Krankheiten des Partners übernehmen, gibt es das ?

Hallo,

es ist vielleicht eine ungewöhnliche Frage, aber ich glaube, mein Partner hat ein Phänomen, bei dem er aus meiner Sicht Hilfe benötigt.
Wir sind seit 21 Jahren verheiratet und nach einer schweren Krise 2008 heute ein glückliches Paar. Ich bin im Verlauf der Ehe an Rheuma erkrankt und habe auch einige andere gesundheitliche Probleme. Ich stehe dennoch voll im Leben und kümmere mich auch um unseren autistischen Sohn.
Mein Mann kam mit all unseren Problemen nicht gut klar und bekam 2008 die Diagnose einer schweren Depression, Kliniken, Tabletten und eine Affäre seinerseits folgten.
Wir beschreiben beide unsere Ehe heute wieder als sehr gut, wir lieben uns sehr. Dennoch fällt auf, dass mein Mann in den letzten 2 Jahren, eigentlich seit seine Mutter gestorben ist, zunehmend meine Krankheitssymptome übernimmt. Er hat dann Schmerzen an genau den gleichen Gelenken wie ich, nimmt sich dann manchmal einfach meine Hilfsmittel, das habe ich aber schon geklärt, so was geht nicht. Bei ihm wird nie etwas gefunden, dennoch beklagt er Schmerzen und immer genauso wie ich sie habe. Ich habe auch ein entzündetes Daumengelenk seit 2 Wochen, schlag mich so durch damit, brauche aber manchmal kurz Hilfe beim Deckel öffnen oder so. Seit heute nun hat er das auch. Mir ist das absolut suspekt, aber selbst er findet das unheimlich. Er sagt, er will meine Krankheit nicht, aber er bekäme immer mehr Symptome davon.

Er ist aus seiner Sicht, psychisch stabil. Aus meiner Sicht und der unserer Kinder ist er das nicht.

Was nun? Ist das krankhaft?

Leni

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Meine Tante ist auch so ein Fall.
Egal was man hat, sie hat es auch oder hatte es mal und sobald man etwas körperliches erwähnt, hat sie es spätestens am nächsten Tag, aber meistens noch schlimmer.
Sie kann nicht damit umgehen, wenn sie nicht im Mittelpunkt steht, sie muss immer die Aufmerksamkeit haben und nimmt inzwischen das Leid anderer kaum noch wahr.
Bis auf Körperliche Wehwehchen war sie nie schwer krank, bei ihr ist es definitiv die Psyche und wenn bei deinem Mann nichts organisches gefunden wird und er auch schonmal psychisch erkrankt war, dann wird da am Ende wahrscheinlich nur ein Psychologe helfen. Oder besser noch ein Psychiater, da diese ja Mediziner sind und somit nochmal anders auf so Menschen wirken, denn meistens möchte diese ja nicht wahrhaben, dass da zwar eine Krankheit hintetsteckt, aber halt keine organische.

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Ja das gibt es - kennt fast jede Frau - "Du hast einen Schnupfen und dein Partner packt sich mit Männergrippe ims Bett" ;-).

Allerdings ist dies bei deinem Mann - auf jeden Fall darüber hinaus gehend. Möglicherweise stehen unbewußte Ängste - ausgelöst durch den Tod seiner Mutter etc. dahinter. Sprich mit deinem Hausarzt über deine Befürchtungen. Dein Mann erinnert mich an einen Hypochonder. Was auch eine ernsthafte Erkrankung ist , die einer Therpie bedarf.

Allerdings solange dein Mann alles super findet, wirst Du in schwer von einer Therapie überzeugen können.

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Ein Exfreund vom mir. Ich wurde damals wegen Verdacht auf MS untersucht. Das zog sich etwas mit den Untersuchungen, über 2,5 Monate, eine anstrengende Zeit. Er hatte plötzlich genau die gleichen Symptome wie ich! Zumindest sagte er das, er machte mich halb wahnsinnig damit. Er ging schließlich zum Arzt, Untersuchungen folgten...

Wie es ausging? Er hatte nix. Ich hab MS. Und er hat viel schneller Termine (für MRT etc) als ich bekommen. Während es bei mir erst mal auf die Psyche geschoben wurde. Haben uns nach der Sache getrennt.

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Aber wie geh ich damit um ?
Ignorieren? Helfen?
Ich bin ratlos......

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Hmm. Ich würde ihn wohl zum Arzt scheuchen, wenn er da nicht von alleine hingeht. Wie sieht es da bei ihm aus?

Einen echten Rat habe leider ich nicht. Bei meinem Ex wurde ich irgendwann sarkastisch, das war bestimmt nicht besonders einfühlsam, aber ich konnte nicht mehr.

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Ich bin ein absoluter Hypochonder und wenn mir jemand sagt: ich habe xy" dann habe ich auch tagelang den Gedanken: hab ich das jetzt auch? Fühlt sich irgendwie nicht normal an, tut iwie weh etc. Ich Frage dann auch meinen Freund: glaubst du ich hab jetzt xy? Er sagt dann immer ganz klar: Schatz du bist ein Hypochonder aber ansonsten gesund.

Dann geht's wieder.

Aber bei deinem Mann klingt das sehr psychosomatisch, er war ja auch schon wegen Depressionen in Behandlung. Vielleicht kann er wieder stationär behandelt werden?

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Nein, das ist definitiv nicht normal und nicht gesund; er würde mich schlicht wahnsinnig machen und ich würde wohl eine reine Frauenkrankheit bekommen, nur aus Trotz, damit er die nicht auch noch kriegt (aber wer weiß, es gibt ja auch medizinische Wunder #cool)
So, Dampf abgelassen, nun zum Rat. Bedauern und behandeln würde ich ihn ganz sicher nicht, sondern ihn lieb aber bestimmt auffordern, sich dringendst in Behandlung zu begeben, da man das einer Familie kaum zumuten kann.
Ganz große Gefahr! Ihn nimmt keiner mehr ernst, weil man das Theater ja kennt und wenn er wirklich was hat, z.B. einen Herzinfarkt, denkt man sich nur noch " neiiiin nicht schon wieder", dreht sich um und lässt ihn sein. Dann war's das, im schlimmsten Fall.
Du hast genug an der Backe mit Deiner Krankheit und dem Sohn; bei aller Liebe - einen krankhaften Hypochonder pflegen musst Du nicht auch noch.
Ich hab das erlebt bei meiner Mutter. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, es war nur noch neeeervig. Jede in der Familie vorkommende Krankheit bekam sie innerhalb 24 Stunden#schock kein Arzt fand was.
Sprich mit ihm, dass er sich wirklich behandeln lassen muss, wenn er ernstgenommen werden will.
LG Moni

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<< ich würde wohl eine reine Frauenkrankheit bekommen >>

Das will ich auch! Wahrscheinlich ist das für Männer ungefährlich.

Ein 55-jähriger Mann hatte immer wieder Herzattacken. Der Arzt fand keine Ursache dafür. Schliesslich starb der Mann an einer solchen Attacke. Die Familie grübelt jetzt, ob er seinen Tod nur vorgetäuscht hat. Dabei hat er es zu weit übertrieben.

Naja, seine Tochter erzählte mir, dass sie das annimmt.

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Da gibts noch einen:
Im Krankenhaus, die Schwester: "Herr Doktor, Herr Doktor, schnell, der Hypochonder von Zimmer 13 ist verstorben"
Arzt: "Nun übertreibt er aber".
#cool
Ja, die Witze sind böse, aber für eine Familie ist es echt schlimm, das mitzumachen.
LG

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Liebe TE,

dein Mann sollte sich mal durchchecken lassen ärztlich. Das könnte eine körperliche oder sogar psychosomatische Ursache haben. Ist auch kein Wunder, ihr habt ja auch genug Packen zu tragen. Vielleicht solltet ihr eine Familienkur machen. Würde sich als Beispiel
die Klinik "Elstersteinpark"

http://www.haus-elstersteinpark.de/

Dort werden auch autistische Kinder mit aufgenommen.

Wir selber haben auch einen autistischen Sohn. Und glaube mir nach sechszehn Jahren hat man auch allerhand Spuren hinterlassen. Mir tut übrigens auch die Hand weg, ist aber Verschleiß. Dazu Übergewicht (leider habe ich immer Zuwenig Zeit regelmäßig Sport zu machen). Ja, leider kam auch meine Selbstfürsorge zu kurz. Mein Mann hat verstärkt Nackenschmerzen. Es wurde nie etwas gefunden. Und noch mal auf mich zurückkommend, ich habe Bluthochdruck (eingestellt zwar, ist zur Zeit etwas zu hoch). Aber es gibt auch kaum einen körperlichen Grund dafür. Blutbild ist super, Cholesterinwert ist normal., EKG in Ordnung. Eventuell auch psychsomatisch.

Ich will jetzt nicht sagen, das mein Mann dasselbe hat wie ich. Aber die Belastung durch die Betreuung und Pflege unseres Sohnes nimmt uns beide doch sehr mit.

Hat eurer Sohn Pflegegrad?

LG Hinzwife

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Ja er hat einen Pflegegrad und er ist mittlerweile 17 Jahre alt. Es war eine sehr anstrengende Zeit und das ist es auch heute noch, allerdings habe ich das 12 Jahre lang alleine gemacht. Mein Mann konnte keine Bindung zu unserem Sohn aufbauen und sah ihn als Problem, oder vielmehr erkannte er auch überhaupt nicht, dass unser Sohn ein ernstes Problem hat. Jetzt wo er älter ist, mein Mann Antidepressiva nimmt, bauen beide eine Bindung auf. Unser Sohn sagt, er kennt es ja nicht anders mit Papa, für ihn bin ich die Bezugsperson und die die alles klärt und für ihn da ist.
Und auch viele Dinge meiner Gesundheit sind nur so schlimm geworden, weil ich mich nicht mehr um mich selbst kümmern konnte, denn ich war verheiratet, aber dennoch alleinerziehend mit 2 Kindern.
Aber all das ist mein Leben und ich bin daran gewachsen. Ich habe es angenommen und meine Schmerzen sind nicht von Alltagsereignissen abhängig oder von was auch immer.
Bei ihm ist das aber so. Er entwickelt alles mögliche, immer dann, wenn es mir selbst gerade nicht so gut geht oder stressige Zeiten sind. Ich merke, dass er Schwierigkeiten hat, mit Problemen umzugehen, ich glaube, er hat dann wirklich Schmerzen, aber wohl eher psychosomatisch. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten kann. Er denkt immer gleich das er Krebs habe und sobald der Arzt nach wochenlangen Untersuchungen sagt, da ist nichts, hört er auf zu jammern und der Schmerz geht weg. Bis wieder Stress ist oder es mir schlechter geht.....
Was kann man da machen als Ehefrau? Er sieht das alles als völlig normal an und argumentiert damit, dass es legitim sei, zu denken das man Krebs hätte und Angst bekäme und Stress halt Schmerzen auslöst.
Seine Mutter ist im März 2018 mit nur 66 Jahren an Krebs gestorben, in seinem Arm. Ich glaube es hängt auch damit zusammen.

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Puh, schwierig.

Wurde er mal so richtig durchgecheckt oder sagen Ärzte nur, da sei nix.

Bei mir dauert es nun schon einige Monate mit Schmerzen und allem. Ärzte untersuchten NICHTS und behauteten es sei alles nur Einbildung.

Inzwischen weiß ich dass es mit der Schilddrüse zu tun hat, aber Behandlung steht noch aus. Trotzdem gibt es Ärzte, die weiterhin behaupten es sei nur Einbildung.


Psychosomatisch sollte man durchaus ernst nehmen.
Das ist dann eben eine andere Form der Krankheit.

Doof ist es nur, wenn ein Arzt, der in einer psychosomatischen Klinik arbeitet, Patienten sagt: da kann man nichts machen :-[ Psychosomatisch sei Einbildung. So ist es einer Freundin gegangen.
Sie fragte dann frei heraus, was sie dann in der speziellen Klinik solle.

Andere Therapeuten haben ihr dafür sehr geholfen.

Schmerzen sind ein Ausdruck der Seele. Wenn die Seele krank ist und man nicht darauf hört, meldet sich der Körper und schreit "hier, nimm mich ernst".


Sollte organisch wirklich alles in Ordnung sein, würde ich mich zu psychosotmatisch informieren.

mit ignorieren ist es damit nicht getan.
Bestenfalls werden beide Partner mit einbezogen. Behandelt hauptsächlich der Patient! Aber Aufklärung, Tipps für den Partner wie damit umgehen usw. damit man es nicht verstärkt oder in eine falsche Richtung treibt.


Interessant fände ich den Ansatz mit der Frauenkrankheit.
Bekommt er das dann auch, würde ich wirklich in Richtung psychosomatisch denken. Die Psyche reagiert mit körperlichen Symtomen.

Bekommt er das nicht oder hat auch dann Schmerzen, wenn du keine hast oder auch mal abweichende, wäre es schon interessant, ob nicht doch was körperliches dahinter steckt.
Das käme aber auch darauf an, WELCHER Arzt untersucht und was sagt.

Leider habe ich in den letzten Monaten ziemlich viel Mist und unzumutbare Aussagen erlebt. Aber auch Ärzte, die sich wirklich Mühe geben, nach langer (nicht) Suche, gesucht haben und wirklich was gefunden haben. Manche Kollegen glauben es, manche glauben nicht an Blutwerte :-[

Daher sehe ich es zweischneidig.

Wie geht er selbst damit um?

Hat er Leidensdruck würde ich zum Arzt schicken.
Hat er keinen Leidensdruck oder stiehlt dir im Alltag die Show oder versucht so um unangenehme Tätigkeiten herumzukommen, wäre ich so richtig wütend.

Treten die Schmerzen immer nur dann auf, wenn du sie auch hast?
oder auch mal anders?
Hat er auch mal zuerst Schmerzen?

Wenn er wirklich immer nur nach dir Schmerzen hat, würde ich mich als Angehörige an einen Psychologen wenden. Um für mich zu erfahren, wie ich damit umgehen kann. Wo und wie ich Grenzen setzen kann und sollte.