Phase der Eigenständigkeit

Guten Tag
Die Meisten von uns waren in ihrem Leben mal single, alleine, ja eigenständig und das vielleicht in unterschiedlichen Phasen des Alters. Blicke ich zurück auf meien Zeit (bin 50) so stelle ich fest, dass ich eigentlich seit meinem 13 Altersjahr immer in Beziehungen war. Es gab nie eine Phase, in welcher ich sagen konnte, ich bin Single, eigenständig und unabhängig. Es ist aber auch nicht so, dass ich ständig die Beziehung wechselte. Der Wunsch nach einer Phase der Eigenständigkeit war immer da, aber das habe ich offen gesagt nie hingekriegt. Ich hab das sogar aktiv stets zu verhindern versucht und es gelang mir immer. Dennoch frage ich mich, ob dieses Ausblenden und Auslassen Folgen haben wird auf alles, was noch kommt. Kann das gut gehen, wenn man diesen Teil nie erlebt hat? Aktuell sehne ich mich sehr nach dieser Eigenständigkeit und das wird meine aktuelle Beziehung kosten, werde ich auf diese Eigenständigkeit bestehen. Muss man das Allein und sich selber sein erlebt haben, um ein solider Partner sein zu können? Ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Aber ich habe das Gefühl, einen Teil von mir nicht kennengelernt zu haben.

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Ich selbst finde es schon überaus wichtig, Eigenständigkeit gelebt zu haben. Ich war immer eigenständig. Dies ist auch wichtig, denn wie soll man sich sonst in Beziehungen ein gesundes Maß an Eigenständigkeit bewahren? Wenn man sie doch nie gelebt hat? Ich denke schon, dass diese Art der Eigenständigkeit auch innerhalb einer Beziehung ein Gewinn ist. Es schärft die Persönlichkeit.

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Guten Morgen

Das ist schwer zu sagen ohne dich näher zu kennen. Klingt ein wenig danach als hättest du große Angst vorm allein sein. Das kann dazu führen, dass du faule Kompromisse machst.

Die Erfahrung, auch allein klar zu kommen, kann dir diese Angst nehmen, was dich befähigt, innerhalb der Beziehung authentisch zu agieren.

Soll nur ein Denkanstoß sein.

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Danke für deine Antwort
Das Thema Alleinsein ist sicher ein Punkt, der mich schon ein Leben lang begleitet. Ob es Angst ist, kann ich dir nicht sagen, vermutlich schon irgendwas in die Richtung. Ich will da was tun, schon lange, aber jetzt muss ich wirklich. Vielen Dank

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ich würde nicht sagen, dass eigenständigkeit und beziehungen nicht vereinbar wären.
wenn ich mich zurück erinnere, gab es in meinem leben eine kurze phase von etwa 13 monaten, in denen ich keinen festen partner hatte und trotzdem würde ich mir ein gutes maß an eigenständigkeit zuschreiben. diese habe ich schon allein durch mein studium und meinen job erlangt. einer meiner partner war im baugewerbe tätig und viele wochen im jahr auf montage. in dieser zeit habe ich mein leben stets allein geregelt und kam damit problemlos klar.
und alleinsein ist so eine sache. viele erkennen den unterschied nicht zwischen alleinsein und einsamkeit. ich habe da vor vielen jahren ein buch drüber gelesen (leider fällt mir der titel nicht mehr ein, es hatte einen gelben einband), dass mir den unterschied aufgezeigt hat und dann fand ich alleinsein sogar oft als sehr entspannend und beruhigend. vor einsamkeit fürchte ich mich etwas, aber an für sich habe ich ein schönes umfeld aus familie, freunde und bekannten.

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Für mich bedeutet Eigenständigkeit nicht unbedingt, dass man nicht in einer Beziehung sein darf. Man ist doch trotz Beziehung eigenständig und eine offenbar intakte, gut funktionierende Beziehung aufzugeben, um absichtlich "allein" zu sein käme für mich nie infrage.

Guck die doch mal unsere Großeltern oder Urgroßeltern an. Die meisten sind direkt vom Elternhaus in die Ehe und ins gemeinsame Haus mit dem Partner gezogen und waren bis zum Tod des Partners nie allein. Ich habe ehrlich gesagt noch mit niemandem gesprochen, der das jemals bereut hat.

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Eigenständigkeit bedeutet für mich, dass ich mir unabhängig von anderen eine Meinung bilden, dass ich selber Entscheidungen treffen kann.
Das kann man auch in einer Beziehung lernen.

Wenn man Eigenständigkeit nicht erlernt hat, dann ist das im Alter schwierig. Meine Schwiegermutter war immer abhängig, zunächst die Eltern, dann der Mann, der auch alles bestimmt hat. Mein Schwiegervater ist leider verstorben und sie war auf einmal alleine. Sie ist wie ein Kind. Sie entscheidet über nichts. Das will sie nicht. Sie steckt lieber den Kopf in den Sand, wenn es zu Problemen kommt. Für uns Kinder ist es schwierig, damit umzugehen. Dann kommt noch die Einsamkeit dazu, obwohl sie täglich besucht wird.

Von daher sollte man Eigenständigkeit erlernen. Mach selbst alle Besorgungen (Arbeit, Einkauf, Bankgeschäfte, Versicherungen, Behördengänge, ...).

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Ich werd nicht ganz schlau aus deinem Post.

Eigenständigkeit ist für mich unabhängig von einer Beziehung.
Natürlich entscheiden mein Mann und ich große Anschaffungen gemeinsam, aber den Rest entscheidet jeder für sich. Genauso sind wir beide in der Lage zu Amtswegen, einkaufen und was eben noch so anfällt im Alltag.
Ist das dein Problem? Oder meinst du damit, dass du quasi noch nie ein Single warst und alleine gelebt hast?
Insofern du einen Job hast und dein Leben selbst finanzierst, dich selber versorgst, bist du Eigenständig. Das gilt für eine Beziehung genauso für ein Singleleben.

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Hi und danke für die Antwort
Du hast Recht und die Interpretation meiner Situation ist zweideutig. Ich bin absolut selbständig, wasche, putze, kaufe ein und brauche grundsätzlich für nichts eine Hilfe. Der Punkt ist tatsächlich die Situation, dass ich nie alleine war, immer eine Frau um mich war, ja sozusagen seit 13 nie mehr Single. Und genau das ist der Punkt, dass ich mir diesen Zustand des "Allein seins" wünsche, ja ich mich auch frage, ob sich das irgendwann rächen wird. Tut es irgendwie ja schon, denn sonst würde ich hier nicht schreiben.