Unterstützen oder Leviten lesen?

Hallo!
Ich weiß aktuell nicht mehr wie ich mit meinem Mann umgehen soll und erhoffe mir die unabhängige Meinung Dritter.

Mal die Hardfacts: Mein Mann und ich sind seit über 10 Jahren ein Paar, wir haben ein 1-jähriges Kind und ein Haus in einer sehr ländlichen Gegend.

Als wir uns kennenlernen waren wir beide noch recht jung. Er hatte einen guten Job. Nach 1,5 Jahren meinte er er möchte studieren. Fand ich super, da ich genau damals auch studiert habe. Nach dem Studium fand er gleich einen tollen Job. Nach 1,5 Jahren war er unzufrieden und hat sich etwas neues gesucht. Dort wieder das gleiche: 1,5 Jahre später wollte er einen neuen Job. Das Spiel hatten zum 4. Mal jeweils nach der Zeitspanne durch als unser Sohn kam. Er meinte dann jetzt keine Wechsel mehr, weil er endlich was gut bezahltes in unserer Nähe (7km) gefunden hatte.

Was soll ich sagen... Jetzt nicht ganz 1,5 Jahre später eröffnet er mir er will wieder was Neues. In einer 70km entfernten Stadt wo er mit Stau 3h täglich auf der Straße wäre. Heute Abend will er darüber reden.

Ich fühle mich vor den Kopf gestoßen und weiß nicht was ich tun soll. Er weiß scheinbar mit Mitte 30 noch immer nicht was er will, sonst würde er nicht ständig von einem guten Job in den nächsten wechseln. Ich möchte dass er glücklich ist, aber ich will nicht alleinerziehend sein unter der Woche und darauf liefe es wohl hinaus, dass er unser Kind gar nicht mehr sieht wochentags... Soll ich ihn wirklich schon wieder unterstützen oder ihm die Leviten lesen? Ich habe Angst ihn in die falsche Richtung zu drängen...

Danke fürs Lesen und für jeden Rat!

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Ich kann nur für mich sprechen: Ich würde ihn wohl fragen, was dieses Spielchen soll. Wenn er einen gut bezahlten Job hat in der Nähe, was soll das dann mit 3 Stunden zu fahren? Weiß er, wieviel Geld da auf der Straße liegenbleibt?
140 km täglich, an 220 Arbeitstagen im Jahr = fast 31000 km im Jahr, die Autoabnutzung ist erheblich. Brauchst Du dann ein eigenes Auto?
Sind allein diese Kosten alle in der hoffentlich spürbaren Gehaltserhöhung mit drin?
Ganz nebenbei machen sich die ständigen Jobwechsel in seinem Lebenslauf auch nicht gut, falls er wirklich irgendwann mal DEN supertollen Job finden würde. Soll lieber mal einige Jahre in einer Firma bleiben. Was ist, wenn er nach der halbjährigen Probezeit nicht genommen wird? Er hat Verantwortung für eine Familie. Ziemlich unausgereiftes Verhalten.
Man muss nicht jeden Floh unterstützen, den ein Mann im Kopf hat, Du hattest schon wirklich viel Verständnis.
LG Moni

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Vielen Dank für deine Worte. Gehalt wäre tatsächlich nicht spürbar mehr. Er ist der bestbezahlte Mitarbeiter in seiner aktuellen Firma. Darum geht's ihm nicht meint er. Den Einwand mit dem Lebenslauf will er nicht hören - er meint bisher hat er ja auch alles bekommen was er wollte. Er findet es genug unser Kind am Wochenende zu sehen sagt er, also auch das Argument zieht nicht. Ich weiß nicht mehr was ich noch sagen soll..

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Dann würde ich ihn wohl wirklich fragen, ob er genug von seiner Familie hat und flüchtet. Wenn er nicht mehr verdient, mutet er der Familie somit auch noch geringere Einkünfte zu - ziemlich rücksichtslos der Knabe.
Dass er "bisher alles hinbekommen hat" klingt mir viel zu großspurig und angeberisch.
Es gab schon mehr so Superclevere, die auch irgendwann auf die Schnauze geflogen sind - oder hat er wirklich einen so seltenen und gesuchten Beruf, dass alle Firmen vor ihm auf den Knien liegen, um ihn zu kriegen?
LG

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Worum geht es ihm bei den Wechseln?

- Selbstverwirklichung
- Flucht
immer wenn es schwierig wird oder langweilig
sind es immer die gleichen Ursachen oder jedes mal andere?

- hat er Probleme?
wenn ja, welche?

- ist es in seiner Branche üblich?
z.B. viele Wechsel = gute langfristige Chancen?

- will er jedes Mal einen kompletten Neuanfang
andere Kollegen, anderes Umfeld, andere Branche, andere Tätigkeiten?

- kann er das, was er sucht, anders kompensieren?
Hobby, Familie

- flieht er vor der Familie, vor der Verantwortung vor Ort zu sein
(er liebt seinen Sohn, kann aber noch nichts mit ihm anfangen und sucht deswegen was anderes

oder aber auch, er wünscht sich Familie, erträgt es aber nicht)

- wie waren seine Eltern? Wurde ihm häufiger Wechsel vorgelebt?

- meint er, er müsste ständig wechseln, weil das heute moderner ist
fühlt er sich abgehängt, wenn er es nicht macht?


Bei so vielen Wechseln würde ich o.g. Fragen stellen.

Ist es seine Art und er BRAUCHT die viele Abwechslung, würde ich versuchen mit ihm einen Kompromis zu finden. Meine Art ist es nicht, aber ich kenne Menschen, die nicht an einem Ort sein können dauerhaft.

Wäre eine Tätigkeit mit Dienstreisen z.B. etwas für ihn? Abwechslung, andere Orte, aber trotzdem gleicher AG, geringer Basisanfahrtsweg.



Stellt er bei o.g. Fragen auf stur
oder will nicht darüber reden
schwärmt stattdessen NUR von den Vorteilen, der Freiheit und den tollen Möglichkeiten vor,
dann wäre ich wütend.

Denn dann käme er mir sehr flüchtend vor. Vor was auch immer. Vermutlich auch vor sich selbst, seiner Angst, seiner Ursache.


Wie hat er bisher mit dir darüber geredet:
Schatz ich habe ein neues Angebot, das nehme ich an, Ist es ok? Aber hat nicht wirklich Raum zur Mitsprache gegeben?
Schwierig.

Hat er mit dir das pro und contra besprochen und hätte auch mal ein Angebot sausen lassen?


Welche Gründe treiben ihn zu dem Wechsel?
Wurde er abgeworben und will die neue Chance nutzen / hat Angst diejnigen mit dem Angebot zu verunsichern? Liebt er es umschwärmt zu werden?

Hat er sich selbst darauf beworben?

Waren es bisher befristete Verträge oder unbefristete?
Bzw. haben die Verträge nach der Probezeit ergeben, dass die Versprechungen vorher verlockender waren als die Realität?


Sind es jedes Mal andere Gründe
- mal die Kollegen
- mal das Gehalt
- mal der Fahrtweg
- mal die Tätigkeiten?

Dann würde ich ihn darum bitten, mir zu erklären, was er BRAUCHT im Job
und ob das realistisch ist.
Tiefen gibt es immer mal wieder. Langfristiges Leiden würde ich Wechsel zustimmen. Ist es aber nur ein Stimmungstief und gerade eine Flaute und deswegen sucht er was Neues, puh, das mag ich gar nicht.

Bei einigen ADHSlern kenne ich es, dass sie wirklich oft hopsen. Neues Aufgabenfeld, immer wieder Abwechslung, am liebsten alles mal ausprobiert haben.... das kann echt anstrengend sein für Außenstehende. Da ich selbst zu solchem Hopping neige, brauche ich für meine innere Ruhe Verlässlichkeit und nicht ständige Wechsel.

In einer Beziehung stelle ich mir das schon belastend vor.
Besonders wenn es einer auslebt und der andere an seine Grenzen kommt.
der eine aber an seine Grenzen kommt, weil es seinem Naturell so ist.


Da fände ich Kompromisse sinnvoll.
Kann er darauf eingehen, prima. Also keine leeren Versprechungen, dass er länger durchhält!
Sondern Kompromisse in Form von: er darf öfter Wechseln, sofern deine Bedürfnisse auch gleichwertig zählen. Z.B. Fahrtzeit/Fahrtweg

Ist er nicht dazu in der Lage darauf einzugehen oder schwärmt nur das Positive vor, dann würde ich aufhorchen und ein klares Statement zum Thema Verantwortung einfordern. Er ist kein Teenager mehr, der jedes Hobby ausprobieren darf, sondern ein Familienvater, der Verantwortung trägt und deine Bedürfnisse als Partner nicht untergraben sollte.

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Ich danke dir für deine Antwort. Tatsächlich nennt er mir immer andere Gründe. Mal sind es zu viele Reisen, dann zu wenige. Mal ist der Weg zu weit, dann will er nicht so lokal arbeiten. Einmal sagt er mir er will weniger Verantwortung, dann wieder mehr. Es sind immer unterschiedliche Branchen an völlig verschiedenen Orten aber ähnliche Tätigkeiten. Ich blicke einfach nicht mehr durch. Seine Mutter arbeitet im selben Betrieb seit sie 19 war, sein Vater auch bis zur Pension in insgesamt zwei Betrieben. An denen kann's nicht liegen. Freunde hat er sehr wenige, Hobby eines das er sehr liebt und viel Zeit investiert. Ich habe das Gefühl er wollte zwar Familie, will aber nicht zurückstecken. Wir haben vor der Geburt darüber geredet, dass wir wollen, dass unser Kind viel von ihm hat im Gegensatz zu vielen anderen Kindern hier am Land deren Väter pendeln müssen. Davon will er jetzt nichts mehr wissen. Auch dass ich bald zurück zur Arbeit muss und dann nicht mehr alles alleine stemmen kann denkt er nicht. Ich fühle mich als wäre ich nicht mit einem Mann verheiratet sondern mit einem Jugendlichen...

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Hm, vielleicht sagst du einfach nicht viel dazu, denn nach 1.5 Jahren wechselt er ja wahrscheinlich eh wieder #schwitz Dann kommt er damit, dass der Arbeitsweg zu anstrengend geworden sei #bla

lg
nizanra

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Also, bis zu einem gewissen Grad ist dieses Job Hopping auch angesehen. Aber nur bis zu einem gewissen Alter und bis zu einer gewissen Anzahl!
Gerade bei der immer wiederkehrenden 1,5 Jahre wäre ich vorsichtig. Irgendwann will ein AG ihn nicht mehr einstellen, weil er eh vermutet dass er nach 1,5 Jahren wieder geht und die Einarbeitung nicht lohnt. Das würde ich ihm auch mal so mitteilen. Er verringert damit bald seinen Marktwert.

Davon ab würde ich es immer verstehen wenn sich jemand nicht mehr wohlfühlt bzw die Arbeit eintönig und langweilig wird, Probleme mit Kollegen hat oder ein wirklich gutes Jobangebot in einer nennenswerten Firma findet womit er sein Marktwert und Gehalt steigert. Irgendwann werden auch die AG mal nachfragen wieso diese häufigen Jobwechsel, da sollten dann auch mal gute Argumente parat haben.

Nun, wie ich lesen konnte hat dein Mann bei seiner jetzigen Arbeit keine Probleme, er steigert nicht mal sein Gehalt, er muss sogar dann weiter fahren als vorher und sieht die Familie weniger was ihn nicht mal stört?! Nein, da brauch man nicht unterstützen! Ich hätte damit auch ein Problem!

Wie ihr das lösen könnt, weiß ich allerdings nicht. Außer einem Gespräch wo du ihm die Nachteile mal auflistet und die Vorteile (gibt ja anscheinend keine?!) fällt mir leider nichts ein.
Wobei sich jeder klardenkende Mensch bei diesem Gespräch wohl besinnen würde 🤷‍♀️

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Ganz einfach:

".........in guten wie in schlechten Zeiten"

Es ist sein Job, er muss entscheiden.

Und wenn ich lese "Leviten lesen", er ist nicht Dein Kind, sondern ein erwachsener Mensch. Arrangiert Euch!

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Und was soll ich bitte sagen?

"Ach Schatz mach du ruhig, ich gehe zwar auch in Kürze wieder arbeiten und hier gibt's keine Kita, aber unser 1-jähriger kommt sicher alleine zurecht und die Katzen sind ja auch noch da um sich um ihn zu kümmern. Oder ich bleibe Zuhause und spinne Gold im den finanziellen Verlust für unsere Kreditrückzahlung auszugleichen."

Ich liebe ihn und verlasse ihn nicht einfach. Hab ich mit keinem Wort geschrieben. Aber in einer Ehe sollten ja wohl beide sich verlassen können dass der andere sich um die Familie kümmert und nicht automatisch die Frau dann alles ausgleichen müssen.

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Früher oder später fliegt einem der ländliche Wohnort mit Kindern sowieso um die Ohren.

Langer Schulweg, Hobbys zu weit weg, für Teenies dann irgendwann der reinste Horror (ich stamme aus einem elenden Kaff).

Du kannst dich nicht auf ihn verlassen und solltest dich unabhängig machen.

Wenn er also den Job wechselt, ziehst du um in die Nähe von Arbeit, Kita, Öffentlichen Verkehrsmitteln usw...

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Ich würde ihm klar antworten, dass das nicht geht. Er muss unter der Woche da sein, du wirst arbeiten und auch er muss seinen Teil der Kinderbetreuung übernehmen. Ich würde ganz naiv fragen, wie ER das organisieren will. Er sei ja schließlich mindestens zweimal die Woche dran mit ins Bett bringen und morgens muss er euer Kind in den Kiga bringen, du musst ja vielleicht auch früh zur Arbeit. Er muss schauen,wie das zu organisieren ist, nicht du.

Außerdem ist das finanziell ein absolutes Minusgeschäft. Er verfährt mehr Sprit, das Auto nutzt sich ab, er verringert seinen Marktwert, weil es langsam nicht mehr gut im Lebenslauf kommt und du kannst ja kaum arbeiten gehen, weil du mit allem alleine da stehst. Wie will er dir diesen finanziellen Verlust ausgleichen? Auch bezüglich deiner Rente!

Dann die emotionale Seite. Euer Kind wird es ihn irgendwann spüren lassen, dass er sich nicht kümmert. Es wird eben doch Väter geben, die mehr da sind als er. Das wandelt sich im Moment. Und da wird euer Kind irgendwann seine Schlüsse ziehen, wenn vielleicht auch erst als Erwachsener, wenn es selbst eine Familie gründet. Es ist deinem Mann wohl nicht klar, dass er seine Familie und sein Kind im Stich lässt.

Wenn er diese egotour weiter fährt, würde ich mir sehr genau überlegen, ob ich das will. Und ich würde ihm sagen, dass ich nicht wüsste, ob ich das verzeihen kann. Im Falle einer Trennung wäre für mich das Wechselmodell anzustreben, damit das Kind zu beiden gleichermaßen eine Beziehung hat. Wie will er das in seiner Woche dann machen?
Ich wünsche Dir viel Kraft. Das ist keine einfache Situation.

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Ich wäre ziemlich sauer.
Allein die Aussage, dass es reicht sein Kind nur am We zu sehen.
Er wird Vater. Es wird höchste Zeit seinen Egoismus zurück zu schrauben. Zumal ihn die neue Stelle finanziell nicht mal weiter bringt und soweit ich lesen konnte nur Nachteile für euch als Familie mit sich bringt.