Erfahrung mit Eheberatung

    • (1) 14.05.19 - 13:10

      Hallo zusammen,

      hat hier schonmal jemand eine Eheberatung gemacht? Hat es was gebracht? Mögt ihr vielleicht von euren Erfahrungen berichten?

      Konkret geht es darum, dass wir ein größeres Kommunikationsproblem haben. Mein Mann (oh wunder) sieht das natürlich ganz anders. Ich hab mich da mittlerweile ziemlich reingesteigert, er versteht nach wie vor nicht was mein Problem ist und ich hab überlegt, ob man sich vielleicht mal irgendwo Hilfe holt.

      • Meine Erfahrung ist, dass die meisten Paare, die eine Eheberatung aufgesucht haben, sich anschließend getrennt haben.
        Aber nicht etwa, weil die Beratung so schlecht gewesen wäre, sondern weil dort viele Dinge ans Licht kamen, z.B. weil die Personen in Worte fassen mussten, was sie am Partner stört und es dadurch viel mehr ins Bewusstsein rückte. Vor allem denke ich, dass die meisten Paare die sich Hilfe suchen, ja schon ein Problem haben und es bedarf sehr viel Liebe und Vertrauen, sich dort wirklich (!) annähern zu wollen.
        Wenn man also die Beziehung retten will, sollte man unbedingt bereit sein, sich der dort geäußerten Kritik (durch den Partner, nicht durch den Psychologen) konstruktiv zu stellen und an den schwierigen Punkten arbeiten zu wollen.

        In Eurem Fall klingt es erstmal nicht so, als wäre dein Mann bereit für eine Eheberatung, da er offenbar das Problem, das du siehst, leugnet. Schlag es ihm doch einfach mal vor und gib ihm dann ein paar Tage, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen. Und dann überlegt ihr, ob das für euch in Frage kommt.

        (3) 14.05.19 - 15:37

        Ja, wir. Allerdings muss man das zu Zweit wollen, denn es bedeutet In erster Linie viel Arbeit an sich selbst, man muss absolut kritikfähig sein können und letztendlich manche Ansichten und Prioritäten über Bord werfen, um der Beziehung eine Chance zu geben. Es werden Vorgeschichten/Urfamilie erhellt, um herauszufinden, warum Er/Sie auf manche ;Dinge; seinem Partner gegenübert ;negativ; reagiert. Das kann teilweise Erinnerungen, schlechte Gefühle, etc. auslösen, mit denen man klar kommen muss. Bei manchen endete dies in einer Familientherapie. DARUM, müssen Beide erstmal bereit sein, um sich überhaupt öffnen zu können.

        Mein Ex und ich haben das gemacht, aber vermutlich zu spät. Da ging es uns wohl wie vielen; ich habe in einem Interview mit einem Paartherapeuten mal gelesen, dass die Leute im Durchschnitt sechs Jahre zu spät Hilfe suchen würden.
        Was ich gut daran finde, ist, dass man aus den immer gleichen Kommunikationsspiralen rauskommt, weil jemand reingrätscht. Ich habe in den Sitzungen viele Erkenntnisse gehabt - zum einen, weil ich endlich mal mit einem anderen Ohr hingehört habe, zum anderen, weil die Therapeutin gezielt nachgefragt hat.

        • >>>dass die Leute im Durchschnitt sechs Jahre zu spät Hilfe suchen würden.<<<

          Das ist ein ganz wichtiger Punkt!

          Viele schleppen sich in einer kränkelnden Ehe Jahr für Jahr weiter, liegt die Ehe auf dem Sterbebett, kann meist der beste Therapeut nichts mehr retten, außer vielleicht eine Trennungsbegleitung anbieten.

      Wir haben sowas gemacht und es hat uns sehr geholfen.

      Wir waren in einem gewissen, sehr beziehungsschädlichen Kommunikationsmuster gefangen und konnten das etwas verbessern und vor allem auch das klarer erkennen, wenn es wieder vorkam.

      Ich denke, es müssen beide wollen und Liebe muss auch noch da sein. Zusätzlich darf man sich keine Wunder erwarten.

    • (7) 14.05.19 - 23:10

      Hallo,
      Ich habe mit meinem damaligen Mann eine Eheberatung besucht. Ich wollte an der beziehung arbeiten, er nicht. Für ihn war alles ok. Er ist nur widerwillig mit hin.

      Wir haben mit den Beratern verabredet 5 Sitzungen zu kommen, damit nicht ständig diskutiert wird, ob das sein muss.

      Nach 3 Treffen (2 gemeinsam, 1 er allein) haben die Berater das ganze beendet. Ich war entsetzt. Sie sagten: ihr Mann lässt sie an der ausgestreckten Hand verhungern.
      Ich dachte, ihr sollt mir doch helfen und nicht einfach abbrechen.

      Sie hatten natürlich recht. Ich hab noch fast 2 Jahre allein gekämpft und mich dann getrennt.

      Was ich sagen will: Eheberatung bringt nur etwas, wenn beide wollen.

      Ich habe das mit meinem Ex 1,5 Jahre lang gemacht - dann haben wir uns getrennt. Auch die Trennung wurde von der Eheberatung moderiert und betreut. So kann ich sagen, das Ergebnis war nicht das erhoffte, aber für mich schlussendlich das Beste.

      Wir haben es trotz Eheberatung nicht geschafft, auf einen Nenner zu kommen, aber haben in einem moderierten Rahmen unter fairen Bedingungen daran gearbeitet, und deswegen denke ich, dass es das Richtige war. Weil bei uns Streitigkeiten oft eskaliert sind und wenig konstruktiv waren, habe ich die Trennung dann auch im Rahmen der Eheberatung ausgesprochen. Wir haben uns auch danach noch einige Male dort getroffen, um unser getrenntes Leben (mit 2 Kindern) zu organisieren. Das war auch sehr hilfreich.

      Also was ich sagen will, auch wenn eine Eheberatung es nicht schafft, eine Ehe wieder in die richtige Spur zu bringen kann sie helfen, auch eine Trennung sauber über die Bühne zu bringen.

      Aus eigener Erfahrung kann ich Dir nur sagen, wann es nichts bringt: Wenn nämlich ein Partner zum Therapeuten mit der Intention geht, dieser möge den anderen Partner dort weiter erziehen, wo man selbst nicht weiterkommt. Und ebenfalls bringt es nichts, wenn man zur Beratung mit der Vorstellung geht, dort einen Schiedsrichter vorzufinden, der einem jetzt sagt, wer recht hat und wer nicht. Und wenn diese Erwartungen enttäuscht werden und der Therapeut sich nicht vereinnahmen lässt, wird die Beratung abgebrochen, weil, klaro, der Therapeut blöd ist, weil er das Problem auch nicht versteht...

      Wenn aber beide den Berater als Coach sehen und beide lernen wollen, wie sie besser miteinander umgehen können, dann kann das schon etwas werden.

      Eine alte/gute Freundin als Paar- und Sexualtherapeutin hat mir mal erzählt, dass Ihre Beratung für die aktuelle Beziehung so gut wie nichts mehr bringt aber beide Protagonisten etwas für die nächste Beziehung mitnehmen können.

      1. Gehen viele Paare erst dann wenn die Beziehung schon lange gestorben ist. Viel vernünftiger wäre, dass Paare alle 2 bis 3 Jahre eine Beratung aufsuchen wie eine Art Beziehungs-TÜV und nicht erst dann wenn die Probleme schon anfangen, schmerzhaft zu werden.

      2. Der Versuch, eine Trennung zu verhindern, oft das Falsche ist. Beide brauchen einen kompletten Cut und Neuanfang. Alles andere bedeutet Verlängerung von Leiden.

      3. Nun mal aus ehemaligen Freunden/Partnern/ Alliierten einfach Gegner/Feinde werden können. Das liegt in der individuellen Entwicklung. Und wenn man schon Hilfe braucht um noch noch einen Kommunikationskanal zu dem Menschen offen zu halten, den man wahrscheinlich mal aus Liebe geheiratet hat, ist etwas ganz grundsätzliches völlig kaputt... Dieser Satz mit einer kleinen Polemik von Dir belegt das "Mein Mann (oh wunder) sieht das natürlich ganz anders. "
      Er sieht es anders als Du (was auch immer). Du verstehst ihn nicht, er dich nicht. Wahrscheinlich habt Ihr beide Recht und beide Unrecht. Helfen kann Euch das jedoch nicht.

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