Plötzlich fühlt er sich bei allem unter Druck gesetzt?!

    • (1) 08.05.19 - 13:52
      Weiss keinen Rat

      Hallo,

      mit meinem Partner bin ich knapp 2 Jahre zusammen, wir sind beide Mitte 40. Wir wohnen fast von Anfang an zusammen. Es war bisher eine schöne, harmonische Beziehung.

      Seit einigen Wochen allerdings ist sein Lieblingsspruch "Ich fühle mich unter Druck gesetzt."

      Beispiele: Ich habe Getränke im Auto, er sagt, er lädt sie aus. Wenn ich nach 2 Stunden davon etwas trinken möchte und ihn frage, ob er die Getränke schon ausgeladen hat, kommt der Satz "Nein, habe ich nicht und du setzt mich damit gerade unter Druck".

      Ich wollte allerdings nur wissen, wo ich mir eine Flasche holen muss, aus dem Auto oder Keller, und wollte ihn damit nicht unter Druck setzen. Lade ich die Getränke allerdings selbst aus (am nächsten Tag oder späten Abend), fühlt er sich erniedrigt.

      Wenn er mir schreibt, er hat Feierabend und kommt nach Hause, dauert das im Normalfall eine halbe Stunde. Ich bereite das Essen vor oder mache mich fertig, weil wir noch was vorhaben. Wenn er nach 1 Stunde auftaucht, und ich frage, warum es denn so lange gedauert hat (War mal wieder Stau?), fühlt er sich von meiner Frage unter Druck gesetzt.

      Wenn ich ihn frage, ob er dieses oder jenes mal reparieren oder erledigen kann, fühlt er sich unter Druck gesetzt. Wenn ich es nach 3 Tagen selber mache, fühlt er sich erniedrigt, manchmal auch mit dem Spruch "Dann kannst du ja jetzt allen erzählen, was für einen faulen, unfähigen Freund du hast". So etwas habe ich nie getan und würde so etwas auch nicht erzählen, ich weiss nicht, wie er drauf kommt.

      Seine Aufgabe ist Rasen mähen. Mittwochs. Wenn er bis Freitag nicht gemäht hat, mache ich es. Damit es am Wochenende nicht gemacht werden muss. Dann fühlt er sich wieder erniedrigt und sagt, nun habe ich dafür gesorgt, dass die Nachbarn sich das Maul zerreißen, dass ich zwar einen Mann im Haus habe, dieser aber nicht mal Rasen mäht. Ob sie es tun, weiß ich nicht.

      So geht es nur noch. Jede kleinste und bisher unkomplizierte Forderung oder Frage setzen ihn unter Druck.

      Er darf aber!!!! Mich fragen, wo ich so lange war, warum noch kein Essen fertig ist, warum ich das 2. Mal in die City fahre am selben Tag, ich hätte doch alles beim 1. Mal erledigen können usw. Wenn ich dann wie er handele und sage "Du setzt mich unter Druck (tut es nicht, wir haben ja fast 2 Jahre eine recht transparente Beziehung geführt, auf seine Veranlassung hin, da er von seiner Ex betrogen wurde und Vertrauen lernen musste, ich fand es nicht schlimm), dann wird er sauer.

      Kennt jemand solch ein - plötzlich aufgetretenes - Verhalten?

      • Vielleicht hat er eine Depression.
        Bei Männern sind das andere Symptome als bei Frauen.

        Hallo.

        Ich nehme mal an, du hast schon versucht, mit ihm darüber zu reden? Falls ja, was hat er denn dazu gesagt?

        Ansonsten kenne ich das natürlich. Mein Mann kritisiert auch gerne Dinge an mir, die er selbst konsequent falsch macht. Darauf Ansprechen auch verboten. Da ich keine rationale Lösung finde, lasse ich ihn halt in der akuten Situation meckern und reagiere nicht weiter darauf, er kühlt dann von allein wieder ab.

        LG

        • (4) 08.05.19 - 14:36
          Weiss keinen Rat

          Ja, ich habe ihn angesprochen. Aber wie bei allen Konflikten oder Problemen, ist er nicht der große Redner. Meistens wird er sauer, wenn man ihn anspricht. Ich habe aber auch keine Lust, mir den Mund verbieten zu lassen.

          Er sagt dann einfach "Weil es so ist", auf meine Frage, warum er sich bei allem unter Druck gesetzt fühlt und wünscht keine weitere Diskussion.

          Wenn ich ihm dann sage, dass er mir dann bitte auch keine Fragen stellen oder sonstige Anforderungen an mich haben soll, wird er auch sauer, weil "Das ist ja was ganz anderes".

        (7) 08.05.19 - 14:41
        Weiss keinen Rat

        Ja, das habe ich. Aber wenn ich ihn anspreche, wird er sauer. Wenn ich ihn frage, warum er sich bei den einfachsten Dingen unter Druck gesetzt fühlt, kommt ein "Weil es so ist" und er wünscht keine weitere Diskussion.

        Wenn ich ihm sage, dass er mir dann bitte auch keine Fragen mehr stellen soll, sagt er "das ist ja ganz was anderes" und wünscht auch keine weitere Diskussion.

        Er ist allgemein bei Konflikten oder Problemen nicht sehr gesprächig. Er hat bei Beziehungsproblemen schon immer Kommunikationsschwierigkeiten.

    Das Verhalten explizit kenn ich nicht, aber eine plötzliche Verhaltensänderung, zeigt immer an das was nicht in Ordnung ist. Das kann alles mögliche sein. Ich denke du solltest ein Gespräch suchen und ihn direkt fragen was da los ist.

    • Seh ich genauso.

      An die TE: Sprich mit ihm , er soll dir den wahren Grund für sein momentanes Verhalten nennen , immerhin bist du seine Freundin und nicht sein Prellbock !!

      Lass das nicht auf dir sitzen,du hast es verdient mit Respekt behandelt zu werden !!

      Alles gute dir 🍀

Hallo , mein Mann hat eine Depression, schon vor Jahren festgestellt. Ist medikamentös gut eingestellt. Doch es gab mal zwei Lebensumstände , die ihn aus der Bahn geworfen haben. Und es äußerte sich genau so, wie du das Verhalten deines Mannes beschreibst.

Ist er denn sonst anderes? Schneller müde? Insgesamt antriebsärmer?
Wäre es möglich ihn auf eine evtl Depression/depressive Phase anzusprechen?
Lg kiki

  • (11) 08.05.19 - 20:56
    Weiss keinen Rat

    Ja, das wäre möglich, ihn anzusprechen. Da ich selber eine Depression hatte (vor dieser Beziehung), nun aber seit 3 Jahren stabil bin, habe ich eine Depression auch schon bei ihm in Erwägung gezogen. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob sein "unter Druck Gefühl" Faulheit (Ausrede, nichts tun zu müssen) ist oder tätsächlich depressiv.

(12) 08.05.19 - 16:36

Falls es eine Depression sein sollte, treten denn folgende Symptome bei ihm auf?
Zu den häufigsten körperlichen Symptomen zählen Kopfschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen, Schwindel, Magenprobleme und Schlafstörungen.

Falls ja, schlage ihm einen Arztbesuch vor.

Ansonsten: Du hast ihn schon darauf angesprochen, ohne das sich etwas ändert. Vermutlich hat er ein Problem mit sich selbst - hängt das vielleicht mit seiner Ex zusammen? - das ist seine Baustelle, er hat nicht das Recht das auf deinen Rücken auszutragen. Das würde ich ihm dann mal ganz klar mitteilen. Dinge die von ihm normalerweise erledigt werden, bzw. nicht mehr erledigt werden, würde ich einfach liegen lassen. Ich glaube nicht das wenn du weiterhin seine Aufgaben erldigst, sich sein Verhalten ändert. Dem würd ich Grenzen aufzeigen und ihm klar machen das er so mit dir nicht umgehen kann.

  • (13) 08.05.19 - 21:04
    Weiss keinen Rat

    Magenprobleme und Rückenschmerzen hat er öfter mal. Auch ist er auffallend oft zickig in letzter Zeit, wie eine Diva, wenn etwas nicht so läuft wie er will.

    Die Rückenschmerzen gibt er bei mir aber als Grund an, zuhause etwas nicht tun zu müssen. Rufen seine Freunde an und brauchen Hilfe, sind seine Rückenschmerzen plötzlich schon so gut wie weg.

    Alle Arbeiten kann ich nicht liegen lassen. Versorgung der Tiere z. B., Stall ausmisten, das muss ja gemacht werden.

    Ich bin mir echt nicht sicher, ob er nicht ein kleiner Macho wird........

    • (14) 08.05.19 - 23:28

      Nun ja, gerade Rückenprobleme hat fast die ganze Menschheit, mal mehr mal weniger. Demnach wäre fast die ganze Menschheit depressiv.
      Ist schwer zu sagen was ihm fehlt. Dennoch, in deinem Interesse und zu deinem Schutz musst du ihn dazu bringen mit dir zu reden.
      Okay, sicher kannst du dich um wichtige Dinge wie um die Tiere kümmern....aber Rasenmähen usw. das kannst du doch liegen lassen. Du musst jetzt anfagen was zu ändern, möglicherweise hast du sonst deinen Mann so wie er jetzt ist den Rest deines Lebens...

Typisch für jemanden der nicht reflektionsfähig ist. Depression kann auch mit reinspielen.
Man muss wissen ob man sich das antun will.

  • (16) 08.05.19 - 21:08
    Weiss keinen Rat

    Gibt es irgendwo Tipps für reflektionsunfähige Menschen? Hast du Erfahrung damit?
    Sonst google ich mal....
    Ich sage öfter den Spruch zu ihm "Reflektiere dich mal bitte....". Dann wird er immer sauer und meint, seine Selbstreflektion wird wohl ergeben, dass er nicht beziehungsfähig ist (obwohl seine Ehe 17 Jahre hielt und wir ja bis vor ein paar Wochen eine Traum-Beziehung geführt haben).

    • Schwierig.
      Die Einsicht muss halt da sein, und der Wille zur Veränderung.
      Eine Therapie könnte helfen, aber das will er ja bestimmt nicht. Ich finde es auch verdächtig dass jemand nach so kurzer Zeit direkt den Lebensmittelpunkt verlegt (um wieviel Kilometer geht es da wenn du von Fernbeziehung sprichst, was ist mit Arbeit gewesen?)
      Und nur weil man eine lange Beziehung hatte muss man noch nicht beziehungsfähig im Sinne einer harmonischen, erwachsenen Beziehung auf Augenhöhe sein. Es gibt da draußen so viele destruktive Beziehungen, wer weiß wie das ablief.

      • (18) 08.05.19 - 22:35
        Weiss keinen Rat

        Die km weiß ich gar nicht so genau. Die Fahrtzeit betrug zu seiner Wohnung 2 Stunden. Von seiner Wohnung zur Arbeit 30 Minuten. Von mir zu seiner Arbeit 1,5 Stunden. Er hat die Arbeit dann noch 1,5 Jahre behalten und ist jeden Tag 1,5 Stunden hin und 1,5 Stunden zurückgefahren. Wenn er Glück hatte, konnte er morgens direkt zum Kunden oder abends direkt vom Kunden zu mir nach Hause. Dann war die Fahrtzeit 1 Stunde.

        Vor einem halben Jahr hat er sich bei uns in der Nähe Arbeit gesucht und fährt aktuell 20 Minuten.

        Sein Lebensmittelpunkt war es. Ex, Kinder, Eltern, Geschwister, Freunde.....alle wohnen dort. Er ist dort auch geboren. Aber er wollte unbedingt nach der Trennung alles hinter sich lassen und neu beginnen.

    Noch ein Nachtrag: 2 Jahre sind eine ganz typische Zeit dafür dass die Honeymoon-Phase vorbei ist und die wahre Persönlichkeit durchkommt.

Könnte auch sein, dass er nach zwei Jahren die Maske fallen lässt und unter dem verliebten Typ, der durchaus nett und partnerschaftstauglich schien, plötzlich der kleine Psycho rauskommt. Ein kleiner Kontrolletti mit noch kleinerem Selbstbewusstsein. Übel.
Ihr seid super schnell zusammengezogen, kanntet euch kaum. Offenbar kennt ihr euch auch jetzt noch nicht. Musst du schauen, ob du dir das noch lange antun willst. Ich hätte ja so gar keine Lust auf das ständige rechtfertigen. Dieser Eiertanz. Anstrengend.

Allerdings, um ehrlich zu sein, kommst du auch etwas anstrengend und fordernd rüber. Er trägt die Sachen nicht hoch? Nicht kommentieren, nicht nerven, selber machen. Er mäht mehrfach nicht den Rasen? Du meine Güte, dann bleibt der Rasen halt mal eine Woche ungemäht oder ihr macht es samstags zusammen. Oder schafft euch einen Mähroboter an, ist praktisch.
Was ich damit sagen will: suche mal eher nach Lösungen als nach Problemen. Und stoß ihn auf seine Unzulänglichkeiten nicht ständig mir der Nase drauf. Vielleicht bist du wirklich ein bisschen zu patent und er kriegt es nicht gebacken. Dann noch sein kleines Selbstbewusstsein und fertig ist der Mann, wie du ihn oben beschreibst. Und er fühlt sich wiederum bestätigt in seiner Weltsicht von deiner Reaktion. Gesund ist das nicht b

Und sag ihm, dass du dich nicht mehr so behandeln lassen wirst und was er gedenkt, nun zu tun. Wenn er nicht einschwenkt würde ich gehen ohne weitere Erklärungen oder Drama. Manchmal passt es eben nicht. Nach zwei Jahren ist die erste Verliebtheit weg und man muss sich entscheiden, ob man mit dem, der da zum Vorschein kommt leben kann oder nicht. Hier wäre ich für „oder nicht“. Mir ist mein Leben inzwischen zu schade für seelisch kaputte Kreaturen.

Ich würde sein Empfinden versuchen ernstzunehmen. Die Beispiele hätten für mich Symbolcharakter.
Ein klärendes Gespräch, auch vor dem Hintergrund, dass ihr beide ein gewisses Alter habt und recht schnell zusammengezogen seid, wäre sicher hilfreich.
Vielleicht ist ihm die Nähe zu viel durch das Zusammenleben; aber so oder so scheint er einen gewissen Leidensdruck aufzuweisen. Und dir geht es auch verständlicherweise nicht gut.
Wäre die Option getrennte Räumlichkeiten bzw. Wohnverhältnisse für dich denkbar? Oder ausgeschlossen?

  • (23) 08.05.19 - 20:50
    Weiss keinen Rat

    Ein klärendes Gespräch ist mit ihm nicht so einfach. Man muss ihm jedes Wort aus der Nase ziehen. Zusammengezogen sind wir so schnell (er zu mir), weil es sonst eine Fernbeziehung geworden wäre. Er war immer bei mir, seine Wohnung stand leer und kostete nur Geld. Daher machte er nach 4 Wochen Beziehung (davor kannten wir uns 2 Monate) den Vorschlag, dass er zu mir zieht.
    Ich habe ihm öfter schon angeboten, dass wir uns räumlich trennen können, wenn ich zwischendurch mal das Gefühl hatte, dass er sich nicht 100%ig wohl fühlt bei mir bzw. manchmal wirkt er etwas überfordert mit Job und Alltag, aber er möchte sich partout nicht räumlich trennen, sagt, dieser Rückschritt wäre das Ende unserer Beziehung.

    • (24) 08.05.19 - 23:47

      Nach diesem Post glaube ich eher das bei euch der Hase ganz woanders begraben ist.
      Nach so kurzer Zeit zusammen zuziehen klappt in den allerseltesten Fällen.
      Ihr kanntet euch doch eigentlich überhaupt nicht.
      Sorry, aber ich glaube nicht das sich das Verhalten deines Partners nochmal großartig ändern wird.
      >>>> partout nicht räumlich trennen, sagt, dieser Rückschritt wäre das Ende unserer Beziehung. >>> Vermutlich kann/will er sich nicht ein gestehen einen Fehler gemacht zu haben.
      Ich lass dir mal einen Link da, vielleicht magst du das lesen und hilft dir weiter.
      https://www.forschung-und-wissen.de/magazin/die-5-phasen-der-liebe-in-einer-beziehung-13372118

      Kann es sein, nach allem, was Du schreibst, dass er damals mehr oder weniger zu Dir geflohen ist? Sein altes Leben abgebrochen hat, damit er vergessen kann? Und jetzt funktioniert vielleicht diese Verdrängungstaktik nicht mehr und es holt ihn alles wieder ein, weil der Alltag ihn im Griff hat.

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