Patchwork funktioniert nicht. Getrennte Wohnungen?

Hallo zusammen,
ich weiß gar nicht ob es richtig ist, mich hier öffnen zu wollen. Vielleicht suche ich nach Verständnis. Ich bin mir aber sicher, dass nicht viele Verständnis für meine Situation haben.

Vor zwei Jahren bin ich, nach einer Affäre, mit meinem Partner zusammengekommen. Die Zeit davor war für uns beide nicht leicht und hat auch Spuren hinterlassen. Alles was wir wollten war, dass wir nun endlich zusammen sein konnten. Ich habe mit meinen zwei Kindern vorher ein schönes, ruhiges Leben geführt. Wir waren ein tolles Team. Nun war er an unserer Seite und es fühlte sich toll an. Er hat drei Kinder. Somit begann für uns das „Abenteuer“ Patchwork.
Nun sind wir aber an einem Punkt angekommen, an dem ich SO nicht mehr weitermachen möchte.
Ich bin voll berufstätig, habe meine zwei Kinder, den Haushalt, Termine, zwischendurch seine Kinder und all die verbundenen Verpflichtungen. Mir wird gerade alles zu viel. Ich sehne mich nach meinem ruhigen Leben mit meinen Kindern zurück.
Ich weiß, dass das sehr egoistisch klingt. Viele werden denken, na das hätte ich mir ja vorher überlegen können. Doch all das kann man ja vorher nicht wissen. Wie sich alles entwickelt und ob man mit dieser Lebenssituation zurecht kommt. Ich scheine nicht dafür gemacht zu sein. Das gebe ich zu.

Meine Idee war nun, da ich ihn als Partner ja nicht verlieren möchte, dass wir in getrennte Wohnungen ziehen. Jeder für sich. Mit den eigenen Kindern und finanziell jeder für sich verantwortlich.

Gibt es hier Familien bei denen es geklappt hat?

LG
Sarah

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Klar könnte das klappen, aber wo bleibt ihr dann als Paar?

Ich kann dich voll und ganz verstehen, mir geht es gerade ähnlich. Wir leben aber schon seit fast 9 Jahren in Patchwork, mit seinen und meinen und unserem Kind. Ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, wo ich auch nicht mehr möchte. Ich möchte einfach nur noch meine Ruhe mit meinen Kindern und meinem Mann. Bei uns wäre die Option, dass seine Kinder zu der Mutter gehen, was aber eigentlich nicht wirklich zur Debatte steht. Es ist einfach nur mein Traum.

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Man spinnt sich ja immer etwas zusammen. Toll wäre es, wenn jeder seinen alltäglichen Kram macht, sich zwischendurch dann „verabredet“. Vielleicht belebt es das Ganze wieder. Aber das grundlegend jeder für sich selbst verantwortlich ist.

Es gibt permanent Stress wegen dem Geld, Urlaub, Ferien usw.
Ich fühle mich einfach nur noch müde und ausgelaugt.

Ich weiß nicht wie es weitergehen soll.

Wow. 9 Jahre ist auch eine lange Zeit. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir kein gemeinsames Kind haben. Das würde die Situation noch schwieriger machen.
Wie steht dein Mann zu eurer momentanen Situation?

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Er sieht es langsam ähnlich wie ich. Aber er kann warten, bis die Kinder alle nach einander ihr eigenes Leben aufbauen.
Ich bin einfach auch nur noch müde und ausgelaugt.
Ich möchte auch wieder mehr Paarzeit, was wir eigentlich nie wirklich hatten. Wir werden ja auch nicht jünger.

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Ich habe ein ruhiges live-in Stiefkind und wir haben zwei gemeinsame, viel jüngere, Kinder.

Alles andere hätte ich bestimmt nicht verkraftet.

Was für unterschiedliche Gene, Erziehungsstile und Charaktere da bei euch aufeinander prallen müssen, ganz abgesehen von dem Stress, den fünf Kinder bedeuten, bestimmt gibt es auch Streit zwischen den Kindern etc. Wie soll das denn auch klappen? Ich kenne tatsächlich eine Familie, da klappt das einigermaßen, aber auch nur weil es sich um fünf brave Mädchen (!) handelt, die gemeinschaftlich sehr streng erzogen werden und es ist reichlich Geld da.

Ich würde das nicht wollen, bei aller Liebe nicht. Ich würde noch nicht mal fünf eigene Kinder wollen.

Was sagen denn deine Kinder zu der Situation?

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Da hast du vollkommen recht. All das was du aufgezählt hast prallt auch tatsächlich aufeinander. Es ist schwer, damit umzugehen. Zumal es immer wieder Kleinigkeiten sind, die einen mürbe machen.
Meine Große hält sich aus allem weitgehend raus. Das ist auch wirklich besser. Die „Kleinen“ kommen meist gut miteinander aus. Dennoch gibt es Stress aufgrund von Eifersucht, Neid und Missgunst. Es zehrt an den Nerven.

Meine Kinder sind sehr genügsam und der Kleine sagt, Mama, Hauptsache du bist glücklich.
Ich hätte es mir auch anders gewünscht. Doch SO geht es nicht mehr weiter. Ich habe das Gefühl ich gehe daran kaputt und sehne mich nur nach Ruhe. Ich bin eine wirklich starke Frau. Aber momentan habe ich das Limit erreicht.

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Ich finde, es gehört zum Leben dazu, sich und anderen einzugestehen, dass etwas nicht funktioniert hat.

Ich kann deine Gefühle absolut nachvollziehen.

Ich würde vermutlich wieder getrennte Wohnungen plus den Mann daten plus hin und wieder gemeinsame Familienausflüge etc.machen. Ich persönlich fände das allermeist genug, mit drei (!) "fremden Kindern".

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Wie alt sind die Kinder?

Wie oft sind seine Kinder bei euch?

Was genau stresst dich so?

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Die Kinder sind 10,12 und 14.

Sie sind zwei mal in der Woche da und alle 14 Tage.

Mich stresst das Verhalten, die komplett andere Erziehung, das Verhalten meines Partners in Bezug auf die Probleme die entstehen, der Umgang mit der Ex usw.
Er lässt sich zu viel gefallen. Redet alles schön.

Es sind seine Kinder und es ist gut, dass es sie gibt. Aber in dieser Konstellation fragt man sich irgendwann, ob man sich das antun muss.

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Ich finde es nicht egoistisch, sondern sehr mutig ehrlich zu sich sein und sich einzugestehen, das es nicht funktioniert.
Sprich mit deinem Lebensgefährten, vielleicht sieht er es ähnlich und ihr könnt noch rechtzeitig die Reissleine ziehen. Je länger du wartest, desto schwieriger wird es und ggf. geht dann auch die Beziehung kaputt.

Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft.

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Vielen Dank für deine lieben Worte.

Es ist tatsächlich sehr schwer. Ich habe lange mit mir gehadert. Aber sich auch mal „Schwäche“ einzugestehen ist auch nicht immer falsch. Ich bin immer schon eine sehr starke, eigenständige Frau gewesen. Doch irgendwann kommt man an seine Grenzen. Man sehnt sich einfach nur noch nach Ruhe. Zeit, um wieder Kraft zu finden.

Dazu kommen noch meine eigenen Kinder. Man hat immer das Gefühl sie stehen hinten an. Ich kann nicht so wie ich gerne möchte. Es ist normal, dass man mit einem Partner im Haus anders lebt als mit den Kindern allein. Ich glaube, das schlechte Gewissen plagt mich zudem sehr.

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Wenn ich das Gefühl hätte, dass meine Kinder unter der Situation leiden, würde ich bestimmt auch die Reißleine ziehen, bevor sie so früh wie möglich aus ihrem Zuhause "flüchten".

3 weitere Kinder, Mitten in der Pubertät, sind natürlich eine Hausnummer, es ist verständlich, dass du deine Grenzen erreicht hast.
Ich würde da auch Nägel mit Köpfen machen.

Grüße

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Hallo, auch wenn ich nicht in Deiner Situation bin, kann ich trotzdem sehr gut verstehen, wie es Dir gehen mag.

Manchmal frage ich mich, warum man so sehr darauf erpicht ist, mit jemanden zusammen zu wohnen, nur damit man nicht alleine ist? Ich bin jemand, der nicht gerne auf lange Zeiträume schlechte Situationen ertragen kann und möchte. Mein innerer Frieden ist mir einfach zu wichtig. Das heißt nicht, dass ich kampflos aufgebe, aber ich weiß, wann ich für mich eine Grenze ziehen würde.

Ich persönlich finde die Lösung mit zwei Wohnungen und gemeinsame Verabredungen und Treffen richtig gut. So ist man auch nicht ständigen Streitereien und Unruhen ausgesetzt und die Qualität des Zusammenseins steigert sich auch.

Es hilft einem sicher, wenn man sich auch mal eingesteht, dass einige Dinge einfach nicht funktionieren, so sehr man sich es auch wünscht (in Deinem Fall Patchwork).

Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du den richtigen Weg für dich findest und wieder zu Deinem inneren Frieden gelangst.

Liebe Grüße

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Auch dir vielen Dank für deine lieben Worte.

Du hast es verstanden. All das was du schreibst, ist vollkommen richtig.

Ich bin eine Frau die gut alleine sein kann und auch nicht permanent einen Mann um sich braucht. Dafür stehe ich beruflich und persönlich viel zu sehr auf eigenen Beinen. Da ist es eher der Partner, der klammert.

Das was du schreibst, diese ewige Unruhe und Streitereien zermürben einen völlig. Ich glaube wenn jeder für sich seinen Alltag meistert, bleibt viel mehr „qualitativ“ gute Zeit für den Partner übrig.
Es ist nun mal so. Auch wenn meine Kinder wirklich sehr pflegeleicht und sehr umgänglich sind, fühlt man sich als Mutter permanent unter Druck gesetzt. Streiten sich die Geschwister lauthals, denkt man gleich was der Partner wohl empfindet. Ist er genervt? Wünscht er sich gerade einfach mal Ruhe? Das Finanzielle ist auch oft ein Thema. Ferien, Urlaube usw.
Es kommt eins zum anderen.

Ich finde es mit den getrennten Wohnungen, so lange die Kinder noch nicht aus dem Haus sind, wirklich eine gute Lösung. Denn SO kann man es vielleicht noch schaffen, sich nicht völlig zu verlieren.

Ich wünsche dir auch alles Gute!
LG Sarah

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Hi,
ja, allerdings in etwas anderer Form.
Meine Mutter und ihr Partner leben das Modell, getrennte Wohnsitze, seit nunmehr 40 Jahren. Ich war das „Patch“ meiner Mutter, bei ihm war es seine Mutter. Seit diese nicht mehr lebt, wohnt sie vermehrt bei ihm, hat aber jederzeit die Option sich zurückzuziehen zu können. Ich denke das Arrangement hat sich ergeben, weil beide irgendwie gebunden waren und er halt doch ein Muttersöhnchen. Sie hat das einzig Vernünftige getan, um ihre Nerven zu schonen. Wir alle unter einem Dach, niemals hätte das funktioniert.

vlg tina

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Hallo Tina,
ganz ehrlich? Es klingt echt gut, wie deine Mutter es handhabt. Man muss nicht immer das machen was alle machen oder meinen, wie es sich gehört.
Wenn eure Familie damals damit gut zurecht kam ist es doch perfekt. Alle waren/sind zufrieden.

LG Sarah

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Mein Partner und ich wohnen nicht zusammen (10 Minuten zu fahren) und das kommt auch gar nicht in Frage. So sehen wir uns dann, wenn es beiden passt. Es gibt keine Alltagssorgen und ist nur schön.
Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal sage. Aber so bleibt alles frisch, die Alltagssorgen mit Kindern und Expartnern löst jeder selbst. Das hält Lust und Liebe frisch.

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Das klingt echt gut. Schön, dass es bei euch funktioniert.
So stelle ich mir das auch vor. Es klingt sehr entspannt und sogar ein bisschen aufregend. 😉

LG Sarah

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Ich kenne viele Paare, die - wenn die Kinder aus dem Haus sind - sagen, sie würden es inzwischen eigentlich besser finden, nicht zusammen zu wohnen. Sie lieben ihre Partner, aber auch ihre Freiräume. Und das schon ganz ohne Patchwork.

Wenn ich meinen Mann später kennen gelernt hätte, wäre ich wohl auch nicht mit ihm zusammen gezogen. Ich kam gut klar alleine mit meiner Tochter. Nur wollte er auch selbst Familie haben und wir haben noch ein gemeinsames Kind bekommen.

Ich finde deine Gedanken aber erstmal total legitim.

Sprich mit deinem Partner darüber. Vielleicht findet ihr Wohnungen, die sehr nah zusammen liegen. Vielleicht sogar in einem Haus. So ist man wirtschaftlich getrennt und kann auch sein eigenes Ding machen. Aber man muss auch keine Weltreise machen, wenn man abends doch gern mal zusammen einen Film schauen will.

Es steht doch nirgendwo geschrieben, dass man unbedingt mit seinem Partner zusammen leben muss.

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Hallo,
ich denke, man schafft das nur, wenn der Partner am gleichen Strang zieht.
So bewältigt man schwierige Schwiegermütter und Familienkonstellationen. ✊

könnt ihr, bevor du ausziehst, Hilfe in Anspruch nehmen?
Oft sinds Kleinigkeiten, die einen zermürben.
Das bedeutet, dass man Zeit investiert. Jedoch wäre ein Umzug wohl stressiger.
Mir fällt die Caritas und Profamilia als Anlaufstelle ein.
lg 🍀

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Auch dir vielen Dank für deine Antwort.

Unsere Situation ist leider schon zu verfahren. Wir waren schon bei einer Paarberatung. Das hat auch nicht viel gebracht. Denn das ändert ja all das Drumherum nicht. Wir allein, als Paar, sind ja nicht das Problem.

Aber mit fünf Kindern ist es alles nicht so leicht. Mir fehlt oft die Luft zum atmen und ich finde alles nur noch wahnsinnig anstrengend. Ich weiß, dass auch ich das Problem bin. Dennoch weiß ich wie gut es allein mit meinen Kindern gelaufen ist. Und danach sehne ich mich zurück.