Habt ihr auch einen Partner, mit dem das reden schwer fällt?

Hallo,

heute schreibe ich auch mal hier im Forum. Vielleicht habt ihr einen Denkanstoß für mich.
ich bin 35 Jahre alt, seit 18 Jahren mit meinem Mann zusammen, mittlerweile verheiratet, wir haben 3 Kinder.Wir haben uns also auch schon recht jung kennengelernt, schnell wurde ich schwanger, nach 3 Jahren ein Haus gekauft.
"Eigentlich" läuft alles gut. Er hat einen gut bezahlten Job, wir haben keine großen finanziellen Sorgen, ich selbst bin selbstständig kann mir somit meine Arbeitszeiten so legen, wie es ganz gut mit den Kindern klappt.
Doch irgendetwas hat sich bei uns eingeschlichen :( ich habe das Gefühl wir haben uns auseinandergelebt oder unsere Lebenseinstellungen passen irgendwie einfach nicht zusammen?!
Er ist ein totaler Familienmensch, ein toller Papa. Ich selbst fühle mich von ihm oft nicht wahrgenommen. Ich würde mir wünschen, dass wir mal miteinander reden und er mehr Verantwortung übernimmt.
Manchmal habe ich das Gefühl wir laufen beide am Limit, keiner kann mehr richtig für den anderen da sein. Er arbeitet viel, ich kümmere mich neben Haus, Kindern und Job allein um die Finanzen, um den Papierkram, um Termine. Wir haben leider keine Oma vor Ort oder so, also auch keine Unterstützung.
Und ehrlich gesagt ärgert es mich total, dass wir dann in der Zeit (Wochenende), die wir beide zu Hause sind, nicht auch Aufgaben teilen können. Wir haben es mal versucht mit einem Plan...z.b. immer montags setzen wir uns zusammen hin und machen den Papierkram (Rechnungen, Überweisungen...). Das ging 3 Wochen gut, dann saß ich wieder allein damit da. Ihn interessiert das alles einfach nicht. Er geht fest davon aus, dass ich das alles mache. Würde ich es nicht machen, würden ständig Mahnungen oder Erinnerungen kommen (haben wir schon versucht).
Auch so wichtige Entscheidungen wie die Farbe, mit der unser Haus gestrichen werden soll, oder ab wann unser Kind in den Kindergarten gehen soll, treffe ich alleine. Auch den Urlaub buche ich alleine...ihm ist egal wo es hingeht und fertig. Er sagt er vertraut mir da und fertig. Das ist einerseits natürlich schön, ich kann tun und lassen was ich will. Andererseits wünsche ich mir eben, dass er auch mal die Initiative ergreift, dass wir mal was zusammen besprechen oder entscheiden. Das macht doch eine Partnerschaft aus, oder?
Auch im Haushalt sieht es so aus... er deckt schon auch den Tisch oder räumt die Spülmaschine aus. Niemals würde er aber von allein das Bad putzen oder Wäsche anstellen.
Ich finde halt auch, dass man da einfach drüber reden muss... damit es für beide Seiten passt. Mich ärgert es einfach oft, dass er zu Hause ist und auf dem Sofa liegt und ich weiss nicht wie ich mit allem hinterher kommen soll.
Reden hab ich oft versucht, auch eine Eheberatung haben wir gemacht. Da war unsere Hausaufgabe einmal pro Woche fest zusammen zu reden. Wie die Woche was, wie es einem geht, was gut lief. Das hat auch während der Beratungszeit geklappt, seit dem nicht mehr.
Irgendwie hat er Angst vor jedem Konflikt der aufkommen könnte. Und das macht mich verrückt.
Auch mit meiner Selbstständigkeit ist es schwierig, da ich auch zu Hause Zeiten bräuchte zum Vorbereiten. Oder überhaupt würde ich gern mit ihm besprechen wie viel oder wenig arbeiten gut ist für unsere Familie. Wie viel Geld "muss" ich dazuverdienen, wie viel ist möglich mit den Kindern nebenbei. Das müsse ich doch selbst entscheiden sagt er dann. Das wars. Zusammen reden ist echt schwer und das zermürbt mich irgendwie.
Ich weiss auch gar nicht was ich hören möchte. Hat jemand auch so eine Beziehung? Ich weiss einfach nicht was ich noch versuchen kann. Er ist wie er ist, ich bin wie ich bin. Gibt es das, dass es einfach nicht zusammen passt? Ich kann mir grad gar nicht vorstellen wie es mal sein soll, wenn die Kinder aus dem Haus sind.
Auch über eine Trennung habe ich schon nachgedacht, denn tatsächlich geht es mir irgendwie immer besser, wenn er an der Arbeit ist oder mal ne Woche beruflich weg, als wenn er da ist. Wir streiten über Kleinigkeiten, manchmal ist es für mich eher eine WG hier.
Oh wow, jetzt ist es echt ein langer Text geworden. Es tat gut mal alles runterzuschreiben. Und vielleicht hat ja jemand eine Idee für uns oder mich.

Danke

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Einen Rat kann ich dir nicht geben, aber irgendwie klingt das erschreckend nach meiner eigenen Beziehung.

Fühle dich verstanden und gedrückt.

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Dein Mann merkt das alles läuft und er dafür nix tun muss.
Und es keine Konsequenzen gibt,wenn er nix tut.
Klar sind Männer Konfliktscheu.
Du musst mal auf den Tisch hauen. Sag ihm klar und deutlich was er zu tun hat.
Oder streiken,hab ich auch schon gemacht.
Hab seine wäsche nicht gewaschen,hab nicht für ihn gekocht.
Wir sehen auch zu das wir unsere kinder freie zeit für uns nutzen.
Ich glaube ihr habt euch als Paar aus den Augen verloren.

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War in meiner vorherigen Partnerschaft auch so. Ich wurde für selbstverständlich genommen, wir waren eine top-organisierte WG.. mehr nicht. Für ihn war das völlig ok, er hatte so sein Traumleben das für ihn passte, warum was ändern? Bis ich dann gegangen bin weil ich das Gefühl hatte, das kann es noch nicht gewesen sein in meinem Leben. Er hat geheult wie ein Baby!! Für ihn kam das völlig unerwartet, seine ganze Welt ist zusammengebrochen und er wusste nicht, wo etwas falsch gelaufen war. Er hat mir so oft vorgehalten, ich hätte doch mal auf den Tisch klopfen und was sagen sollen. Gesagt habe ich es oft genug, immer wieder versucht mit Gesprächen. Aber laut wurde ich nie (oder habe "auf den Tisch gehauen" wie man es so schön nennt. Wieso auch? Ich will keine Beziehung die nur funktioniert, wenn man laut wird und seinen Willen einfordert.. Siehst du ja bei dir, es bringt nur temporär eine Verbesserung..

Aktuell bin ich in einer neuen Beziehung, schon fast gleich lang wie mit dem Ex und es sind Welten!! Auch nach vielen Jahren immer noch Zuneigung, kuscheln, Überraschungen etc.. ein gemeinsames Leben wie es sein soll.. Viel Glück

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Mir kommt das sehr sehr bekannt vor. Das Ende vom Lied war, dass er im Rahmen seiner Midlife Crisis zu dem Schluss gekommen ist, dass ich unsere Beziehung zu sehr dominiert hätte und dass er jetzt endlich das richtige Leben leben muss.

Ist echt kein gutes Gefühl, sich jahrelang aufzureiben um den Laden am laufen zu halten und damit den Trennungsgrund gleich mitzuliefern.

Loose-loose-Situation vom feinsten.

Wahrscheinlich hätte ich das alles besser verkraftet, wenn ich meine eigenen roten Linien nicht immer wieder ignoriert oder verschoben hätte.

Mit dem Thema Männer bin ich jedenfalls durch. Habe keine Lust mehr.

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Ui... klingt echt anstrengend.
Dein Mann hat es sich in seiner Komfortzone ganz gut eingerichtet und solange du alles schön managest und dich kaum beschwerst ist alles Tutti.....
Läuft für ihn #pro

Manchmal hilft es nur ganz radikal zu werden um ihn aufzurütteln, damit er merkt das es 5 vor 12 ist!
Setze ihm die Pistole auf die Brust und mach ihm klar das es so nicht weitergehen kann. Notfalls ziehst du halt mal ein paar Tage aus mit den Kids.
Du bist offensichtlich für ihn nicht mehr als eine Haushälterin. #kratz

LG #blume

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Hey, hier das selbe. Fühle Dich umarmt!
Ich dachte beim Lesen fast schon, es hätte jemand unser Leben beschrieben #gruebel

Und ich kenne noch weitere Paare, bei denen es mehr oder weniger so läuft, dass ER macht was er will und SIE alles zusammen hält.

Warum verhalten sie sich so/ was kann man wirklich tun/ ist eine Trennung mit allen Nebenwirkungen wirklich besser?
Ich weiß es leider auch nicht...

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Könnte er nicht seine Arbeit reduzieren, z.B. auf eine 3-Tage Woche?
Ihr könntet das Haus verkaufen und in eine kleinere Wohnung ziehen?
Dann hättet ihr wieder mehr Zeit füreinander und für ein schönes Leben.

Ich frage mich immer noch warum so viele Leute ein Haus haben und dann unzufrieden sind, weil der Partner dafür 5 Tage/ Woche arbeiten muss.
liebe Grüße!

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Nein, das kann er nicht. Er leitet eine Abteilung, da muss es jeden Tag dort sein.
Darüber beschwere ich mich auch gar nicht. Es liegt nicht an zu wenig Zeit, sondern eher wie wir diese gestalten.

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Naja, ihr lebt das klassische Rollenmodell. Da an einzelnen Dingen rumzuschrauben wird m.E. nicht viel bringen. Die Frage ist eher, bist du mutig und entschlossen genug, auch aus deiner Komfortzone rauszukommen? Wärst du wirklich bereit für alle Bereiche deines Lebens die Verantwortung zu übernehmen? Sprich: Kannst du auch finanziell für dich selber sorgen? Beim Rest gibts ja keine Probleme. Den managst du ja eh schon allein.

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Vielen Dank für eure vielen Antworten. Ich hätte gar nicht damit gerechnet, dass das wirklich öfter so der Fall ist. Verrückt....
Letztes Jahr hatte ich schon mal die Nase voll. Da habe ich ihn gebeten eine Zeit lang auszuziehen, ich brauchte mal Raum und Zeit. Das hat er auch gemacht. Ein halbes Jahr lang.
Und mir ging es so gut, irgendwie so frei.
In der Zeit haben wir auch die Eheberatung begonnen.
Er hat in dem halben Jahr sehr gelitten, hat Medikamente genommen. Nach dem halben Jahr haben wir es nochmal zusammen im Haus versucht. Anfangs ging es gut, er war sehr bemüht, ich besser gelaunt, alles war harmonischer. Leider hielt es nicht lang.
Auch Zuverlässigkeit ist so ne Sache mit ihm... Absprachen zb sind schwierig.
Ich weiss es auch nicht, einerseits hänge ich natürlich auch an unserem Leben jetzt. Die Kinder haben Mama und Papa (obwohl das in dem halben Jahr auch gut geklappt hat), ich bin finanziell abgesicherte. Und mal gibt es ja auch schöne Momente. Oft genug aber eben auch nicht :(
Mein Vater hat uns hier beim Haus sehr unterstützt. Er hat den Hof gepflastert, angebaut, sehr viel Zeit und Arbeit hier reingesteckt. Es bricht mir das Herz, wenn das Haus verkauft wird. Finanziell weiss ich nicht wie ich klar kommen würde. Selbständigkeit läuft mal besser und mal schlechter.
Auch über Trennung haben wir bei der Eheberatung mal gesprochen. Da hat er nur gesagt, dass für ihn alles so toll sei und er mich über alles liebt. Wenn es sich für mich anders darstellt, dann ist das ja mein Problem. Und dass ich das Leben der Kids mit einer Trennung kaputt mache. Das fand ich auch echt krass. Es ist ja nicht mein Problem, sondern unser zusammen gemachtes Problem irgendwie.
Für die Kinder ist es meiner Meinung nach wichtig, dass sie Eltern haben, die für sie da sind, die sich bestmöglich verstehen und denen es gut geht. Die Stimmung hier bekommen sie ja auch mit. Ich hab irgendwie keine Lust so oft schlecht gelaunt zu sein und mich immer wieder so allein zu fühlen trotz Partner.
Und dann sitzt er hier und weint, ihm tut es leid, dass er nicht so ist wie es mir gut tun würde. Und dann versuchen wir es von vorn... Für ca. 3 Wochen.
Ich danke euch wirklich für eure ganzen Gedanken und lese mir alles heute Abend auch nochmal in Ruhe durch.

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Die Idee mit dem Streiken finde ich gar nicht so schlecht!!! Mach das doch mal?

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Bei was denn streiken? Beim Waschen? Das wäre denkbar. Alles andere ist ja für uns alle. Ich hab mal versucht seinen Papierkram nicht mehr zu machen. Da kamen dann halt Mahnungen. Und die wurden auch nicht bearbeitet. Bis ich irgendwann doch genervt aufgegeben habe.

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