Ehevertrag

Wie habt ihr es gemacht?
Welche finanziellen Regelungen machen Sinn?
Immobilien habe ich nicht, er hat sein Elternhaus vermietet, also seins.
Kinder sind wir beide finanziell für verantwortlich.
Würde auch nach einer Trennung so bleiben.
Unterhalt würde ich weder wollen noch brauchen.
Er ebenso wenig.
Das alles einfach schriftlich festhalten?
Notar überhaupt notwendig?

1

Viele werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen oder mich für naiv halten, denn wir haben keinen Ehevertrag. Und unsere Vermögensverhältnisse sind schon sehr unterschiedlich, waren es zum Zeitpunkt der Hochzeit aber nicht.

Ich habe von meinen Eltern zwei Immobilien mit großen Grundstücken im jeweils siebenstelligen Wert bekommen (nicht geerbt!), die teilweise vermietet sind und gute Mieteinnahmen erzielen. Im Grundbuch stehe ich als alleiniger Besitzerin. Zum Zeitpunkt unserer Hochzeit war schon klar, dass ich diese Immobilien irgendwann mal bekommen werden. Wir haben uns mit dem Thema zu einem späteren Zeitpunkt auseinander gesetzt. Im gleichen Zug haben wir über Wohnrechte und den möglichen Eintrag ins Grundbuch gesprochen. Beides wollte mein Mann nicht. Thema war da auch ein Ehevertrag, aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden.

Wir sind 20 Jahre zusammen, haben vor gut 10 Jahren geheiratet. Wir haben eine Familie zusammen gegründet und haben in den vergangenen Jahren viele Höhen und Tiefen zusammen erlebt. Wir sind ein Paar geworden als ich (17) noch zur Schule ging, er (22) hatte da bereits eine Berufsausbildung und den Wehrdienst hinter sich und stand im Berufsleben. Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung angefangen und lebte zeitweise in einer anderen Stadt. Er hat mehrere Monate an Projekten im Ausland gearbeitet. Wir haben uns einzeln weiterentwickelt und als Paar zusammen entwickelt. Egal, was und wie jeder gelebt und erlebt hat, wir haben uns nie aus den Augen oder dem Herzen verloren oder in andere Lebensrichtungen geblickt, es war von der ersten Sekunde glasklar, dass er und ich ein WIR sind. Und genau deshalb brauchen wir keinen Ehevertrag.

2

Das ist schön....
Und ich denke, das zu entscheiden ist sehr persönlich.
Ich habe eine Scheidung hinter mir, auch mit Ehevertrag, was das Ganze ziemlich beschleunigt hat.
Keine Verhandlungen uber Unterhalt oder Immobilien.
Ist aber 25 Jahre her, vielleicht sind da heute andere Dinge zu regeln.

3

Hallo,

Mein Mann und ich sind jetzt 23 Jahre zusammen, davon 15 verheiratet. Er kam aus vermeintlich guten Verhältnissen, ich aus sehr ärmlichen, mit teilweise asozialem Ansichten. Ich habe damals freiwillig einem Ehevertrag zugestimmt, was ich heute bitter bereue.

Aber nicht, weil ich leer ausgehen würde, sondern, weil von dem vermeintlich gutem Haus nichts so war wie es schien. Wir haben zusammen ein Einfamilienhaus gekauft und uns das Risiko für ein Unternehmen und vier Mehrfamilienhäuser geteilt, vom Gewinn habe ich im Falle einer Scheidung nichts.

Mir geht es gar nicht ums Geld, meine Schwiegermutter wollte mir aus diesem Grund eine ihrer Immobilien überlassen. Ich habe dies reinen Herzens abgelehnt.

Für mich ist das wichtigste, dass man ehrlich zueinander ist und das die Motive einer Ehe die richtigen sind. Heißt im ungekehrten Fall aber auch, dass mein Mann sich darüber bewusst ist, dass wir das zusammen geschafft haben und nicht er alleine und dass die man im Falle einer Trennung fair zueinander ist.

Genauso hätte oder würde ich das ohne Vertrag von mir aus wollen.

Das ist meiner Meinung nach wichtiger als der Vertrag selbst.

Lg

23 Jahre

5

Ich bin noch zu verschlafen, aber wieso bereust Du den Ehevertrag? Und wäre Dein Mann heute vielleicht einverstanden, ihn rückgängig zu machen, wenn sich dadurch für Dich so negative Konsequenzen ergeben, wie Du sie zu erwarten scheinst? Du schreibst ja, er denkt fair.

7

Naja, bei den Verhältnissen aus denen mein
Mann kommt musste ich mit die Position als moderne Frau hart erkämpfen. Auch wenn mein Mann toll ist, hat er diese Standesdünkel und Rollenbilder offensichtlich mit der Muttermilch aufgenommen.

Der Ehevertrag war also eher so „damit sich keine ins gemachte Nest setzt“. Damit war ich auch einverstanden, denn ich wollte ja niemandem Grund zu Misstrauen geben,

Wir waren bei dem Notar seiner Eltern und der Vertrag ist im Nachhinein sehr frech gewesen, denn für mich gab es dort wirklich nichts im Falle der Trennung. Das so etwas überhaupt erlaubt war bzw. ist. Kein Zugewinn, keinen Unterhalt bei Trennung, usw.

Im Laufe der Jahre hat sich aber rausgestellt, dass es gar kein gemachtes Nest gibt und damit auch der Grund für den Vertrag für mich dann weggefallen ist und alles was wir haben durch unser beide Arbeit entstanden ist. Das einzusehen fällt meinem Mann sehr schwer.

Das macht mich oft traurig. Auflösen will er ihn nicht, aber wir haben jetzt ein Haus zusammen gekauft, sozusagen als Vertrauensbeweis 🙄.

Und ich denke in Krisenzeiten manchmal, dass er wenigstens keine Existenzängste haben muss, und die Krisen dann eher aussitzt anstatt aktiv daran zu arbeiten, ob das unterbewusst mit dem zusammen hängt, weiß ich nicht.

weitere Kommentare laden
4

Hallo zusammen,

mein Mann und ich haben ein Ehevertrag unterzeichnet, bevor wir geheiratet haben. Dort haben wir grob folgendes geregelt:

- grundsätzlich leben wir in einer Zugewinngemeinschaft, also wird sich alles geteilt

- Davon ausgenommen ist allerdings jeweils betriebliches Vermögen, das gehört nur dem Ehepartner, der selbstständig mit eigenem Betrieb sein Geld verdient.

- ein eventueller nachehelicher Unterhalt ist beidseitig auf einen maximal Betrag begrenzt

- ein Versorgungsausgleich wurde für den Fall der Scheidung ebenfalls ausgeschlossen

Das ganze haben wir beim Notar gemacht, alles andere ist später anfechtbar. Wir haben beide ein gute Ausbildung und verdienen beide gutes Geld. Ich habe derzeit eine Firma, die ich auch im Fall einer Scheidung nicht riskieren kann/will.

Ich persönlich finde das ein Ehevertrag heutzutage überhaupt nichts mit gegenseitig fehlendem Vertrauen zu tun hat. Wir haben beide ähnliche Lebensbedingungen und haben gewisse Punkte geregelt. Alles gilt gegenseitig. Wenn es zu einer Trennung kommt, wird es insoweit keine Diskussionen geben. Punkt. Ich finde es eher naiv, davon ausgehen, dass der andere im Fall einer Trennung schon weiß, was man im Laufe der Ehe geleistet habe. Da kann man nur wünschen, dass das Paar wirklich glücklich zusammenbleibt.

Außerdem sollte man den Ehevertrag ohnehin von Zeit zu Zeit zu prüfen. Man kann ihn ja auch jederzeit anpassen, wenn sich etwas ändert.

Alles Gute

9

ein Versorgungsausgleich wurde für den Fall der Scheidung ebenfalls ausgeschlossen


Das sollte man aber nicht machen, wenn man gemeinsame Kinder großgezogen hat.
Meist hat einer, idR die Frau, dann ja doch nur TZ gearbeitet und weniger Rentenansprüche...

Weiß man vorher, dass man definitiv keine gemeinsamen Kinder haben wird, dann ist auch der Punkt okay und fair.

13

Hallo,

Das ist im Grunde richtig. Wir sorgen aber auch privat vor und gleichen so auch eventuelle Nachteile durch Kinderbetreuungszeiten aus. Und für den Fall das jemand durch Kinderbetreuung oder Krankheit länger ausfällt, wird eine neue Regelung gefunden.

So ein Ehevertrag ist ja nicht in Stein gemeißelt und sollte ohnehin alle paar Jahre mal wieder geprüft werden.

VG

6

Ich denke, das ist eine sehr individuelle Entscheidung. Für mich wäre es nur in Frage gekommen, weil ich mir nie einen Partner gesucht hätte, der auch nur ansatzweise materielles Interesse hat. Hat nix mit Naivität zu tun und ich kann bei meinem, seinem und dem Leben unserer Tochter sagen, dass er niemals hinter meinem Geld her ist (hab eh keine großen Vermögenswerte ;-)). Mein Mann und seine ganze Familie sind nicht so. Ich weiß, das ist in der heutigen Zeit sehr sehr selten. Ich verdiene durchschnittlich gut, er weniger. Wir kennen uns seit unserer Kindheit und ja - vertrauen uns zu 100%, dass keiner dem anderen was Böses wollen würde. Auch für ihn kam es nie in Frage und wir haben schon als Kinder über solche Themen gesprochen bevor wir wussten, was wir mal werden beruflich wollen.

Letztendlich ist jede Beziehung anders. Und ich denke, dass es bei vielen sogar sinnvoll ist, einen Ehevertrag zu machen. Keinen zu machen geht auch, aber eben nur, wenn man zu 100% WEIß (nicht nur glaubt!), dass der Partner keinerlei böse Absichten hat und keinerlei materielles Interesse. Und das ist eben nur selten der Fall heutzutage.

P.S. Ist nicht überheblich gemeint ;-)

8

Sind es eure gemeinsamen Kinder?
Dann macht es zumindest Sinn noch einen Versorgungsausgleich mit aufzunehmen, so dass derjenige, der eventuell der Kinderbetreuung wegen weniger arbeiten geht, später dadurch keine Rentennachteile hat.

Ich halte einen Ehevertrag mit einem modifizierten Zugewinnausgleich für sehr sinnvoll.

Was vorher einem gehörte, gehört auch hinterher nur einem.
Man sollte aber bedenken, dass Immobilien in der Regel an Wert zunehmen und diese Wertsteigerung geht ohne Vertrag in den Zugewinnausgleich, was dann teuer werden kann.

Im Zuge einer 50% Scheidungsquote in Großstädten ist ein Ehevertrag bei vorhandenem Vermögen eigentlich ein MUSS...

Alles andere ist naiv.
Wenn natürlich beide nichts haben, ist es völlig egal...

10

Ich habe zwei Erwachsene Kinder aus meiner ersten Ehe.
Unser gemeinsames Kind ist 10 und ich habe immer voll gearbeitet, war nie auf Teilzeit oder Elternzeit.
Mein Partner ebenso wenig.
Zugewinn wird eh ausgeschlossen.
Er hat sein Elternhaus vermietet, ist seins, ich besitze nichts.
Nur ein paar Möbel.
Und etwas Geld auf dem Konto für Notfälle...neues Auto, Reparaturen etc

12

Hi,

Ehevertrag, warum nicht? Ist bei den aktuellen Scheidungsraten durchaus eine Überlegung wert!

Man muss aber auch dazu sagen:
- es lässt sich nicht alles in einem Ehevertrag regeln. Zb Kompletter Verzicht auf alles und dann aber Hausfrau bleiben wird sich nicht spielen
- einige Dinge sind auch ohne Vertrag geregelt. Das Haus zb bleibt seines (ein Zugewinn daraus ist eine andere Sache)
- wenn ein Vertrag zu einseitig ist kann er komplett ungültig werden
- Ein Profi ist zwingend erforderlich
- bei eurer Konstellation sehe ich persönlich einen Vertrag nicht als zwingend. Vor allem wenn einer Selbständig ist ist ein Ehevertrag eine sehr gute Sache - bzw praktisch zwingend.

LG