Freund Partylöwe – ich nicht

Hallo zusammen,

ich versuche mein Problem so kurz wie möglich zusammenzufassen:

Mein Freund und ich sind sehr unterschiedlich, was ich sehr schätze, ABER wenn es um soziale Kontakte geht, wird es schwierig. Ich bin introvertiert, schüchtern, lege Wert auf tiefe Freundschaften, treffe mich gerne in ruhiger Umgebung mit nur einer Person oder wenigen Menschen und führe gerne intensive Gespräche mit Menschen, mit denen ich eine Verbindung habe. Mein Freund wiederum ist extrovertiert, liebt laute Partys, viele Menschen, viele Gespräche und er lernt gerne neue Leute kennen. Seine Freunde sind fast alle nett, aber einfach nicht mein Typ Mensch.

Diese Wochenende war wieder mal so eine Party. Ich bin extra schon später hingegangen als mein Freund, aber nach kurzer Zeit habe ich schon gemerkt, dass das nicht so wirklich mein Ding ist. Am Anfang war mein Freund auch noch viel bei mir und wir haben nur zu zweit oder mit einem guten Freund geredet, was mich etwas entspannt hat, aber ich komme mir immer wie eine Spaßverderberin vor, weil ich weiß, dass er sich gerne unter die Leute mischt. Tatsächlich habe ich es diesmal sogar geschafft, mich mit relativ vielen Leuten zu unterhalten und meinem Freund nicht am "Rockzipfel" zu hängen. Dennoch waren das keine besonders spannenden Gespräche und ich war hauptsächlich froh, dass ich nicht doof in der Ecke rumstand. Meine Laune wurde aber zusätzlich noch stark strapaziert, weil auf der Party 90 % Raucher waren und sich fast alle Partygäste in den Raucherzimmern aufgehalten haben. Ich vertrage den Rauch wirklich nur sehr schlecht und so hat mir schon nach kurzer Zeit der Kopf gedröhnt. Ich wollte mich aber auch nicht alleine in den Nichtraucherbereich stellen. Kein schöner Abend.

Solche Abende führen dazu, dass ich regelmäßig komplett fertig nach Hause komme. Meine Laune wird im Laufe des Abends immer schlechter, bis ich wütend auf die Situation bin. Zusätzlich bin ich auch noch wütend auf mich selbst, weil ich mir denke, es kann doch nicht sein, dass ich so eine doofe Party nicht überstehe.

Wichtig ist vielleicht noch, dass ich die erste Freundin von meinem Freund bin und er vorher nie auf jemanden Acht gegeben hat, wenn er auf Partys war. Generell sind meine Persönlichkeit und meine Art, soziale Kontakte zu pflegen, komplett Neuland für ihn. Das hat in der Vergangenheit zu einigen unschönen Situationen geführt, bei denen ich mich sehr von ihm im Stich gelassen gefühlt habe. Mittlerweile hat sich das aber stark gebessert. Dennoch hängt mir das noch etwas nach.

Mein Freund und ich reden nach so einem desaströsen Abend auch immer darüber und wir haben schon über verschiedene Lösungen gesprochen (z. B. die Party so angenehm wie möglich für mich zu gestalten). Ich verzichte auch schon öfter auf Partys oder Treffen, wo ich weiß, das wird für mich auf gar keinen Fall ein schöner Abend. Mein Freund sagt mir auch immer, dass ich doch gar nicht mitkommen muss, aber ich sträube mich sehr dagegen, weil ich dann zum einen gar keinen seiner Freunde kennen würde und zum anderen ich diesen Teil seines Lebens auch gar nicht miterleben würde. Das kommt mir falsch vor.

Bin ich da zu verbissen? Ist es völlig in Ordnung, wenn ich einfach nie mitgehe?
Wenn wir nur zu zweit sind oder mit meinen Freunden unterwegs sind, gibt es keine Probleme, nur diese Partys bringen mich immer wieder an meine Grenzen. Dennoch habe ich das Gefühl, ich würde vor dem Problem wegrennen, wenn ich nicht mitgehe.

Jetzt ist es doch etwas lang geworden, ich hoffe, ihr verzeiht mir :)

Lacrima

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Betrachte es doch mal anders:
Hätte Dein Freund ein Hobby, von dem Du festgestellt hast, daß es nicht Deins ist, würde Du es vermutlich nicht seltsam finden, wenn Du nur höchst selten Lust hättest dort aufzutauchen.
Und diese Partys sind halt ein Hobby Deines Freundes. Und ich vermute, daß er mit seinen tatsächlichen Freunden auch noch andere Dinge unternimmt. Wenn Du Dich da einklinkst, lernst Du sie doch auch kennen.
Kein begeisterter Partygänger zu sein, sehe ich nicht als ein Problem, vor dem man davonrennen würde.
Solange es für Euch beide ok ist, das er feiern geht und Du nicht, ist doch alles i.O.

Grüsse
BiDi

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Bei dem Thema Hobby stimme ich dir vollkommen zu, den Gedanken hatte ich auch schon. Aber für mich ist es irgendwie nochmal etwas anderes, ob man zum Beispiel zum Fußball geht oder sich mit Freunden trifft.

Tatsächlich trifft sich mein Freund sehr selten auf andere Art mit seinen Freunden. Wenn es keine Party ist, dann ist es eine laute und verrauchte Kneipe.

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Hey, schon mal was von Hochsensibilität gehört? Lies doch mal darin ein (z.B. Bei zartbesaitet.net).
Hochsensibilität bedeutet, dass das eigene Gehirn durchlässiger ist als das vieler anderer für Sinneseindrücke, die dadurch weniger gefiltert werden und in Massen auf das Bewusstsein einströmen. Das kann sehr anstrengend und erschöpfend sein. Was du schreibst kenne ich auch. In meinem Umfeld, z.B. mein Bruder und Cousinen, lieben alle Remmidemmi, laute Musik, ihnen machen bestimmte Temperaturen nichts aus, Gerüche bemerkt keiner, etc. Und ich war schon immer so viel empfindlicher. Hohe Lautstärke, Rauch, viele Menschen, Hitze, da kannste sicher sein ich flüchte völlig fertig oder versuche irgendwie durchzuhalten, meistens auch völlig fertig. Das hat und hatte bei mir auch oft mit meinem jeweiligen Zustand zu tun. Müdigkeit, Hunger, meine Periode oder ähnliches machen es mit schwerer, ausgeruht und entspannt halte ich hingegen sehr viel mehr aus.

Versuche bitte nicht, dich zu ändern. Nimm dich an, mit seinen Vorlieben, Stärken, deiner Empfindsamkeit, Abneigungen, Schwächen. Das alles ist ok und macht dich nicht richtiger oder falscher als du denkst.

Wenn dich solche Parties stressen, dann gönn deinem Freund den Spaß und mache du was anderes. Zwinge dich ab und an trotzdem dazu, bleib offen und flüchte nicht zu sehr in dein Schneckenhaus, und vor allem versuche auch in Situationen, die dir nicht so optimal behagen schöne Erlebnisse zu finden. Das ist wichtig. Aus der Komfortzone auch mal rauszukommen. Man muss seine Grenzen kennen und sie doch ab und an überschreiten.

Dein Freund mach das super und ist sehr rücksichtsvoll. Gönne ihm und euch den Spaß, findet Kompromisse und springe du auch mal über deinen Schatten. Menschen, die nicht so - ich nenne es sinnesbegabt ;-) - sind, tun sich oft schwer das zu verstehen, wie es einem in solchen Situationen geht. Dein Freund versucht es und nimmt Rücksicht. Nimm es ihm nicht übel, dass es nicht immer so war. Wenn man nicht selber so unterwegs ist, weiß man in der Regel gar nicht, dass es sowas gibt.

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Der Begriff Hochsensibilität ist mir bekannt und ich weiß auch seit ein paar Jahren, dass ich hochsensibel bin. Das hat mir in vielen Dingen die Augen geöffnet.

Ich vermeide daher auch einige Situationen, versuche aber trotzdem, wie du sagst, auch mal aus meiner Komfortzone herauszukommen. Das sind dann eben diese Partys. Und irgendwie trifft es mich dann besonders hart, wenn ich damit nicht klarkomme, obwohl ich mir schon viel Auszeit und Ruhe gegönnt habe.

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Wir haben hier die gleiche Konstellation und die ersten Jahre habe ich brav mitgemacht, bin mit auf Partys, war die perfekte Gastgeberin etc.etc.
Das hat mich derartig ausgelaugt, dass ich irgendwann echt fertig war. Seitdem komme ich nur noch mit, wenn ich mag und ich gehe, wenn es mir zu viel wird. Auch hier, wenn wir die Hütte voll haben (oft), gehe ich irgendwann hoch und lese oder schlafe.
Das klappt Super. Mir ist überraschender Weise keiner böse, denn ich wirke so deutlich authentischer und entspannter als wenn ich versuche, mich zu verbiegen.

Mein Mann kann mich eh so stehen lassen wie ich bin. Und umgekehrt maule ich ihn nicht mehr an, wenn er mich abends auf Partys “vergisst“. Er ist dann halt in seinem Element und das soll er auch genießen.

Ich glaube, der Schlüssel liegt darin, zu sich selbst so zz akzeptieren wie man ist.

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Ich kann dir mal den anderen Standpunkt erläutern.

Ich bin ein sehr geselliger Mensch. Ich unterhalte mich gerne, ich lerne gerne neue Leute kennen, ich kann mit jedem Menschen quatschen auch wenn ich ihn gar nicht kenne. Ich liebe Partys, wo man mit Leuten ins Gespräch kommt und habe an sowas richtig Spaß.

Mein Mann ist eher ein ruhiger Mensch. Er ist überall beliebt und kann sich auch unterhalten. Er ist allerdings überhaupt kein Smalltalktyp und kann wirklich nur mit Leuten reden, mit denen er ein ganz offensichtliches gemeinsames Thema hat. Er ist ein ruhiger Mensch. Nicht unbedingt introvertiert, aber wenig kontaktfreudig. Zudem trinkt er auch keinen Alkohol und fühlt sich dann auch dezent fehl am Platz, wenn alle angetrunken sind nur er nicht.
Er ist der erste Mann mit dem ich zusammen bin, der so war. Meine Ex-Freunde waren alle Rampensäue, wie ich auch. Daher war das auch recht neu für mich.

Inzwischen ist es so, dass er zu "normalen" Unternehmungen mit meinen Freunden gerne mitkommt. Bei Feiern überlegt er sich das vorher. Ich finds auch nicht schlimm, wenn er sagt, dass er nicht mitkommen möchte. Ich finde das vollkommen in Ordnung, ich respektiere, dass er anders ist als ich und nicht an den gleichen Dingen Spaß hat wie ich. Ich freue mich zwar, wenn er doch mitkommt, aber ich habe auch keinen Spaß, wenn ich merke, dass er sich durch den Abend quält. Das bringt weder mir noch ihm was und schon gar nicht unserer Beziehung. Wir hatten zwar noch nie kritische Gespräche deswegen, weil wir beide die jeweils andere Art respektieren, aber wenn du sagst, dass ihr nach solchen Abenden tatsächlich Gesprächsbedarf habt, dann würd ich mir überlegen, ob ich an deiner Stelle überhaupt da hin gehen sollte oder nicht.

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Hi.
Bei uns ist es gerade andersrum. Ich bin die offene Person, die es liebt neue Leute kennenzulernen und zu feiern. Mein Mann ist genau das Gegenteil. Er ist zwar auch gerne unter Leuten, aber dann bitte nur bei denen die er gut kennt und kein smalltalk machen muss sondern handfeste Themen hat. Tanzen gehen ist für ihn gar nix und wenn wir wo sind und er kennt keinen, hängt er mir am Rockzipfel. Ich kann das absolut nicht leiden auch möchte auch auf Partys ihn nicht "Babysitten" müssen.
Wir haben recht schnell angefangen getrennt weg zugehen und es ist für beide super so. Mittlerweile sind wir 7 Jahre verheiratet und haben bald 2 Kinder. Da ist es ein Glücksgriff grundsätzlich mal gemeinsam auszugehen. Aber das genießen wir dann auch. Kino oder Pärchenabend mit anderen Pärchen.
Um eine glückliche Beziehung zu führen muss man nicht immer zusammen alles machen. Wenn wir bei seinen Leuten sind, ist es immer stink langweilig, weil immer nur über Feuerwehr gequatscht wird. Da ist mir zu doof. Da bleib ich lieber Daheim 😂

LG

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Ich finde, da ist Kompromissbereitschaft von BEIDEN angesagt.

Er verzichtet gelegentlich auf die eine oder andere Party und Du lässt ihn auch mal ohne Dich Spaß haben.

Small talken kann man auch lernen und wenn man sich bewusst macht, dass auf bestimmten Arten von Parties tiefgründige Gespräche einfach nicht so gefragt sind, dann bekommt man auch einen anderen Blick auf die Dinge. Mach Dir in den Augenblicken ganz bewußt, dass es nur ein paar Stunden sind und einfach tanzen und Spaß haben angesagt sind.

Eine Rampensau wird dann nicht gleich aus Dir, aber es gestaltet die Beziehung wesentlich einfacher. Das geht.

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Hi, ich konnte mit Partys noch nie etwas anfangen. die Reizüberflutung durch mein ADHS macht es nicht einfacher. Aber auch ohne wäre ich nicht so der Typ dafür.

Mit Freunden, Bekannten, Umfeld, Menschen die mir wichtig sind, rede ich darüber.

Zu Festen meines Kindes gehe ich mit. Die sind weit weg von Partys. Es ist ok, dass ich am Rande bleibe, dort wo man sich von der Lautstärke noch unterhalten kann.
Für mein Kind ist es wichtig, dass ich dabei bin.


Bei Freunden oder lauten Partys ist es eher anders.
Da ist es sinnvoller, wenn sie ohne mich feiern - offen, entspannt, guter Laune,
als wenn ich dabei bin. Dann fühle ich mich schlecht, wei es mir bescheiden geht und sie fühlen sich schlecht, weil sie doch irgendwie eingeschränkt sind. Sie möchten zwar Rücksicht nehmen, aber 1. geht es mir dadurch auch nicht besser (nur nicht schlimmer) und 2. sind sie gehemmt und sie sind zerissen zwischen Spaß und Verantwortung.

Der Deal ist: Freunde kann man auch außerhalb treffen. Ich gehe auch mal mit
Voraussetzungen
- ich habe die Verantwortung für MICH SELBST. nicht die anderen!
- ich entscheide, ob es mir an dem Tag gut geht oder nicht (die Verantwortung für mich trage ich selbst!)
- ich zwinge mich nicht mitzugehen, der Zwiespalt zerreißt die anderen und mir tut es nicht gut. Lose-lose Situation.

- wenn ich mitgehe, dann gerne kleinere Locations
- Partys im Freien (da ist die Musik nicht ganz so laut)
- Stammlokale/Stammorte. Wo ich mich auskenne, kann ich besser mit umgehen

- ich bin bereit dafür, dass andere auch Freundeskreise ohne mich haben und dass das ok so ist! bei Beziehungen möchte ich nur nicht verleugnet werden! Dabei sein muss ich deswegen nicht


- zu für den Menschen wichtige Veranstaltungen gehe ich mit!
Die Möglichkeiten handeln wir dann vorher aus.
Z.B. Geburtstag, runder Geburtstag, Klassenfest usw.

Möglichkeiten: ich komme später und gehe, wenn es mir nicht gut tut
ich mache kein großes Bohai darum wie ich mich fühle oder verabschiede mich riesengroß (das hat was theatralisches)
wenn es mir zu viel wird, sage ich der Hauptperson kurz bescheid, sage den wichtigsten kurz tschüß und gehe dann

Ich weiß vorher wo es ist, kann mich darauf vorbereiten.

Wenn ich direkt mitkomme, habe ich die Möglichkeit alleine nach Hause zu kommen (ohne Bringdienst oder dass sich jemand um mich Sorgen macht)

Ich mache es mir so gut wie möglich.

Dafür bin ich dabei.


Wichtige Freunde von Freunden lernte ich auch so kennen. Von den vielen partyfreunden waren sehr viele Bekannte dabei, wenige Freundschaften, die auch außerhalb stattgefunden haben.
Diese habe ich meist kennen gelernt. Katerfrühstück, fotos, sich auf der Straße treffen.

Manche von den Partyfreunden waren auch unbekannt, Name unbekannt oder so.


wenn mir von den Partys vorgeschwärmt wird, höre ich zu (auch das ist ein aktives teilnehmen). Keinen Fluntsch ziehen, sondern ECHTE Freude, dass die anderen Spaß hatten.
(mit Dankbarkeit, dass ich diesen "Spaß" nicht hatte. Ich habe gerne Spaß, aber mit mir wäre es für die anderen kein Spaß gewesen und für mich auch nicht). Umso echter war/ist mein Spaß beim Zuhören. Das ist auch eine Form von daran teilnehmen.

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"wenn mir von den Partys vorgeschwärmt wird, höre ich zu (auch das ist ein aktives teilnehmen). Keinen Fluntsch ziehen, sondern ECHTE Freude, dass die anderen Spaß hatten.
(mit Dankbarkeit, dass ich diesen "Spaß" nicht hatte. Ich habe gerne Spaß, aber mit mir wäre es für die anderen kein Spaß gewesen und für mich auch nicht). Umso echter war/ist mein Spaß beim Zuhören. Das ist auch eine Form von daran teilnehmen."

Das finde ich eine schöne Einstellung :)