Ich kann die Story einfach nicht mehr glauben...

Guten Morgen...
...ich bin seit geraumer Zeit irgendwie auf Krawall, was meine Beziehung angeht. Wir sind seit einem Jahr zusammen. Mein Partner hat eine zweijährige Tochter.
Er berichtet mir immer wieder davon, wie schlimm die Beziehung zur Kindsmutter war. Sie hätte ihn über Jahre hinweg angeschrien, ihm seine Hobbys und Freunde verboten, ihn ausgenutzt und lieblos behandelt und körperlich attackiert. Er erzählt das immer wieder, wenn ich Dinge tue, die für mich ganz normal sind, zum Beispiel für alle kochen oder ihn in seinem Hobby bestätigen. Ich habe selbst zwei Kinder und bei uns geht es sehr ruhig und harmonisch zu.
Ja, ich gebe zu, dass es mir am Anfang irgendwie geschmeichelt hat, "besser" zu sein als die Ex. Aber so langsam wird mir das too much.
Letzte Woche stieß mir eine Erzählung über den einzigen gemeinsamen Exen-Urlaub auf, der wohl auch eine absolute Katastrophe gewesen sein soll. Anlass für die Erzählung war, dass ich Vorbereitungen für meinen Jahresurlaub getroffen habe, bei dem er Teil sein wird.

Ich beobachte, wie die Kindsmutter ihn nach Strich und Faden verarscht; er lässt sich ausnutzen (Beispiel: er zahlt Unterhalt, Kindergarten uvm., das Kind kommt aber nie mit Wechsel-Kleidern in die Wochenenden, die kauft er auch noch und gibt sie dann auch noch mit und vieles mehr). Sie ordert Geschenke bei ihm fürs Kind, er bezahlt, bestellt und lässt an sie liefern.

Jeder hat seine Vergangenheit, das ist mir schon klar. Aber ich frage mich halt, wie man in so eine lange Kack-Beziehung (laut Schilderungen) noch freiwillig gemeinsam ein Kind zeugt, um sich dann unmittelbar nach der Geburt zu trennen?! Beide sind Ende 30, also keine Greenhorns mehr?! Und beide beruflich auf höherem Niveau, also bildungsnah, mit jeweils eigenen Unternehmen. Geld ist auf beiden Seiten da.

Mit dem Kind gibt es viele Probleme, resultierend aus Uneinigkeit der Eltern in Sachen Erziehung, diese ganzen Probleme schwappen irgendwie auch in mein Leben, obwohl wir gar nicht zusammenleben, und ich ziehe mich immer mehr zurück, weil mir das alles etwas suspekt vorkommt und nicht gut tut. Beispiel: Die Ex fordert, dass ich mich ihr vorstelle, weil ich Einfluss auf ihr Kind hätte. Wenn ich mich nicht bei ihr vorstelle, darf das Kind nicht mehr zum Vater.
Äh, ich lasse mich aber nicht nicht herumkommandieren; aus der Vater-Tochter-Beziehung halte ich mich seit Monaten auch räumlich raus, weil da einiges im Argen ist und die beiden sollen Zeit und Raum für sich haben, da muss ich nicht auch noch rumfuhrwerken. Ich habe selbst zwei Kinder, bin allein erziehend und wir haben null Probleme, weder miteinander, noch mit meinem Exmann, der auch keine so komischen Forderungen stellt. Und ich will meine "Insel der Glückseligkeit", für die ich hart gearbeitet habe, nicht durch externe Unruhen ins Wanken bringen.

Im Moment geht mir das alles ziemlich auf den Wecker, diese Story von der schlimmen Ex, mit der man/n dann aber nach Jahren des Märthyriums das erste gemeinsame Kind in die Welt setzt, Geburtsanzeigen über die glückliche Elternschaft veröffentlicht usw. Dass die Frau nicht ohne ist, merke ich selbst und bekam das auch von Bekannten vermittelt, die Eltern meines Freundes schütteln nur noch den Kopf.

Aber die Frage stelle ich mir eben immer noch: Wieso setzt man dann mit so jemandem ein Kind in die Welt?

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Guten Morgen,

Vielleicht triffst du dich tatsächlich mal mit ihr. Wahrscheinlich ist sie nicht ganz das Monster als das sie dir präsentiert wird. Und wenn sie wirklich so schlimm ist, kannst du jederzeit aufstehen und gehen.

Ich glaube dein Partner spielt irgendein merkwürdiges Spiel, das aber nur deswegen funktioniert, weil ihr euch nicht direkt austauscht.

Außerdem kannst du dann überprüfen, ob sie wirklich mit Umgangsausschluss gedroht hat. Ich finde das nämlich nicht sehr glaubwürdig.

Liebe Grüße

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Das sehe ich ganz genauso.
Ich würde auch einem Treffen zustimmen. Jede Medaille hat zwei Seiten, es lohnt sich immer, beide zu kennen!

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Wenn er seiner Partnerin weismacht, dass die Ex sie unbedingt kennenlernen will, weil er sonst das Kind verliert, dann wäre das ein sehr riskantes und nicht gerade clever durchdachtes Spiel. Er müsste ja dann umso mehr fürchten, dass die Partnerin ihm zuliebe den vermeintlichen Forderungen zustimmt und sich mit der Ex trifft. Und dass dann alles rauskommt.

Dass er ein unreifes Verhalten ohne Rückgrat an den Tag legt ist unbestritten. Aber auch deswegen liegt eher nahe, dass die Ex das natürlich weiss und ihn deswegen bewusst schikaniert.

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Aus Liebe - und das ist eben oftmals keine Vernunftentscheidung. Auch wenn man "hinterher" natürlich schlauer ist.

Für mich klingt das nach den typischen Herausforderungen einer Patchworkfamilie. Ich gebe Dir aber recht, ER sollte irgendwann mit den Geschichten der Vergangenheit abgeschlossen haben. Ggf. würde ich ihn zur Verarbeitung seiner Vergangenheit noch zum Therapeuten schicken - denn wenn er darüber noch soviel Redebedarf hat, hat er Sie auch für sich noch nicht verarbeitet.

Ich wünsche Euch viel Kraft!

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Ich kann dich absolut verstehen, Du hast Deine Dinge geregelt und es läuft und dort bindet man sich die "Probleme ans Bein", klar hat man da keinen Nerv drauf.

Ich könnte es auch alles nicht verstehen, seine Erzählungen, wie schlimm alles war und dann noch ein Kind kriegen.

Aber weißt Du was? Als ich meinen Mann kennenlernte, war er von seiner Ex etwas über 2 Jahre getrennt und geschieden - und es wurde nur gehetzt in der Familie über sie, er durfte nie etwas, sie war die Hölle, hat ihm Freunde verboten, den Kontakt mit den Eltern, entzieht ihm die Kinder....

Irgendwann lichtet sich das Dunkel.... seine Eltern sind übergriffig und schlimm, es war richtig den Kontakt damals abzubrechen. Heute kann auch er mal zugeben, dass es ja nicht nur alles schlimm war, es war sein Leben mit ihr und so schlecht kann es nicht gewesen sein, denn es gibt zwei Kinder, sie haben sich mal geliebt und geheiratet.

Das konnte er erst nach Jahren mit mir zulassen - es war in seinem Kopf nur die letzte Zeit voller Zorn und Streit - und an dem Zoff um die Kinder waren definitiv beide Schuld, denn die zwei sind Meister im Kampf gegeneinander. Gaaaanz schlimm und gar nicht meine Art - da musste ich auch erst einmal mit klar kommen.

Ich würde Dir raten, dich klar abzugrenzen und seine Probleme auch mal seine sein zu lassen und nicht alle auch zu Deinen zu machen, helfen ja, lösen nein. Das kann man nicht, das müssen die Eltern tun.
Aber durchaus auch seine Ex mal kennenzulernen und das Angebot anzunehmen. Wer weiß.. dann kannst Du dir ein eigenes Bild machen.
Du warst nicht dabei - hat sie das wirklich so gesagt und Dich quasi bestellt und mit Kindesentzug gedroht - oder hat er den Satz so verstanden und mit seiner Erfahrung gefärbt an Dich weitergegeben?

Lichtchen

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Hallo Lichtchen.

Lieben Dank. Das Abgrenzen praktiziere ich schon ganz gut, denke ich. An den Umgangstagen bin ich nicht dabei, weil es eben viele Probleme gibt, die mich stressen undich bin der Auffassung bin, dass die Eltern das wuppen müssen

Ich lasse meinen Freund durchaus in der Verantwortung. Anfangs habe ich viel mitgemischt und dies und das geraten.
Inzwischen höre ich mir halt seinen Kummer an, ich bewerte nichts mehr, aber ich stelle schon fest: "Puh, was für ein Chaos".

Sein Wunsch nach Zusammenziehen habe ich mal liebevoll auf Eis gelegt, erst gestern abend bei einem Gespräch. Denn das ganze Chaos dann noch unter meinem Dach zu beherbergen fühlt sich im Moment für mich wie "Alarmstufe Rot" an.

Ich merke auch, dass mir der Rückzug hier und da wirklich gut tut; ich muss nicht mehr jeden Mist mitkriegen, weil ich mich eh nur aufrege. Und je regelmäßiger mein Abstand ist, desto entspannter bin ich. Wenn sein Kind an den Wochenenden bei ihm ist, telefonieren wir zwar, aber irgendwelchen Treffen gehe ich aus dem Weg, da ich gemerkt habe, dass die Überforderung mit der neuen Situation für alle doch recht groß ist.
Mein Gefühl sagt mir, dass ich der Ex irgendwann quasi zufällig über den Weg laufe; das ist dann ja ok.
Aber so eine Vorstellungs- und Bemusterungsrunde auf Kommando - darauf stehe ich nicht. Bin auch einen Zacken älter...da braucht frau nicht mehr jeden Pups mitmachen ;-)
Schönen Tag für Dich/Euch!

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Du machst das schon ganz gut, wie ich finde.

Ich kann dich übrigens gut verstehen. Bei mir verebbte auch schon mehrmals aufkeimende Verliebtheit, als ich erfahren habe, mit welchen Menschen das Objekt der Begierde früher zusammen war. Ich will keinen Partner (bzw. kann keinen Partner respektieren), der gewisse Zeiten seines Lebens mit menschlichen Totalkatastrophen verbracht hat. Wer tut sich sowas schon freiwillig an? Da muss irgendwas nicht stimmen mit ihm. Stehen die Leute auf Dramaqueens? Dann sind sie bei mir an der falschen Adresse.

In einem Fall kannte ich z.B. eine Ex persönlich aus der Studienzeit. Eine wirklich gemeine, bösartige Person. Ich wollte keinen Partner, der mal in diese Frau verleibt war. Der Mann war für mich tatsächlich "beschmutzt" und es hat mich vor ihm wortwörtlich geekelt.

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"Aber die Frage stelle ich mir eben immer noch: Wieso setzt man dann mit so jemandem ein Kind in die Welt?"

Das ist die Fragestellung zur Geschichte Deines Partners? Hm, okay, ich hätte da eher andere Punkte, die ich in Frage stellen würde. ;-)

Meine Antwort ist simpel, so wie die meisten Menschen auch sind: Die reale Situation wurde verdrängt, da der Kinderwunsch auf wenigstens einer Seite so mächtig war, dass die inneren Alarmglocken verstummt sind. Kurz gesagt, jetzt oder nie - und es hat ja funktioniert. Sie wussten ja beide, dass es in ihrem Alter keine Garantie mehr gibt, einen Partner zu finden, der (noch) ein Kind will.

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Zur letzten Frage- Kennst du den Begriff Kitt?
In eine absterbendem Beziehung werden noch Kinder gezeugt, Häuser gekauft. Es ist später nicht erklärbar.

Dass die Frau dich kennenlernen will finde ich aufgrund des Alters legetim.
Es ist natürlich kein muss. aber du würdest sie dann tatsächlich kennenlernen und dir ein besseres bild machen können.
lg

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Hi,
Weiß nicht ob ich dieser Story glauben schenken soll.
Denn es gehören immer 2 zu einer Beziehung.
Also so wie dein partner erzählt, könnte es auch mein ex sein der über mich spricht. Immer die Schuld auf andere abwälzen....
Und mein ex kratzt noch immer an meiner Tür und will auf brechen noch eine Beziehung mit mir, obwohl ich so böse bin. Ich habe die Hölle mit meinem ex durchlebt, haben auch eine kleine Tochter und habe mich kurz nach der Geburt von ihm getrennt, weil er sich einfach nicht im Griff hat. Erst letztens ist er verbal mir gegenüber wieder total ausgetickt und währenddessen hat er auch immer behauptet was ich ihm angetan habe und antue und er glaubt den Mist auch schon selber. Ich weiß nicht warum manche Menschen so sind und vor allem was es ihnen bringt. Warum wir noch ein Kind bekommen haben weiß ich auch nicht so recht, wobei ich froh bin dass ich sie habe, aber der Schleier der mir von den Augen gefallen ist nachdem die kleine geboren ist, hätte mir jahre vorher von den Augen fallen sollen. :) manchmal hofft man auf was, was niemals sein wird.
Aber ich, an der Stelle von der ex deines Partners, würde dich auch kennenlernen wollen, weil ich eben wissen möchte wo meine kleine ist und das finde ich auch total normal.
Aber bitte pass ein bisschen auf... mir kommt es einfach komisch vor, dass er so viel von der ex redet und vor allem nur schlechtes. Da stimmt irgendwas nicht.
Meine Erfahrung sagt mir, dass mit ihm auch irgendwas nicht stimmt.

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Hallo LieberinBlack,

danke für Deine Nachricht. Das Kennenlernen finde ich trotzdem seltsam, weil ich mit der Kleinen seit längerem bewusst nichts zu tun habe; ich nehme mich aus dem ganzen HickHack raus und lasse meinem Partner die Zeit mit der Kleinen, um das zu regeln, was er regeln will. Mir ist das zu viel Chaos, da passe ich nicht rein.
Wenn sich vielleicht irgendwann mal eine Regelmäßigkeit einstellt und ich öfter Kontakt zu der Kleinen habe, kann man ja nochmal über so ein Treffen nachdenken. Aber im Moment sehe ich da keinen Anlass.
Liebe Grüße.