Nach Streit sind meine Gefühle plötzlich wie verschüttet

Hallo zusammen!

Mein Freund und ich sind seit etwas über zwei Jahren in einer Beziehung. Wir wohnen zusammen und ich habe ein Kind (fast 9) mit in die Beziehung gebracht. Wir sind sehr glücklich und bis auf kleine Unstimmigkeiten im Alltag hier und da, ist alles prima.

Vorgestern hatten wir nun einen Streit. Seit acht Jahren wünsche ich mir ein zweites Kind. Mein Ex hat mich immer wieder vertröstet und letztlich ist mein Sohn nun immer noch ein Einzelkind. Mein Freund möchte zwar ein Kind, aber aktuell studiert er noch und später muss er noch sein Referendariat machen. Ich weiß also, dass ein Kind für die nächsten Jahre unrealistisch ist und das macht mich traurig. Im Alltag gehe ich dem Kinderthema aus dem Weg. In der Regel klappt das ganz gut und ich schiebe meinen Wunsch beiseite. Momentan gestaltet sich das Ignorieren aber schwierig, weil ein Drittel meines Kollegiums schwanger ist. Als ich nun auch im persönlichen Umfeld immer wieder mit Schwangerschaften konfrontiert wurde, merkte ich, dass ich mehr und mehr traurig wurde. Vor drei Tagen sprach ich mit meinem Freund sogar noch darüber, wie sehr es mich belastet, dass scheinbar im Moment so viele schwanger sind und ich der Situation nicht aus dem Weg gehen kann. Und einen Tag darauf eröffnet er mir plötzlich, dass seine Tanzpartnerin ihr zweites Kind bekommt. Ungewollt, sie wollte bloß eins.

Irgendwie brachte es das Fass bei mir zum Überlaufen. Ich fühlte mich in dem Moment furchtbar. Irgendwie scheint alle Welt ein zweites Kind zu bekommen. Nur ich schaffe es einfach nicht, dass die Bedingungen für ein zweites Kind geschaffen sind. Nicht, dass es bei anderen schwangeren Paaren zwangsläufig so wäre, dass alles perfekt ist. Nur dass ich eben Partner hatte bzw. habe, denen das scheinbar über alles geht. Und dabei reden wir nicht von den Basics wie einer intakten Partnerschaft.

Mein Freund war völlig sauer und meinte, ich solle mich für mein Gefühl schämen! Ich würde anderen ihr Glück nicht gönnen. Er hat einfach nicht verstanden, dass ich mich sehr wohl für andere Schwangere freue. Ich bin aber auch traurig und enttäuscht, dass ich seit mittlerweile acht Jahren so sehr ein zweites Kind möchte und scheinbar nie der passende Zeitpunkt kommt. Wir reden zwar von einem zweiten Kind, aber auch erst in zwei bis drei Jahren. Und wer weiß, was sich bis dahin ergibt, sodass auch dann ein Kind wieder unpassend ist. Ich habe das schließlich bei meinem Ex mehrfach so erlebt.

Jedenfalls konnte er meine Gefühle absolut nicht nachvollziehen und auch nicht akzeptieren. Er wollte nicht mehr mit mir reden und so gingen wir im Streit schlafen.

Gestern Morgen war er dann versöhnlich und meinte, man bekäme im Leben leider nicht immer das, was man verdient. Er sprach sehr viel, aber diesmal fehlten mir die Worte. Er kam nachmittags sogar früher nach hause, aber mich hat seine Anwesenheit fast schon genervt. Normalerweise kann ich mich nach einem Streit sehr schnell wieder versöhnen. Nur diesmal fühle ich mich, als wäre meine Liebe zu ihm verschüttet. Ich möchte nicht kuscheln und ertappe mich sogar bei dem Gedanken, dass ich die Beziehung hinterfrage. Es hat mich einfach sehr getroffen, dass er meine Enttäuschung nicht einmal verstehen wollte. Er setzt sich jetzt seit acht Wochen mit seinem Kinderwunsch auseinander, ich seit acht Jahren. Das ist nun man nicht dasselbe. Leider wurde er auch recht unfair während des Streits und sagte, mein Ex hätte sicher Gründe dafür gehabt, kein zweites Kind mit mir zu bekommen. Dabei sagte er sonst, wie sehr er meine mütterliche Seite schätzt und dass er die Art, wie ich mit meinem Sohn umgehe, toll findet. Er hat sich entschuldigt und gesagt, er wüsste, dass das gemein war. Aber Worte kann man eben nicht zurückholen.

Kennt ihr dieses Gefühl nach einem Streit mit eurem Partner? Wenn ja, wie geht ihr damit um? Wie gelingt es mir, dass ich mich ihm gefühlsmäßig wieder annähere?

Ich würde mich über Ratschläge sehr freuen!

Gruß

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Leider überforderst du ihm. Er kann nichts für deinen langen Wunsch und die vorherige Beziehung. Nun wird er mit deinem Ex sogar in einen Topf geworfen. 6+2 = 8 Jahre.
Da würde ich mich verletzt und austauschbar fühlen.


Trotzdem kann ich deinen Wunsch verstehen.

Besprecht/ vereinbart einen Weg. Es darf nicht schwammig bleiben.
Konkrete Vorstellungen von beiden ohne Vorwürfe.

lg

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Danke für deine Antwort! Ich denke auch, dass es für ihn schwierig ist, dass es da einen Ex gibt, der dann plötzlich bei so einem Frust auch eine Rolle spielt. Natürlich kann er nichts dafür und das weiß ich auch.

Er sagt, er möchte gerne ein Kind. Eigentlich wollte er schon im nächsten Jahr eines. Aber dann wurde ihm klar, dass es finanziell schwierig wird und er, da er zuhause bleiben würde, sein Referendariat nicht unterbrechen möchte. Und da fühle ich mich sehr an die Zeit mit meinem Ex erinnert, der auch immer wieder neue Gründe dagegen fand. Wir sind nun mal nicht mehr so ganz jung und wenn er ein eigenes Kind mit mir möchte, so wie er es sagt, dann kann er das nicht mehr ewig aufschieben. Diese Unsicherheit, ob er nicht evtl. genauso handeln wird, ist es, die es mich da ungerecht werden lässt. Dann soll er lieber gleich sagen, dass er nicht möchte und das Thema nicht immer wieder ansprechen.

Ich denke, dass wir tatsächlich mal Tacheles reden müssen. Auch wenn er selbst gerne immer wenig verbindlich bleibt. Aber nur so lässt sich ein Streit dieser Art zukünftig vermeiden.

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Hi,
ein Streit lässt einen ja doch ganz schön in emotionale Wallung geraten, dass man dann auch mal etwas Unüberlegtes raushaut, ist menschlich. Und natürlich könnte man deinen Verweis auf die Schwangeren in eurem Umfeld als Neid deuten. Von daher kann ich schon nachvollziehen, warum dein Partner das gesagt hat. Und natürlich auch um seinen Allerwertesten zu retten, so kanalisierte sich euer Streit in deine Richtung, du als die Missgünstige, und nicht dahin, dass er beim Thema Kind doch sehr vage bleibt.
Blöd ist, dass zum Kinderkriegen immer zwei gehören, und dass er so vernünftig ist, seinen Kram erstmal abschließen zu wollen, ist verständlich. Andererseits planen etliche Studenten gerade in diese Zeit ihre Kinder und packen das. Du bist ja schon weiter und in Lohn und Brot, das sind ja eigentlich gute Vorraussetzungen.
Jetzt ist euer Streit noch nicht lange her und dass man erstmal „ne Nacht drüber schlafen muss“ hat schon seine Berechtigung. Manchmal geht’s schneller, dass man sich wieder abregt, manchmal dauert‘s halt länger.
Du musst jetzt für dich herausfinden, ob dein Kinderwunsch so über allem steht, dass du ihn ziehen lassen wollen würdest, um mit einem neuen Partner das schneller anzugehen - was rational betrachtet natürlich Blödsinn ist - oder ob du bereit bist, den Weg mit ihm zu gehen und deinen Wunsch hintenanzustellen. Momentan ist es halt nur deiner und er hat schon auch recht, wenn er sagt, dass man nicht immer das bekommt, was man verdient.

vlg tina

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Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich bin eigenlich auch der Ansicht, dass es nie den perfekten Zeitpunkt für ein Kind gibt. Also warum nicht einfach sofort. Ein Studium ist auch mit Baby machbar.
Allerdings würde ich an deiner Stelle noch etwas Geduld haben. Lass den Kinderwunsch bei ihm noch wachsen. Er lehnt ihn ja nicht grundsätzlich ab. Er braucht eben seine Zeit. Bedränge ihn nicht.
Vielleicht tut sich etwas mehr, wenn Babys in eurem Bekanntenkreis geboren werden.

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Das was er im Streit sagt, nimm mal nicht so ernst.. das ist doch meist überzogen und unüberlegt.

Generell verstehe ich deinen Freund, ihr seid 2 Jahre zusammen, ich finde das früh für ein gemeinsames Kind. Er kann nichts für deinen KiWu der bei deinem Ex schon stark war und es fühlt sich bestimmt nicht toll für ihn an, dass du es bei ihm einfach so weiter machst. Fühlt sich wahrscheinlich eher an dass es um deinen Wunsch geht und nicht um ihn bzw um euch.
Lass ihn fertig studieren etc, er klingt doch wie ein toller Fang, lass eure Beziehung wachsen und höre auf ihn dauernd dein Bedürfnis aufzudrücken.

Wenn alles gut geht, bekommt ihr in absehbarer Zeit ein Kind. Das Leben ist nicht immer planbar, das dürfte dir eh schon aufgefallen sein. Wenn du ihn aber weiter so unter Druck setzt, könntest du ihn schnell vergraulen.

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Dass dein Kinderwunsch null mit deinem Partner zu tun hat, ist für ihn vermutlich auch eine verletzende Erkenntnis. Der ging ja nahtlos von deinem Ex auf den Neuen mit. Dir liegt nicht's daran, dass genau dieser Mann der Vater eurer gemeinsamen Kinder wird, sondern du willst ein Kind - für dich. Sorry für die harten Worte, aber da hätte ich auch keine Lust der Erzeuger zu sein.

2 Jahre Beziehung ist mMn sehr früh um an Kinder zu denken (insbesondere, wenn schon ein Kind da ist) , er studiert noch,.. Also keine idealen Bedingungen.

Gebt euch Zeit.

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Ich wollte nicht, dass der Eingangsbeitrag zu lang wird. Deshalb hier noch ein paar Details:

Das Thema mit dem Kinderwunsch begleitet uns schon seit Beginn der Beziehung. Als die Ehe zu meinem Ex zu Ende ging, hatte ich mit dem Gedanken abgeschlossen, dass es noch mal was mit dem zweiten Kind wird. Ich hatte mich bei einer Singlebörse angemeldet und sollte da auch angeben, ob ich Kinder möchte oder nicht. Damals dachte ich, dass ich eigentlich ganz froh bin, dass mein Sohn aus dem Gröbsten raus ist. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass noch mal ein Mann kommt, mit dem ich mir das alles vorstellen kann.

Mein Freund sagte damals schon nach ein paar Wochen, er wünsche sich ein Baby. Besser heute als gestern. Da war ich erst mal platt und er ruderte dann aber wieder zurück, als er meinen Sohn nach ein paar Monaten kennenlernte und zugeben musste, er hatte sich das mit Kind irgendwie anders vorgestellt. Immer wieder ließ er aber die Bemerkung fallen, er wolle ein Kind mit mir. Meist zu Freunden von ihm. Sprach ich ihn zuhause auf die Aussage an, ruderte er zurück. Mittlerweile konnte ich es mir doch auch wieder vorstellen mit einem Baby. Je mehr er darüber sprach, desto mehr wurde mir klar, dass ich es mir mit ihm wünsche. Dadurch, dass er aber immer wieder zurückruderte, bekam ich das Gefühl, dass er es gar nicht wirklich mochte. Warum er das tat, konnte er selbst nicht erklären. Ich sage ihm dann, als er mal wieder bei seinen Freunden erzählte, er wolle ein Kind mit mir, und zuhause dann abblockte, dass er das bitte nicht dauernd thematisieren soll, wenn er es gar nicht wirklich möchte.

Das hat er dann auch getan, bis er vor ca. acht Wochen meinte, er wolle den Rest seines Lebens mit mir verbringen und jetzt fühle er sich bereit für ein Kind. Er ließ das dann einfach so stehen, sodass ich ihn darauf ansprechen musste, wie er das gemeint hat. Er meinte, er möchte im nächsten Jahr ein Kind. Na ja, aber letztlich hatte er sich das alles irgendwie einfacher vorgestellt. Dass es finanzielle Einbußen gibt, wusste er nicht. Ihm war auch nicht klar, dass man nicht nur ein paar Wochen für ein Baby zuhause bleibt. Und da ich die Hauptverdienerin bin, müsste er zuhause bleiben. Aber sein Referendariat möchte er eigentlich nicht unterbrechen. Tja...

Mein Freund studiert noch, das stimmt. Er hat bereits eine Ausbildung gemacht und ein Studium absolviert. Das ist sein zweites Studium. Allerdings war er in seinem Job sehr unglücklich. Er wollte das aktuelle Studium hinwerfen, weil es nicht richtig voran ging und er zudem der Meinung war, er müsste, jetzt wo er Familie hat, auch zum Einkommen mit beitragen. Aber ich habe ihn zum Glück dazu überreden können, dass er weitermacht. Allerdings sind wir jetzt nicht mehr Anfang 20, sondern ich bin eben schon Mitte 30.

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Hallo,
zum Thema "Kinderwunsch" hast du ja schon einige Antworten bekommen... ich gehe jetzt mal nur auf deine Frage zu den Gefühlen nach dem Streit ein. Dass du dir vorkommst, als wäre die Liebe zu deinem Freund wie verschüttet.

Ich kenne das auch. Ich bin ein extrem verträglicher Mensch und überhaupt nicht nachtragend, und wenn mein Mann und ich uns streiten, bin es auch in der Regel ich, die sich um Harmonie bemüht.
Aber manchmal, wenn mir etwas wirklich weh getan hat oder ich sehr enttäuscht bin, fühle ich mich gefühlsmäßig wie betäubt, ziehe mich innerlich etwas zurück und habe das Gefühl, eine Glasscheibe würde sich zwischen uns befinden. Das führt bei mir nicht zu schmollen, ich lasse ihn auch nicht auflaufen, aber ich spüre dann auch nicht meine Liebe so wie sonst.
Ich bin sicher, die Liebe ist noch so da wie vorher, aber du bist enttäuscht und traurig, da kann man schon mal vorübergehend etwas "gefühlstaub" sein. Ich würde versuchen, im Umgang mit dem Partner möglichst unbefangen zu sein, aber die Gefühle einfach mal s zuzulassen, ohne sie zu bewerten. Sicher fühlt sich das bald wieder besser an...
LG und alles Gute!

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Danke für deine nette Antwort. Heute ist es schon ein wenig besser. Als er eben nach Hause kam, habe ich mich wirklich gefreut ihn zu sehen. Es wird sicher wieder normal. Ich war nur überrascht, da ich solche Gefühle sonst noch nicht nach einem Streit hatte.

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Ich würde mir wie ein wahlloser Erzeuger vorkommen nach der Devise "Mach mir ein Kind, ich will ein zweites".
Er kann doch nichts dafür, dass Du seit 8 Jahren krampfhaft nen Mann suchst, der Dich schwängert. Und dann noch mit dem Ex in einen Topf geworfen werden. Fühlt sich bestimmt auch prima an. Was wäre, wenn er gar keine Kinder zeugen könnte? Dann musst du ihn schnell verlassen und den nächsten suchen.

Warum sollte er nach 2 Jahren direkt ein Kind wollen? Da will man doch erstmal die Beziehung genießen mit sich zu zweit.

Wenn es Dir nur darum geht ein zweites Kind zu bekommen, dann kannst Du Dich im EU Ausland künstlich befruchten lassen, dann bist Du dann endlich schwanger.

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Was für eine unreflektierte und unüberlegte Antwort! Wenn es mir nur und ausschließlich um ein Kind ginge, hätte ich auch einfach "aus Versehen" schwanger werden können. Aber ich finde, ein Kind muss immer auch von beiden gewollt sein.

Warum er ausgerechnet schon nach zwei Jahren ein Kind haben wollen würde? Er wünscht sich eines und wenn man sich mit Mitte 30 erst seine erste richtige Freundin sucht, sollte einem Mann klar sein, dass er nicht mehr zehn Jahre Zeit hat. Aber mehr schreibe ich zu diesem Stuss auch nicht.

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Da mag wohl jemand nicht den Spiegel vorgehalten bekommen? ;-)

Klar hat er noch 10 Jahre Zeit, man kann auch mit Mitte 40 Vater werden.

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Mal was anderes: er wollte schon nächstes Jahr eigentlich, möchte dafür aber sein Studium nicht unterbrechen?

Gibt es keine andere Möglichkeit? Ich bin zwar nicht Alleinverdienerin, aber Hauptverdienerin und habe bei uns eine Variante gewählt, in der ich 80% meines Gehaltes bekomme. Das eine Jahr halten wir aus.

Kannst du nicht eine Lösung finden, bei der es für euch beide passt? Eine Tagesmutter, früher arbeiten gehen? Das Kind 3 Jahre betreuen geht am meisten ins Geld, aber ein Kind hat man ja nicht nur 3 Jahre.

Ab einem gewissen Alter kann man sich nämlich nicht immer erlauben zu warten. Und wenn er prinzipiell will, solltest du ihm vielleicht aufzeigen, dass es (finanziell) gar nicht so schlimm sein muss.

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Also auch wenn ich mit meiner Meinung hier abweiche:

Ich finde du solltest ganz klar Stellung beziehen. Ich dachte zuerst er ist vielleicht Mitte 20 und du hast halt schon früh ein Kind bekommen. Aber das liest sich ja mehr so, als wenn du auch bissl seine Mama sein musst. Der steht ja noch gar nicht im Leben und sagt dauernd erst etwas und überlegt sich nachher was es bedeuten würde.

Dieses mal sagen man will ein Kind, dann wieder Rückzieher in dem Moment wenns ernst wird ... ich könnte das nicht ertragen. Kein Wunder das du dich emotional distanzierst.

Mein Mann und ich haben 3 Kinder. Er wollte auch vorher sein Studium fertig machen, aber solche komischen Spielchen gabs bei ihm nicht. Und er hat mich in den Arm genommen und verstanden wenn ich traurig war, weils noch bissl dauern wird.