Nichts wissen wollen

Hallo.

Auch wenn man es nicht zugeben möchte, man ist ja doch schnell dabei, Jemanden zu verurteilen. Davon kann ich selbst mich nicht frei sprechen.

Nach schweren Zeiten in der Ehe und viel Gedankenauseinandersetzung mit mir selbst, muss ich mir aber langsam eingestehen, dass ich meine Sichtweise ein empfindliches Thema betreffend wohl anpassen muss.

Egal, wie stark oder tough ich bin, ich bin ein Mensch, der nicht gern allein ist. Natürlich gibt es unverrückbare Prinzipien, auch würde ich es allein schaffen, aber ich würde leiden. Sehr leiden. Ich habe meinen Partner vor längerer Zeit einen Seitensprung verziehen. Damit habe ich auch abgehakt und seither war und bin ich sicher, dass es sich nicht wiederholt hat. Eines der gerade genannten unverrückbaren Prinzipien ist auch, dass ich keinen zweiten Seitensprung verzeihen würde.

Allerdings muss ich mir mittlerweile eingestehen, dass ich Angst hätte, dann stark und konsequent sein zu müssen, denn ein evtl Seitensprung seinerseits würde ja meine Gefühle nicht ändern. Ich würde also leiden wie ein Hund, weil ich mir ja eigentlich nicht wünsche von meinem Partner getrennt zu sein. Dabei ertappte ich mich beim Gedanken, dass ich es vermutlich lieber nicht wissen wollen würde, sollte er mich nochmal hintergehen. Wenn ich es wüsste, müsste ich mich trennen.

Mein Konstrukt ist natürlich fragil. Ich möchte keine Ehefrau sein, die insgeheim weiß, dass der Gatte sich regelmäßig auswärts vergnügt. Also einen notorischen Fremdgeher würde ich nicht ausblenden. Weder können, noch wollen. Ich würde es auch bei Einmaligkeit nicht absichtlich nicht wissen wollen. Es geht nur darum, dass ich mir mittlerweile vorstellen kann, eine unangenehme Wahrheit lieber wirklich nicht zu wissen, anstatt doch.

Kann mich irgendjemand verstehen?

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Hallo,

ich kann es zwar nicht verstehen selbst, ABER zumindest tröstet Dich vielleicht, dass sehr viele Frauen so denken und auch so leben, Augen zu, Ohren zu, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Sei es auf Bequemlichkeit, das Versorgtseinwollen nicht zu verlieren oder aus Angst vor dem Alleinsein, es gibt sehr viele Frauen und auch Männer, die lieber in unglücklichen Beziehungen ausharren als zu gehen und allein zu leben. Immer ist es Angst, die einen hält, Angst es nicht allein zu schaffen. Da ist dann die Frage, wenn Du das schon erkannt hast: Willst Du Dich dieser angst wirklich einfach wehrlos ergeben? Du könntest ja auch eine Therapie z.B. machen um zu ergründen, woher die Angst kommt, was Dir Angst macht und vielleicht Lösungswege zu finden, wie Du es schaffen kannst, die Angst zu überwinden. Es kann ja auch mal was Anderes passieren, z.B. Dein Partner geht wegen einer Anderen irgendwann, dann musst Du ja auch mit dem Alleinsein klarkommen.

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Ich denke deine Einstellung ist total normal. Es gibt wirklich sehr viele Menschen, die sich ganz genau so verhalten. Mir tun dann immer die Partner, die nicht ehrlich sein dürfen sehr leid.

Wenn es für euch beide o. k. ist ist das doch in Ordnung

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Ich kann Dich super gut verstehen, es ging mir in meiner Ehe ganz genauso.... das ganze habe ich 3 Jahre lang ausgehalten. Ich hab mir alles mögliche eingeredet, nicht wissen wollen, weil man dann Konsequenzen ziehen muss, die man eigentlich nicht möchte, den Gedanken "mir nimmt doch eigentlich keiner was weg, ich lebe doch weiter wie vorher" hatte ich auch.

Am Ende hab ich aber erkannt was es war, reine Selbstverleumdung, ich habe mich getrennt. Nein ich wollte mit einem Betrüger nicht weiter zusammenleben, denn eindeutig, es selbstverständlich hat es meine Gefühle ihm gegenüber verändert.

Ich habe es alleine geschafft, ganze 10 Jahre. Eine gute Erkenntnis für mich, dass ich auch alleine klar komme, mich auch alleine versorgen kann.

Heute bin ich neu verheiratet - und muss in meiner Ehe nicht mehr zwanghaft die Augen zu machen, sondern kann die Dinge ansprechen, die mich beschäftigen und bekomme ehrliche Antworten.

Vielleicht kann manch einer mit diesen "Augen zu" leben, ich kann es nicht.

Lichtchen

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Ich verweise nochmal auf meinen letzten Absatz. Ich möchte nicht absichtlich Augen und Ohren verschließen und dauerhaften Betrug hinnehmen. Ich würde aber nicht nochmal eine Beichte, oder durch Schnüffelei mit allen Mitteln herausfinden wollen, dass da ein Seitensprung passiert ist. Das ist es, was ich lieber ehrlich nicht wissen wollen würde.

Sicherlich würde ich weder einen Seitensprung noch erst recht eine Affaire aktiv wegignorieren.

Und nein, es läuft nach der Verarbeitungszeit gut bei uns und ich befürchte nichts. Ich denke dennoch immer viel nach und musste mir oben geschriebenes einfach eingestehen.

Ich denke auch nicht, dass eine Therapie sinnig ist. Es gibt Menschen die gehen allein überall hin, finden Anschluss, können allein sein. Und es gibt Menschen, die anderes können. Allein Anschluss finden würde ich auch immer, aber ich war nie gerne alleinstehend. Ich denke nicht, dass man das wegtherapieren kann. Ich würde ja wie gesagt auch nicht um jeden Preis in einer Beziehung verharren, aber gerade schaue ich, wie dieser Preis bei mir aussieht.

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Die Grenzen sind da sicher schwammig, ein dünner Grat. Aktiv wegignorieren klingt erstmal gut, machst Du nicht, nein.

Sicher? Ignorieren reicht doch.. wo fängt das an wo hört das auf? Du willst es nicht wissen, weil Du nicht alleine sein kannst. Gut, das ist eine Entscheidung.

Man muss eben nur vorsichtig sein, dass man sich nicht selber einen in die Tasche lügt. Denn so habe ich es erlebt.

Lichtchen

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Man wird ja auch älter und gesetzter, vermutlich werden viele eher die Augen zumachen und lieber nicht wissen wollen wenn der Partner irgendeine Dummheit in dieser Hinsicht anstellt oder sogar eine längere Affäre hat.

Nichts wissen zu wollen, nur weil man die Konsequenzen scheut halte ich allerdings nicht für gut, da man an Glaubwürdigkeit verliert.
Ich wüsste nicht ob ich so eine Frau sein wollte.

Wenn ein Mann fremdgeht obwohl er die Konsequenzen kennt, wenn es auffliegt oder er es beichtet, hat meiner Meinung nach sowieso keine 3. Chance verdient!
Wenn man nur wegen Haus und Kind/ern zusammen bleibt, ist sowieso alles zu spät.

Will man wirklich so ein Leben führen?


LG #blume

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Warte doch einfach noch etwa ab, normalerweise geht ein Fremdgänger irgendwann wieder fremd und dann siehst du ja wie du wirklich reagierst.

Ich weiß, deiner bestimmt nicht...

Vielleicht bist du aber schneller und wirst dich trennen.Klar, im Moment siehst du das so nicht, aber deine Gedankengänge und Fragen gehen schon in diese Richtung.
Es braucht Zeit, ja....und/aber auch wenn du meinst es ist alles gut, nein, ist es nicht....das wirst du dir auch bald selber eingestehen...

Ich denke, egal wie, aber spätestens in 3 Jahren bist du von diesem Mann getrennt.

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Ich kann nachvollziehen, dass die meisten das so bewerten.

Ich bin auch schon fremdgegangen, nicht nur einmal, aber das liegt bedeutend länger zurück, war gefühlt in einem anderen Leben, weil es vor den Kindern war. Und nein, es ist mir trotz Gelegenheit und Anfangsverlockung nicht wieder passiert und wird es auch nicht mehr. Ich finde diese Verallgemeinerungen daher blöd.

Auch ist mein Mann nicht der Standardfremdgänger, so abgedroschen das auch klingen mag, aber darauf jetzt näher einzugehen, ist müßig.

Mir kam dieser Gedanke tatsächlich in der Verarbeitungsphase, die auch aufgrund der generellen Zerbrechlichkeit unserer Ehe damals von Angst geprägt war. Ich bin immer schon Jemand, der auch lange nach Vergangenem noch emotionslos nachgrübeln kann, da muss also psychologisch nichts aktuell begründbares hinterstecken.

Deine Behauptung kann zutreffen, oder nicht. Wird die Zeit zeigen.

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„Normalerweise geht ein fremdgänger irgendwann wieder fremd“

Woher weißt du das? Frag dich bitte mal, ob das wirklich so ist. Genauso könnte ich jetzt nämlich sagen, dass es nicht so ist. Ist meiner Meinung nach genauso falsch.

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Huhu,

ich würde einen einmaligen Ausrutscher auch nicht wissen wollen.
Aus dem Grund, dass das Geständnis hier alles ändern würde.

Jetzt mache ich mir keinen Kopf, wenn er mir schreibt, dass er eine Stunde länger im Büro ist. Nach so einem Geständnis würde ich ihm aber sofort wieder (unbewusst) ein potentielles Fremdgehen unterstellen.
Es würde einfach komplett die Leichtigkeit unseres Alltags nehmen. Ständig wäre ich auf der Hut, ob sich wieder etwas anbahnt, dass Vertrauen wäre halt weg.

Letztendlich wäre das ein absolut nervenzehrender Zustand.
Ob das unsere Ehe überstehen würde? Ich denke eher nicht.

Lieber soll er dann halt mit dem schlechten Gewissen leben als das kaputt zu machen, was wir haben. Mit dem Geständnis macht er ja nichts ungeschehen, er belastet mich mir damit.

Affären wären schon ein anderes Ding, das würde ich wissen wollen (egal woher) und auch sofort die Konsequenz ziehen.

Natürlich hoffe ich, dass ich nie betrogen werde und hoffe das selbst auch nie zu tun.

Lg

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Ich denke, den allermeisten Menschen geht es so. Drohungen auch wahr machen müssen und angekündigte Konsequenzen folgen zu lassen, und sich damit selbst mit bestrafen.

Und ich gehe jede Wette ein, dass 90% von denen, die ankündigen, bei Fehlverhalten, wie Fremdgehen des Partners, ist sofort Tabularasa und man macht dann sofort Schluss und Koffer packen und und und, exakt das nicht passiert. Man wird zetern, heulen, sich zurückziehen, vielleicht auch cool bleiben aber in jedem Fall wird einem auch bewusst, was noch alles an diesem Schritt hängt. Das gemeinsame Haus, die Kinder, eine gemeinsame Biografie und und und.....Alles wieder auf Start?

In der Regel beenden Menschen dann eine Beziehung wenn der Leidensdruck zu groß geworden ist, wenn eine - zwar ungewisse - Zukunft ohne den anderen, einem sinnvoller und nutzbringender erscheint als der bisherige Zustand.

So wird es Dir vermutlich gehen. Ob beim nächsten Mal, wobei das nächste Fremdgehen ja noch sehr spekulativ ist, schon der Cut erfolgt, ist offen. Ich würde mich aber nicht unter Druck setzen, angekündigte Konsequenzen unbedingt umsetzen zu müssen.

Und es nicht wissen zu wollen, ist eine adäquate Lösung um die Dinge nicht an sich heranzulassen. Ich würde auch nicht wissen wollen, wenn meine Freundinnen mal hier oder da eine Affäre hatten. Warum? Weil mir dieses Wissen nichts nutzt. Es würde mich vielleicht quälen, mich ärgern, würde mich aufregen und einen Herzkasper kriegen, was weiß ich.

Wahrheit und Ehrlichkeit, die niemandem nutzt aber allen schadet und nur um ihrer selbst Willen geschieht, ist so überflüssig wie Zahnschmerzen.

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Grau ist alle Theorie, daher habe ich solche Überlegungen im Sinne von "wenn-er-das-anstellt-verhalte-ich-mich-so-und-zwar-garantiert".

Insoweit kann ich dir nur zustimmen.

Wenn man sich aber anschaut, wie Fremdgänger argumentieren (das Forschungsprojekt hatte ich in meinem ersten Beitrag im Thread schon genannt), scheint überwiegend in der Beziehung eine Schieflage vorhanden zu sein. Ob diese dann vor allem in einer Unzufriedenheit mit dem Sexualleben liegt, kann dahin gestellt bleiben, aber es nicht wissen zu wollen als adäquate Lösung zu sehen, halte ich vor dem Hintergrund nicht für sinnvoll.

Ich würde es daher auf jeden Fall wissen wollen, wobei ich mit dem Seitensprung, der aber die Ausnahme zu sein scheint, leichter umgehen könnte als mit einer Affäre. Aber wie auch immer - um etwas zu ändern, muss man sich den Dingen stellen, ansonsten kann das mehr oder weniger gezielte Wegschauen auch dazu führen, dass auch der Grund für das Fremdgehen ausgeblendet wird.

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Ich muss mich korrigieren. Schreiben wollte ich: Grau ist alle Theorie, daher habe ich solche Überlegungen im Sinne von "wenn-er-das-anstellt-verhalte-ich-mich-so-und-zwar-garantiert" gar nicht erst angestellt.

Mal wieder schade, dass man bei Urbia auch direkt nach dem Absenden nicht korrigieren kann.

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1. würde ein weiterer Seitensprung deine Gefühle wirklich nicht beeinflussen?
Ich denke, dass würde es nämlich doch. Und sobald sich deine Gefühle ändern, ändert sich auch dein denken und damit zwangsläufig auch dein handeln. Aus aktueller Sicht macht dir das Angst, das ist völlig legitim. Wie du reagierst, wirst du erst wissen wenn es dir passiert. ;)

2.wer sagst, dass du dann allein sein musst? Ja für eine Weile, bis ein neuer Partner kommt. Und dann wärst du nicht mehr alleine. Schwer vorstellbar, weil es rein hypothetisch ist, dass dein Partner nochmals fremdgeht.

Mein Tipp: du hast verziehen. Also Handhabe es wie vor dem Seitensprung (wenn du kannst). Was wäre wenn einfach beiseite schieben und das beste hoffen :)