Freund Soldat bei der BW - Verhaltensunterschiede

Hallo in die Runde

ich habe vor ca. 9 Monaten einen Mann kennen gelernt, der Berufsoffizier bei der Bundeswehr ist. Eigentlich wollte ich nie einen Soldaten oder Polizisten als Partner aber nun hat es sich eben doch ergeben. Er ist im Bereich Radar-Aufklärung tätig, also nicht unbedingt ein Soldat, der mit einer Waffe unterwegs sein muss..

Was mich mittlerweile stört und sauer aufstößt, ist sein Verhalten wenn er mit seinen Kollegen /Kameraden zusammen ist. Wir haben im Sommer ein paar Mal bei uns/mir im Haus gegrillt. Oft werden die Männer dann in manchen Gesprächen sehr vulgär und auch menschenfeindlich nach meinem Empfinden. Da wird dann von "Muselmännern" oder "Kaffern" oder "Pack" gesprochen wenn es um Ausländer geht. Auch frauenfeindlich wenn davon die Rede ist, die oder die müsste mal wieder richtig ***** werden. (Mein Partner war selbst bis vor 2 Jahren für 6 Monate in Afghanistan). Ich empfinde das als abstoßend.

Er ist ohne seine Kollegen ein wirklich einfühlsamer und und zuvorkommender Partner. Höflich, gebildet, kann sich ausdrücken. Auch gegenüber meiner Tochter, die ich mit in die Beziehung gebracht habe. Ich kann mich nicht beschweren. Aber wenn er mit seinesgleichen von der Bundeswehr zusammen ist oder die als Gruppe zusammenstehen, wird doch viel gelästert und sich abfällig geäußert.

Am Wochenende ist es dann eskaliert. Wir waren auf der Terrasse und es waren noch Freunde von mir da, auch mein Bruder. Muss dabei sagen, er ist kein Freund der Bundeswehr und überzeugter Pazifist.
Mein Freund und drei seiner Kollegen standen wir oft mit einem Bier beim Grill und unterhielten sich hörbar über die Sitten in anderen Ländern , wo die Bundeswehr im Einsatz ist. Es kamen dann wieder so hässliche fremdenfeindliche Bemerkungen und fand das witzig. Einer erzählte darüber, was für Wunden bestimmte Gewehrkugeln machen können und wie es einen Kopf zerfetzt. Furchtbar. Mein Bruder ist dann zu denen hin, und fragte ob sie den "Scheiß" den sie reden, eigentlich ernst meinen. Ein Kollege meines Freundes bezeichnete dann meinen Bruder als linke Muschi und er hätte überhaupt keine Ahnung. Ich bin dann dazwischen weil es fast aussah als würden die sich gleich an die Gurgel gehen.

Als die Gäste weg waren, hat sich mein Freund direkt entschuldigt und ich soll mir das nicht zu Herzen nehmen. Ich denke aber weiter darüber nach, warum er so anders ist wenn er mit seinen Kollegen redet bzw. mit denen zusammen ist. Zu mir ist er ja nicht so. Das habe ich meinem Bruder auch gesagt, der mich mal gefragt habe, wie ich als studierte Soziologin mit so einem Redneck und Halbaffen zusammen sein kann. Was ich aber auch total unpassend fand.

Ich frage mich, ist das so ein Männerding bei der Bundeswehr? Ich kenne das bei anderen Männerrunden nicht so, dass die sich fremdenfeindlich oder frauenfeindlich äußern.

Das macht mich ein bisschen ratlos.

Grüsse und Danke für's Lesen.

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Ich halte dieses Verhalten für nicht normal, zudem es eine katastrophale Außenwirkung hat und ein unheimlich schlechtes Bild auf die Bundeswehr und Soldaten wirft. Leider werden sämtliche Freunde von dir / euch diese Aussetzer nicht auf die beteiligten Personen beziehen, sondern auf Soldaten im Allgemeinen.

Mich ärgert sowas ungemein und diese Personen haben meines Erachtens ihren Beruf verfehlt. Leider kannst du diese Personen nicht ändern. Dass aber dein Freund nicht den A*** in der Hose hat, sich von diesen Äußerungen zu distanzieren, wundert mich nun wirklich. Er stellt sich daneben, nickt und macht fröhlich mit. So kann gruppenzwang dazu führen, dass zahlreiche Männer einfach nur saudämliche (man verzeihe mir den Ausdruck) Parolen äußern und unterstützen.

Ich würde diese Personen nicht mehr zu mir nach Hause einladen, so leid es mir tut. Dieses Verhalten ist von normalem Anstand seeeehr weit entfernt und mir wäre das vor meinen Freunden peinlich und unangenehm.

Mit deinem Freund würde ich an deiner Stelle reden und ihn fragen, ob er diese Überzeugungen teilt. Falls nein würde ich hinterfragen, warum er dann wie ein herdentreues Schaf einfach mitmacht.

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Danke für die Bestätigung meines schlechten Gefühls.

ich muss noch ergänzen, dass nicht diese Gespräche vorkommen. natürlich unterhalten die sich auch über Fussball oder Formel 1 oder über das Wetter. Aber es kommt eben vor. Haben wir Gäste und mein Freund hat keine seiner Kollegen da, kann man sich mit ihm prima über Musik oder Kino oder Kultur und sehr vernünftig unterhalten. Also ganz andere Themen und nicht immer Bundeswehr. Er bringt sich dann auch mehr bei meinen Freunden und Freundinnen ein. Ich verstehe schon, dass an sich sich viel über seinen Job unterhält. Ist nun mal oft Thema Nummer 1. Aber mir fällt die politische Standortbestimmung der Herren schwer. Das sind jetzt auch keine Bubis mehr. Mein Freund ist 42.

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Es ist im Prinzip nicht relevant, ob es ein "Männerding" ist oder ob es mit der Bundeswehr zu tun hat.
Für mich wäre relevant, dass ich nicht sowas ausgesetzt sein will, sowas nicht toleriere. Somit gäbe es keine Begegnungen mehr mit den Kollegen deines Partners.
Ob und wie ich darauf klar käme, dass mein Partner solche Kollegen hat und die Frage ob und wie er solches Gedankengut teilt oder auch so redet, wäre dann die nächste Frage.

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, mit der Situation in deren Ländern als auch bei uns, ja klar und unbedingt, aber nicht auf unterirdischem NIveau.

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Ich war von 20 - 30 Unteroffizier in der Schweizer Luftwaffe, weder meine Kollegen noch ich haben uns je so benommen, auch nicht die Leute, von denen ich wusste, dass sie politisch relativ weit rechts eingestellt sind. Mein Schwager ist in der deutschen Bundeswehr, dadurch, dass im Gegensatz zur Schweiz nicht mehr jeder junge Mann gehen muss, scheint es schon eine gewisse Negativauswahl zu geben, weil reflektiertere Leute Dienst in der deutschen Bundeswehr mittlerweile meiden.

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Man muss sich nur fragen, wen zieht denn das Militär als Berufsfeld an? Wer u.a. Waffen als Arbeitsgerät hat, wo andere Computer, Schreibgerät oder Handwerkszeug haben, was sind das wohl für Menschen, die so etwas attraktiv finden?

Soll nicht bedeuten, dass die Bundeswehr einzig ein Club von Nazis ist, aber für bestimmte Gesinnungstäter ist der Laden nun mal eine attraktive Umgebung. Und in Drittwelt-Staaten darf man sogar relativ ungestraft ungeliebter "Kaffer" über den Haufen schießen.

Nach überstandenem Wehrdienst waren mir Komissköppe und Berufssoldaten schon immer zutiefst suspekt.

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Dem kann ich nichts mehr hinzufügen.

Auch denke ich, daß es einen Großteil der Soldaten aus mangelnder Alternative in diesem Umfeld beheimatet sind, da die im normalen Arbeitsleben kaum Chancen hätten dort Fuß zu faßen.

Ich frage mich oft wie groß die Not der Menschen damals war um Waffen, Gewalt/Mord, Gemeinschaftsduschen, Mehrbetten, und Rumschreieierein; in Kauf zu nehmen.

Es ist eigentlich weitläufig bekannt, daß dort eher unsere "einfacheren" Mitbürger tätig sind.

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Hi

Mein Bruder ist Berufssoldat in gehobener Stellung. Und nein, so ein Jargon wird weder von ihm noch von seinesgleichen gepflegt. Das würde er sich verbitten.

Warum umgibt sich dein Freund mit so einem Klientel und macht fröhlich mit - obwohl er es doch nicht gutheisst? Diese Frage würde mich am meisten beschäftigen....

Gruß

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Du mußt immer bedenken: Soldaten, Polizisten, Türsteher, usw.. sind ganztätig mit Gewalt konfrontiert. Die empfinden das irgendwann als normal, und lösen auch nicht selten private Konflikte mit Gewalt.

Ich bin der Meining es färbt auf die Seele ab. Sie wird stumpf, und leer.

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Ebenso Quatsch. Im Auslandseinsatz mag das stimmen, aber irgendwie hast du ein verzogenes Bild von Soldaten. Die rennen doch nicht den ganzen Tag hier rum und schießen und kämpfen.
Mein Opa ist viel geflogen vor seiner Zeit als Oberbefehlshaber. Er hat nie jemanden beschossen. Mein Vater war für den Funkverkehr zuständig, keine Gewalt, mein Nachbar ist Bundeswehrarzt, er rettet Leben, statt sie zu vernichten, eine Bekannte arbeitet dort als BWLerin. Alles Soldaten, die normal arbeiten und nicht mit Gewalt konfrontiert werden. Das sind alles Soldaten. Ich kenne keinen, der stumpf, leer, gewalttätig ist. Im Gegenteil!!!!

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Hallo,

mein Mann war auch Soldat. Allerdings in der US Army. Ich glaube aber nicht das es einen Unterschied macht.

Er hat sich auch nie so vulgär und menschenfeindlich ausgedrückt, auch nicht wenn er mit seinen Kameraden zusammen war. Im Gegenteil. Als damals der Skandal mit den Bildern von Gefangenen mit den posierenden Soldaten aufkam, fand er das schrecklich und meinte Sowas hätte es unter seinen Männern nicht gegeben. Das hätte er nicht durch gehen lassen.

Er war auch im Kosovo, Bosnien, Iraq und Afghanistan im Krieg an der Front.

Ich glaube das dein Freund leider an einen Haufen Idioten geraten ist. Wenn er mit denen täglich zusammen arbeiten muss traut er sich vielleicht nicht dagegen zu reden, aus Angst das sie sich vielleicht Lustig machen über ihm. Hast du ihn mal gefragt?

Dein Freund ist erwachsen und muss selbst wissen wie er sich in so einer Situation verhalten soll. Ich an deiner Stelle würde ich sie aber auch nicht mehr einladen, es sei denn er regelt das und die Idioten reißen sich das nächste Mal am Riemen 🤷🏻‍♀️.

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Seh ich auch so. Eine kleine Gruppe Männer, die dafür sorgen, daß manche hier das als gesetzt in der Bundeswehr ansehen und denken alle seien so... Das ist das traurige an unserer Gesellschaft. Es wird nichts differenziert betrachtet

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Dein Bruder hat absolut recht. Du bist Akademikerin, Soziologin. Da prallen Welten aufeinander. Deine Wissenschaftsdisziplin lehrte die äußerst differenzierte Betrachtungsweisen auf Sachverhalte.

Das fehlt deinem Partner, da seine Arbeit deterministisch ist, und es daher als normal empfunden wird. Es ist halt ein ungeschriebener Teil des Lehrplans.

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Imponiergehabe, man will vor den Kameraden ebenso als Depp dastehen, wie sie es sind. Was denkst du denn, warum es Frauen in der Bundeswehr so schwer haben und warum sie Jungs dort alle als Nazis verschrien sind?

Leider Gottes weißt du nicht was nun sein wahres Gesicht ist, ob er nun dieser Hinterwäldler aus der Bundeswehr ist oder der gebildete Mann, den er dir gegenüber an den Tag legt.

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"Ich frage mich, ist das so ein Männerding bei der Bundeswehr?"

Und selbst wenn das so wäre, würdest Du Dich dann nicht fragen, warum Du einen Partner hast, der da voller Begeisterung mitmacht und solche Typen auch noch zur Familiengrillparty einlädt, ohne sich zu schämen? Wäre sein Benehmen dann in Ordnung, weil das ja dann alle so machen?

Zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir, wer Du bist.

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Es sind nicht seine einzigen Freunde aber eben befreundete Kollegen. Ich kann ihm zwar sagen, dass ich die nicht mehr dabei haben möchte aber ich respektiere auch seinen Bekannten- und Freundeskreis. Übrigens sind das alles Offiziersgrade und keine unteren Wasserträger. Also Abi haben die mindestens. Mein Freund hat sogar beim Bund IT studiert.

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Seit wann hat der Bildungsgrad etwas mit demonstriertem Rassismus zu tun? Den gibt es durch alle Gesellschaftsschichten.

Und mit dem Spruch "zeig mir Deine Freunde" war nicht nur Dein Partner gemeint. Immerhin ist er ja auch Dein Freund. Und so richtig erschütternd fandest Du sein Verhalten erst, als es auf der Party eskalierte.

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