Man merkt, ob man sich als Paar vermisst oder nicht.

      Ich kann in gewisser Weise nachvollziehen, dass eine andere Frau dir ein gutes Gefühl gibt. Dass du glaubst, sie könnte dich glücklich. Irgendwann sehnt man sich nach Ruhe und einem schönen Gefühl. Ich würde darüber offen mit deiner Frau sprechen.

      Ich wünsche euch alles Gute.

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